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Aus Gumbinnens Vergangenheit von 1812-15

Aufzeichnungen des Generalleutnants Robert von Eberstein

Beilage zum Jahresbericht der Realschule zu Gumbinnen aus dem Jahre 1904

Ein Beitrag von Herrn Oberlehrer Dr. Johannes Schneider

Der Verfasser der folgenden Veröffentlichung ist der Generalleutnant Robert von Eberstein. Er wurde am 28. August 1801 zu Stallupöonen als Sohn des damaligen Hauptmanns im Füsilier-Bataillon von Rembow geboren. Nach dem Tode seines Vaters (30. Oktober 1810) siedelte die Mutter nach Gumbinnen über, damit Robert hier das Gymnasium besuche. 1815 kam er in das Kadettenkorps nach Berlin und wurde dann Leutnant im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment. Hierin blieb er bis er zum Kommandeur des Garde-Schützenbataillons ernannt wurde. Als König Friedrich Wilhelm IV. nach den Märztagen 1848 nach Charlottenburg übersiedelte, wurde ihm und seinen Schützen besonders die Sorge für die Sicherheit des königlichen Herrn anvertraut. In dieser schweren Zeit trat er dem König nahe. Später wurde von Eberstein Oberst des 26. Infanterie- Regiments in Magdeburg und in der Eigenschaft als Generalmajor Festungs-Kommandant von Kolberg. 1860 begann er seine reichen Erlebnisse niederzuschreiben. Durch die Güte seines Enkels, des Herrn Landrats Freiherrn von Lüdinghausen, gen. Wolf, bin ich in den Stand gesetzt worden, diese für unsere Stadt, aber auch sonst politisch und kulturgeschichtlich so interessanten Aufzeichnungen über die Jahre 1812-15 zu veröffentlichen. Herrn Landrat Freiherrn von Lüdinghausen sage ich auch an dieser Stelle wärmsten Dank für die Bereitwilligkeit und Liebenswürdigkeit, mit der er mir die Aufzeichnungen seines Grosvaters überlies!

Wie der große, helle, überaus langschweifige Komet von 1811 es dem allgemeinen Volksglauben klar und deutlich prophezeit hatte, dass ein großer, verheerender, blutiger Krieg im Anzuge sei, so traten in den ersten Tagen des Monats Mai 1812 für Gumbinnen die ersten sprechenden und sichtbaren Anzeichen dazu ein. Es rückten mit einem Male französische Chasseurs in Gumbinnen ein, denen nun bald auch andere Truppen folgten, bis dann ein ganzes Armeekorps Gumbinnen passierte und eine halbe Meile davon für einige Zeit ein Lager bezog. Diesem Korps folgten bald andere und es dauerte nicht lange, so häuften sich die Durchmärsche der großen Napoleonischen Armee so, dass man Tag und Nacht in ununterbrochener Folge die Durchzuge aller Waffen, denen auch zahllose Wagen, Munitions-Kolonnen, Ponton-Trains, auch große Herden von Ochsen folgten. Daß Gumbinnen da keinen Tag ohne Einquartierung blieb, ist leicht begreiflich und ebenso das diese nicht nur den Hauswirten, sondern auch den Mietern zufielen. Die erste Einquartierung, welche meine gute Mutter erhielt, war ein französischer Regimentsarzt, dem eine obere Giebelstube als Quartier angewiesen und der seine gepriesene französische Artigkeit damit begann, dass er dem Dienstmädchen, welches ihm unser sogenanntes „feines Brot” präsentierte, dieses mit dem Ausrufe: „pour les cochons” vor die Füße warf und Weizenbrot verlangte. Diesem folgten einige Adjutanten und Generalstabsoffiziere, welche sogar in unserem Familienzimmer eine Art Bureau etablierten.

Einige Tage später kam ein Beamter der Service-Deputation zur Mutter mit dem Antrage, den an einem Fieber erkrankten Sohn des Herzogs von Bassano (Maret) bis zu seiner Wiederherstellung in Quartier und Pflege zu nehmen, wogegen sie von aller sonstigen Einquartierung befreit sein sollte. Die gute Mutter ging willig darauf ein. Als aber Mitte Juni Napoleon selbst mit seiner alten Garde nach Gumbinnen kam, da platzten mit einem Mal 36 Mann mit dicken, roten Epaulettes und den alten Napoleonschen Bärenmützen in unser Häuschen und ließen sich auch nicht abweisen, als ihnen begreiflich gemacht wurde, dass schon der kranke Sohn des Herzogs von Bassano hier im Quartier läge. Sie richteten sich nun in den Ställen, auf dem Hofe und im Gärtchen nach Möglichkeit, allerdings mehr biwakmäßig ein, benutzten nur vorzugsweise unsere Waschkessel und dergleichen Gerätschaften, sowie das Gemüse, dass sie im Garten fanden, sonst aber wurden sie aus dem Magazin verpflegt und zeigten sich im allgemeinen ordnungsmäßig und bescheiden, die Zeit besonders benutzend zu einem gründlichen Putzen und Reinigen aller ihrer Effekten und Montierungsstücke. Napoleon selbst hatte sein Quartier im Hause des Geheimen Staatsrats von Schön unter den Linden1). Da der Sohn desselben, Robert von Schön, mir näher bekannt war, so fand ich auch während der drei Tage, während Napoleon dort logierte, immer leicht Eingang und hatte vollauf Gelegenheit diesen mächtigen Imperator in nächster Nähe zu sehen. Seine nächsten Wachen waren Mamelucken, deren einer in trüber Ahnung, dass ihm auf dem russischen Zuge doch kein Glück blühen werde, sich im nahen Kornfelde2) erschoß, wohin sich Napoleon in aller höchsteigener Person zur Besichtigung der Leiche in meiner Gegenwart begab. Vor der Tür des Schönschen Hauses ist eine Lindenallee, in welcher ich nun den Kaiser öfter, immer die Hände auf dem Rücken, auf- und abgehen sah. Auch erblickte ich ihn einige Male durch das Fenster seiner nach dem Garten gelegenen Parterrestube an einem großen viereckigen, mit Landkarten bedecktem Tische sitzen und mit Offizieren seiner Umgebung sprechen. Ich sah ihn ferner mit einer großen Suite von seinem Quartiere auf einem kleinen Araber (Langschwanz) über die Gumbinner, von Menschen stark bedrängte Pregelbrücke reiten, wo ich ihm so nahe kam, dass ich ihn persönlich berührte; ich sah ihn demnächst seine alte Garde, die en parade vom Insterburger bis Stallupöner Tore aufgestellt war, mustern, wobei ich mich aber nicht erinnere, das gewöhnliche „Vive l'empereur!” gehört zu haben. Ebenso sah ich ihn am Nachmittage des dritten Tages seines Gumbinner Aufenthaltes bei uns in einem großen Reisewagen vorüberfahren.3) Es existierte vom seligen Vater eine Pistole, die sogar noch geladen sein sollte. Als wir das Vorüberfahren Napoleons erwarteten, holte ich diese Pistole rasch herbei mit dem Bemerken, es wäre doch für unsern König gewiß sehr schön, wenn ich Napoleon beim Vorüberfahren tot schösse, worauf die Mutter erwiderte: „Junge, um Gottes willen nicht! Was würden sie dann mit deiner Mutter machen!” Natürlich wurde die Pistole nun wieder bei Seite gelegt und Napoleon fuhr gestreckten Trabes aus Gumbinnen, von wo er eben die Kriegserklärung mit den Worten beginnend: „Der zweite polnische Krieg beginnt, der erste endete bei Friedland und Tilsit” in die Welt geschleudert hatte.4) Die französischen Durchmärsche hörten noch lange nicht auf, sondern währten noch ganze Tage in ununterbrochenen Zügen fort. Bei jedem Regimente die Sappeursektionen, die besonders martialisch erschienen, voran, dagegen fielen aber auch viele kleine schwächliche Leute auf, deren Stiefeletten mitunter wahre Kinderknöchel zeigten. Viele, selbst wenn sie mit Musik vorüber marschierten, traten aus und forderten sich einen Schluck kaltes Wasser, das ihnen auch von unserm Hause aus in einem bereitstehenden Eimer immer bereitwillig gereicht wurde.

