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Ostpreußen-Warte, Folge 06 vom Juni 1953

Ostpreußen-Warte
Folge 06 vom Juni 1953

 

Seite 1   Deutschland -Treffen ohne Deutsche? Bermuda-Konferenz von größter Bedeutung für Ost-West-Beziehungen

Wenn Präsident Eisenhower es für erforderlich hält, mit den Regierungschefs Englands und Frankreichs unmittelbar die außenpolitische Lage zu erörtern, so sind für einen solchen Schritt sehr gewichtige Gründe gegeben. Auf der einen Seite liegt der französische Beschluss vor, die Ratifizierung des EVG-Vertrags zurückzustellen und stattdessen zunächst einmal eine Vier-Mächte-Konferenz mit Russland zu versuchen. Aus London wurde der Churchill-Plan des „Ost-Locarno" bekannt, wonach den Sowjets eine Wiedervereinigung Deutschlands — das dann insgesamt der EVG angehören soll — vorgeschlagen werden soll unter gleichzeitiger „wechselseitiger Garantie" der Ostgrenze dieses wiedervereinigten Deutschlands. Hinzu kommt, dass eine ganze Reihe von Staaten der westlichen Welt ebenfalls die Herbeiführung einer „Großen Konferenz" mit der Sowjetunion befürwortet, auf der die Sowjets veranlasst werden sollen, „Farbe zu bekennen".

Da die Amerikaner gleichzeitig die nicht unberechtigte Befürchtung hegen, dass alle die verschiedenen Pläne und Bestrebungen dazu führen könnten, ihr Programm der militärischen Stärkung der westlichen Welt zum mindesten zu verzögern, so erscheint es nur naheliegend, dass Washington zunächst einmal die wichtigsten westlichen Partner auf eine gemeinsame Linie bringen will. Und tatsächlich ist auch in den Verlautbarungen, welche die „Bermuda-Konferenz" ankündigten, ganz offen davon die Rede, dass es gelte, „eine gemeinsame Politik des Westens gegenüber der Sowjetunion festzulegen."

Es liegt auf der Hand, dass dieser Konferenz größte Bedeutung zukommt. Denn entweder wird es sich darum handeln, dass die Vereinigten Staaten ihre beiden Partner veranlassen, wiederum gänzlich in das EVG-Fahrwasser zurückzulenken — und sie haben gewichtige Trümpfe in der Hand, um dieses zu erreichen —, oder aber die von London und Paris vorgetragenen Gründe erscheinen so zwingend und unabweislich, dass die Bermuda-Konferenz zu einer „Vorkonferenz zur Viermächte-Konferenz" wird. Dass die Bermuda-Gespräche zu diesem  letzteren Ergebnis führen, wird nicht zuletzt von dem abhängen, was Moskau bis etwa Mitte Juni —- denn für die zweite Hälfte dieses Monats ist die Bermuda-Konferenz in Aussicht genommen — unternimmt und verlautbart.

Dass die Bermuda-Konferenz überhaupt stattfindet, wird also allgemein begrüßt werden können, denn es ist selbstverständlich, dass nichts größere Gefahren heraufbeschwört als ein Auseinanderfallen der außenpolitischen Bestrebungen der Weststaaten. Nichts würde geeigneter sein, eine wahrhafte Friedensregelung zu verhindern, als ein Durcheinander oder gar Gegeneinander der westlichen Partner in den Fragen der Politik gegenüber der Sowjetunion.

Ganz besonders aber wird man dem Ergebnis der Bermuda-Konferenz in Deutschland mit dem größten Interesse entgegensehen. Denn um die Deutschland-Frage handelt es sich hauptsächlich bei dem, was gegenwärtig zwischen Ost und West zur Erörterung steht. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass sowjetischerseits sehr deutlich kundgetan wurde, dass der Österreich-Vertrag nicht ohne gleichzeitige Behandlung des deutschen Problems erörtert werden könne.

Für Deutschland handelt es sich darum, ob der Weg zu seiner Wiedervereinigung über die Aufrüstung an der Seite des Westens führen soll, oder ob West-Ost-Verhandlungen stattfinden werden, von deren Verlauf es abhängt, ob dieses Deutschland ein selbständiger und ausgleichender Faktor zwischen Ost und West werden kann.

Das heißt aber, dass deutscherseits die Forderung erhoben werden muss, bereits zur Bermuda-Konferenz hinzugezogen zu werden. Denn es gibt niemanden, der „sachverständiger" ist in allen Fragen der kommunistischen Bedrohung als Deutschland, wie es auch zugleich niemanden gibt, der unmittelbarer daran interessiert ist, dass eine Wiedervereinigung in Freiheit erfolgt, als die Deutschen.

Vor allem geht es um die Schaffung klarer Verhältnisse. Es muss nunmehr endlich einmal völlig klargestellt werden, ob es den Sowjets wirklich ernst ist mit einer wirklichen Friedensregelung in Mitteleuropa. Die Voraussetzung für diese Klärung ist die Festlegung einer klaren und gemeinsamen Politik auf Seiten des Westens. Wenn nämlich dem Kreml präzise Fragen vorgelegt werden, so wird aus deren Beantwortung — wie sie auch ausfallen mag — zum mindesten das Gute erwachsen, dass der Westen und die Deutschen genau wissen, woran sie sind. Dann ist der Weg offen für klare Entscheidungen, die entweder zu einer sofortigen Entspannung führen oder die Kräfte freimachen, die zum Aufbau der erforderlichen Sicherungen gebraucht werden: Solange dies nicht geschehen ist, wird man sich in USA nicht zu wundern brauchen, wenn man in Europa über die künftig zu verfolgende Politik verschiedener Meinung ist.

Es muss aber auch hinzugefügt werden, dass das sowjetische Echo auf die Ankündigung der Bermuda-Konferenz alles andere als günstige Aussichten für spätere Ost-West-Gespräche eröffnet. Und die Erwartungen werden durch die neueren Maßnahmen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands sowie durch die brüske Ablehnung Moskaus die Österreich-Verhandlung wieder aufzunehmen, noch weiterhin herabgemindert.

 

Seite 1   „Ost-Locarno“ auf Kosten Deutschlands. Oder-Neiße-Linie als „Grenze" propagiert

London (hvp). Nachdem bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe des „Ost-Locarno"Planes durch den britischen Premierminister das Labour-Organ „New Statesman and Nation" die Oder-Neiße-Linie „als zu garantierende Grenze" zwischen Deutschland und dem sowjetischen Machtbereich bezeichnet hatte, setzte sich in verschiedenen öffentlichen Verlautbarungen eine Reihe britischer Politiker für diese „Lösung“ ein.

In einer Rundfunksendung der British Broadcasting Corporation erklärte der Vorsitzende der „Britisch-deutschen Gesellschaft", Bellenger, der Vorschlag Churchills ziele seinem Wortlaute nach auf eine Garantierung der Oder-Neiße-Linie ab, er glaube aber nicht, dass die Deutschen ein solches Ost-Locarno unterschreiben würden. Der Unterhausabgeordnete Oberst Elliot kam im gleichen Zusammenhang auf die „Ostflüchtlinge“ in Westdeutschland zu sprechen und sagte hierzu, dass diese „zu einer Grundlage für den Wohlstand Westdeutschland" geworden seien. Wenn daher die Deutschen jetzt irgendwelche „Zugeständnisse" ablehnen würden, solle man „über den deutschen Widerstand zur Tagesordnung übergehen". Der Labourabgeordnete Crossmann hob hervor, dass er seinerseits durchaus damit einverstanden wäre, wenn die Oder-Neiße-„Grenze“ durch das „Ost-Locarno" garantiert werde. Außerdem forderte er die „Einstellung der Aufrüstung Westdeutschlands".

 

Der liberale „Manchester Guardin" schreibt, man könne sich .nicht vorstellen, dass das OstLocarno auf einer anderen Grundlage als der jetzigen Grenze zustande kommen könne. Wieder einmal stelle die Frage der deutschen Ostgrenze eine der größten Schwierigkeiten dar, die einer Regelung der europäischen Verhältnisse im Wege stünden.

Der konservative „Daily Telegraph“, dessen außenpolitischen Kommentare wegen seiner engen Verbindung zum Foreign Office besondere Bedeutung zukommt, lässt dagegen die Frage offen, welche Grenze durch ein Ost-Locarno garantiert werden solle. Er führt aus, dass die “Integrität Deutschland" garantiert werden solle, während über die Frage der Grenzen erst noch Verhandlungen geführt werden müssten. Wenn aber die Ostgrenze Deutschlands erst einmal festgelegt sein werde, dann müsse diese Grenze auch für die Dauer anerkannt werden.

Von besonderem Interesse ist die Einstellung der polnischen Exil-Regierung in London zum „Ost-Locarno“-PIan. Der Außenminister dieser Regierung, Sokolowski, erklärte, dass diese Planungen in den Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs Hoffnungslosigkeit hervorgerufen habe. Außerdem wurde von exilpolnischer Seite verlautbart, wenn man jetzt daran gehen wolle, die Eroberungen der Sowjetunion zu garantieren, so solle man nicht vom „Geist von Locarno" sprechen, sondern besser vom „Geist von Jalta“.

Foto: Gelbe Wasserlilien – Gruß der Heimat. W. v. Sanden-Guja

 

Seite 2   Nach Bochum. „Kein Verein, sondern eine Gemeinschaft“

In einem längeren Rückblick befasst sich die Vertriebenen-Korrespondenz unter der Überschrift „Ostpreußische oder Ostdeutsche Konzeption" eingehend mit dem großen Ostpreußen-Treffen in Bochum. Wir geben die Ausführungen, die sicherlich alle Ostpreußen interessieren dürften, nachstehend im Wesentlichen wieder:

Die Ostpreußen haben nach mehrjähriger Pause in diesem Jahr den Reigen der Landsmannschaft-Treffen eröffnet. Diese Veranstaltungen werden nicht nur von den organisierten Mitgliedern der Landsmannschaften, sondern auch von den Mitgliedern des BvD/ZvD, von nicht organisierten Vertriebenen und in jüngster Zeit vielfach auch von westdeutschen heimattreuen Landsmannschaftlern besucht. Was dort gesprochen, geplant und gebilligt wird, interessiert also alle Vertriebenen und darüber hinaus die Deutschen und die Welt. Manch einer wartet seit je darauf, ob und inwieweit diese Ostpreußische Landsmannschaft ihre im preußisch - ostdeutschen Geschichtsraum bewährte Initiativkraft fortzusetzen und zu entfalten in der Lage ist. In dieser Hinsicht sind die heimatpolitischen Bekundungen der Ostpreußen auf dem diesjährigen Treffen von besonderem Interesse.

Das Treffen war nach Bochum verlegt worden, von wo aus die zahlreichen seit Jahrzehnten im Industriegebiet ansässigen Ostpreußen, die ihre landsmannschaftliche Tradition bewahrt haben und pflegen, aus unmittelbarer Nähe und Fühlung angesprochen werden konnten. Dieses Vorgehen lässt auf die immer klarer, auch in anderen Landsmannschaften, zum Ausdruck kommende Absicht und Erkenntnis schließen, dass die Rückgewinnung und Neubesiedlung der Heimat nicht nur eine Sache der Heimatvertriebenen, sondern auch der heimattreuen Landsmannschaften und darüber hinaus des ganzen Volkes ist. Dass sie darüber hinaus eine Sache Europas und der Welt ist, kam in der vom Sprecher der Landsmannschaft, Dr. Gille, mit lebhafter Zustimmung verlesenen Entschließung zum Ausdruck, die ein Bekenntnis der Ostpreußen zu dem von Präsident Eisenhower verkündeten Ziel einer Neuordnung Osteuropas im Rahmen einer freien Welt darstellt. In der Entschließung wurde ferner bekräftigt, dass die Vertriebenen Gegner jeder Vertreibung seien und, dass sie deshalb eine friedliche und im Einvernehmen mit allen Beteiligten vorgenommene Neuordnung im europäischen Osten, befürworten. Als tragender Grundsatz wurde erneut das Recht auf die angestammte Heimat und das Recht auf Selbstbestimmung herausgestellt.

Diese Grundgedanken wurden in der Rede des Sprechers, Dr. Gille, näher beleuchtet und ausgeführt. Es ist bezeichnend, dass er betonte, dass die Landsmannschaft der Ostpreußen „kein Verein, sondern eine Gemeinschaft“ sei, und dass „sie mit den anderen Landsmannschaften und mit sonstigen Vereinigungen Heimatvertriebener Schulter an Schulter" stehen müsse. „Innerhalb unserer großen Heimat haben wir Ostpreußen und auch die anderen Landsmannschaften das Verlangen, dass man immer von der Einheit und von der landsmannschaftlichen Zusammengehörigkeit spricht", so präzisierte Dr. Gille das Organisationsprinzip. Er weitete ferner den landsmannschaftlichen Gedanken aus, indem er herausstellte, dass sich die Ostpreußen „bewusst als Träger des preußischen Erbes" ansehen sollten. Der organische Zusammenhang — Eingliederung und Rückgliederung — wurde gestreut, als der Redner auf die dringenden Briefe seiner Landsleute einging, die gerade auch die Landsmannschaft-Treffen als einen Ort für einen Appell zur Behebung ihrer täglichen Sorgen und Nöte angesehen wissen wollten. Der Sprecher wollte zwar ausdrücklich den eigentlichen heimatpolitischen Zweck der Landsmannschaft-Treffen sichergestellt wissen, konnte aber nicht umhin, sich auch bei dieser Gelegenheit besonders für die Behebung der Not der heimatvertriebenen Bauern einzusetzen und gegen eine staatlich gelenkte Auswanderung zu protestieren.

Was die eigentliche Heimatpolitik angeht, so verwahrte sich Dr. Gille gegen jeden Romantizismus und gegen die unnütze „Verschwendung von Zeit und Kraft für die Ausarbeitung vager Pläne". Er begnügte sich damit, die in der Entschließung zum Ausdruck gekommenen Grundsätze herauszustellen.

Der Ehrenpräsident der Landsmannschaft, Staatssekretär Dr. Schreiber, führte auch bei dieser Gelegenheit „das von ihm so oft behandelte Thema" der Bedeutung der ostdeutschen Heimat für den abendländischen Geist aus. Das ostdeutsche Land, so formulierte er plastisch, sei die „Wachstumsspitze des Abendlandes" gewesen, die mit der Vertreibung abgebrochen worden sei. Die von Schreiber dargelegten, geistesgeschichtlich geläufigen Gedankengänge würden ein beredtes Gesicht gewinnen, wenn von ostpreußischer Seite öfter einmal die Werke einschlägiger Historiker, insbesondere Treitschke und Sybel, und für die Geistes- und Literaturgeschichte vor allem Nadler herangezogen und aktuell ausgedeutet werden würden.

Über die Ausführungen von Bundesminister Kaiser ist ausführlich in der Tagespresse berichtet worden, und es sei nur hervorgehoben, dass er im Hinblick auf die jüngsten festlichen Proklamationen betonte, dass Recht und Moral unter den Völkern nicht mit zweierlei Maß gemessen werden könne, und dass „nur Illusionisten die sowjetischen Gesten für Taten nehmen" könnten. „Kein Heimatvertriebener", so sagte er, „kann zu ihnen gehören".

 

Seite 2   Ostpreußen bekennt sich zu Europa. Das Treffen der 120 000 Ostreußen in Bochum – Dies Land bleibt deutsch!

Bochum. Fahnenschmuck und Spruchbänder wurden den mehr als 120 000 Ostpreußen zum Gruß, die zum dritten Bundestreffen in zahlreichen Sonderzügen und Omnibussen, mit Fahrädern, ja selbst zu Fuß nach Bochum, der Herzstadt des Industriegebietes, gekommen waren. Neben herzlicher Gastlichkeit bekundete die Stadt ihre starke Verbundenheit mit Ostpreußen noch durch die Übernahme der Patenschaft für den Kreis Neidenburg, die am Vortage der Eröffnungsfeier zum Bundestreffen bekanntgegeben wurde. Nicht nur nach 1945 hat die Stadt zahlreichen Ostpreußen neue Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten geboten, sondern bereits in den Jahrzehnten ihrer Industrialisierung viele Zuwanderer aus der östlichsten Provinz aufgenommen. Diese in Bochum seit langem ansässigen Ostpreußen boten alles auf, um ihren aus der alten, nie vergessenen Heimat vertriebenen Landsleuten den Aufenthalt in der Stadt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Das Ostpreußentreffen nahm seinen Auftakt mit der

feierlichen Eröffnung

im großen Sitzungssaal des Rathauses, an dessen Stirnseite das Wappen mit der Elchschaufel prangte. In seiner Begrüßungsansprache appellierte der Vorsitzende der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, Erich Grimoni, Düsseldorf, nun einmal das Schweigen der Weltöffentlichkeit zu unterbrechen und für das unteilbare Recht des deutschen Ostens einzutreten. Oberbürgermeister Heinemann betonte in seinen Grußworten, dass das Ruhrvolk aus seiner tiefen, sozialen Empfindung heraus die Not der ostpreußischen Flüchtlinge tatkräftig zu steuern sich bemüht hat.

 

Die Kameradschaft gewonnen!

Aus der Ansprache des Ehrenpräsidenten der Landsmannschaft Ostpreußen, Staatssekretär Dr. Ottomar Schreiber, in der er sich mit dem unveräußerlichen Recht auf unsere ostpreußische Heimat befasste, klangen eindringlich die Worte heraus, dass wir arm geworden und alles verloren, aber die Kameradschaft wiedergewonnen haben.