Es waren dieses Soldaten aller Nationen, wovon die Franzosen mir durch ihr hübsches Singen, von den Rheinbündlern die Bayern durch ihren auffallenden Dialekt, die Portugiesen durch ihre braunen Montierungen, durch ihre schwarzen, glänzenden Haare, judenhafte Physiognomien u. s. w. auffielen. Die von den Franzosen am häufigsten gehörte Redensart war das „sacre mon dieu!” Die schlimmste Einquartierung waren die Süddeutschen, Bayern und Württemberger, da sie grob, brutal und mit nichts zufrieden waren; die Portugiesen waren die schmuddeligsten und voller Ungeziefer. Das auch Holländer, Italiener, selbst Spanier durch Gumbinnen marschierten, weiß ich aus eigener Erinnerung sehr wohl, besinne mich aber nicht mehr ihrer Eigentümlichkeiten. An einem Sonnabend-Mittag, als ich aus dem Gymnasium kam, marschierte ein Kavallerie- Korps, darunter besonders viel Kurässier-Regimenter bei unserm Hause vorüber, während ich, der ich auf der entgegengesetzten Seite war, nun dicht vor unserm Hause wohl 2-3 Stunden stehen mußte. Die Mutter, die sich ängstigte, ich würde mich wo etwa durchzudrängen suchen, lobte mich nachher meines geduldigen Ausharrens wegen.5) Als endlich die Durchmärsche allmählich aufhörten, folgten nun eine Menge von Wagenkolonnen mit Lebensmitteln und Bagagestücken. Diese Wagen und Gespanne waren meist aus der fruchtbaren Weichselniederung mitgenommen und wurden von den Franzosen bis mehrere Märsche jenseits der russischen Grenze mitgeschleppt. Da nun schon manche Kavallerie- und Artilleriepferde gefallen waren, so wurden sie als Ersatz für diese genommen, nachdem die Lebensmittel, die sie dorthin gebracht hatten, verzehrt waren. Die Kutscher und Knechte erhielten nun Erlaubnis, ohne Wagen und Gespanne sich den Rückweg ?zu suchen. In ganzen Massen kamen solche ausgehungerte Leute auf ihrer Tour nach der Heimat bettelnd durch Gumbinnen und ich entsinne mich, wie die Mutter ihnen eines lieben Tages (im August 1812) einen ganzen „Waschkessel voll Roggenmehlsuppe vorsetzen ließ auf unserm Hofe.

Die Hundstagsferien 1812 brachte ich in Mehlauken, einem großen Justizamte zwischen Labiau und Tilsit unweit des bekannten Baumwaldes zu, bei den Eltern meines Schulfreundes, des Sekundaners Eduard Gesevius, dessen Vater Justizrat in Mehlauken war. Hier hatte ich mancherlei Vergnügen, worunter ich besonders zähle, dass ich hier diejenigen Korps der Napoleonschen Armee, welche nicht über Gumbinnen gekommen waren, durchmarschieren sah. Es waren dieses nicht nur einzelne Abteilungen des preußischen Hilfskorps, nachdem das eigentliche Yorksche Korps einige Tage vor meiner Ankunft durch M. nach Tilsit gerückt war, sondern auch einige Regimenter des Marschalls Macdonald und das ganze Victorsche Korps. Ein französischer Divisions-Kommandeur, der im Gieseviusschen Hause Quartier und Ruhetag hatte, war um so weniger mit der ihm gewordenen Aufnahme zufrieden, als auch seine Bewerbungen um die Gunst der ganz hübschen Haushälterin schnöde zurückgewiesen wurden. Als Rache dafür ordnete er an, das für die nächsten beiden Tage die Sappeursektionen seiner Division hier einquartiert werden sollten mit der Erlaubnis, wie in Feindes Land hausen zu dürfen. Die Frau Justizrätin war in Verzweifelung, der Herr Gemahl suchte als Jurist das Unrechtmäßige ihrer Forderungen und ihres Benehmens zu beweisen, aber es half nichts, die Speisekammer, wie die Obstbäume wurden geleert, manches Gerät zertrümmert und selbst die Stube der Frau Justizrätin mit Tabaksqualm gefüllt und vielfach verunreinigt. Ein vom Yorkschen Korps als krank zurückgebliebener Soldat war nun meine Hauptunterhaltung, mit ihm zusammen schimpfte ich über die Arroganz und Brutalitat der Franzosen und wir beide wünschten, dass sie in Rußland alle der Teufel holen möchte.

Als ich nach Gumbinnen zurückkehrte, hatten die Durchmärsche ihr Ende erreicht und ich konnte nun sagen, dass ich mit Ausnahme des Reynierschen und Schwarzenbergischen rechten Flügelkorps, welches in Wolhynien eingerückt war, wohl ziemlich die ganze halbe Million Napoleonischer Truppen auf ihrem Zuge nach Rußland gesehen hatte. Eine unerhoffte Freude wurde uns nur noch im Monat September, in einem kleinen Nachtrupp, den Leutnant Watzl, einer der uns liebsten Offiziere von Vaters altem Bataillon, mit 40 Füsilieren durch Gumbinnen kommen zu sehen. Derselbe brachte diese Mannschaften, die bisher abkommandiert gewesen waren, noch zu einem Bataillon nach Kurland nach, besuchte uns und war uns ein sehr lieber Abendgast. Er starb gerade ein Jahr nach diesem Besuch infolge einer tötlichen Verwundung in den Unterleib bei Bischofswerda6) im September 1813.