Die Eröffnungsfeier wurde mit dem „Mittsommerlied" von Otto Besch feierlich eingeleitet. Der Chor: „Ich singe dir, o Ewigkeit" und ein Harfenquartett von E. T. A. Hoffmann gaben der Feier einen ansprechenden Rahmen. Während des anschließenden Empfanges im Parkhaus versicherte Dr. Gille als Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, dass man von der Bochumer Gastfreundschaft tief beeindruckt sei. Das Bundestreffen wolle eine Brücke schlagen zu unsern Brüdern und Schwestern in Westdeutschland. Die hier seit Jahrzehnten ansässigen heimattreuen Ost- und Westpreußen seien die „Brückenpfeiler", die eine solche Verbindung ermöglicht haben.

Von den weiteren Veranstaltungen sei die Kunstausstellung ostpreußischer Maler, der Heimatfilm „Jenseits der Weichsel" und die Jagdtrophäenschau genannt. Einen tiefen Eindruck hinterließ die Ostpreußische Heimatstunde mit Charlotte Keyser in Gemeinschaft mit Bochumer und ostpreußischen Künstlern im Sitzungssaal des Rathauses. Ein Bochumer und ostpreußischer Heimatabend, gestaltet von der Stadt Bochum im Paul-Gerhardt-Haus, fand großen Anklang.

120 000 Ostpreußen, aus allen Teilen der Bundesrepublik nach der Gästestadt Bochum zu bringen, ist keine Kleinigkeit. Und doch konnten die Beförderungsfragen dank des vollen Einsatzes von Straße und Schiene glänzend gelöst werden. Vom hohen Turm grüßten die Bochumer Posaunenchöre mit den anmutigen Ostpreußenmelodien, und das frohe Grüßen der Ostpreußen untereinander spiegelte ein Treffen wie auf ostpreußischem Boden wider.

Seitens der Stadtverwaltung, des Verkehrsverbandes und des Roten Kreuzes war Vorsorge für eine reibungslose Weiterleitung der Besucher zu den Veranstaltungsplätzen und Quartieren getroffen worden.

In einem evangelischen ostpreußischen Gottesdienst verteilte Pfarrer Lawin — Juditten — Metgethen, goldene Worte in dem freudigen Zuruf: „Zuflucht ist bei dem alten Gott. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwundem hat." In seiner Predigt an die ostpreußischen Flüchtlinge und Vertriebenen legte er das Glaubenswort hinein, „dass alle Dinge möglich sind dem, der das glaubt!"

 

Die Großkundgebung

zu der Festhalle des Bochumer Vereins, der größten deutschen Industriehalle, strömten endlose Züge von allen Seiten. Wiedersehensszenen ergreifendster Art spielten sich auf den Straßen ab. Hier wurde die Mutter, dort das Kind wiedergefunden. Ununterbrochen strömten die Massen in den Riesenraum der Halle. Ein Konzert in der Festhalle, von der Knappenkapelle der Zeche Hannover-Hannibal veranstaltet, leitete zu der Kundgebung über. Ein Transparent, das die ganze Stirnwand der Halle abschloss, grüßte mit großen Lettern herüber: „Dies Land bleibt deutsch!" Elchschaufel, Ostpreußenkreuz und die Ostpreußenkarte mit allen Städten der 42 ostpreußischen Kreisgruppen erinnerten eindringlich an ein stolzes Land, das wir verloren. Fahnen an Fahnen, des Bundes, die Landesflaggen, Ostpreußenfahnen und die Flaggen der Stadt Bochum mit den Farben Blau-Weiß übertrafen noch den Fahnenwald, den die Stadt Bochum zur Begrüßung der Gäste erstehen ließ.

 

Das Geläut der Silberglocke des Königsberger Domes

war zugleich eine Erinnerung an das Albrechtsche Legat, und jeder Königsberger oder Besucher der Provinzhauptstadt blieb sinnend stehend, wenn hoch vom Schlossturm ihm das Lied „Ach bleib mit deiner Gnade" entgegenhallte. Unterstützt von Chor und Bläsern erschallte das Lied durch den weiten Hallenraum „Wir treten in Nöten". Dem Totengedenken durch den Vorsitzenden der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Landsmannschaft Ostpreußen folgten die Begrüßungsworte des Oberbürgermeisters der Stadt Bochum, Heinemann. Das gemeinsam gesungene Lied „Land der dunklen Wälder" leitete zur Ansprache von

 

Bundesminister Jakob Kaiser

über. Starken Beifall fanden die Worte des Bundesministers, dass deutsches Heimatbewusstsein, deutscher Patriotismus und europäisches Verantwortungsbewusstsein nicht an der Elbe- und Oder-Neiße-Linie aufhörten, sondern auch Mittel, -und Ostdeutschland mit umfassen. Auf Hass und Rache lasse sich aber keine neue Welt aufbauen, auch nicht auf fortgesetzter Gewalt und fortdauerndem Unrecht. Keine Macht in Ost und West kann an der Notwendigkeit eines friedlichen Ausgleichs vorübergehen. Das deutsche Volk will nichts als den friedlichen Aufbau seines Landes. Es will eine gesicherte Zukunft für die gesamte deutsche Jugend. Aber es gibt nur einen Weg für die Zukunft und Sicherheit der Deutschen und Europäer: Deutschland muss wieder ein geeintes, ein freies Land werden!"

Im Anschluss führte der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen,

 

Dr. Alfred Gille,

aus, dass die in Bochum versammelten Ostpreußen stellvertretend für alle Deutschen diesseits und jenseits der Grenzen zusammengekommen seien, um ihr gemeinsames Wollen aller Welt kundzutun. Gerade die in den Landsmannschaften der Heimatvertriebenen verwurzelte Kraft habe es ermöglicht, dass der Plan durch die Vertreibung von Millionen Deutschen aus dem Osten im Bundesgebiet Sprengstoff zu sammeln, zunichte gemacht wurde. Von der Notlage der heimatvertriebenen Bauernschaft ausgehend, wies der Redner alle Auswanderungsdiskussionen zurück. Zur Frage des zukünftigen Schicksals der ostpreußischen Heimat führte Dr. Gille aus, dass der osteuropäische und damit ostdeutsche Raum wieder eine Ordnung erhalten müsse, in der Freiheit und Menschenwürde ihren alten Rang gewinnen. „Wir bekennen uns zum Selbstbestimmungsrecht der Völker als einem international anerkannten Rechtsgrundsatz, wie er in der Atlantik-Charta ausgedrückt worden ist". Eine sinnvolle Ordnung Osteuropas sei jedoch nur in einem vereinigten Europa möglich, in einem Europa, in dem nationale Grenzen zum Wohle der Gesamtheit ihre Bedeutung verlören, in dem die Heimatliebe aller Völker seine Anerkennung findet. In einer durch Dr. Gille verlesenen Entschließung bekannten sich die in Bochum versammelten Ostpreußen zu einer. Neuordnung Osteuropas in einer freien Welt.

Nach der Kundgebung, die mit dem Deutschlandlied ausklang, trafen die Landsleute in den vorher bekanntgegebenen Kreis- und Stadt - Treffpunkten zusammen. Verwandte, Bekannte, Nachbarn, Schulfreunde, Kriegskameraden und Treckgemeinschaften suchten und fanden sich. Auf den für jeden Kraftverkehr gesperrten Straßen der Stadt setzte sich dieses Suchen und Finden fort. Doch gab es auch viele, die vergeblich suchten, zahllose, die zu viele der Toten zu beklagen hatten. Plattdeutsch und heimatliches Hochdeutsch vermischten sich miteinander, Heimatlieder klangen auf, und die Zeit verlor ihr Gewicht. Acht harte Jahre der Vertreibung wurden zu einem Tag, und die Heimat, wie sie einst war, erstand neu.

 

Seite 2   Kunstausstellung in Bochum

Starkes allgemeines Interesse fand auch die Kunstausstellung ostpreußischer Künstler, die anlässlich des großen Ostpreußen-Treffens in Bochum durchgeführt wurde. Rund dreißig ostpreußische Künstler und Künstlerinnen waren mit etwa 100 Arbeiten bei dieser Ausstellung vertreten. Unter ihnen der durch seine kraftvollen Kompositionen bekannte Prof. Eduard Bischoff von der Königsberger Kunstakademie, der jetzt in Gelsenkirchen einen geeigneten Wirkungsplatz gefunden hat. Erinnerungen an das heimatliche Landschaftsbild wurden in den Arbeiten der älteren ostpreußischen Künstlergeneration lebendig, was besonders in Bildwerken von Ida Wolfermann, Karl Eulenstein und Arthur Kuhnau , Karl Storch d. A. deutlich wurde. Die Vertreter der jüngeren Generation dagegen streben in ihren Arbeiten bereits nach neuen Formen und Aussageweisen. Landschaftsbilder von Lovis Corinth, Max Pechstein und einige Porträtstudien der Käthe Kollwitz vermittelten der Ausstellung die geschlossene Form, die damit zur Aussage des künstlerischen Wollens und Schaffens ostpreußischer Maler in den letzten fünfzig Jahren wurde. — Frau Ida Wollermann hatte sich alle Mühe gegeben und mit viel Liebe und Hingebung die Ausstellung zustande gebracht, wertvoll unterstützt von der Stadt Bochum und ihrem zuständigen Dezernenten. In Würdigung der Künstlerarbeit hat die Stadt Bochum zwei Werke für die Stadt angekauft, und zwar das Gemälde „Pferdeweiden" von Karl Eulenstein und einen Holzschnitt von Liselotte Popp „Die Frauen von Nidden".

Auch die Ausstellung der Handweberei Syttkus, früher Lyck, jetzt Osnabrück, Landstraße 160, war stark besucht. Die ostpreußischen Bauern- und Hochzeitsteppiche sowie die Fülle alter ostpreußischer Trachten erregten die Bewunderung der Landsleute und Bochumer. — Mit einer Fülle ostpreußischer Kunst- und Heimarbeit wartete auch die Handweberei Christel Plate - Brügmann, früher Kniepitten, auf.

 

Reges Interesse erwarb sich auch die ostpreußische Jagd- und Trophäenschau, die von Forstmeister Loeffke, Dr. Chr. Graf Dönhoff- Friedrichstein und Oberstjägermeister a. D. Scherping eröffnet wurde. Eine Fülle prämiierter Geweihe und Gehörne fand die Bewunderung und Anerkennung fachmännischer Kreise. Aus der Fülle von Eigenheiten nennen wir u. a. die Hauer des stärksten deutschen Keilers — Gewicht des Tieres 5,10 Zentner —, der am 13.10.1940 von Bernhard Buehler, Draugupoenen, Kreis Pillkallen, erlegt wurde.

 

Seite 2   Die Bochumer Entschließung

Die in Bochum versammelten Ostpreußen bekennen sich erneut zum Selbstbestimmungsrecht der Völker als einen international anerkannten Rechtsgrundsatz, wie er in der Atlantik-Charta ausgedrückt worden ist. Sie bekennen sich entsprechend der Friedensbotschaft Präsident Eisenhowers zu dem Ziel einer Neuordnung Osteuropas im Rahmen einer freien Welt. Als Gegner jeder Vertreibung sehen sie hier eine gemeinsame Aufgabe aller Völker, die ihrer Heimat beraubt oder einer unerträglichen Terrorherrschaft unterworfen wurden. Von dem Glauben an die Notwendigkeit einer zukünftigen Ordnung des europäischen Ostens erfüllt, erklären die Vertreter Ihrer Heimat, dass der Anspruch auf ihre Heimat, ebenso unteilbar ist wie das Recht auf Selbstbestimmung.

 

Seite 2   Aktivierung der Deutschen Ostforschung

Die Frage einer verstärkten Förderung der Forschung und Lehre über die deutschen Ostgebiete und Südosteuropa wurde im Bundestag auf Antrag der DP beraten. Der Bundestagsausschuss für das Besatzungsstatut und Auswärtige Angelegenheiten forderte die Bundesregierung auf, diese Forschung durch Bundeshilfe zu unterstützen, den Schul- und politischen Unterricht zur Vertiefung der Kenntnisse über die ???me in den Ländern zu gewährleisten und der wissenschaftlichen Bearbeitung von Ostfragen im Hinblick auf die deutsche Außenpolitik und den deutschen Außenhandel besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

In einem ausführlichen Bericht hatte der Ausschuss die Gründe für die Notwendigkeit einer aktivierten Ostforschung und Pflege der Kenntnisse deutscher Ostprobleme dargelegt, setzt sich in dem Bericht dafür ein, dass die bestehenden wissenschaftlichen Institute ihre Aufgabengebiete scharf gegeneinander abgrenzen. Für die Bearbeitung von Osteuropafragen sei jedoch der Aufbau einer, personell und sachlich ausreichend ausgestatteten Abteilung des Auswärtigen Amtes dringend erforderlich. Es wird darauf hingewiesen, dass als Ausgleich für die fehlenden diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik in den osteuropäischen Satellitenstaaten ein Ersatz durch stärkere Einschaltung deutscher Ostforscher in der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes geschaffen werden muss.

 

Seite 2   Mahnmal der Deutschen Einheit

In einem feierlichen Staatsakt weihte Bundespräsident Heuß auf dem „Deutschen Eck" in Koblenz das Mahnmal für die deutsche Einheit ein. Prof. Heuß erinnerte in seiner Weiherede an die Tradition des „Deutschen Ecks" von dem aus der Deutschritterorden Ostdeutschland im 16. Jahrhundert erschlossen habe. Der Wunsch aller Deutschen nach der Einheit des Vaterlandes sei durch dieses Mahnmal symbolisch ausgedrückt.

 

 

Seite 3   Ferientage in der Heimat. Von Sabine Hoth

Foto: Am Niedersee. Aufn.: Hermann Gross, Allenstein

Foto: Der Memeler Hafen. Aufn.: H. Schumacher

Foto: Bäderdampfer in Cranzbeeck

Foto: Blick auf Nikolaiken. Aufn.: Hermann Gross

Nur mit dem inneren Auge können wir unseren heimatlichen Frühling und Sommer sehen. Meist ist es dann nicht die Gegenwart über unseren verwüsteten, entstellten und von der Menschenseele verlassenen Heimatland, die vor unserer Seele steht. Fast immer sind es Bilder aus vergangenen Zeiten. Mit Recht fragt man uns manchmal, ob uns jetzt nach so vielen Jahren das Fern sein von der Heimat nicht doch schon etwas leichter geworden ist. Die Zeit heilt vieles, der Mensch gewöhnt sich mit den Jahren auch an die Lebensatmosphäre einer anderen Umgebung und viele von uns sind in ihrem neuen Wohnort nun nicht mehr so fremd wie in den ersten Jahren. Das ist aber nur bedingt richtig und individuell sehr verschieden. Man kann auch umgekehrt sagen: „Die Länge trägt die Last". Eines ist aber geblieben und können wir nicht ändern: dass Jahr für Jahr mit jeder Jahreszeit und mit steigender Eindringlichkeit die Bilder der Heimat vor uns erstehen, die Erinnerungen an unser dortiges Leben, die nicht nur eine Rückschau bedeuten, sondern immer wieder einen Anruf an unsere tiefste Seele, einen Ruf aus einer anderen Welt, die einst die unsrige war, und die nicht stille wird — es vielleicht nie werden wird. „Heimweh" nennt es die Sprache, nennen wir selbst es und wissen doch, dass es im tiefsten Grunde keine Worte dafür gibt.

So ruft auch diese Sommerzeit nicht nur die heimatliche, sommerliche Natur immer wieder in unser Bewusstsein, nicht nur unsere Arbeit für dieses Land ersteht wieder vor uns, eine Arbeit, die direkt oder indirekt immer irgendwie der heimatlichen Erde und ihren Menschen galt.

Die Atmosphäre des Sommers ruft auch die Freuden unserer heimatlichen Sommer zurück. „Ferientage in Ostpreußen!" Ein dreifaches Erinnern weckt dieses Wort in uns:

Einmal sind es die eigenen Ferien- und Urlaubszeiten, die wir alle einst empfangen durften im Heimathaus — an dem Ort, der der innerste Kern unserer Heimat und unserer Herzen war und blieb, wo uns das Leben auch hintrug.

Zum andern tauchen da viele Ferienzeiten auf, die wir anderen bereiten durften, die durch unsere Häuser und unser Heimatland gingen im Laufe vieler Jahre.

Und zum dritten sind es jene Zeiten, die wir und viele andere aus Nähe und Ferne als Gäste unseres wunderschönen Heimatlandes verleben durften, sei es als Touristen oder als Kurgäste, sei es als Besitzer eines Wochenend- und Ferienhäuschens oder als „Wasservögel" mit einem geliebten Boot.