Zu Michaelis 1812 wechselten wir wieder unsere Wohnung und bezogen nun in der Neustadt, in der Darkehmerstraße dicht neben dem Gymnasio die obere Etage (nach dem jetzigen Ausdruck: Beletage) bei einem dicken Salzburgischen Bierbrauer (Mälzenbräuer) Kapeller7), wo wir nun ein ziemlich geräumiges Quartier hatten. dass dieser Herbst sehr frühzeitig winterlich kalt wurde, ist bekannt und so war auch bereits am 9. November eine vor dem Goldapertore gelegene, überschwemmte große Wiese mit dem schönsten Eise überdeckt, sodaß ich an diesem Tage, gleich nach den Nachmittagsstunden, mit Robert von Schön und seinem Hauslehrer dorthin zum Schlittschuhlaufen ging. Wir amüsierten uns bei unserm Schlittschuhlaufen auf dem spiegelglatten Eise ganz köstlich und konnten garnicht genug bekommen. Als wir etwa gegen 7 Uhr nach dem Schönschen Hause zurückkamen, fanden wir die ersten sicheren Nachrichten, dass die Franzosen sich schon auf einer schmachvollen Retirade von Moskau her befanden. Nur wenige Tage vergingen, so verwandelten sich die schon seit einiger Zeit häufig aus Rußland durcheilenden Kuriere und Extraposten in gewöhnliche Reiseschlitten, besessen mit starkbepelzten französischen Offizieren und höheren Beamten und diese dann auch in einzelne Reiter und Fußgänger. Wieder einige Tage später sah man ganze Massen von Schlitten mit Kranken ankommen, die in dem Magazine, welches zu einem drei Etagen hohen großen Lazarette umgewandelt wurde, Platz fanden.8)

In der zweiten Hälfte des Novembermonats fingen auch die großen Durchzüge an in einem pele-mele von Offizieren und Gemeinen, von Infanteristen, Kavalleristen und Artilleristen, alle zu Fuß oder in gemieteten Bauernschlitten, alle ohne Waffen, alle phantastisch eingehüllt, halb in Montierungs- halb in Weiberstücken bis denn auch diese Bilder noch nicht krass und traurig genug waren und allmählich in wahre Schreckensund Jammergestalten übergingen, die oft auf den Straßen kraftlos, ja tot hinsanken. Unserem Hause beinahe gerade über war das Rathaus mit seiner Einquartierungs-Kommission. Dorthin wälzte sich alles, was (so zu sagen) nur noch kriechen konnte und verlangte Quartiere. Die meisten wurden wegen Üeberfüllung zuruckgewiesen und suchten nun, wenn sie noch Geld hatten, was mitunter in hohem Grade der Fall war, sich einen der bereit stehenden Bauernschlitten zu mieten, um mit diesem nach Insterburg zu fahren. Die auf dem Hinmarsche nach Rußland von den Franzosen so hart gequälten und ausgesogenen Bauern dürsteten nach Rache, ließen sich ein hohes Fuhrlohn pränumerando bezahlen, fuhren 1/4 Meile vors Tor in sausendem Galopp, warfen ihre Passagiere in den nächsten Graben ab und eilten nach Hause.

Der Landstallmeister von Below war auf die erste Nachricht von der Retirade der Napoleonischen Armee mit allen seinen edlen Gestütspferden nach Schlesien gegangen, weil es wohl mit Recht zu befürchten stand, die Franzosen würden in ihrer Pferdenot sonst zugreifen und alle schönen, edlen, königlichen Pferde sich zu eigen machen. Die Familie war in Trakehnen zurückgeblieben.

Als sich diese Familie nun unter dem Drange der traurigen, verwickelten, gefahrdrohenden Zeitverhältnisse in Trakehnen nicht mehr sicher glaubte, nachdem sie auch dort von den ungeordneten Scharen französischer Rückzügler in aller Weise heimgesucht und jeden Augenblick neue Zusammenstoße mit den scharf verfolgenden Kosaken neben Plünderungen und Mordbrennereien fürchteten, hatte die Landstallmeisterin an die Mutter geschrieben, ob sie ihr in Gumbinnen nicht als Zufluchtsstätte ein Quartier besorgen könne. Ehe die Mutter noch recht antworten konnte, erschienen eines lieben Mittags Belows in drei Schlitten und Gepäck vor unserer Türe. Unsere Mama hörte kaum, das eine eben angefachte Mordbrennerei sie so urplötzlich von Trakehnen verscheucht, als sie auch augenblicklich alles so ordnete, um die ganze Familie bei uns aufzunehmen und einzuschichten.

Als ich nun eines Nachmittags ins Gymnasium gehen wollte, fand ich die Eingangstüre mit französischen Posten besetzt, die mir, wie meinen Mitschülern den Eingang wehrten, da die französische Behorde bei der Krankenüberfullung des Magazins nun auch das Gymnasium zum Lazarett nehmen wollte. Unsere Behörde aber, an der Spitze der in Uniform anwesende Geh. Staatsrat von Schön, waren entschieden dagegen und auch wir Gymnasiasten, wenngleich recht froh dadurch einige Schultage zu verlieren, schimpften arg auf die Franzosen, wie sie sich so etwas herausnehmen konnten. Das Ende vom Liede war, dass wir nur die Stunde von 2-3 Uhr verloren und um 3 Uhr unseren Unterricht wieder beginnen konnten, wogegen den Franzosen die neustädtische (reformierte) Kirche als neues Lazarett eingeräumt wurde. Mit einem ungemeinen Degout, mit einem wahren Vorgefühl des Todes sahen sich die armen Kranken nun nach dieser kalten, nur mit den spärlichsten Lazarett-Utensilien versehenen Kirche geschleppt, wo auch sehr viele starben und wohl kaum einige wenige genasen. Aber auch von den im Magazin befindlichen Kranken, für die 400 Lagerstätten eingerichtet waren, fanden bei weitem die meisten den Tod, deren Stellen dann immer sogleich von neuen Ruckzüglern eingenommen wurden.

Einen einzigen Tag - ich glaube es war der 15. Dezember - sah man unter der nicht enden wollenden Zahl der einzelnen durcheinander wogenden, waffenlosen, mit allerlei Pelzen, elenden Lappen oder phantastischen Weiberröcken behangenen Franzosen einen ganz kleinen Trupp wirklich bewaffneter Soldaten von echt militärischem Ansehen in Militarmänteln und Bärenmützen, unter diesen auch mehrere Offiziere zu Pferde, andere zu Schlitten. Es war dieses die alte Garde und das Hauptquartier der großen Armee mit dem Könige von Neapel und verschiedenen der angesehendsten Marschälle. Als auch die Gumbinnen passiert und von der Behörde eine größere Zahl Vorspannschlitten aus den Dorfschaften requiriert, bereitstanden, fernere Rückzügler zum Weitertransport nach Insterburg aufzunehmen, schrie mit einem Male ein pfiffiger, verschmitzter Bauer: „Die Kosaken kommen!” worauf die Franzosen alle eiligst in die Häuser flüchteten, die Bauern aber alle Reisaus nach ihren Heimatsdärfern nahmen. Aehnliche Szenen wiederholten sich nun täglich.