Wandern wir Kinder Ostpreußens zunächst zurück in unsere Ferien- und Urlaubszeiten im Elternhaus — so manches Mal ein Haus, in dem schon Vater oder Mutter gespielt haben, ja nicht selten schon die Großeltern! Wir alle, Jung und Alt, wer kennt nicht die Ferienvorfreude, die uns allen in den Gliedern steckte, sobald es warm und schön wurde in der Heimat! Welche Fülle von Plänen trug da jeder im Sinn! Da waren die vielen Ostpreußenkinder, die die Schul- und Ausbildungsjahre in Pensionen und Schülerheimen in der Stadt oder irgendwo im Reich verbrachten, und deren Kalender eigentlich immer von Ferien zu Ferien lief. Da waren die vielen, die durch Beruf oder Heirat aus der Provinz gezogen waren und doch mit oder ohne Familie immer wieder die Urlaubszeiten in der Heimat verlebten. Ja, wir waren reich an Ferienfreuden in unserer Heimat! Blättern wir doch einmal in unseren Ferienerinnerungen. Da könnte wohl so mancher ein Buch schreiben! Angefangen mit dem ersten Sprung in den Pferdestall bis zum gepackten Abreisekoffer, der so manches bergen musste, das eben nur uns wertvoll war. Einen heimatlichen Ährenstrauß, — Muscheln vom Strand — ein „Kussel" -Zweiglein von der Nehrung — Jagdtrophäen u. a. m.

Ferien zu Hause — Kraftquelle für das ganze Jahr! Immer fester schlug man Wurzeln in der Heimat. Grade diese Tage und Wochen, da man auch mehr Zeit zur Besinnung hatte und Abstand vom sonstigen Leben gewann, haben uns vielleicht am stärksten für unser Leben geformt. Erzählen unsere Eltern und Großeltern aus der Jugendzeit, so sind es oft, sehr oft Ferienerinnerungen aus dem Elternhaus. Gott gab uns viel durch unser Ferien-Heimathaus und ließ die Heimat tief in unser Wesen hineinwachsen — wo wir auch sonst im Alltagsleben stehen mochten. Ist es zu verwundern, dass dies alles nicht mehr zu tilgen ist?

Ebenso wie diese goldenen Tage lassen wir nun an uns vorüberziehen die vielen Sommerzeiten, da wir geben, Ferien bereiten durften. Immer wieder trifft uns da ein ganz großer, sehr schmerzlicher Verzicht: seit sich unsere Heimathäuser geschlossen haben, haben wir nicht mehr den Lebensrahmen, um — wie einst selbstverständlich — andere an unserem schönen, sommerlichen Leben teilnehmen zu lassen, Herzen und Türen aufzutun: „Kommt, kommt, wir haben noch Platz — Gästebetten und gedeckte Tische erwarten euch — und Menschen, die voll Freude Leben „von draußen" in ihre Häuser hineinlassen." War es nicht so? In unsern vielen Landhäusern — in den vielen Gästehäusern, vom einfachsten Fischerhaus auf der Nehrung bis zur Gästevilla und zum Strandhotel? War es nicht so auch in vielen Häusern unserer Städtchen, die doch zum großen Teil eine Umwelt hatten, die viele Ferienfreuden bot? Ferien bereiten, welch herrliche Aufgabe, welch ein Reichtum auch dieses! Wie so manches Mal haben wir gesagt und gedacht: „Wie ist unsere Heimat wieder so schön! Man kann es ja gar nicht alles fassen mit Augen und Herzen, was Gott uns da geschenkt hat. Da müssen andere mithelfen, mitgenießen, sich mitfreuen." Und die „Anderen" kamen! Oft fragten sie gar nicht viel. Sie waren eben da. Strahlend und dankbar. Da waren die Ferienkinder aus der Stadt, denen sich eine ganze Welt auftat in unserem Landleben, und die bestimmt noch als Großeltern von den ostpreußischen Landhäusern erzählen werden. Freiheit! So manches beengte Kinderleben durfte sich in diesen Wochen entfalten. Da waren ganze Familien aus Freundschaft und Verwandtschaft, die Jahr für Jahr unsere Häuser füllten und mit zu unserem sommerlichen Leben gehörten, wie wir zu dem ihrigen. Da waren die einzelnen jüngeren und älteren Tanten, die selbstverständlichen Begleiterscheinungen eines jeden sommerlichen Landhauses, oft einsame Menschen, deren einzige Freude des Jahres unsere Häuser waren. Da war die ganze Freundschaft unserer Jugend, die selbstverständlich offene Häuser bei uns fand, ja, denen wir gerade mit ganz besonderer Freude unser schönes Heimatland zeigten und zugänglich machten. Da waren die Jagdfreunde aus den Städten und aus dem „Reich", deren Erlebnisse wir täglich mit größter Anteilnahme verfolgten. Leicht waren diese Wochen ja nicht für unsere Landhäuser. Landmann und Landfrau standen je selbst im konzentrierten Berufsleben des Landsommers. Wir hatten ja nicht Ferien! Wenn wir auch immer bestrebt waren, jeden Ferientag unserer Gäste oder unserer Kinder irgendwie mit Freude zu füllen. Die Arbeit lief von früh bis spät. Sie sollte unsere Gäste nicht bedrücken, so dass sie sich als Last empfanden. Wir mussten auch „Zeit haben", und wenn es nur mal Minuten waren. Wir wollten außerdem auch immer wieder zeigen, wie schön und natürlich unsere Arbeit war, wie wir in ihr lebten, wie sie unsere Freude war. Wir durften abends nicht tot müde in die Betten fallen, wenn die Arbeit getan war. Nein; gerade abends wollten wir mit unseren Gästen frei sein, an unseren warmen, langen, hellen Abenden draußen sitzen, uns erzählen lassen von den Erlebnissen des Tages und Pläne für den nächsten Tag machen. Wir wollten auch da sein für diejenigen, die nicht nur unser weites, stilles Land suchten, die auch unsere Herzen brauchten, die nicht nur körperliche Erholung suchten. Und nicht zuletzt wollten wir auch selbst empfangen. Unser stilles, oft einsames Leben im Osten wurde viel durch unsere Gäste bestimmt. Durch sie hörten wir aus der Welt und aus dem Leben anderer, und nicht selten suchten wir Rat, Unterstützung und Erfrischung. So mancher brachte „frischen Wind" in unser Leben, so mancher einen klugen Rat durch Beobachtung unseres Lebens von außen her. Wie wichtig war uns das Zusammensein mit unseren Kindern in den immer viel zu kurzen Ferienwochen. — Das war alles nicht leicht. Unser Sommer war eben ungeheuer erfüllt — arbeitsmäßig und auch menschlich. Aber wenn wir im Winter dann zurückblickten — hätte man es anders haben wollen? Leuchteten nicht unsere Gästetage und -wochen noch lange zurück als ein wesentlicher Lebensinhalt, wenn manches Alltägliche schon vergessen war? Ist es ein Wunder, dass uns dies alles jetzt schmerzlich fehlt in der Enge unseres Lebens?

Lasst mich nun noch derer gedenken, die als Gäste unseres schönen Heimatlandes immer wieder, Jahr für Jahr hinzukamen, um die besonderen Schönheiten unserer Provinz kennenzulernen, und zu genießen und denen unsere vielseitige Natur unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke schenkte. Ich brauche nur die Perlen unserer Landschaft anzudeuten: Unsere Ostsee — die Samlandküste — die Kurische Nehrung — Masuren — das Oberland — unsere Seen. Unsere heutigen Bilder mögen einige Erinnerungen wecken. Viele Ostpreußen aus unseren Städten zogen hinaus in ihre Landhäuschen oder in Gasthäuser, da sie längst alte Bekannte waren. Ein großer Strom aus allen Teilen Deutschlands kam dazu. Die Jugend zog mit Fahrrädern durch unser Land. Die Segler und Paddler genossen unsere Gewässer mit ihren stillen Ufern, ihrem reichhaltigen Tierleben und ihrem weiten Himmel darüber. — So mancher Forscher oder stille Naturfreund fand gerade in Ostpreußen die Stille und Abgeschiedenheit und Unberührtheit der Natur, die er suchte und in Kurorten nicht mehr fand. Es gab weitere Gegenden in Ostpreußen, in Masuren besonders, auch auf beiden Nehrungen, die keineswegs dem Fremdenverkehr erschlossen waren und für diese Menschen einen großen Reichtum offenbarten.

Wenn wir heute mit Fremden ins Gespräch kommen und dabei bekannt wird, wessen Landes Kinder wir sind, so treffen wir sehr oft auf Menschen, die unsere Heimat irgendwie kennen. Vom Arbeitsdienst her, von Manövern vor dem Krieg und vor allem aus Kriegszeiten. Oft wird uns dann gesagt: „Ein schönes Land dort oben — ein großzügiges Leben — eine Gastlichkeit in euren Häusern, wie wir sie sonst nirgendwo erlebt haben." Wie auch in vielen anderen Punkten: die Besonderheiten unserer Heimat werden uns erst bewusst, seit wir außerhalb stehen. Wir haben es immer als selbstverständlich empfunden: jeder, der auch nur vorübergehend in unseren Häusern weilte, gleich ob er „einquartiert" war als Soldat oder aus sonstigen Gründen bei uns einkehrte — er war unser Gast, um den man sich kümmerte.

Diese Gastfreiheit, die uns allen im Blut zu liegen scheint, wanderte auch mit hinaus, wenn Ostpreußen aus der Provinz, hinauszogen. Ich denke da z. B. an ein Ostpreußenhaus in Berlin, das wir Spaßeshalber immer als „Privathotel" bezeichneten, weil eben alles, was an Freundschaft, Verwandtschaft und Bekanntschaft mal durch Berlin durchreiste, dort „abstieg", stets in dem Gefühl, dort nur Freude zu bereiten. Ich denke an so manches andere ostpreußische Haus „im Reich". Die Ostpreußen blieben überall „Ostpreußen", ohne das irgendwie zu merken.

Und heute? Ist es nicht oft bewundernswert, mit welcher Freude in unseren engen Flüchtlingsbehausungen Platz gemacht wird, um einmal wieder Besuch zu haben, wenn auch nur ganz vorübergehend? Liebe Menschen aus der Heimat sind ja meistens unsere Gäste. Kann es dann einen schöneren Dank geben für uns, als wenn wir hören: „Bei euch ist's ja noch wie einst — wie früher bei euch zu Hause. Bei euch fühlen wir Heimatboden unter unseren Füßen." So wollen wir unser Heimatland mit allem, was es umschloss, auch weiterhin in uns tragen.

 

Seite 4   Johanni-Abend. Von Erminia v. Olfers-Batocki

Wir hatten den großen runden Klapptisch  unter die alten Linden getragen, denn im Schatten des Veranda-Daches war es uns zu heiß gewesen; galt es doch, den ganzen Sommertag über Erbsen zu lüften. Die alte Lowis, die in ihrem hohen Alter noch im Garten arbeitete, trug immer wieder zwei an den Peedehaken hängende Körbe voll grellgrüner Schoten herbei, denn die Erbsen mussten rasch geerntet und eingeweckt werden, bevor sie zu groß wurden. Nach jeder Tracht setzte die Lowis sich auf den Sack voller Schlauben — dann quietschte es und sie sank tief ein, indem sie seufzte: „Beetke verpooste." Dann wusste sie jedes Mal etwas zu erzählen, worauf sie sich, vielleicht während des Pflückens, vorbereitet hatte. Gern hörten wir ihr zu, die wir um den Tisch herum saßen: meine Mutter, deren baltische Cousinen, die, heimatlos, im Gutshause aufgenommen waren, unsere beiden drallen Hausmädchen und ich.

Der erste Satz Zuckererbsen war auf den langen Beeten besonders rasch gereift, denn am Wechsel von Regen und Sonne und emsigem Bienenflug hatte es nicht gefehlt. Wie die Perlen klapperten nun die Erbsen in Schüsseln und Schiewen, während die Hülsen die bereitstehenden Futtersäcke füllten, um nächster Tage den Schweinen vorgesetzt zu werden. Da setzte sich wieder einmal die alte Lowis auf einen der Säcke, so dass es knurpschte und sagte: „Ich werd emol 'n Rätselche aufjeben:

Ek weet eene kleene jreene Weef

Dee hängt an e langet greenet Band,

Un wenn keen Kindke binne läj,

Denn wär es leddig bet anne Rand.

Nu sull ju flitig seh besinne

Wat is de Weej un wat liggt binne?" „Lowiske", sagte meine Mutter, „es wird bald Abend. Den ganzen Tag haben wir Erbsen gepahlt, sage dem Gärtner, Ihr könnt mit Pflücken aufhören." — „Nee", widersprach die Alte, „de Arfte sinn so rasch jewasse" und bemüht sich, Hochdeutsch weiter zu sprechen: „Wenn der Hitz so bleibt, denn wachse se zu groß. Und was am Johannistag is anjefangen, das muss auch verricht werden, eher darf kein Mensch nich beis Faier jehn." — „Aber", seufzte die dicke Jette, ..sollen wir denn die Nacht durch pahlen? Mir tun all die Daumen weh. Und die Mamsell soll bis morgens am Herd stehen und nach das Thermometer kicken?" Die Lina setzte fort: „Wir beids, auch die Mamsell, wir wollen doch ans Faier jehn, na, und Sträußchen binden!" Tante Rita seufzte: „In unserem Herrgott-Ländchen waren wir die ganze Johannisnacht über im Freien. Auf allen Erhöhungen an den Flussufern wurden Feuer angezündet und die Letten sangen ihre alten Lieder zum Andenken an die Götter, die nichts mehr galten, denen man aber dennoch die Gabe zutraute dem Wachstum und der Reife zur Ernte den Segen zu geben. „Ligo— Ligo—" klang es von einem Hügel zum andern — Ligo war die Göttin der Fruchtbarkeit, — Ligo lebte noch und gab in der Sonnwendnacht ihren Segen." In der Tante, traurigem Antlitz glänzten, wie in unverlöschbarer Begeisterung, ihre Augen. Ach, die baltischen Tanten hatten keine Heimat mehr. Gott bewahre uns die unsere.

„Tante Rita", sagte ich, „Du wirst heute dasselbe bei uns erleben, nur, dass wir andere Lieder singen, denn unsere alten Prussen-Götter leben wirklich nicht mehr. Aber die Reisigbündel, die die Jungen gebunden haben, erinnern an die Hexenbesen alter Zeit. Die werden aufgeschichtet, angezündet und nach und nach in die Flammen geworfen. Vater hat zwei vierspännige Wagen in den Wald geschickt, die brachten so viel Reisig auf den Hopfenberg! Das ist nicht weit von hier, kommt beide mit, es soll Euch an Euer Zuhause erinnern."

Da nahte der Gutsherr durch die Gartenpforte. Auf seinen bestaubten Stiefeln schritt er um den Hausgiebel dem Lindenplatze entgegen: „Kinder, ihr sitzt noch immer und pahlt? Die Dorfjugend ist schon außer Rand und Band. Sie warten nur, bis wir kommen, dann wollen sie ihr Reisig anzünden. Lowischen, kommst mit? Ich will mit Dir durchs Feuer springen." Die Alte lachte verlegen und schüttelte den Kopf. „Nei, ich jeh in der kurzen Nacht Kräuter suchen." — „Das ist recht, Lowischen, in dieser Nacht gepflücktes Johanniskraut soll ja alle Wunden heilen. Und wie ist es mit der Königskerze?" — „Die? Der reiß ich die Spitze ab und bind se im Kreuz zusammen und nagle se an die Stalltüren, dass das Vieh nich krank wird." Damit schlang sie ihr Schurzband um die Hüfte, machte drei Hosper und zog somit ihre vielen Röcke und Schürzen nach oben, denn das Wiesengras war feucht beim Kräutersuchen. Nun gab es allgemeinen Aufbruch zum Hopfenberge. Nur die Mutter blieb daheim, um aufzuräumen und nach dem Einkochkessel zu sehen, denn Mamsellchen wollte auch des Johannisfeuers Licht und Wärme fühlen. Wir standen, mit der ganzen Dorfschaft vereint, um den Holzstoß herum, wir hörten die Sprüche, wir sangen die Lieder, wir sprangen über Flammen und Rauch. Hand in Hand zogen wir wie lange Ketten um das lodernde Feuer und sahen, wie das Abendrot in das Morgenrot hinüberdämmerte. Immer mehr Reisigbündel flogen in die Glut, loderten hoch auf und grüßten die nachbarlichen Johannisfeuer, von denen aus das Stimmengemisch herüberklang. Ringelreihen bildeten sich dort wie hier, schattenhaft sahen wir die Gestalten am Feuer vorübertanzen. Zwischen den Hügeln blänkerte der durch die Wiesen sich schlängelnde Fluss. Nebel stieg auf. Weidende Pferde, vom Flammenlicht aufgeschreckt, trabten einander folgend über die weiten Weideflächen.

Den baltischen Tanten war es zu spät und kalt geworden; und sie wollten ja noch im Garten Sträußchen binden, wie einst in Kurland, in ihrer Jungmädchenzeit. Vater begleitete sie zurück. — Lange stand ich, gegen den wilden Birnbaum gelehnt, schaute und lauschte in die Ferne. Wie die Frösche ihren Nachtgesang anstimmten! Wie die Störche noch spät zum Neste flogen! Das war Sommer, — das war Heimat. Das war heiliger Boden unter den Füßen. Und zu Häupten war der Himmel unserer Heimat. Die Sterne schimmerten matt in dieser hellen Nacht. — Am Kornfelde entlang ging ich langsam zurück. Der Brotgeruch des Roggens betäubte mich. Dunkelblauer Rittersporn kletterte an den hohen Halmen empor, hellblaue Kornblumen schauten aus der dichten Wand, die der Feldrand bildete. Ein Igel kam schnuppernd über den Weg und zielte auf die Grandkaule zu. Ich wollte ihn ansprechen, aber ich durfte ja nichts sagen, ich suchte mein Sträußchen zusammen. Die Kirchenuhr schlug. Es war die Mitternachtsstunde des Sommers. „Unser täglich Brot gib uns heute." — Der salze Atem der See verflog sich im Winde bis hierher und wehte die Ähren durcheinander, so dass sie sich stäubend berührten. Und dort fern begann die Schnarrwachtel ihren Ruf übers Feld zu schicken, den Ruf, den der Bauer deutet: „Schrab — schrab — hau sacht — langer Tag — kurze Nacht." Denn das ist der Sensenmann, der Schnitter, der seine Sense schärft: „Schrab, schrab —".

Ich habe einen Zweig Rittersporn, eine Kornblume, eine Kamille in der Hand. Nun bücke ich mich im Weitergehen nach der Lanze des Wegerichs und dicht über der Erdscholle bittet mich der Augentrost ein Zweiglein mitzunehmen. Auch das Labkraut sieht mich verlangend an. Während ich den Hofeingang durchschreite, zupfe ich der Scharfgarbe ihr flaches Köpfchen ab und eine vom Scheunenfach gefallene Lupine, die sich selbst hier ausgesät hatte, öffnet ihre Lippen, um gern gepflückt zu werden. Um das Sträußchen zuzubinden, ziehe ich einen Grashalm aus seinem Schaft. Ja, — nun sind es neun Kräuter. Niemand hat mich gestört und ich sprach kein Wort. So musste es sein. Auf dem Hofe schaue ich mich ängstlich um. Niemand ist da — alles ist still. Nur im Stall der angebundene Hengst klappert mit der Kette gegen den Krippenrand. Durchs Gartenpförtchen schleiche ich ans Haus. Noch sitzt die Mutter ganz allein auf der Holzbank und pahlt Erbsen. Nein — ihre Hände rühren sich nicht, sie ist eingeschlafen. Gelbe Lilien duften betäubend stark von den Rabatten. Ich werfe mein Sträußchen durchs niedrige Fenster, laufe durch die Vorlaube, springe über die Schwelle, durcheile drei dunkle Stuben, deren Schwellen ich als Hürden benutz. Nun husche ich in mein Stübchen, schiebe den Strauß unter mein glattes Kopfkissen, denke: was möchte ich gern träumen? Denn das geht in Erfüllung. Da sehe ich vor meinen Augen — unsichtbar — in dem fast dunklen Raume nur eine kurze Silbe, die aus dem Johannesnamen entstand — Hans —.

 

Auf der Treppe ist großes Geschrei und Gelächter. Das sind die baltischen Tanten: „Nain, solche Hinterlist!" — „Warte, wir rächen uns!" — „Rudolf, Du benimmst Dich wie ein böser Bube, Du mit Deinen fünfzig Jahren!" — Wieder Gelächter, oben und unten. „Das konnten wir uns leisten, als wir Backfische waren, und Du ein grüner Junge!" — „Aber heute!" —

Was war geschehen? Die Tanten hatten, Jugenderinnerungen genießend, neunerlei Kraut gesucht. Da aber ihr Mansardenfenster zu hoch war, um ihre Sträuße hineinzuwerfen, hatten sie fürsorglich zwei lange Bindfäden ans Fensterkreuz gebunden. Mein Vater, der still beobachtet hatte, wie die beiden hageren Gestalten durch den Garten gehuscht und dann ihre Sträuße an die hängenden Bindfäden gebunden hatten, dann über die Hausschwelle gesprungen waren und oben am Fenster erschienen, um die Sträuße an ihren Fäden hinaufzuziehen --- oh, mein Vater, welchen bösen Bubenstreich hattest Du Dir erlaubt?! — Was hatte er getan? Er hatte sein Taschenmesser gezückt und ritschte, ratsche unter dem Fenster die Sträußchen abgeschnitten. Daher das Geschrei der Tanten, deren Sonnwendträume sich nun nicht erfüllen konnten.

Es wurde hell. Schon fuhr der klappernde Milchwagen zur Herde auf die Weide. Und der Vater warf wohlgelaunt die Büchse über den Rücken und ging auf den Bock.

 

Seite 4 Simon Dach, gestorben 1659

Ob die Zeit weint oder lacht,

was Gestirn und Himmel macht,

ob sich rottet alle Welt,

Was das Korn im Lande gelt,

was der Alten Urtheil spricht,

Danach fragt die Jugend nicht,

sondern liebt und frewt sich satt,

wenn sie Tug und Mittel hat.

 

Seite 4   Vaterland - Heimat

„Wo dir Gottes Sonne zuerst schien,

 wo dir die Sterne des Himmels zuerst

leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst

eine Allmacht offenbarten und seine

Sturmwinde dir mit heiligem Schrecken

durch die Seele brausten, da ist deine

Liebe,

da ist dein Vaterland."

Ernst Moritz Arndt

 

Seite 4   O, ihr Masurischen Seen!

O, ihr Masurischen Seen,

Lächelnd im lieblichen Frühling!

Grüne, goldfunkelnde Augen

Leise bewegend die Wimpern,

Schilf unter blühenden Zweigen,

Ewig im Herzen mir jung.

 

O, ihr Masurischen Seen.

Ruhend in Hitze des Sommers!

Große, blaustrahlende Augen

Weit aufgeschlagen zum Himmel,

Klar und sonnendurchflutet

Tief bis hinab auf den Grund.

 

O, ihr Masurischen Seen,

Unter dem herbstlichen Himmel,

Wolken- und nebelverhangen,

Grau und mit Schwermut beschattet,

Augen gefüllt wie mit Tränen

Eines vertriebenen Volks!

 

O, ihr Masurischen Seen,

Starrend in Kälte des Winters!

Köstliches Nass eurer Augen

Scheinend wie klargrünes Glas,

Doch unzerbrechlich und hart,

Zähe und fest wie dein Volk!

Heinrich von Hagen

 

Seite 4   Unsere Buchbesprechungen

Hermann Sudermann: „Die Reise nach Tilsit", C Bertelsmann - Verlag, Reihe „Das kleine Buch", Nr. 35, Verkauspreis 2,20 DM.

Eigentlich sollten auch anspruchsvolle Leser dieses Bändchen zur Hand nehmen, denn Sudermann gilt ja heute wohl — sagen wir es vorsichtig — als „antiquiert". Dabei ist ja gerade bei dieser, mit einer seiner bekanntesten Kurzgeschichten, die Sprache so lebendig, wie am ersten Tag. „Wilwischken liegt am Haff. Ganz dicht am Haff liegt Wilwischken" — so beginnt die kleine Erzählung — eindringlich fast beschwörend. Aber in diesem Ortsnamen allein und in der Lagebeschreibung haben wir den Auftakt zu sehen und sind wir bereits in den Bann des Erzählers geraten, hat doch so ein Ortsname seinen eigenen Klang, seine eigene Musik und zu eben solchen Ortsnamen gehören Menschen und Geschlechter, wie die Balczus und Jakszat. Unmerklich spüren wir den Zauber der Landschaft, erleben wir das Schicksal der anmutigen Indre, deren Mann, der stolze Ansas mehr und mehr in den Bann der flatterhaften Magd Busze gerät. Weil aber Menschen und Landschaft dort oben ihren eigenen und herben Stil haben, enden auch die Auseinandersetzungen härter und zwangsläufig tragisch. Was in den Augen etwa eines französischen Meisters — „Liebe zu dritt" oder ein „pikantes Abenteuer" sein könnte, wird hier zu einer erschütternden menschlichen Tragödie. Da sage einer — Sudermann sei „überholt", es „lohne" wohl kaum mehr, ihn zu lesen! Das Gegenteil ist der Fall und erweist sich bei einem Vergleich mit neuestem Schrifttum. —

 

Paul Fechter „Der Zauberer Gottes",

Bertelsmann Verlag, „Das kleine Buch", Nr. 51, Verkaufspreis: 2,20 DM Paul Fechter nennt sein Drama eine „Komödie", obwohl sein Held — der Rektor Michael Pogorzelski, späterer Pfarrer in Kutten, seinen schweren Lebensweg bis zum bitteren Ende geht, da er sein eigenes Leben für andere opfert. Als Ort der Handlung nennt Fechter: „das preußischste Ostpreußen und ein ganz unwirkliches, verzaubertes Ostpreußen" . .. Warum „Komödie?" Sicherlich nicht wegen der Sprache, die in den meisten Szenen als gebrochenes Masurendeutsch an unsere Ohren klingt. Vielmehr sind es die Weisheiten jenes so berühmten und originellen Pfarrers, die uns hier von der Bühne her zugerufen werden, augenzwinkernd, mit einem hintergründigen Humor, so dass wir schließlich auch bei der rücksichtslosen Aufzeichnung menschlicher Schwächen nach ernstesten Sentenzen lauschend verharren, ob nicht irgendwie noch ein spöttisches Gelächter nachhallt...

Da stellt der spätere Konsiorlalrat Naujoks fest: „Ein Geistlicher ist kein Feldwebel, Exzellenz", worauf Pogorzelski seinerseits repliziert: „Guter Pfarrer ist mehr wie ein Feldwebel, Herr Generalchen. Feldwebel ist Mutter von Kompanie. Guter Pfarrer muss sein wie Vater und Mutter..." In einer anderen Szene setzt sich Lossow für diesen langen Masuren ein: „... Es gibt aber immer noch mehr gute Lehrer als gute Pfarrer. Da soll man die Gelegenheit ergreifen, einem auf die Kanzel zu helfen, der hinaufgehört. Aber es ist nur die Person Pogorzelskis, die alle für sich einnimmt, ist es nicht der Boden, der geheime Kräfte auszustrahlen scheint? Das sagt der Dichter durch den Mund des Josias von Zanthier: „hier ist Preußen und darum muss, was hier lebt, immer wieder Preuße werden. Wenn es noch ein paar Jahrhunderte dauert, seid ihr eingewanderten Deutschen hier alle verpreußt. Der Boden ist stark und hat mehr Mächte, als ihr in eurem zahmen Westen euch träumen lasst"... In der Gesamtschau wird der hagere Pogorzelski, der selber noch ein halber Heide ist, zu dem „geborenen" Christen, der christliche „Liebe" nicht erst definiert', sondern einfach lebt. In jedem Falle hat Bertelsmann einen guten Griff mit der Herausgabe dieses preiswerten Bändchens getan. —

 

Heinrich Eisen, Die verlorene Kompanie,

487 Seiten, Ganzleinen DM 12,80, Dickreiter Verlagsges. m. b. H., Freiburg. Dieser Kriegsroman wurde schon während des Krieges einmal herausgebracht und hatte großes Interesse gefunden. Jetzt ist dies schöne Buch neu herausgekommen und das Interesse des Auslandes hierfür steigt. Unter der großen Zahl der Kriegsromane und Berichte ragt dieses Buch erfreulich und wirksam heraus. Wie nach jedem Kriege kommen dann immer zuerst die Bücher heraus, die es als ihre Aufgabe sehen, das Soldatentum, Mut, Tapferkeit und Kameradschaft auf eine niedere Ebene herabzuziehen und die sich nicht genug tun können, die nun einmal nicht wegzuleugnenden ideellen Werte des Soldatentums zu schmähen. Hier liegt nun ein Buch vor, das in aller Schichtheit und Würde das Soldatentum so schildert, wie es wirklich ist, mit allen seinen Höhen und Tiefen. Es ist ein Buch vom Menschen, vielleicht etwas zu ideal und ein wenig phantastisch. Ein Buch für den Mann, der als Soldat oft ähnliches erlebte. Aber auch durchaus ein Buch für die Frau, denn frauliche Güte, seelische Größe und zarte Liebe der Schwester Erika inmitten der Männer gibt dem Roman seinen Glanz. Ein prächtiges Buch, voller Spannung und hohem Wert, das man „besitzen" möchte, um es bestimmt auch mal wieder zu lesen.

 

Rudolf Naujok, „Der Herr der Düne".

K. Tienemanns Verlag, Stuttgart, 120 Seiten, Halbleinen, 6,80 DM Das Buch wird als Jugendbuch angekündigt, aber es ist bestimmt auch für Erwachsene ein gutes Buch. Die Geschichte eines kurischen Jungen, der zunächst Fischer werden will, wie es sein Vater und auch sein Bruder waren, und der dann Förster wird, ist der Inhalt der Erzählung. Der Verfasser kennt Land und Leute gut und so entsteht ein Bild dieses Teils unserer ostpreußischen Heimat, das echt ist. Die Schilderung der Menschen, ihrer Tätigkeit und die behutsam eingeflochtene Geschichte der Kurischen Nehrung geben dem Buch einen besonderen Wert. Da alles anspruchslos aber gut erzählt ist, soll man es in erster Linie den Jugendlichen schenken, die nur noch eine blasse Erinnerung an ihre Heimat haben. Ich werde es auch tun! Dr. Paul

 

F. Boyer, „Verbotene Spiele".

Verlag O-. C. Recht, München 1935

Dem kleinen Buch sind auf dem Schutzumschlag einige Besprechungen aus ausländischen Zeitungen beigefügt, die alle von dem „wunderbaren mysteriösen" Inhalt sprechen. Wenn man aber das Buch gelesen hat, dann schüttelt man verwundert den Kopf und möchte glauben, die Rezensoren haben es wohl kaum gelesen. Abgesehen davon, dass die Deutschen bei ihrem Einmarsch in Frankreich des Kirchendiebstahls verdächtigt werden, taucht auch die Legende von den abgehackten Kinderhänden wieder auf. Und die gemeinen Ausdrücke und die sinnlose Handlung! Man kann nur bedauern, dass sich ein deutscher Verlag gefunden hat, dieses französische Machwerk als deutsche Ausgabe herauszubringen. Dr. Paul

 

Leben und Werk von Nikolaus Kopernikus

Als Helt 34 erschien soeben in der „Schriftenreihe" des Göttinger Arbeitskreises eine Darstellung des Lebens und Werkes von Nikolaus Kopernikus, von Dr. Hans Schmauch. Der Verfasser, welcher seit Jahrzehnten zu den führenden Kopernikus-Forschern gehört, schildert unter Auswertung neuester Forschungsergebnisse sowohl den Lebenslauf des aus deutschem Geschlecht stammenden großen Astronomen als auch dessen Werk. Dabei wird die Vielfalt der wissenschaftlichen und praktischen

Tätigkeit des ermländischen Domherren als Arzt, Geograph, bei der preußischen Münzreform und der Kalenderreform, und vor allem in seiner revolutionierenden Deutung des Planetensystems aufgezeigt. Das Heft ist im Holzner-Verlag, Kilzinge/ Main, verlegt, es umfasst 48 Seiten und kostet DM 1,50.

 

Guiseppe, Berto, Mein Freund, der Brigant.

Ins Deutsche übertragen von Charlotte Birnbaum. Claassen Verlag, Hamburg.

Dieses merkwürdige, starke Buch handelt von einem Menschentum, das noch unverbraucht in eine ihm feindliche Welt hineinragt. Alte Gesetze, denen ihr Lebensrecht noch nicht abgesprochen ist, stoßen auf neue, die ihnen schließlich doch das Ende bereiten müssen. Es ist die Geschichte eines Sizilianers, der in dem letzten Krieg in die Heimat kommt und unschuldig schuldig wird, indem er vermeintlich zum Rächer seiner Schwester wird. Dem Gefängnis entflieht er, aber unter dem Druck der gesellschaftlichen Struktur gerät er schließlich in wirkliche Schuld und geht zu Grunde. Das eigenartige des Werkes besteht darin, dass der Dichter die Ereignisse durch einen Jungen berichten lässt, der dem Helden in aufrichtiger Bewunderung ergeben ist. Gewiss ein seltsames Kunstmittel, durch das sicherlich viel gewonnen wird, aber auch manches problematisch erscheint, indem der Leser mit dem Dichter bestimmte Anforderungen an den Erzähler zu stellen hat, die nicht immer überzeugend erfüllt werden. Aber das Positive überwiegt, indem für das menschliche (und landschaftliche) Kolorit durch die Sicht des Erzählers ungewöhnlich viel gewonnen wird. Von hohem Interesse sind die Bemerkungen über die sozialen Verhältnisse, die gerade im Munde eines jungen aufwachsenden Menschen besondere Überzeugungskraft erlangen. Dieser „Brigant" Michele Rendi kommt so in eine ideale Situation, er will Frieden unter die Menschen bringen. Seine Welt ist die Welt der Armen, ihnen will er helfen, er kennt die Kraft dieser Menschen, welche der Verzicht gestählt hat. So ist das Ganze, wenn auch in seinem einzelnen Teilen gegensätzlich, letztlich eine Einheit in dem großen Ziel, dem der Dichter dienen will, dem Frieden, den der soziale Ausgleich in der Erkenn^tms wahrer Menschennatur zu schaffen berufen ist. Charlotte Birnbaum lässt den Leser vollkommen vergessen, dass er es mit einer Übersetzung aus dem Italienischen zu tun hat.

Professor Götz v. Selle

 

Seite 4   Schoolmeisterfrätersch / Karl Wilhelm Bink

Max on Kurt, twe echte Burenjunges, hadde all so manchet utgefräte. Wenn wat ön e School los weer, denn were se ok dabi. On denn gev et Rebaß no Ströch on Foadem. So hadde se de beide Schoolmeistersch ön Crietz allmählich hasse geleert.