Die Teuerung war inzwischen aufs höchste gestiegen. So entsinne ich mich, das sich Höker für 1/4 Gänsebraten 5 Franks zahlen ließen. Wer von den armen Kerlen kein Geld hatte, mußte oft hungern. So ist es mir unvergessen geblieben, dass auch bei uns eine größere Anzahl bedauernswürdiger Gestalten um etwas warmes Essen in schwer verständlicher Sprache bettelten. Frau von Below, die italienisch sprach, erkannte sie als Italiener und ließ sie nun in Küche und Vorflur mit Speise und Trank erquicken. Bald nach dem Durchzuge des französischen Hauptquartiers bekam Frau v. Below durch einen Grafen von Lehndorff, der mit den Conjuncturen immer sehr gut bekannt war, eines Abends ein Billet, worin dieser ihr ganz geheim kundtat, dass man Nachricht erhalten habe, die Russen seien bereits ganz in der Nähe und nun wollten die Franzosen in nächster Nacht Gumbinnen anstecken; er würde ihr in einigen Stunden einige Schlitten zur Flucht schicken, wozu sie sich und ihre Familie inzwischen vorbereiten möge. Diese Nachricht erregte natürlich bei uns große Sensation und sofort waren alle Hände beschäftigt, dass Wertvollste und Unentbehrlichste zur Rettung und Mitnahme zusammenzupacken. Hiermit noch beschäftigt, kommt (es war beinahe 10 Uhr abends) ein zweites Billet vom Grafen Lehndorff mit der Nachricht, es sei den Bemühungen des Geh. Staatsrats von Schön gelungen, den französischen Kommandierenden von dem Brandplane abzubringen und wir konnten jetzt ohne Besorgnis zu unserer gewöhnlichen Nachtruhe gehen.9) In Lesgewangminnen10) - wohin sich R. v. Eberstein um die Weihnachtszeit auf Besuch zu seinem Schwager Geyer begab - sah man nur sporadische Franzosendurchzüge, doch erlebte ich während meines zweitägigen Daseins eine Szene, die mir unvergeßlich geblieben ist. Das Häuschen, in welchem Geyers wohnten, lag dicht an der Landstraße. Obgleich nur einstöckig und mit Stroh gedeckt, trug es doch ein anmutiges und anständiges Gepräge an sich, was wohl die Ursache sein mochte, dass unerwartet ein Bauernschlitten vor der Tür hielt, aus welchem sich mit Mühe eine hohe, phantastisch vermummte Gestalt erhob, ein Mann, der auf Französisch um Einlaß bat. Dann trat er in die Wohnstube, sah sich in dem Spiegel und stürzte rücklings hin. Es wurde ihm beigesprungen; man half ihm auf und brachte ihn in ein anderes Zimmer, wo ihm verschiedene Bequemlichkeiten geboten wurden. Nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, entnahmen wir, dass er ein französischer General sei, der bei dem Übergang über die Beresina aus dem pele-mele heraus zu kommen gesucht, nachdem er alles verloren geglaubt hatte; dass ferner sein Diener unterwegs erfroren liegen geblieben sei und dass er seit dieser Zeit kaum einmal in ein warmes Zimmer gekommen sei, noch weniger aber einen Spiegel gesehen habe. Deshalb fiel er denn auch über den Anblick seiner hohlen Augen, seines elenden, verwilderten Aussehens mit dem langen Barte und seiner weiberhaften Vermummung in eine Art Ohnmacht. Allmählich entströmten ihm Tränen, die sich in Verwünschungen gegen Napoleon Luft machten. Nach einiger Erholung wurde ihm ein anderer Bauernschlitten besorgt, der ihn für einen Napoleonsdor nach Insterburg bringen sollte.

Wenn auch die Scharen der Rückzügler nach dem 20. Dezember bedeutend abnahmen, so waren doch die, welche nun noch durch Gumbinnen kamen, auch die traurigsten und bejammernswertesten, da sie infolge ihrer aufgebrochenen, stinkenden Frostbeulen sich kaum fortbewegen konnten, auf den Straßen und allen Fluren umhersaßen und die Luft verpesteten, die, Gottlob, an und für sich damals immer kalt, frisch und rein war. So kam das Weihnachtsfest heran. Am Morgen des 25. Dezember gegen 8 Uhr saß ich mit meinem Weihnachtsfrühstuck am Fenster, als ich mit einem Mal 2 Kosaken mit eingelegten Lanzen und verhängten Zügeln bei unsern Häusern vorbei durch die Darkehmerstraße saußen sah. Ich verkündete diese Botschaft der ganzen Familie und eilte auf die Straße, die bereits von Franzosen gänzlich verlassen, nur noch einige andere Kosaken in weniger lebhaftem Tempo zeigte. Unser Hauswirt, bewaffnet mit einer tüchtigen Schnapsflasche aus einem großen Branntweinschranke, trat auch vor die Tür, hielt diese Lockspeise den Kosaken hin, die auch sehr bald dem erwärmenden Getränke gut zusprachen. Um mich weiter zu orientieren, holte ich mir nur meine Mütze, rief der Mutter auf die Mahnung, mich nur keiner Gefahr auszusetzen, zu: „O, die Kosaken tun mir nichts!” und eilte auf den Markt. Hier sah man verschiedene Kosakentrupps abgesessen halten, einzelne auch mit eingelegten Lanzen die Insterburgerstraße durchfegen und sie von allen Franzosen säubern; auch hörte ich, dass ein andrer Trupp gefragt, wo der Weg nach Paris gehe, und nun bereits den Weg nach Insterburg eingeschlagen hätte.

Das in Gumbinnen irgend ein Franzose von den Kosaken totgestochen oder totgeschossen, glaube ich nicht. Die Franzosenherrschaft hörte aber mit diesem Morgen von selbst auf; die wenigen, welche nicht als Kranke in die Lazarette kamen, wurden als Gefangene nach Sibirien transportiert.

Von den Lazarettkranken aber sind wohl, wie schon oben angedeutet, nicht gar viele genesen. Als Augenzeuge habe ich in dieser Beziehung Folgendes zu berichten. Dicht neben dem großen Lazarette, dem Magazine, wohnte in einem sehr schönen Hause der Geheime Rat von Kozierowski.11) In dieser Familie war ich täglich Gast und sah, wie aus der oben offenen Totenkammer jeden Mittwoch und Sonnabend Nachmittag in einen großen, schwarzen Schlittenkasten, der mit zwei Pferden bespannt war, sechs nackte, steifgefrorene Franzosenleichen getragen und dann in eine große Grube vor das Tor gefahren wurden. Sobald diese sechs Leichen abgeworfen waren, kam der schwarze Kasten möglichst rasch zuruck, um eine neue Ladung von sechs gleich nackten, steif gefrorene Leichen zu holen. Es wiederholte sich diese Prozedur gewöhnlich jeden Mittwoch und Sonnabend sechsmal. Sollte die sechste Fuhre aus der Totenkammer nicht mehr vollständig zu liefern gewesen sein, so wurde noch rasch in den Krankensälen nachgesehen, ob von da der 36. Tote nicht zu holen sei. So kam es denn, daß, wie der Totengräber selbt erzählt, einer der Nachgeholten sich in der Grube, in welche er eben hineingeworfen war, mit dem händeringenden Rufe: „Oh, mon dieu!” wieder erhoben hatte, wogegen sie aber nur rasch möglichst viel Erde auf ihn geworfen hätten.12) So endete das Jahr 1812. Es folgt jetzt aus meiner Sphäre die Beschreibung der Jahre 1813-15.

Kaum war die eigentliche Franzosenzeit in Gumbinnen vorüber, so folgte zunächst eine noch traurigere - die nämlich einer Nervenfieberepidemie, veranlaßt durch das verpestete Miasma, was die Franzosen aus Rußland mitgebracht oder was von dorther wehte infolge der Tausende unbeerdigter Menschenleichen und Pferdekadaver. Nachdem die Franzosen auch Königsberg verlassen und über die Weichsel zurückgegangen waren, nachdem die Russen sich als unsere Freunde und Bundesgenossen bestimmt ausgesprochen, und nunmehr Schlesien drohte, Kriegsschauplatz zu werden, kam der Landstallmeister von Below mit dem Gestüte wieder nach Trakehnen zurück, worin seine Familie sich nun beeilte, ihm von Gumbinnen her noch zuvorzukommen.

Außer den zu Weihnachten erschienenen Kosaken sah ich fürs erste noch nicht viel Russen, dagegen ergötzte es mich die aus Kurland zurückkehrenden litauischen Dragoner zu sehen, welche auf ihren schönen Pferden und in ihren vollständigen Mänteln, - darunter sämtlich Schafpelze und hierunter wieder ihre Litewken - mit vollsten roten Backen vortrefflich aussahen; sowie auch die ersten Leibhusaren mit dem Totenkopfe vor der Stirne unter dem Gesange: „Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in das kühle Grab” mich mächtig interessierten.

Daß es nun mit den Russen gegen die Franzosen gehen mußte, stand in eines jeden Litauers Brust so fest geschrieben, dass das, was York in Tauroggen getan als ganz selbstverständlich und als garnichts Besonderes angesehen wurde. Die Vergeltungsstunde schlug zu laut und vernehmlich in eines jeden Brust und nicht allein aus Franzosenhaß und persönlichem Rachegefühl, sondern wohl vorzugsweise, um unserm königlichen Herrn das wieder zu verschaffen, was ihm unter so vielen Trübsalen, unter Schmach und Spott, zum Teil sogar ganz perfide geraubt war. Es war also der echteste Patriotismus und wahrer Preußenstolz, der sich nach der unbeschränkten, mächtigen väterlichen Regierung seines Königs sehnte, der jetzt ohne alle Anregung laut wurde, der sich zu jedem Opfer erbot, der mit Freuden im Befreiungskriege mitfechten wollte. Dabei sprach es sich auch bald aus, dass der Ostpreuße und Litauer gar keine besondere Vorliebe für die Russen habe, dass diese uns rein nur als Verbündete willkommen seien, wir aber in keiner Hinsicht geneigt seien, sie irgend als Herren, die uns zu befehlen oder zu leiten oder von uns zu fordern hätten, anzusehen. Das sprechende Organ dieser gegen russische Überhebung ankämpfenden Gesinnung war Schön, und wenn ich auch später nicht immer mit ihm harmonieren konnte, so mus ich ihm dieses Loblied doch singen.

Als nun der Aufruf vom 3. Februar und die Proklamation des Königs vom 17. März erschienen, da wurde rasch an jede Mütze die preußische Kokarde geheftet und von allen Seiten hörte man den freudigen Ausspruch: Ich gehe auch mit!

In unserem Gymnasium fand zu Ostern Abgang von Abiturienten, verbunden mit einer besonderen, patriotischen Feier, Klassenversetzung u.s.w. statt. Der mit dem Abiturientenzeugnis versehene Primaner Wichgraf, bereits in der Uniform als Landwehr offizier, ein sehr hübscher junger Mann, hielt eine ergreifende Abschiedsrede. Ebenso wurde der Primaner Dahmer sogleich Landwehroffizier und verschiedene andere Primaner und Secundaner freiwillige Jäger. Ich hatte das Glück, jetzt 11 3/ 4 Jahre alt, Obertertianer zu werden.

Das Wittgensteinsche Korps der russischen Armee war das erste, welches nach den Weihnachts-Kosaken durch Gumbinnen kam. Diesem folgten aber auch verschiedene andere Korps, unter diesen Kosaken in Menge, Baschkiren und Kalmucken aus dem tiefen Asien in fremdartigen Kostümen, zum Teil noch mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Kalmucken mit ihren überaus kleinen Augen hatten sehr was Zutrauliches und Gemütliches, besonders gegen Kinder und das Eigentümliche und Nationelle bei ihnen und den Baschkiren war so stark ausgeprägt und hervorragend, dass einer genau so wie der andere aussah und es sehr schwer wurde, individuelle Unterscheidungen zu finden.

Als die Hauptströme der russischen Durchmärsche aufhörten, zeigten sich nun in Gumbinnen andere, noch nie gesehene Militär-Körper. Es war dies die neu organisierte Landwehr, wobei die uns bekannten Hauptleute von Kannacher und von Hasenkamp recht tätig waren und wobei auch der Hauptmann Hans von Zaborowski, - der bis dahin bei der Gendarmerie gestanden, nachdem er früher beim Schillschen Korps gewesen und dafür auf der Feste Friedrichsburg in Königsberg gesessen hatte - später eine Kompanie erhielt. Es war dies aber auch der Landsturm, den der alte Major St. Jobrecht aus Preußens alter pedantischen Schule, organisierte, was nun zu manchen possierlichen Szenen, aber auch zu manchem wahrhaft zweckmäßigen und wirklich militärischem Resultate führte. Ober-Regierungsräte und Rektoren standen mit Piken bewaffnet neben Bedienten und erwachsenen Schülern und nur diejenigen, welche bereits mit Schießwaffen vertraut waren, bildeten mit Flinten und Büchsen bewaffnet eigne Schützenkompanien.

Zu jener Zeit erschien auch in Gumbinnen die Heckertsche Schauspielergesellschaft, die ihr Theater in der großen Remise13) des Wagenfabrikanten Schimmelpfennig aufschlug. Ich weiß nicht mehr, welchem glücklichen Umstande ich es zu danken hatte, dass ich gleich der ersten Vorstellung beiwohnen durfte. Diese ergötzte mich in so hohem Grade, daß ich Tag und Nacht nur Theatergedanken hatte, dass mir die gesehenen Szenen fortwährend, im Wachen wie im Träumen vorschwebten. Dabei ging mein Sinnen unaufhörlich dahin, wie das nicht unbedeutende Entree von einem Achtzehner (6Sgr. = 72 Pf.) für die nächste Vorstellung zu erschwingen sei. Die Zettelträger, der von Straße zu Straße gerannt, um „allen zu machen die Theatralia bekannt und jeden besonders zu invitieren, sich im Theater zu amusieren” kam jedesmal auch zu uns und ich verschlang fast den Theaterzettel, der jedesmal mit den Worten begann: Von der hier anwesenden, von Sr. Majestät dem Könige allergnädigst privilegierten Heckert'schen Schauspielergesellschaft wird heute aufgeführt u.s.w. Wenn ich nun Herrn Ladey und Madame Ropke, die ich besonders in mein Herz geschlossen, wieder für die Hauptrolle verzeichnet fand, dann stieg meine Theaterpassion zur höchsten Exstase und ich begab mich wenigstens vor das Theater, um zu sehen, wer hineinging, ob es recht voll werde, um einzelne Klänge der Musik zu hören und um beim Schluß zu erfahren, ob alles recht schön gewesen sei.