Wedder were se op em Schoolweg, on Therese Neimann on Schine Hohmann were ok dabi. „Max, hest du ok alles geleert?" froagd Kurt. „Wie sull ök? ök mußt je gistre dem ganze Dag plege," sääd de. „Hest ok dicke Undexböchse an?" — „Nä! Oaver wat de haue könne, dat verdrääg ök allemoal noach. Oaver weetst wat? ök micht een Baar sön; denn micht ök dem ole gnaddrige Kanter Schnider op e Stell opfräte, dat ok nich een Haar von em ävrig bleev." Darop quidderde all de beide Mergelles far Vergnege. Kurt weer so öm Eifer, dat he Max tostömmd on schreech: „Joa, dat weer röchtig! Ök micht een Wulf sön; denn micht ök dem klene hubberge Waldmann bi e Klenettke packe on mi so lang öm e Oare schlackere, bät he ok nich meer Muff segge kunn."

De beide Mergelles, twe echte Keiterkotte, pruuste far Lost los on rennde öm Höpp veer no e School. Se hadde nuscht ielger to done, als alles de beide Schoolmeistersch to vertelle. Schnider moakt een bedröppst Gesöcht. „Wat hebb wi da bloß grotgetoage! De krige et vleicht wörklich moal fertig, ene Mönsche ömtobringe," meend he. Oaver Waldmann neem et nicht so eernst; he kunn bloß dräver lache.

Wie nu de beide Bonzkes ankeme, mußte se gliek no e groot School koame. De beide Mergelles vertellde noach emoal möt qroot Schoadefreid, wat se geheert hadde, on de ganz Klaß kriescht far Vergenege. De beide oaver weer dat Grine nejer wie dat Lache. Kurt kullerde all de helle Troane äver de Backes. Max kieckt stuur op e Eerd on kunn se geroad noach so verbite; bloß af on to wöschd he sök möt dem Ärmel de Nääs. Wi nu Waldmann froagd: „Segg moal, Kurt Fucks, weshalb wöllst du mi den opfräte?" Da kunn he sök nich meer hole, hield laut los on stoamerd: „Dat weer je bloß op Spoaß gemeent." „So, bloß op Spoaß?" sääd Waldmann streng on seech em scharp ön e Oge. „Joa!" schreech Kurt wie to Erlesung. ,,Na, wenn du dat bloß op Spoaß gemeent hest denn bruuk ök je woall far di kein Angst meer to hebbe, wat Kurt?" De scheddeld heftig möt em Kopp on seech sinem Schoolmeister driest ön e Oge. Waldmann sääd drop: ,,Na, denn wöll wi ons wedder verdräge, joa Kurt?" on reekt em de Hand hen. Kurt neem de ön sine beide Händ on scheddeld se dääj.

Wie nu Schnider seech, dat de Sach nich so schlömm gemeent weer, wie he eerscht angenoame hadd, froagd he Max: „Na, Max wöll wi beide ons ok verdräge?" Max kieckt freidig hoch on nöckt heftig möt dem Koapp; een Woart kunn he nich rutkriege; denn kreech he de Hand von Schnider to foate on dröcke se so dat ok sien ol Schoolmeister wete kunn, et ös alles varbi. Dat de beide Schoolmeistersch so nosöchtig gewese were, bleev op de beide Jungens nich one Wörkung. Se lete sök ön e School nuscht meer to Schulde koame, wurde gode Schelersch. Keiner bruukt meer Angst to hebbe, dat se öm Läve Daugenuschte wäre michte.

 

Seite 5

Wenn ich eine Last nur auf eine Schulter

Lüde, da würde ich unter ihr erliegen, ich

Muss sie aber auf beide Schultern laden,

und sie mit beiden Händen recht tüchtig ergreifen,

dann wird sie mir leicht werden.

Werner, gestorben 1823

 

Seite 5   Botschafter a. D. Rudolf Nadolny gestorben  

Am 18. Mai 1953 starb in Düsseldorf-Benrath der Botschafter a. D. Rudolf Nadolny kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres. Wir Heimatvertriebenen müssen sein Hinscheiden tief beklagen; denn der Verstorbene war ein echter Sohn seiner ostpreußischen Heimat, und der Wiedergewinnung des deutschen Ostens galten die Gedanken seiner letzten Jahre.

Rudolf Nadolny war am 12.07.1873 auf einem Gut zwischen Rastenburg und Lötzen geboren, und seine Vorfahren haben dort seit Jahrhunderten als köllmische Bauern gesessen. Es hat immer nur wenige Ostpreußen im Auswärtigen Dienst des Deutschen Reiches gegeben. Vielleicht eignet sich nach der vorherrschenden Meinung dieser etwas eckige und kantige Menschenschlag nicht sonderlich für das Geschäft, was man unter „Diplomatie" verstanden haben will. Dennoch hat Nadolny eine glänzende Laufbahn durchgemacht, und ein reiches Leben liegt hinter ihm.

Als der junge Attaché einst in den Dienst eintrat, hatte der „Alte im Sachenwald" gerade die Augen geschlossen, und Deutschland stand auf der Höhe seiner Macht. Bismarcks Erbe an außenpolitischem Gewicht war damals von Bülow und Bethmann-Hollweg noch nicht vertan worden. Im britischen Imperium ging die Regierungszeit der Königin Viktoria gerade seinem Ende entgegen, und als Nadolny vor 50 Jahren an die Botschaft in St. Petersburg geschickt wurde, sah er dort die Zarenherrschaft inmitten ihres Glanzes.

Schon im ersten Weltkrieg Chef der Politischen Abteilungen im Stellvertr. Generalstab in Berlin, wurde er 1919 Chef des Reichspräsidentenbüros (als Vorgänger von Meißner), 1920 Gesandter in Stockholm, 1924 Botschafter in Ankara, 1931 Leiter der deutschen Delegation bei der Abrüstungskonferenz in Genf und 1934 Botschafter in Moskau. Seine Karriere im Dritten Reich fand bald ein Ende. Nach heftiger Aussprache mit Hitler, dessen ostpolitischen Kurs er nicht gutheißen konnte, schied er aus dem Dienst und zog sich auf seinen Katharinenhof bei Gransee in der Mark zurück.

Den sowjetischen Siegern trat er 1945 unerschrocken entgegen und erreichte es, dass Gransee von Zerstörung, Plünderung und Gewalttaten verschont blieb. Die sowjetischen Befehlshaber brachten dem ehemaligen Moskauer Botschafter Hochachtung entgegen. Während der ersten Nachkriegsjahre setzte er sich unermüdlich für die Rückgabe des deutschen Ostens ein. „Wer Recht hat, soll ohne Scheu auf seinem Recht bestehen und braucht dafür nicht etwa noch einen Preis zu bieten", sagte er einmal vor einigen Monaten dem Unterzeichneten. Die Gespräche, die Nadolny damals mit den maßgebenden Männern im sowjetischen Hauptquartier führte, ließen bereits Erfolge erkennen, als Verunglimpfungen und Indiskretionen diese letzte Arbeit des großen Ostpreußen zunichtemachten.

Welch  hohes Ansehen aber Nadolny auch bei den Westmächten genoss, zeigte sich beim Deutschlandbesuch des früheren USA-Präsidenten Hoover, der, begleitet von dem früheren Botschafter Hugh Gibson, Nadolny in seiner Berliner Wohnung aufsuchte. Dies war wohl einer der wenigen Privatbesuche, die Hoover in Deutschland machte.

Es ist bedauerlich, dass die Bundesregierung von dieser starken Persönlichkeit keine Notiz nahm. Besonders schmerzte, dass ein früherer jüngerer Mitarbeiter ihn sogar nur heimlich aufzusuchen wagte, um seine Beförderungschancen in Bonn nicht zu gefährden. — Drei Jahre wohnte Nadolny in Rhöndorf, sozusagen vor den Toren von Bonn. Aber man hat es nicht ein einziges Mal für nötig befunden, sich des Rates dieses hervorragenden Mannes zu bedienen. Erst vor wenigen Monaten siedelte er nach Düsseldorf-Benrath über, sehr zum Bedauern des Unterzeichneten und aller derer, die mit diesem mutigen und klugen Menschen noch lange und oft Beziehungen gepflegt hätten.

In der Geschichte wird Rudolf Nadolny als einer der bedeutendsten Söhne Ostpreußens dastehen! Gesandtschaftsrat a. D. Dr. Richard Sallet.

 

Seite 5   Zweite Wiedersehensfeier des Inf.-Rgt. 2

Der Regimentsbund „Kameradschaft des ehem. Inf.-Rgts. 2" hatte alle früheren Regimentsangehörigen mit ihren Frauen nach Burscheid (Bezirk Düsseldorf) zu seiner zweiten Wiedersehensfeier eingeladen.

Konnte ein schönerer Ort gewählt werden, als Burscheid im Bergisch-Land? Friedlich und verträumt, aber doch schon in Erwartung der kommenden Grenadiere, Jäger und Füsiliere lag Burscheid am Sonnabend, den 02.05., da, als schon die ersten Kameraden eintrafen und ihre Quartiersleute aus den Jahren 1939/1940 aufsuchten. Herzlich war der Empfang und nichts hatten sich die „Burscheider" nehmen lassen, um ihre Gäste wie einst zu bewirten. Aus allen Gegenden Westdeutschlands kamen sie angefahren, die alten Kameraden, die sich im Frieden und im Kriege stolz als Kameraden des Infanterie-Regiments 2 gefühlt haben und für zwei Tage wieder nichts anderes sein wollten. Gegen 17 Uhr war der Festsaal in Paffenloh gefüllt, und man sollte nicht glauben, dass dieser Raum über 220 Kameraden und etwa 70 Frauen unterbringen konnte. Punkt 18 Uhr eröffnete das Musikkorps den Festakt mit dem alten Regimentsmarsch. Anschließend sprach der Vorsitzende der „Kameradschaft". Kamerad Berger, über die Bedeutung des Treffens und appellierte an die Teilnehmer, den alten Regimentsgeist wachzuhalten, die Tradition zu pflegen und tatkräftig an der Klärung der noch unzähligen Vermisstenschicksale mitzuarbeiten. Beim Klang des Liedes vom „Guten Kameraden" gedachte die Versammlung ihrer gefallenen Kameraden und durch gemeinsames Absingen des „Deutschlandliedes" wurde der feierliche Teil des Treffens beendet. Anschließend sprach der Bürgermeister von Burscheid zu den Erschienenen sowie der Vertreter der Heimatvertriebenen und die Beauftragte des Deutschen Roten Kreuzes. Im anschließenden kameradschaftlichen Beisammensein kamen die Kameraden zu ihrem Wort. Überall herrschte fröhliche Stimmung und der Austausch von Erinnerungen nahm kein Ende.

Der Sonntag versammelte die Festteilnehmer in beiden Kirchen von Burscheid zu gemeinsamen Gottesdiensten. In der evangelischen Kirche fand der ehemalige Divisions-Pfarrer Grzegorzewski andächtige Zuhörer. In seiner väterlichen und fürsorglichen Art, wie er es in schweren Stunden an der Front so oft getan, sprach er von der Kanzel zu seinen Getreuen Kameraden und eroberte sich damit wieder die Herzen aller Anwesenden. Nach dem Kirchgang begaben sich die Kameraden zum Heldenfriedhof und nahmen teil an der Kranzniederlegung zu Ehren der gefallenen Kameraden durch den letzten Kriegskommandeur, Oberst a. D. Ramser.

Um 13 Uhr waren die Kameraden noch einmal in Paffenlöh zusammen und ließen sich von den einzelnen Vorstandsmitgliedern Bericht über das verflossene Jahr erstatten. Den Rest des Sonntages verbrachte man mit fröhlichen Tänzen, zu denen auch die Burscheider Quartierleute eingeladen waren. Nur allzu schnell verliefen die beiden Tage. Die Wiedersehensfeier 1954 findet in Hamburg

statt.

 

Seite 5   Suchanzeigen.

Hubert Bartzik, z. Zt. in Amerika, sucht seine Eltern Albert Bartzik u. Maria B. geb. Reich aus Sulinnen, Krs. Lötzen. Die letzte Nachricht kam aus dem Lager Barth/Pommern Nov. 1948. Unkosten werden ersetzt. Nachr. erb. Franz Reich, Gladbeck i. W., Kirchhellner Straße 38.

 

Frau Magdalene Plesdenat, fr. Altlautersee, Krs. Darkehnen. Wer kennt die Anschrift (verm. Berlin), Nachr. an Frau Emma Hochwitz, Darrigsdorf 2 über. Wittingen, Krs. Gifhorn. 

 

Wer kann Auskunft geben über das Schicksal meines Mannes Paul Samland, geb. 04.07.1893 aus Linglack, Krs. Rössel. Er wurde am 17.02.1946 von Russen verschleppt. Nachr. erb. gegen Erstattung der Unkosten Frau Martha Samland, 17b Brigach 39, b. St. Georgen/Schwarzwald.

 

Wer kennt den Oberfeldwebel Otto Petereit, geb. 15.12.1914, wohnh. in Schwenten, Krs. Angerburg? Petereit hat bis 1942 dem Infanterie-Regt. 186 angehört und soll 1944 Dinatru 11 bzw. l/Fahrschwadron 11 angehört haben. Kameraden! Wer war 1944 mit Peterelt zusammen? Wer hat ihn im Juli 1944 während seines letzten Urlaubes in Schwenten gesehen oder gesprochen? Meldungen sind umgehend zu richten an Frau Else Petereit, Bielefeld, Jöllenbeckerstr. 1.

 

Lietz, Viktor, geb. 26.10.1923 in Wallen, Kreis Ortelsburg (Ostpr.), letzte Heimatanschrift: Labiau (Ostpr.), Schweizerweg 6. SS-Rottenführer, Feldp.-Nr. 45 054 (Panzer); letzte Nachricht am 24.12.1944, vermutlich Kurland.

 

Achtung, Heimkehrer! Suche meinen Sohn, Funker Alfred Heske, Feldp.-Nr. 45 637 A Einsatz: Ungarn Nähe Budapest, Heimatanschr. Mehlsack. Göringstraße 1. Nachricht erb. Frau Rosa Heske, Barunenweiler, Kreis Saulgau, Süd-Württemberg.

 

Mir ist das Grab, eines unbek. Soldaten mit der Erkennungsmarke 826 Kav. Ers. Abt. 9, Radf.-Ers.-Schw. 208 in Ostpreußen jetzt bekannt geworden. Wer kann über die genannte Einheit Auskunft geben bzw. wer kennt den Träger der Erkennungsmarke? Auskunft erbeten an Horst Frädrich, Hannover, Herrenhäuser Straße 126.

 

Suche meinen Sohn, Arthur Dolenga, geb. 26.06.1908, seiner Zt. wohnh. in Wiesengrund, Krs. Lyck. Er gehörte zur Feldpostnr. 22 018, P.-Bau-Btl. Von einem Kameraden der gleichen Kompanie, Fritz Rudzinski, der Rechnungsführer war, erfuhr ich, dass die ganze Kompanie bei der Verteidigung des vom Feinde eingeschlossenen Dorfes Urinok (Ostfront) in der Nacht vom 29./30.01.1943 lebend in Gefangenschaft geraten sein soll. Im Jahre 1946 soll einer nach Leipzig zurückgekehrt sein. Sie befanden sich in einem Lager im Ural. Ich bitte Angehörige der Feldpostnr. 22 018 und Heimkehrer aus Lagern im Ural, sich zu melden. Henriette Dolenga. 20a Seedorf, b. Bevensen, Krs. Uelzen.

 

Im Auftrage von Hans Tilsener, geb. 19. August 1932 in Kbg./Pr., Hindenburgstr. 53, jetzt: poln. Zone, werden seine Angehörigen gesucht: seine Mutter, Frau Gertrud Tilsener, gesch. Jackstadt, Kbg./Pr., Hindenburgstr. 53, 64 Jahre alt, seine Geschwister Eva, Günther u. Siegfried Jackstedt. Hans Tilsener war als 12-jähriger Junge auf dem Transport nach Russland, es gelang ihm, zu entfliehen. Meldungen sind zu richten an Friedel Royla, Kappeln/Schlei, Mühlenstraße 47. Krs. Schleswig.

 

Wer kann Auskunft geben über folgende Personen: Emilie Lörchner, geb. Gehlhaar, geb.09.06.1902, Staggen, Krs. Insterburg; Maria Paltunat geb. Gehlhaar, geb. 06.03.1906, Liebenfelde, Krs. Labiau; Hedwig Domnick geb. Gehlhaar, geb. 17.01.1910, Liebenfelde. Krs. Labiau; Charlotte Bartoschat geb. Gehlhaar, geb. 22.08.1912, Liebenfelde Krs. Labiau. Nachr. erb. Franz Galetzki, 20b Gelliehausen Nr. 60. Krs. Göttingen.

 

Elisabeth Rüdiger aus Königsberg, Preußen, Beidtritterweg 35 wird gesucht von Berta Stiller, Groß-Brebel über Süderbarup.