Wenn russische Einquartierung in unserm Städtchen war, wurde gewöhnlich. Der „Kalif von Bagdad” gegeben, weil es hieß, die Russen sähen dieses Stück besonders gern. Für mich hatte sich auch einmal wieder eine Geldquelle geöffnet und ich saß als wirklicher Zuschauer auf meinem Platze, als mitten in der Vorstellung hinter der Szene die Primadonna von einem russischen Offizier unter Liebesanträgen festgehalten wurde, während ihre Rolle sie bereits auf die Bühne gerufen hatte. Diese Störung, sowie einige andere Ungezogenheiten und Eingriffe gegen Sitte und Ordnung seitens der russischen Offiziere brachte das ganze Publikum gegen sie im hohen Grade auf; die Offiziere, die sich erlaubt hatten, gegen alle Erlaubnis hinter die Kulissen zu gehen, wurden dort mit Gewalt entfernt und ebenso einige angetrunkene Offiziere, welche weitere Störungen veranlassten, zum Verlassen des Theaters genötigt. Nun folgte für Gumbinnen die unruhigste Nacht, in welcher, wie bei Feuersgefahr alle Bürger Ordre erhielten, Lichter an die Fenster zu stellen. Die Bürger klagten bei ihrer Polizeibehörde und beim Geh. Staatsrat v. Schön, die Offiziere bei ihrem General. Beide nahmen Partei für ihre Kläger und des Morgens war es soweit gekommen, dass auf der einen Seite des Marktes der gesamte Landsturm, auf der andern zwei russische Bataillone feindlich gegen einander aufmarschiert standen. Hiermit aber hatte die Disharmonie mit den Russen ihren Höhepunkt erreicht, es folgten jetzt Vermittlungs- und Versöhnungsschritte.

Zu den Eigentümlichkeiten jener Zeit gehörte auch die Aufnahme aller bedeutenden Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Wirklich traurige und niederdrückende Nachrichten von dorther gab es garnicht. Man war so siegesgewiss, so gottvertrauend, so von der Bravour unserer Truppen überzeugt, dass man nur immer auf neue Siege harrte, momentane Rückzüge und Verluste aber mehr nur als scheinbar, zum Zwecke von Konzentrierungen ausgeführt ansah. Den wirklich trübsten Eindruck machte die Nachricht von dem abgeschlossenen Waffenstillstand14), den man nur deshalb später gut hieß, weil er den langsamen Östreichern Zeit gab, eine Allianz mit uns zu schließen. Die Schlachten bei Lützen und bei Bautzen wurden als Siege gefeiert, sowie vorher schon der erste kriegerische Zusammenstoß mit Franzosen bei Lüneburg15) ungemein freudig begrüßt ward. Infolge des Gefechtes von Haynau16) wurde Blücher den Reitergeneralen Seidlitz und Zieten für völlig ebenbürtig erklärt. Noch lauter aber schallte sein Lob nach der Schlacht, an der Katzbach, sowie das von Bülow für die Siege von Groß Beeren und Dennewitz. Gleich ehrenwert erschien aber auch der eiserne York. Die Schlacht von Leipzig setzte allem die Krone auf, wo auch Blücher nebst Gneisenau, York und Bülow das Hauptverdienst zugesprochen wurde. Von den Dresdener Unglücksfallen wusste man nichts Weiteres, als das sich dort eine östreichische Division hatte gefangen nehmen lassen, wogegen das Hauptverdienst unseres Glückes und Sieges bei Kulm der allerhöchsten Person unseres Königs zugesprochen wurde.

Sobald ein Extrablatt zur Verkündigung eine dieser Siegesnachrichten in Gumbinnen erschienen war, wurde dasselbe unter Vorreiten von vier bis acht blasenden Postillonen durch den uniformierten Postkommissarius auf den Straßen öffentlich verlesen, darauf folgte das Glockenläuten, die Kirchen wurden geöffnet, alles strömte hinein, die Prediger verlasen nochmals das Extrablatt vom Altar und schlossen mit einem Schlachtendankgebet. Des Abends war die Stadt erleuchtet und Frauen und Mädchen eilten in ihre Vereine, um dort an großen aufgeschlagenen Tischen Charpie17) für die Verwundeten zu zupfen, Bandagen zu nähen und wollene Strümpfe für sie zu stricken. In dem großen Böttcherschen Saale18) war auch ich beim Charpiezupfen ein eifriges Mitglied.

Zur Zeit der Hundstagsferien, im Juli 1814, bekam Schwester Christel,19) deren Börse von der holländischen Feste Lommel20) her, wo ihr Mann damals Kommandant war, sich neu gefüllt hatte, Reiselust nach Königsberg, die um so stärker aufloderte, als sich in Madame Kaspary, einer jungen Kaufmannswitwe, eine Gefährtin auf gemeinschaftliche Kosten fand. Die Ernte war noch nicht an der Zeit und so erbot sich ein alter, siebzigjähriger Bauer aus der Nachbarschaft für den Preis von zehn Talern die beiden Damen nach Königsberg hin und von dort zurückzubringen. Zum ritterlichen Schutze wurde ich erkoren und die Fahrt ging nun in einem Bauernwagen, in welchem Strohsäcke mit Decken überlegt, die Sitze bildeten, davor vier kleine litauische Pferde lang gespannt, regiert von dem auf dem Sattel sitzenden langen, hageren siebzigjährigen Bauer, ganz fröhlich von statten. Wir waren sehr früh ausgefahren, hatten in Georgenburg bei Insterburg zum ersten mal gefüttert und nun ging's nach einem frugalen, größtenteils der eigenen Lischke entnommenen Mittagessen harmlos weiter, als mit einem Male ein freiwilliger Jäger zu Pferde sich uns näherte und längere Zeit stillschweigend neben uns ritt, bald den alten Kutscher, bald uns drei, besonders die beiden jungen Frauen fixierend. Als er demnächst an den Kutscher die Frage nach dem Zweck und Ziel unserer Reise getan, bestürmte auch ich ihn mit mehreren Fragen, worauf ich aber nur die ungenügendsten Antworten erhielt. Sobald wir uns einem Dorfe näherten, verschwand er und meine Damen schöpften nun Hoffnung, diesen unheimlichen Begleiter los zu sein. Jenseits des Dorfes war er aber wieder da, betrachtete uns in auffallendster Weise und verließ uns nicht eher, bevor wir wieder ein Dorf zu passieren hatten. Jenseits desselben schien er glücklich verschwunden, als wir ganz unerwartet hinter uns einen Pistolenschuß horten und gleich darauf unsern Reiter von hinten auf uns zusprengen sahen. An unserm Wagen angelangt, fragte er den alten Kutscher, warum ihm denn die Knie so zitterten, nahm eine Pistole aus dem Halfter, prüfte ihren Gang, steckte sie wieder weg, zog seinen Säbel, tat einige Lufthiebe, steckte ihn wieder weg u. s. w. Christel und ihre Begleiterin sahen immer nach der entgegengesetzten Seite, waren mehr tot als lebendig und forderten mich nur immer auf, den gefährlichen Menschen ja in keiner Weise noch mehr aufzureizen. Endlich näherten wir uns Patersdorf21) was wir zum Nachtquartier bestimmt hatten, und waren froh, als er uns kurz vor der Einfahrt in dasselbe verließ.22) Ein modernes Gasthaus war hier nicht, wohl aber eine reinliche Schenke mit einem besonderen Fremdenzimmer für anständigere Gäste. Dieses nahmen meine beiden Damen in Besitz, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen, während ich nach der Predigerwohnung mich aufmachte, wo ich mir meinen Freund Karl von Below herausrufen lies, und mit ihm ein halbes Stündchen verplauderte. Von dieser Exkursion zurückgekehrt, fand ich Schwester Christel und Madame Caspary wieder in voller Verzweiflung, indem sie ihren gefürchteten Verfolger soeben die Fenster ihres Zimmers rekognoszieren gesehen. Demzufolge wurde nun angeordnet, dass für mich die Nachtstreu unter diesem Fenster, für die beiden jungen Frauen aber die Streu im entgegengesetzten Teile des Zimmers gemacht und überdies Türen und Fenster gut verschlossen wurden. Als wir nun nach eingebrochener Nacht noch seine Stimme, wie es schien, Drohworte ausstoßen horten, so war dadurch ein neuer Grund gelegt, dass für meine Damen die Nacht eine ziemlich angstvolle und schlaflose war. Den Tag darauf wurde nicht ohne Besorgnis die Reise fortgesetzt und hatte diese Besorgnis auch wohl einigen Grund, da sich unser ungebetener Gast richtig noch einmal wie ein Gespenst, diesmal ein Pistol vor uns abfeuernd zeigte, dann aber verschwand, um sich nie wieder sehen zu lassen. Die Frage, was sollte das sonderbare Benehmen dieses reitenden Jägers bedeuten, mochte ich dahin beantworten, dass es ihm anfänglich wohl um ein Liebesabenteuer zu tun war; da er sich bald überzeugte, dass die näheren Umstände dazu nicht angetan waren, wurde es ihm dagegen ein Leichtes sein, die Damen in Angst und Schrecken zu jagen; so wählte er denn dieses Amusement. Dabei will ich aber nicht unbemerkt lassen, dass die aus der Kampagne rückkehrenden freiwilligen Jäger sich öfter außer Rand und Band zeigten und gerne der Heimat kund taten, wie sie in Feindesland gehaust hätten.