 

Wer kennt das Schicksal der Frau Flora Grothmann geb. Weise, Kbg./Pr., Prinzenstr. 2 pt.? Sie soll auf der Flucht bis Neutief gekommen sein. Was geschah weiter? Wer kennt das Schicksal der jungen Frau Hildegard Grothmann, geb. Seidel, Ehefrau des Apothekers Grothmann aus Kbg.Pr., Tapiauerstr. 4a, vor d. Sackhelmer Tor? Frau Grothmann ist am 27.01.1945 mit ihrer Tante Frl. Rosa Sarnowski, nach Cranz gefahren, wo Frl. Sarnowski ihr Haus, die Hotelpension Meeresblick besaß, Strandstr. 2 am Seesteg. Das Haus war zul. Ausweichstelle d. Kbg.-Ostmarkenkrankenhauses. Vielleicht können ehem. Lieferanten Frl. S., z. B. Kaufm. Kristant, irgend einen Hinweis geben? Nachr. erb. Fr. Olschewski, Hannover, Ubbenstraße 2.

 

Frau Martha Roeske, geb. Schurath, geb. 21.04.1891 aus Tilsit, Dragonerstr. 4. u. Ehemann Johann Roeske, Hausverwalter i. Christlicher Sekte, Drag. 4, bis 1945 Sachsen, dann unbek. verzogen. Nachr. erb. Eva Gottschalk, geb. Matthée, Schule Eickum, üb. Herford/ Westfalen.

 

Suche Herrn Hans Ehrlich sen., Insterburg, Parkwilla, oder Angehörige. Nachr. erb. an Gertrud Migowski, Düsseldorf 10, Bülowstraße 9 I.

 

Hermann Zachrau, geb. 1889 In Pojerstieten bei Kumehnen, Krs. Fischhausen, Samland, beschäftigt bei Magistrat Königsberg/Pr. als Aufseher bei den Kanalisationsarbeiten. Wohnung in Kbg.-Ratshof, Gerlachstr., wird ges. von Frau Berta Matern geb. Zachrau, Reutlingen. Landesaltersheim (fr. Kbg.-Juditten, Turnersruh).

 

Metz, Eberhard, geb. 27.01.1927 in Wallen, Kreis Ortelsburg (Ostpr.), letzte Heimatanschrift: Labiau, (Ostpr.), Schweizerweg 6, Obervormann RAD 6/13, Gr.-Stürlack (Ostpreußen); letzte Nachricht Dezember 1944 Osten, Kreis Rastenburg; hatte zuletzt auch Feldp.-Nr., die aber nicht mehr bekannt ist. — Werden gesucht v. Ruth Badziong, geb. Lietz, (14b) Wannweil über Reutlingen.

 

Wer hat Maxkeim überlebt? Wer ist mit meinem Mann, Lehrer Otto Jädtke, Groß Kärthen, Krs. Bartenstein, zusammen gewesen? Er ist am 28.01.1945 mit Beinbruch ins Bartensteiner Krankenhaus eingeliefert worden. Vermutlich nach Einmarsch der Russen nach Maxkeim b. Bartenstein verlegt, dort sind viele an Typhus verstorben. Auskunft und Nachr. erb. Frau Magda Jädtke, Hohnkirch - Westerholz, Krs. Schleswig.

 

Lietz, Gerhard, geb. 19.09.1921 in Wallen, Kreis Ortelsburg (Ostpr.), letzte Heimatanschrift: Labiau (Ostpr.), Schweizerweg 6; letzte Nachricht 18.01.1945 Tapiau (Ostpr.)

 

Suche meine Frau Anna Podzieadlwaski, geb. Herbaum, geb. 13.03.1871, Wohnort bis zur Vertreibung: Seebude b. Pappatten, Krs. Osterode/Ostpr.; Schwager Podzieadlawski wohnte in Gelsenkirchen. Wer kann Auskunft geben? Nachr. erb. Frau Frieda Teschner geb. Wedig, 13b / Holzen, Post Ebenhausen, Isartal.

 

Rudolf Nötzel aus Kl.-Heinrichsdorf, Krs. Elchniederung, geb. am 15.04.1899, vermisst seit März 1945 als Volkssturmmann in Königsberg, wird ges. von Frau Martha Nötzel geb. Müller, Reutlingen, Wörthstraße 20.

 

Maria Behnert, geb. 24.07.1896 in Braunsberg, Fleischerstr. 7, wurde auf der Flucht 1945 in Danzig verschleppt. Wer kann Auskunft geben? Nachr. erb. der Vater Josef Behnert, Sehnde, Breite Straße 14. Krs. Burgdorf.

 

Heimkehrer! Wer kennt den Ob.Gefr. Harald Olschewski, geb. 11.05.1922 in Königsberg, letzte Wohnung Laptauerstr. la ptr. Als Infanterist in Pasewalk/Pomm. usw. bis zur Kapitulation gewesen. Letzte bek. Anschr. „Einheit Maschke, Standortältester in Pasewalk". Wer kennt seine letzte Feldp.-Nr.? Nachr. erb. Frau Olschewski, Hannover, Ubbenstraße 2.

 

Suche meinen Bruder Johannes Holz, geb. 10.08.1923 in Guttstadt, Ostpr. Er diente in einem ostpr. Regiment (Ersatztruppenteil lag in Braunsberg). Nummer der Einheit unbek., Feldpostnr. vermutlich 17 433 B. Er lag u. a. an der Newa-Front, bei den Rückzugskämpfen in Sudauern als vermisst gemeldet. Letzter Wohnort Guttstadt, Kulmerstraße 3. Johannes hatte in Mühlhausen Sattler und Polsterer gelernt. Vater hieß Johann, Mutter starb 1943 im Februar. Wer kann über den Verbleib meines Bruders Auskunft geben? Nachr. erb. Gerhard Holz, 22a Oberh./Osterfeld, Hochstraße 37.

 

Wilhelm Rosowski, geb. 23.05.1899 in Kodziennen, Krs. Orteisburg, Wohn. Ortelsburg, A.-Hitler-Pl. 34. Wurde 12.02.1945 von den Russen aus Elbing, Kruppstr. 15 aus der Wohnung s. Schwiegereltern, Ed. Goldbach, verschleppt. Nachr. erb. Frau Olga Rosowski geb. Goldbach u. Sohn Lothar, Essen-West, Tholstraße 23.

 

Wo befindet sich Kfm. Richard Gerlach u. s. Schwägerin Frl. Käte Krauß, letzte Wohn. Ortelsburg, A.-Hitler-Pl. 34? Nachr. erb. O. Rosowski, Essen-West, Tholstr. 23

 

Wo befindet sich Familie Klautke, letzte Wohn. Elbing, Strauchmühle? Nachr. erb. Frau Olga Rosowski, Essen-West, Tholstr. 23

 

Gesucht wird Obergefr. Hubert Burkat aus Engelsberg bei Allenstein, letzte Feldpostnr.: L 23 818 Luftgau Posen. Wer kann über den Genannten nähere Ausk. geben? Wer ist mit ihm zusammen gewesen (Russland, Mittelabschn.)? Auskunft erb. an Horst Frädrich, Hannover, Herrenhäuserstraße 126

 

Suche m. Mann, Otto Perkuhn, fr. Seckenburg, Krs. Elchniederg. Er ging am 23.01.1945 von Robitten. Krs. Pr.-Holland, zum Bahnhof Steegen. Wer war mit ihm zusammen u. wer hat ihn zul. gesehen? Nachr. erb. Frau Anna Perkuhn, Delmenhorst, Oldenburger Str. 63.

 

Frl. Friederike Neumann geb. 20.12. 895 und Frl. Irmgard Neumann, geb. 13.01.1925 aus Königsberg-Ponarth, Wiesenstr., b. Springer, werden ges. von Familie Otto Putzer, 20b Obernjesa Nr. 61, Krs. Göttingen.

 

Ewald Derr und Bertha Derr, geb. Sarge aus Zinten/Ostpreußen, Siedlung Danziger Str., werden ges. von Wilhelmine Derr, Ohrum, Post Hedwigsburg, Krs. Goslar, fr. Nemritten b. Kukehmen. Wer kann üb. das Schicksal d. Gesuchten Auskunft geben?

 

Suche meine Mutter Witwe Katharina Bajorat geb. Laurus. geb. 03.06.1875, letzt, ständig. Wohnsitz Tilsit, Dragonerstraße 3 (zul. in Heinrikau b. Wormditt bei Landwirt Schmidt, im Februar 1945 gew.), ferner meine Verwandten: Mittelschullehrerin Frau Lisa Grullys geb. Schulz, geb. am 21.09.1910 in Drucken, Krs. Memel, letzt, ständ. Wohnsitz Memel, Nordring 6. Sie war zul. mit ihren Eltern b. Wehlau auf der Flucht; Oberstraßenmeister a. D. August Schulz, etwa 75 Jahre alt und Frau Adeline Schulz geb. Eggert, ca. 75 Jahre alt, letzt, ständ. Wohnsitz Memel, Nordring 6. Wer kann nähere Auskunft über die Vermissten geben? Nachr. erb. Wilhelm Bajorat, 20b Goslar/Harz, Kaiserbleek 10.

 

Mecklenburg. Meierei, Inh. Werner u. Gerhard David, Königsberg, Bülowstraße (Priv.-Wohn. Sackheim) sowie die Arbeitskollegen u. Angestellten der früh. Molkerei Bes. Johannes Feine, Mülhausen, Krs. Pr.-Eylau (1934 nach Mecklenburg verzogen) werden gesucht v. Erich Trupa, Haan/Rhld., Bachstr. 86, fr. Königsberg, Oberhaberberg 49. Alle meine Bekannten u. Verwandten, meldet Euch sofort!

 

Seite 6 und 8   Pr. Holland. Das ostpreußische Rothenburg. Von Robert Helwig

Foto: Das Rathaus zu Pr. Holland 1897 Aufn.: Archiv

Foto: Das Mühlentor

Foto: Pr. Holland, von der Höhenpromenade aus gesehen

Foto: Der Markt zu Pr. Holland mit Rathaus 1897

Foto: Städtische Bade- und Schwimmanstalt, erbaut 1925

Eine Kleinstadt von ganz eigenem Reiz war Pr. Holland. Wer von Elbing kommend sich der Stadt näherte, sah sie hoch auf einem Vorsprung des hier steil abfallenden Oberlandes über das Weesketal hinübergrüßen. Trotzig ragten die beiden Rundtürme des Schlosses, des Steintores, der Kirchturm und der schlanke Wasserturm über den Baumkronen des Berghanges hervor, und je näher man kam, desto mehr rechtfertigte sich der Zweitname des Städtchens. Man hat Pr. Holland nämlich das ostpreußische Rothenburg genannt. In der Tat passt der Vergleich. Es war ja nicht nur die malerische Lage auf einer vorspringenden Bergnase des hohen linksseitigen Weeskeufers, sondern vor allem auch die bauliche Romantik, die das Städtchen auszeichnete. Pr. Holland war die einzige Stadt Ostpreußens, welche ihren mittelalterlichen Mauerkranz ringsum vollständig behalten hatte. Zwar waren die vielen Wehrtürme, welche zackig aus dem Mauerzuge hervorspringen, nur noch in halber Höhe sichtbar. Auch ist das Töpfertor am Stadtausgang nach Rogehnen im Jahre 1815 bis auf einen wuchtigen halbrunden Wachtturm der Spitzhacke zum Opfer gefallen, noch standen aber in unserer Zeit das hochragende Steintor mit seinem die Stadttore vieler ostpreußischer Kleinstädte kennzeichnenden Staffelgiebel und das von wildem Wein umsponnene Mühlentor, an welches sich das alte Torschreiberhaus anlehnte. Dort könnte das Lied von der Lore am Tore entstanden sein, so anheimelnd sah dieser Winkel aus, der viele Künstler zur Nachbildung mit Pinsel und Stift angeregt hat.

Am Mühlentor begann die prächtige, 1818 angelegte Promenade, die auf dem Rande des Stadtberges bis zum Steintor führte und uns nicht nur die Stärke und wuchtige Schönheit der alten Stadtbefestigung aus nächster Nähe zeigte, sondern auch überall einen herrlichen Fernblick weit ins Land hinein bis zu den dunklen Hängen der Elbinger Höhen gewährte. Dort erging sich nach Feierabend, wer nicht viel Zeit hatte. Wer aber einen etwas weiteren Weg vorzog, lenkte seine Schritte zum Lindenberg, wo sich die Schlosspromenade in schattigen Windungen fortsetzte, oder stieg an der Jugendherberge vorbei zur Höhenpromenade empor, die nach Westen hin die Stadt mit dem 1925 längs des Mühlenkanals angepflanzten und prächtig eingewachsenen Stadtwald und dem Badeteich verband.

Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts besaßen die Stadttore ihre Torflügel, die nachts geschlossen werden mussten. In unseren Tagen konnte man natürlich zu jeder Tages- und Nachtzeit ungehindert in das Innere der Stadt gelangen. Das Gefühl der Geborgenheit, welches die Stadtmauern von jeher gaben, war aber geblieben, und traulich war es überall in den stillen Straßen und in den spitzgiebeligen, alten Häusern, welch der Mauerring einschloss.

So stattlich Schloss und Kirche das äußere Stadtbild beherrschten, die bauliche Perle im Stadtinnern waren doch das Rathaus. Es war eines der wenigen gotischen Rathäuser Ostpreußens und das einzige, welches einen sterngewölbten, gotischen Innenraum besaß. Auch die weit auf den langgestreckten Markt vorspringende, auf wuchtigen Pfeilern ruhende Vorlaube des Rathauses, deren Gewölbe ebenfalls noch aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts stammte, war einmalig für Ostpreußen. Vielleicht dürfen wir eine Verbindung zu der Vorlaube des alten, oberländischen Bauernhauses annehmen. Den Renaissancegiebel des Rathauses hat eine spätere Zeit geformt. Neueren Datums ist auch der uns allen bekannte kleine Glockenaufhang an der Rückfront des Rathauses. Früher ritt auf seinem Dach ein stattlicher Holzturm etwa von der Art des Mohrunger Rathausturmes.

Die Kirche stammt gleich ihrem Turm nur in ihren Außenmauern aus dem Mittelalter. Ursprünglich war sie wie die meisten anderen ostpreußischen Stadtkirchen in Stein gewölbt. Als dieses alte Gewölbe um das Jahr 1750 gefährliche Risse zeigte, wurde es abgerissen und durch einen hölzernen Innenbau ersetzt. Der gemütliche alte Turmhelm brannte im Jahre 1923 infolge Blitzschlages ab. Der Turm erhielt nunmehr das für die Gotik der Kirche stilgerechtere Spitzdach. Ich glaube aber, dass manchen Pr. Holländern die alte Turmkörung doch besser gefallen hat. Sie wird ihnen immer als Sinnbild der guten alten Zeit im Gedächtnis bleiben.

Das Ordensschloss wurde nach dem Reiterkriege im Jahre 1525 abgebrochen. Nur die Fundamente und die Keller des Ostflügels sind noch ordenszeitlich. Das Schloss unserer Tage wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts vom Markgrafen Georg Friedrich, dem Verweser des Herzogtums Preußen, neu aufgeführt.

Die ganze Stadt, insbesondere aber das durch eine Schlucht von der Stadtlage etwas herausgeschnittene Schloss haben am Rande des Oberlandes und gleichzeitig dicht am Drausensee, der einst bis nach Krossen heranreichte und durch den schiffbaren Unterlauf der Weeske den Platz mit den großen Wasserstraßen des Landes verband, eine so bevorzugte Lage, dass hier schon seit den ältesten Zeiten eine Siedlung bestand. Als der Orden ins Land kam, fand er dort eine altpreußische Burg vor. Auch einen Namen hatte der Platz von den alten Preußen her, der in der Form Pazluk oder Paslock in den ältesten ordensamtlichen Urkunden für das Schloss aber auch für die Landschaft rings um das Schloss gebraucht wird. Wohl schon bald nach der Niederwerfung des großen Preußenaufstandes (1273) veranlasste der Orden die Anlage einer deutschen Siedlung, welche durch Handfeste von 1297 Stadtrechte erhielt. Diese älteste und wichtigste Stadturkunde, ein eng beschriebenes Pergamentblatt, befand sich in ausgezeichnetem Erhaltungszustande bis zuletzt nebst den Pr. Holländer Zunftrollen und Willküren in Verwahrung des Stadtarchivs zu Königsberg. Die Handfeste sagt, dass die primi locatores, die Gründer der Stadt, aus Holland gekommen sind, und dass sie die Stadt nach ihrer Heimat Holland genannt haben. Tatsächlich wird die Stadt auch in allen älteren Schriften nur „Holland" genannt. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Zusatz „preußisch" eingeführt, wohl um Verwechselungen mit der holländischen Grafschaft gleichen Namens zu vermeiden. So klar die Namensbildung und die alte Verbindung mit dem niederdeutschen Sprachgebiet bewiesen ist so wenig wissen wir doch über die weiteren Siedlungsvorgänge. Da aber in der Stadt später nicht niederdeutsch, sondern ebenso wie im ganzen Oberlande mitteldeutsch gesprochen wurde, muss man annehmen, dass es den holländischen Gründern nicht gelungen ist, einen Stamm von Bürgern aus ihrer Heimat nachzuziehen.

Trotzdem aber ist in den Niederlanden niemals vergessen worden, dass im deutschen Osten, im Weichselmündungsgebiet, sich Zeugen der Arbeit holländischer Kulturpioniere befinden, und dass unser Städtchen sogar durch seinen Namen daran erinnert. Im 16. Jahrhundert wanderten holländische Mennoniten in größerer Zahl in das Danziger- und Elbinger Niederungsgebiet sowie in einige Orte des Kreises. Pr. Holland ein. Ein niederländischer Dichter jener Zeit behandelt, freilich in etwas sagenhafter Form, die Auswanderung der holländischen Stadtgründer. In unseren Tagen hatte der oberländische Geschichtsverein mit dem niederländischen Reichsarchiv in Amsterdam über gemeinsam interessierende Fragen korrespondiert, und noch im Jahre 1942 erschien von mir in einer niederländischen Zeitschrift ein illustrierter Aufsatz über Pr. Holland.

Von den immer von neuem entflammenden Kämpfen zwischen Polen und Ordensland bekam unser Städtchen ein gerüttelt Maß zu spüren. Zum ersten Male sah Pr. Holland im Jahre 1410 die Polen in den Mauern, als die Schlacht bei Tannenberg die Macht des Ordens zerschlagen und die friedliche Entwicklung des Landes für lange Zeit jäh unterbrochen hatte. Die Stadt wurde damals kampflos übergeben und musste sich die Willkür des Feindes gefallen lassen. Aus dieser Zeit stammt eine Sage, welche mit einer vermauerten Pforte in der Stadtmauer nördlich des Mühlentores in Verbindung gebracht wurde. Es heißt, dass die Polen eine Pflegetochter des Bürgermeisters namens Barbara als Geisel aufs Schloss nahmen. Als nun deren Verlobter von den Polen ebenfalls gefangen und ins Burgverließ geworfen wurde, wusste sich das Mädchen den Zugang zu dem ihr bekannten unterirdischen Gange zu verschaffen, der in der Nordecke des Schlosskellers begann und in Robitten jenseits der Weeske endete. Auf diesem Wege floh Barbara mit ihrem Liebsten. In Robitten wurden die beiden Flüchtlinge aber ergriffen, und Barbara wurde zur Strafe an der erwähnten Stelle lebendig eingemauert. Eine merkwürdige, über der vermauerten Öffnung befindliche Relieffigur wird als Teufelsfratze gedeutet. Tatsächlich handelt es sich aber um die Reste des Wappens, das Markgraf Georg Friedrich zur Erinnerung an den Neubau der Burg dort anbringen ließ. Die Geschichte von der eingemauerten Jungfrau ist, wie gesagt, eine Sage. Kein Märchen ist indessen die Überlieferung vom Vorhandensein eines unterirdischen Ganges. Der Kreisphysikus Dr. Kreutzwieser ist als Knabe mit anderen Pr. Holländern um das Jahr 1800 darin so weit hinabgestiegen, bis sie unter der Weeske waren und durch eine Einsturzstelle am weiteren Vordringen verhindert wurden. Solche unterirdischen Fluchtwege gab es bei mehreren Ordensburgen.  

Im dreizehnjährigen Städtekriege (1453 bis 1466) wurde die Stadt als eine der Hauptfestungen des Landes vom preußischen Städtebunde mit einer starken Garnison tschechischer Söldner belegt, die dort ein Schreckensregiment führten und bei ihren Plünderungszügen wenig danach fragten, ob ein Ort auf der Seite des aufrührerischen Städtebundes oder auf der Seite des Ordens stand. Der zweite Thorner Friede (1466) ließ die Stadt beim Orden. Die Grenze zwischen dem Ordensland und dem der polnischen Herrschaft unterstellten Elbinger Gebiet verlief durch den Drausee. Die Burg Holland wurde nach dem Verlust der Elbinger Burg Komtursitz.

Weit schlimmer erging es der Stadt in dem 1520 zwischen dem Ordensstaat und Polen entbrannten Reiterkriege. Pr. Holland hatte den Hauptsturm des polnischen Heeres auszuhalten. Zusammen mit einer Söldnerschar des Ordens verteidigten die Bürger ihre Stadt so tapfer, dass der Feind zunächst mit blutigen Köpfen abziehen musste. Erst als die Polen mit schwerem Geschütz und einem 5000 Mann starken Heere erneut gegen Holland zogen und es ihnen gelang, neben dem in der Nordwestecke gelegenen Speckturm eine Bresche in die Stadtmauer zu schießen, gelang der Sturm. Nahezu die halbe städtische Mannschaft fiel im Kampfe. Der Ordenshauptmann Greussing, an den der Name des Dorfes Greissings erinnert, endete im feindlichen Kerker. Auch die Reiterstraße verdankt ihren Namen diesem Kriege.

So blutig der Reiterkrieg die Stadt traf, fast noch schwerere Wunden schlug der große Stadtbrand vom Jahre 1545. Im Sommer jenes Jahres bereiste der Herzog das Oberland zu einer großen Kirchenvisitation. Ein Stallknecht seines Vortrabes ging des Nachts mit der Laterne unvorsichtig um und setzte den Stall in Brand. Das Feuer schlug in die Stadt hinein und ergriff einen Straßenzug nach dem andern. Da die Häuser bestenfalls in Fachwerk errichtet und größtenteils mit Schilfrohr gedeckt waren, gab es kein Halten. Die ganze Stadt sank in Schutt und Asche. Nur die Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen, die Umfassungsmauern und Gewölbe des Rathauses und teilweise die Kirche mit den eingemauerten Urkunden entgingen dem Unheil. „Das hatten nun die armen Leute von den Visitieren" so schließt der zeitgenössische Königsberger Chronist Johannes Freiberg seinen Bericht von der Vernichtung der Stadt Holland.

Stadt verlor bei diesem grauenvollen Unglück mehr als die Hälfte ihrer Einwohner, die zum Teil in den Flammen umgekommen sein mögen, zum Teil aber auch ihren Besitz einfach aufgaben. Tatkräftig nahm sich der Herzog der Stadt an. Dennoch dauerte es fast ein halbes Jahrhundert, bis die Bürgerzahl wieder die alte Höhe erreicht hatte.

Bereits vor dem Reiterkriege hatte der Rat die alte Handfeste nebst andern wichtigen Urkunden in der Kirche einmauern lassen. Wahrscheinlich waren alle daran beteiligt gewesenen Personen im Kriege umgekommen. Jedenfalls befanden sich die Urkunden noch während des Stadtbrandes in ihrem Versteck und entgingen so der Vernichtung, Sie wurden erst später durch einen Zufall wieder aufgefunden.

Nach rund 100 Friedensjahren brachte die Landung Gustav Adolfs in Pillau (1626) neue Kriegswirren ins Land. Zweimal erlebte die Stadt Pr. Holland den großen Schwedenkönig in ihren Mauern. Überall wird die gute Manneszucht der Schweden gerühmt, wohingegen die Polen, obwohl sie mit Brandenburg-Preußen verbündet waren, wie die Barbaren hausten. Ein übles Geschenk des Krieges war die im Jahre 1629 ausgebrochene Pest, welcher in Pr. Holland 600 Personen, etwa ein Drittel der gesamten Einwohnerschaft, zum Opfer fiel. Die vorzüglich geführten, bis 1545 zurückreichenden Kirchenregister geben nicht nur genauen Aufschluss über Ausbruch, Verlauf und Abflauen der Pest, sondern lassen auch ablesen, dass dieser starke Bevölkerungsverlust in wenigen Jahren ohne Zuwanderung nur durch Geburtenüberschuss wieder aufgeholt wurde.

Im zweiten schwedisch-polnischen Kriege konnte die Stadt noch zweimal unter Beweis stellen, dass sie eine Festung ersten Ranges war. Dem großen Gustav Adolf hatte man nicht Widerstand zu leisten gewagt. Jetzt aber tat man es. Im Jahre 1656 erfolgte eine wirkungslose Beschießung, und drei Jahre darauf verteidigten die Bürger ihre Stadt gegen ein 5000 Mann starkes Schwedenheer mit so hervorragender Tapferkeit, dass der Große Kurfürst nach glücklichem Ausgange des Kampfes die Stadt mit einem Krugprivileg belohnte und darin seine höchste Anerkennung für das Heldentum der Bürger aussprach.

So furchtbar die Kriege bisweilen die Stadt mitgenommen hatten, in Friedenszeiten waren die Soldaten doch gern gesehen. Bereits zur Zeit des Großen Kurfürsten lag in Pr, Holland eine Garnison. Wenig bekannt ist, dass der Feldmarschall v. Derfflinger hier eine Zeitlang Quartier nahm. Unsere Heimat gefiel dem österreichischen Bauernsohn so gut, dass er die Herrschaft Quittainen nebst den Vorwerken Skollmen, Matzweißen und Lägs erwarb. Wem die Stadt nach dem Siebenjährigen Kriege einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung nahm, so verdankt sie dies in erster Linie dem Infanterieregiment, das hier und in Mühlhausen seinen Standort hatte. Insbesondere das Pr. Holländer Tuchmachergewerk wurde durch Heereslieferungen so gestärkt, dass es die Elbinger Tuchmacher überflügelte. Zwei Generale jener Zeit errichteten stattliche Wohnhäuser in der Stadt, General v. Thadden in der Poststraße und General v. Lengenfeld in der Langen Straße. Beide Häuser standen noch, im Äußeren unverändert, bis zuletzt.

Die Durchmärsche der napoleonischen Armeen erlebte Pr. Holland wie jede andere an den Post- und Heerstraßen gelegene ostpreußische Kleinstadt. Bemerkenswert wäre allenfalls, dass Bernadotte, der spätere- König von Schweden, längere Zeit sein Hauptquartier in Pr. Holland hatte, und dass 1812 von preußischer Seite ein Leutnant v. Blomberg, ein Vorfahr des Generalfeldmarschalls, als „Marschkommissär" in Pr. Holland stationiert war.

Eine große Rolle im Weltgeschehen hat Pr. Holland nicht gespielt. Darin kann auch nicht die Bedeutung einer kleinen Landstadt gesucht werden.

Wohl aber hat Pr. Holland wie alle anderen ostpreußischen Städte in hohem Maße die Werte gepflegt, die in dem alten Ehrennamen „Bürger" umschlossen sind. Zwar ist aus Pr. Hollands Mauern kein ganz großer Mann hervorgegangen, wie aus dem Nachbarstädtchen Mohrungen, das sich mit Stolz die Herderstadt nannte, doch lebte in der Stadt zu allen Zeiten ein Menschenschlag, der fleißig und zuverlässig seine Pflicht tat. Fast stets erwies sich der Sohn dem tüchtigen Vater würdig. Häufig sind die Fälle, in denen ein gleichbleibender Hochstand sich durch drei und mehr Geschlechterfolgen nachweisen lässt. So ist insbesondere für die herzogliche Zeit die bei Hofe hochangesehene Ratsfamilie Naps zu nennen, seit 1620 die Apothekerfamilie Tilheim, im 18. und 19. Jahrhundert die Arztfamilie Christiani und Creutzwieser und die Musikerfamilie Weberstädt. Die bekannte Schriftstellerin Agnes Harder, eine Tochter des Pr. Holländer Kreisgerichtsrats und späteren Königsberger Landgerichtspräsidenten Harder, verlebte ihre Jugend in Pr. Holland. Sie legte ihre Kindheitserinnerungen in dem Büchlein „Die kleine Stadt" nieder. Georg Elert, der Sohn eines verdienstvollen Pr. Holländer Schulmannes, hat sich ebenfalls einen Namen als Schriftsteller gemacht. Sein Roman „Wohin wandern unsere Söhne?" schildert mit lebensvoller Wärme das Pr. Holländer Kleinstadtleben um 1890. Aus Pr. Holland stammt auch der Königsberger Museumsdirektor Anderson, dessen verdienstvolles Wirken noch in unser aller Erinnerung ist. Der Gründer der großen Tageszeitung „Hannoverscher Kurier" Dr. h. c. Madsack, begann seine Laufbahn als Buchdruckerlehrling in der Druckerei von Weberstädt in Pr. Holland.

Launige bunte Wegweiser, von einem Elbinger Künstler geschnitzt, erfreuten an allen Ecken Einheimische und Fremde. Der Untergang unserer Heimat hat auch in Pr. Holland hinweggefegt, was altehrwürdig und schön war. Nur die Kirche und ein paar Bürgerhäuser haben in der Innenstadt den russischen Brandkommandos Trotz geboten. Ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass die Vernichtung unserer Stadt durch den Riesenbrand von 1554 sich genau 400 Jahre später in noch viel furchtbarerer Weise wiederholte?

Bei den Abbildungen handelt es sich um einige der aus den Beständen des Pr. Holländer Stadtarchivs geretteten Aufnahmen. Sie geben den Zustand um 1897 wieder. Ein Bild zeigt noch den Rest des Schmuckes von der Jubiläumsfeier. Seitdem hatte sich das Stadtbild sehr vorteilhaft verändert. Vor dem letzten Kriege sind die Straßen durchweg neu gepflastert und mit guten Bürgersteigen versehen worden. Der Schlossplatz, von Schloss, Rückfront des Rathauses, Kirche, dem Renaissancebau der kurfürstlichen Schule und Teilen der Stadtmauer umgrenzt, war mit seinen schmucken Anlagen zu einer Sehenswürdigkeit geworden.

 

Reich ist man nicht durch das, was man

besitzt, sondern mehr noch durch das, was

man mit Würde zu entbehren weiß, und

es könnte sein, dass die Menschheit reicher

wird, indem sie ärmer wird und gewinnt,

indem sie verliert.

Immanuel Kant. Gestorben 1804

 

Seite 7   Achtung, Volksbank Rastenburg! Wer kennt die Kontoinhaber?

Die Volksbank Rastenburg hatte im Jahre 1944 Abschriften ihrer Depotunterlagen ausgelagert. Diese werden von der Wiesbadener Bank e. GmbH, Wiesbaden, Friedrichstraße 2000, aufbewahrt und sind als vollgültige Beweismittel für die Wertpapierbereinigung anerkannt. In diesen Unterlagen sind viele Depotkunden namentlich und mit Wohnort, aber ohne Straßenangabe, aufgeführt. Ohne nähere Angaben ist es aber nicht möglich, die Jetztanschrift der Berechtigten, bzw. deren Erben zu erfahren. Die Wiesbadener Bank benötigt die Jetztanschriften, um den Berechtigten die Unterlagen und Dienste bei der Geltendmachung ihrer Rechte in der Wertpapierbereinigung anzubieten. Nachstehend veröffentlichen wir eine Liste von Kunden der Volksbank Rastenburg, eGmbH und bitten unsere Leser, falls ihnen die Anschriften er Gesuchten bekannt sind, Mitteilung an die Wiesbadener Bank zu machen:

1.     Eduard Ahl, Erben, Rastenburg

2.     Carl Aschmann, Erben, Rastenburg

3.     Richard Baasner (Baesner?) Rastenburg

4.     August Bahr, Rastenburg

5.     Anna Bartsch, Angerburg

6.     August Becker. Rastenburg;  

7.     Emil Bischoff Korschen

8.     Else Bogdanski, Rastenburg

9.     Ida Bredschneider, geb. Ahl, Königsberg

10.  Friedrich Bürkner, Berlin-Lichtenberg

11.  Kaufmann Heinrich Claassen (Clasen?), Rastenburg;

12.  Henriette Czerlinski, Rastenburg

13.  Robert Czerlinski, Eichhöhe

14.  Lina Czuga, Rastenburg

15.  Marta Czuga, Rastenburg

16.  Karl Czygan, Gr.-Stürlenk

17.  Alfred Danlowke, Erben, ?

18.  D. Davidson, ?

19.  Martha Dittlof, geb. Sperling, Langanken

20.  Paul Dittloff, Gr.-Bürgersdorf

21.  Albert Dormeyer, Barten

22.  Benno Enders, Rastenburg

23.  Fritz Feller, Tolksdorf

24.  Karl Guth, Rastenburg

25.  Elise Hasford, Rastenburg

26.  Hermann Heinrich, Drengfurt

27.  Lisbeth Hesse, Korschen

28.  Eugen Jantzen, Nachlass, Rastenburg;

29.  Wilhelm Jassmann, Fürstenberg

30.  Albert Jeschonnek, Rastenburg

31.  Franz Keichel, Rastenburg

32.  Fritz Kirbschus, Rastenburg

33.  Gustav Klingelstein, Wendelenen

34.  Helene Knobloch, geb. Jordan, Kamplack (Ramplack?)

35.  Georg Kolde (Rolde?), Rastenburg

36.  Erich Konopatzki, Erben, Rastenburg

37.  Otto Kowalewski, Rastenburg

38.  Emma Krasemöller, geb. Bunglow, Rastenburg

39.  Gustav Kroll, Langewiese

40.  Horst Kühnke, Rastenburg

41.  Minna Küssner, Rastenburg

42.  August Lau, Ilsenburg

43.  Julius Marczinsik, Rastenburg

44.  Hermann Müller, Königsberg

45.  Fa. Neusitzer, Gr.Neuhof

46.  Marie Olschewski, Rastenburg

47.  Dr. Reinhold, Oberstabsvet., Rastenburg

48.  Hermann Repkewitz, Rastenburg

49.  Rudolf Rohdmann, Rastenburg

50.  Berta Siebert, Rastenburg

51.  Margarete Siebert, Rastenburg

52.  Anna Sinnhuber, Rastenburg

53.  Horst Skiebnewski, Rastenburg

54.  Rudolf Sperling, Langanken

55.  Marg. Schmolinski, geb. Führer, Sensburg

56.  Marie Schroeder (Schweder?), geb. Schwarz, ?

57.  Schulklasse Burschewen, Burschewen

58.  A. Schulz, Rastenburg

59.  Georg Stutz, Pülz

60.  Horst Viktor, Rastenburg

61.  Carl Weide, Rastenburg

62.  Paul Weigel, Rastenburg

63.  Emil Weller, Gr.-Neuhof

64.  Luise Wiemer, Tilsit

65.  Theodor Zabel, Rastenburg

66.  Emilie Zielinski, geb. Sperling, Langanken

67.  Fr. Zimmer'sche Erben, Rastenburg

68.  Hermann Zimmermann, Rastenburg

69.  Emil Ziska, Rastenburg.

 

Seite 7   Turnerfamilie Ost- und Westpreußen. Das Neueste über Hamburg

Etwa 65 000 Teilnehmer haben bisher ihren Festbeitrag für das Deutsche Turnfest in Hamburg eingezahlt. Darunter befinden sich mehr als 500 Mitglieder der alten ost- und westpreußischen Vereine. Bei dem Wiedersehenstreffen unserer Turnerfamilie werden wir daher in größerer Zahl als in den früheren Jahren Zusammensein und manches liebe Freundesgesicht wieder erstmals nach dem Zusammenbruch finden.