Nach Gumbinnen glücklich zurückgekehrt, habe ich zunächst von der Königsgeburtstagsfeier zu berichten. Schon im vorigen, noch mehr aber in diesem Jahre 1814 wurde der 3. August, der uns den besten und jetzt, Gottlob, sieggekrönten König gegeben hat, als das höchste patriotische Freudenfest gefeiert. Ich spreche nicht von den abendlichen Illuminationen, sondern vorzugsweise nur von einer großen Festtafel, welche unter den Linden im Freien bei günstigem Wetter aufgeschlagen alle Honoratioren der Stadt und Umgegend zu einem vielgesckmückten, reichbekränzten Diner versammelt hatte. Auch der kaiserlich russische Feldmarschall, Fürst Wittgenstein, der auf seiner Rückreise von Frankreich nach Rußland in Gumbinnen Nachtquartier gemacht hatte, befand sich, sowie er auch bereits der kirchlichen Feier beigewohnt hatte, als eingeladener Ehrengast bei der Tafel und mit ihm auch mehrere andere höhere russische Offiziere. Als nun dem Könige der herzinnigste Toast mit seinem: „Heil Dir im Siegerkranz” ausgebracht und diesem auch das schöne Lied: „Der König rief und alle, alle kamen” mit Jubel folgte, fand sich der russische Herr Feldmarschall darüber in dem Grade verletzt, dass er laut äußerte, nicht der König, sondern sie, die Russen, hatten gerufen. Da erwachte an der ganzen bereits animierten Gesellschaft eine solche Disharmonie gegen die Russen und in specie gegen Fürst Wittgenstein, dass bei dem immer lauter werdenden Preußenstolz es nur einigen der Gemäßigten mit Mühe gelang, die augenblickliche, gewaltsame Entfernung der russischen Gäste von der Tafel zu verhindern.

In demselben Monate noch passierte auch Kaiser Alexander auf seiner Rückkehr von Paris und London nach Petersburg unser Gumbinnen. Er kam mit sechs Pferden Extrapost und stieg im Postamte23) ab, wo von der schönen, jugendlichen Frau von Wiersbitzki, der Gemahlin des alten sog. Postmajors von Corvin-Wiersbitzki, ein solennes Dejeuné für die kaiserliche Majestät bereitet stand. Allerhöchst dieselben ließen sich's gut schmecken, fanden alles sehr schön, am schönsten aber die Frau Wirtin, die dafür mit Brillanten und einem kaiserlichen Handkusse beschenkt wurde.

Am 1. April 1815, eines Sonnabends, am Abend traf die Nachricht ein, das Bonaparte, der von Elba entflohen war, sich in Paris wieder auf den Kaiserthron gesetzt habe. Der durch Napoleons Rückkehr neu entflammte Franzosenhaß, die neuen enthusiastischen Rüstungen gegen ihn erregten auch in mir eine wahre Sehnsucht mitzukämpfen gegen die neuen Kolosse, welche gegen uns hervorzubrechen drohten. Da ich aber noch nicht 14 Jahre alt war, so wollte ich wenigstens zunächst Kadett werden und bestürmte nun die gute Mutter förmlich und täglich, dieserhalb an den Kommandeur des Kadettenkorps, General von Lingelsheim zu schreiben. Erst nach vielen, vielen Bitten meinerseits ging die liebevolle Mutter darauf ein. Der Erfolg war ein erwünschter. Es erfolgte eine zusagende Antwort nebst einem Postfreipaß von Gumbinnen nach Berlin.

Zweimal wöchentlich ging die große Fahrpost von Gumbinnen nach Berlin. Es war das jeden Mittwoch und Sonnabend früh 5 Uhr. Auf der nächsten Postroute betrug damals diese Tour 104 3/4 Meilen. Es war dies der Weg durch die Tuchelsche Heide; die Tour über Danzig nach Pommern, sowie die über Bromberg und durch den Netzedistrikt waren weiter. Die nächste Tour konnte man in 9 Tagen und Nächten zurücklegen, zu den weiteren brauchte man 11 Tage und 12 Nächte Zeit.

Diese Postreise war eine recht beschwerliche, ja Mark und Bein erschütternde und mit den seltensten Ausnahmen höchst langweilige. Dem ungeachtet galten die damaligen Posteinrichtungen in unserem lieben Preußenlande unter dem alten knöchernen General-Postmeister von Seegebarth als sehr ordnungsmäßige und lobenswerte. Das die damaligen königlich-preußischen Postbeamten vom höchsten bis niedrigsten eine ganz gehörige Portion Grobheit besaßen, erschien als zur Sache gehörig und als ein ihnen nötiges Privilegium. Chausseen fand man nur in unmittelbarer Nähe von Berlin und ganz ausnahmsweise wurde auch die letzte Meile zwischen Gumbinnen und Insterburg damals schon chaussiert, weil alle andern Bemühungen diesen Weg in nasser Jahreszeit fahrbar zu erhalten, sich als ungenügend erwiesen hatten.

Wenn der liebe Gott gerade herunter regnen ließ, konnte man im großen Postwagen wohl trocken bleiben; kam aber der Regen von der Seite, so wurde dem Passagier der Pelz gewaschen, da die Seitenleder dem heulenden Sturm, wie den flankierenden Regengüssen nur schwachen, teilweisen Widerstand leisteten. Das war aber das Schlimmste nicht. Mehr zu bedauern hatte der Postwagen-Insasse, dass dieses Fuhrwerk auch keine Spur von Federn an sich hatte und die Unliebenswürdigkeit besaß, jede unebene, harte Stelle des Wegs, jeden Pflasterstein gleich Rippenstößen fühlen zu lassen. Da diese Wagen ungewöhnlich schwer, sie auch regelmäßig zwei Stunden Zeit zum Zurücklegen einer Meile hatten, (die aber bei erweislich schlechtem Wege länger ausgedehnt werden konnte), so wurde natürlich Schritt, oft auch ein langsamer Schritt gefahren. Hatte man aber nach 6-7 Stunden glücklich den Stationsort erreicht, so griff der Schwager (Postillon) zunächst nach seinem Posthorn, machte sich die Lippen nass, versuchte nach verschiedenen Misstönen sich den richtigen Ansatz auszustudieren, schwang die Peitsche und unter der Melodie: „Guter Mond, du gehst so stille” oder „Schöne Minka, ich muß scheiden” gings nun im gestreckten Trabe über das holprigste Steinpflaster unter den heftigsten Rippenstößen und den ärgsten Kopfstößen, zu welchen die mobilgewordenen Kisten und Pakete aus der Schoßkelle, die bis dahin im sittsamen Ruhestande sich befanden, sich visitenartig auf die Passagiere stürzten. Die Hauptunterhaltung während der langsamen Fahrt, besonders im dritten Stadium einer zurückzulegenden Station waren Fragen über die nächste Passagierstube und über die Art der Bewirtung in derselben, namentlich ob dort bequeme Stühle oder gar ein schlummererregendes Sofa sei, ob man auch nicht zu sehr frieren müsse u.s.w. Alle diese Sachen waren wichtig, denn diese Passagierstube sollte nicht nur für 2-3 Stunden Asyl des Reisenden sein, sondern ihn auch kräftigen und ermutigen zu einer neuen 6-7 stündigen Fahrt. Das Schlimmste bei solcher Seegebarthschen Postreise war nun noch, wenn man recht ungünstiges Wetter und noch ungünstigere Reisegesellschaft traf, wenn z.B. ein alter, langbärtiger, polnischer Jude und ein unausstehliches altes Weib mit einem schreienden Kinde für 6 Nachtstunden die Langeweile vertreiben sollten. Solche Reisen zwischen Berlin und Gumbinnen habe ich nun in Summa fünf mit einer wahren Resignation vollbracht und bin dabei nur einmal mit 9 Tagen und 9 Nächten abgekommen, die andern viermal meist 10 Tage und 11 Nächte unterwegs gewesen.

Die am Mittwoch (23. August 1815) von Gumbinnen abgehende Post hatte mich als Passagier eingeschrieben, auch meinen von der besorgten Mutter aufs beste gepackte Koffer vorzugsweise Wäsche, Bücher und kleine Andenken, untermischt mit duftenden Lawendelsträußchen enthaltend, in sich aufgenommen. Ich selbst aber stieg ein halbes Stündchen früher in eine anmutige Familienchaise nebst Mutter und Schwester, die mir etwa 1 1/2 Meile weit bis nach dem Dorfe Ischdaggen das Geleite gaben. In dem dortigen Kruge feierten wir die letzte Stunde unseres Beisammenseins, dass in dem Momente zur lautesten Wehmut überging, als der Postillon blies, anhielt und, nachdem er und der Schirrmeister ihren Schnaps getrunken hatten, zum Einsteigen mahnten.


1) von Schön wohnte in dem, den meisten von uns noch bekannten Hause der alten Loge, dass die Grundstücke Lindenstraße No. 4 und 4a umfaßte.

2) Auf der Südseite der Lindenstraße, da wo jetzt das Kreishaus steht und die Meiserstraße entlang läuft, waren bis vor kurzem noch Getreidefelder.

3) Napoleon traf in Gumbinnen am 18. Juni ein, fuhr also am 20. wieder ab.

4) Hierin irrt der Verfasser. Dies geschah erst am 22. Juni in Wilkowischki. Vergl. Corresp. XXIII |528.

5) Das Haus der Frau von Eberstein lag also auf der Nordseite der Stallupönerstraße.

6) Bischofswerda liegt in der Mitte zwischen Dresden und Bautzen.

7) Es ist der jetzige Weiß'sche Gasthof, Darkehmerstraße No. 4.

8) Das jetzige auf dem Magazinplatz gelegene Zeughaus.

9) von Schön schreibt in seinen Aufzeichnungen I. Seite 80 über diesen Vorfall: „Nachdem Napoleon die Armee verlassen und das Kommando an Murat abgetreten hatte, erließ dieser den Befehl, dass alle Marschälle sich mit ihm in Gumbinnen zu einem Kriegsrate versammeln sollten.” Weiter heißt es dann: „Den Abend vor der Abreise der Marschälle aus Gumbinnen kam der Landrat (Graf Lehndorff) in größter Besorgnis zu mir, da er gewiß wußte und auch aus den Anstalten annähme, dass die Franzosen den Plan hatten, die einzelnen Magazingebäude in der Stadt anzustecken. Es war ein scharfer Wind und die ganze Stadt wäre dann unausbleiblich in Flammen aufgegangen. Ich schickte daher den Landrat sogleich zum ersten Adjutanten von Murat und ließ diesem sagen, ich hatte den Befehl gegeben, dass mit der ersten Flamme aus einem Magazingebäude, alle Glocken Sturm läuten sollten; die benachbarten Dörfer warteten nur auf diesen Moment und dass kein Franzose dann lebendig aus Gumbinnen kommen sollte, dafür konne ich einstehen, und die Anzündung der Magazingebäude unterblieb. Als am anderen Morgen der Vizekönig von Italien seinen ersten Adjutanten zu mir schickte, mit der Bitte, einen Paß für denselben nach Thorn mitzuunterschreiben, um ihn wegen Todschlag zu schützen, lehnte ich dies entschieden ab.”

10) Ort im Kreise Ragnit.

11) Wohl das Haus Gartenstraße 2, in dem nach der Überlieferung auch Muart beim Durchmarsch und beim Rückzug ein quartiert war.

12) Noch heute heißt der an der Nordseite des schmalen Durchgangswegs von der Meelheckstraße nach Norutschatschen gelegene, mit einer Baumschule bepflanzte Platz der „Franzosenkirchhof”

13) Die große Remise stand in der Kirchenstraße da, wo jetzt der neugebaute Südflügel der Realschule sich befindet.

14) Der am 4. Juni geschlossene Poischwitzer Waffenstillstand.

15) Gefecht des Obersten Dörnberg gegen eine französisch-sächsische Abteilung am 2. April.

16) Am 26. Mai, wo die Division Maison in einen Hinterhalt gelockt und vernichtet wurde.

17) Charpie ist gezupfte alte Leinwand.

18) Heute ist es das Haus Darkehmerstraße 2, worin sich jetzt der Kaiserhof befindet.

19) Ihr Mann von Zaborowski hatte eine Anstellung als Ingenieur-Hauptmann beim Bülowschen Korps erhalten und stand im Felde. Daher war seine Frau solange nach Gumbinnen zur Matter übergesiedelt.

20) Lommel im belgischen Limburg, hart an der holländischen Grenze gelegen.

21) Soll wohl Petersdorf heißen, Kirchdorf bei Wehlau.

22) Jedes Dorf hatte damals bei seinem Eingange,wie Ausgange eine Art Schlagbaum, der nur gegen einen kleinen Zins geöffnet wurde. Das war auch der Grund, warum der Jäger immer vor einem Dorfe verschwand und nachher sich wieder einstellte.

23) Die Post befand sich damals in der Mitte der Stallupönerstraße jetzt No. 34.

 

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