Das Standquartier ist noch nicht endgültig bestimmt, wird aber baldmöglichst durch Rundschreiben bekanntgegeben werden und ist auch aus dem etwa Ende Juni zum Versand kommenden Festbuch zu ersehen. Gleichzeitig mit dem Festbuch sollen Festabzeichen, Quartierkarte und die sonstigen Festunterlagen zugestellt werden. Außer der Zeiteinteilung für die gemeinsame Kundgebung aller ostvertriebenen Turner und Turnerinnen auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark am Donnerstag, den 06.08.1953, ab 18 Uhr konnte im Festbuch eine Erläuterung der Sonderveranstaltungen der Turnerfamilie Ost- und Westpreußen leider nicht gebracht werden. Ein besonderes Rundschreiben wird alles Nähere enthalten. Auf der gemeinsamen Kundgebung wird nach dem Aufruf der einzelnen Landsmannschaften und der Begrüßung durch den Bürgermeister der Feststadt Turnbruder Dr. Eschenbach (Schlesien) die Festrede halten und in unser aller Namen ein Treuebekenntnis zu unserer Heimat und zum Deutschen Turnerbund ablegen. Die Schlussansprache wird Turnbruder Dr. Karl Drewer der Kulturwart des Deutschen Turnerbundes halten. Musikalische, gesangliche und dichterische Umrahmung wird die Kundgebung besonders eindrucksvoll gestalten.

 

Anschließend findet der Heimatabend der Turnerfamilie Ost- und Westpreußen

(Landmannschaftsabend) in unserem Standquartier statt. Er soll ganz der Wiedersehensfreude, der Suche nach alten lieben Freunden, dem Austausch von Erinnerungen der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft nicht zuletzt aber auch dem heimatlichen Humor gewidmet sein.

Besondere vereinsweise Zusammenkünfte sind am Sonnabendvormittag geplant. Eine zweite gemeinsame Veranstaltung der gesamten Turnerfamilie Ost- und Westpreußen führt uns nochmals am Sonntagabend nach dem Abschluss des Deutschen Turnfestes in unserem Standquartier zu fröhlichem Ausklang zusammen, bevor wir uns am Montag einer der vielen Turnfahrten anschließen. Onkel Wilhelm

 

Seite 7   Wir gratulieren

Ihren 80. Geburtstag feiert am 1. Juni 1953 Frau Elise Fuchs geb. Mollenhauer. Frau Fuchs ist aus Gerdauen/Ostpr. gebürtig und hat lange Jahre in Königsberg Pr. gewohnt, zuletzt Henschestraße 13. Sie wohnt jetzt in Göttingen, Keplerstr. 14. Frau Fuchs erfreut sich trotz ihres hohen Alters großer geistiger und körperlicher Frische und Regsamkeit.

 

Der Eisenbahner Andreas Reinke aus Kurau, Krs. Braunsberg, feierte am 19. April 1953 seinen 72. Geburtstag. Er lebt jetzt als Rentner in Stenden 79, Krs. Geldern. Wir wünschen ihm nachträglich alles Gute und einen gesegneten Lebensabend.

 

Am 23. Mai 1953 feierte Herr Gendarmeriemeister i. R. August Schettler aus Bärenfang, Kreis Schloßberg, seinen 80. Geburtstag in völliger Frische. Vielen Landsleuten ist er bekannt geworden durch seine lange dienstliche Tätigkeit im Kreise Johannisburg und seit seiner Pensionierung in Köngsberg (Pr.), wo er in Juditten, Röderstr. 16, wohnte und sich für den Luftschutz einsetzte. Seit 1945 wohnt er in Flensburg und seit einem Jahr in einer eigenen Wohnung, Ostlandstr. 3 mit seiner Frau Anna geb. Bernecker, der wir ebenfalls nachträglich herzlich gratulieren zum 73. Geburtstage am 24. Mai 1953.

 

Die Bäuerin Charlotte Schmidt aus Nosewitz, Krs. Mohrungen, jetzt in Bornhausen 26 über Seesen a. H., vollendete am 24. Mai 1953 ihr 72. Lebensjahr.

 

Am 30. Mai 1953 beging die Tischlermeisters-Witwe Elisabeth Weitnschatis aus Wartenberg, Ostpreußen, jetzt in Seesen a. H., Jakobsonstraße 45 wohnhaft, ihren 73. Geburtstag.

 

Frau Johanne Braun aus der Maränenstadt Nikolaiken (Ostpr.), jetzt wohnhaft in Seesen a. H., Lange Straße 45, wird am 6. Juni 1953, 79 Jahre alt.

 

Zum 70. Geburtstag am 12. Juni 1953 dem Krim.Sekr. a. D. Otto Schachtschabel in Flensburg, Hafendamm 11. Ostpreußen war ihm seit 1919 zur zweiten Heimat geworden, seit 1927 lebte er in Königsberg, zuletzt Unterlak 13/14.

 

Herr Josef Behnert aus Braunsberg, Fleischstraße 7, feierte am 19. Mai 1953 seinen 91. Geburtstag in Sehnde, Breite Straße 14, Kr. Burgdorf.

 

Seite 7   Gymnasium Rößel. Gesucht werden:

1. Bernhard Dziondziak, geb. 02.02.1923 in Reiffenrode, Kreis Lyyck;

2. Alfons Stefanski aus Ortelsburg, Abiturient von 1936;

3. Heinrich Scheer aus Bischofsstein;

4. Otto Schulz, Besitzer des Hotels „Reichshof" — Rößel.

Mitteilungen erbeten an Lehrer Erwin Poschmann, 24b Kisdorf über Ulzburg (Holstein).

 

Seite 7   60. Infanterie-Division!

Die früheren Angehörigen der ehemaligen Danziger 60. Infanterie-Division (60. I. D. mot.) führen in Verbindung mit dem Deutschen Roten Kreuz eine Suchaktion nach ihren im Osten, insbesondere bei den Schlusskämpfen um Stalingrad vermissten Kameraden durch, die bereits zu guten Ergebnissen geführt hat. Ihr wird auch das nächste Treffen dieser Division im Oktober 1953 in Witten/Ruhr dienen. Die Suchaktion soll durch Erfassung möglichst aller noch lebenden ehem. Angehörigen der zur 60. I. D. mot. gehörenden Verbände erweitert werden. Diese werden daher gebeten, ihre Adressen umgehend folgenden Kameraden mitzuteilen, die es bei dem ersten Treffen in Witten im September 1952 übernommen haben, die einzelnen Formationen in diesem Sinne zu betreuen:

Div.-Stab: Dr H. W. Giesecke, Frankfurt/Main. Bundenweg

1. I.-R. 92: Wilhelm Buddenberg, (23) Gr.-Ringen, Krs. Bentheim.

I.-R. 120: Hans Schilling; Dortmund, Lübkestr. 6.

A.-R. 160: Dr. Gerd Hilger, Bremen Bismarckstraße 42.

Pz.-Abt. 160: Walter Peter, Karlsruhe/Baden, WeLtzienstraße 24.

A.-A. 160: Fürst zu Dohna-Schlobitten, (17 b) Grenzach/Baden.  

Pz.-Jäg.-Abt. 160: D. Goldbeck;  Brackwede/Westfalen. Quelle 9.

Krd.-Schtz.-Batl. 160 u. M.-G.-Btl. 9: Karl Bäu Arolsen/Waldeck. Kaulbachstraße 3.

Pi. 160: Hans Ulrich Schmidt-Jüngst, Bonn, Heerstraße 2.

N.-A. 160: A. von Harten, (24) Neumünster, Sedanstraße 18.

Dinafü. 160: Dr. W. Gruihn, Hamm/Westf., Südring 8.

San.-Dienste: Dr. Steiner, Stadtoldendorf über Holzminden.

Vollzähliges Erscheinen im Oktober in Witten ist im Interesse des Erfolges der Suchaktion dringend erforderlich. Alles Nähere durch obige Kameraden. Spenden sind jederzeit nicht nur willkommen, sondern dringend erwünscht und einzuzahlen auf das Postscheckkonto Nr. 156074 des Kameraden Friedrich Schlicht, (24a) Hamburg 11, Dovenfleet 36. Diese Beträge sollen zur Deckung von Unkosten, vor allem aber auch zur Ermöglichung von Reisen unbemittelter Kameraden nach Witten dienen.

 

Seite 7   Aus den Landsmannschaften

Bad Soden

Die Landsmannschaft der Ostpreußen hielt ihre Wahlversammlung ab. Nachdem Landsmann Francke einen Tätigkeitsbericht erstattet hatte erfolgte die Neuwahl, die folgendes Ergebnis zeitigte: Vorsitzender: Bankvorstand a. D. Franz Francke, stellv. Vorsitzender: Lehrer i. R. Hermann Neudenberger, Schriftführer Polizeimeister a. D. Emil Czichy, Kassiererin: Klavierlehrerin i. R. Klara Zimmermann. Als Delegierter zum Kreisverbandstag des BvD wurde Franz Francke gewählt.

 

Flensburg

In den letzten Tagen des Monats Mai und im Monat Juni haben die folgenden Mitglieder der Ostpreußen-Familie in Flensburg Ihren Geburtstag:

Am 28.05.1953 Ferdinand Neumann, Mathildenstraße 6, 87 Jahre;

am 29.05.1953 Franz Fuchs, Dorotheenstraße 25 , 73 Jahre;

am 30.05.1953 Berta Hirschfelder, Schiffbrücke 65 , 90 Jahre;

am 30.05.1953 Johann Sakuth, Ballastbrücke 29, 77 Jahre;

am 02.06.1953 Karoline Palfner, Glücksburger Str. 5, 81 Jahre;

am 16.06.1953 Emma Schmidt, Husumer Straße 10b, 72 Jahre;

am 17.06.1953 Karl Wandtner, Jürgenstraße 99, 71 Jahre;

am 18.06.1953 Wilhelm Müller, Solitüde 3, 76 Jahre;

am 19.06.1953 Ottilie Böhm, Gasstraße 4, 81 Jahre;

am 23.06.1953 August Kaspereit, Mützelburglager, Bar. 2/16, 75 Jahre.

 

Von den Mitgliedern des Vorstandes können im Juni ihren Geburtstag feiern:

am 04.06.1953 Veranstaltungswart Karl Borm, Tosbyüestraße 19, 51 Jahre;

am 24.06.1953 Kulturwartin Gertrud Hennig . Peter-Christian-Hansen-Weg 4, 61 Jahre.

Der Vorstand der Landsmannschaft Ostpreußen — Kreisverein Flensburg-Stadt — wünscht den Alten einen gesegneten Lebensabend und gratuliert allen Geburtstagskindern aufs herzlichste. Armoneit.

„Der Mai ist gekommen" — mit diesem gemeinsam gesungenen Lied begannen die „90 glücklichen Minuten", die die Flensburger Ostpreußen auf ihrer Monatsversammlung den Angehörigen ihrer Landsmannschaft durch die Ansage ihres 2. Vorsitzenden Hiller versprochen hatten. Und dass sie „glücklich" waren, dafür sorgten frohe Laune und lebhaftes Händeklatschen der zahlreichen Besucher von der ersten bis zur letzten Nummer des bunten Programms. Der Ostpreußen/Pommern-Chor stellte mit alten schönen Volksliedern unter seinem Dirigenten Riedel beachtliche Gesangskultur unter Beweis. (Wir wünschen dem tüchtigen Chor nur, dass noch einige kräftige Männerstimmen den Weg zu ihm finden!)

Einige Tanzvorführungen der Gymnastikgruppe Lutzkat und des Volkstanzkreises der DJO fanden starken Anklang. Herr Burdinski bezwang mit seinem ostpreußischen Humor auch das ernsteste Gemüt. Die „4 Schwiegermütter'' — von einigen Ostpreußenfrauen glänzend gespielt — und ein Gesangs- und Tanzduett bekamen stürmischen Applaus. Die letztere Darbietung, von Frau Hiller und Herrn Burdinski mit köstlichem Humor und drastischen Schwung serviert, bewies noch einmal die große Publikumswirkung dieser Gemeinschaftsschöpfung des Amateurhumoristen Adalbert Burdinski und des Kapellmeisters Bruno Peter, der zu aller Freude mit seinem Orchester neben der Begleitung einzelner Darbietungen auch noch eigene musikalische Unterhaltung bot.

 

Schulrat a. D. Babbel hatte im geschäftlichen Teil dem Mitgefühl der Landsmannschaft für die vom Brand im Mützelburglager Betroffenen Ausdruck gegeben und zu Spenden aufgerufen. Der Vorsitzende konnte gleichzeitig mitteilen, dass für die Masurenspende („Bruderhilfe Ostpreußen") aus dem Stadtkreis Flensburg bereits mehrere Kisten zum Versand gebracht werden konnten.

 

 

Lübbecke/Westfalen

Auf der Mai-Monatsversammlung des Kreis-und Ortsvereins der Landsmannschaft gab der Sprecher, Herr Hardt, ein anschauliches Bild von den Beziehungen zwischen Ostpreußen und Schlesien. Dann gedachte er der heimatlichen Dichterin Erminia von Olfers-Batocki, während Frau Pieper eines ihrer letzten Gedichte vortrug. Frl. v. I. forderte die Eltern auf, in ihren Kindern die Erinnerung an die ostdeutsche Heimat wachzuhalten. Frau Goerke berichtete von ihrer Hollandreise. Zwischen den Vorträgen gab es musikalische Einlagen, um welche sich Frau Klähn und Herr Kreuzholz jun. sehr verdient machten. Über die notwendige enge Zusammenarbeit zwischen Landsmannschaft und BvD sprach der Kreisvorsitzende des BvD, Herr Brefel.

 

Seesen a. Harz

„In der Heimat ohne Heimat" war das Motto einer heimatpolitischen Feier der Ost- und Westpreußen. Gestützt auf die neuesten Veröffentlichungen des Göttinger Forschungskreises ehemaliger Königsberger Professoren und an Hand der Dankesbriefe, die Seesener Spender für die „Bruderhilfe Ostpreußen" in der Paketaktion Masuren in den letzten Wochen erreichten, wurde ein wirklichkeitsgetreues Bild der jetzigen trostlosen Lebensbedingungen und der unsagbar schweren körperlichen und seelischen Leiden der 80 000 - 100 000 Landsleute entrollt, die in der alten Heimat zurückgeblieben sind, und für die es seit 1951 kein Entrinnen aus ihrem Sklavendasein gibt. Die Hilfsaktion wird unter Leitung von Frau Donnermann fortgesetzt. — Der nächste Heimatabend am 6. Juni 1953 wird unter dem Thema „Zu den Möwen an die See" die landschaftlichen Reize des von Haff und Ostsee umspülten Bernstein-Samlandes behandeln.

 

Verein heimattreuer Ost- und Westpreußen zu Hannover

Der Verein heimattreuer Ost- und Westpreußen zu Hannover veranstaltete am 10.05.1953 mit Autobussen eine Fahrt in den Mai. An der Fahrt nahmen über 180 Mitglieder und Gäste teil. Das Wetter war leider nicht sehr freundlich, konnte aber die gute Stimmung nicht vertreiben. Zunächst ging es nach Bad Salzdetfurth. Nach kurzer Begrüßung durch den Herrn Stadtdirektor war Gelegenheit gegeben, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Um 15 Uhr wurde die Fahrt fortgesetzt. Zwischen den Sieben Bergen und dem Hildesheimer Wald fuhr man zur Gaststätte Sternhaus in Hildesheim — Neuhof. Hier begann ein fröhliches Treiben bei Vortrag und Tanz. Reges Interesse fand eine Tombola mit einem luftbereiften Kinderroller als Hauptgewinn. Gegen 23 Uhr war man wieder in Hannover. Der Tag verlief, wie immer bei diesem Verein, in schönster Harmonie und zur vollsten Zufriedenheit aller Teilnehmer.

Die nächste Mitgliederversammlung des Vereins heimattreuer Ost- und Westpreußen zu Hannover findet am Sonntag, den 21. Juni 1953 um 19.30 Uhr in den Lessingsälen der Gaststätte Schweimler, Hannover, Lessingstraße 8 a, statt. Der Versammlung schließt sich ein gemütliches Beisammensein an.

 

Gedenkfeier in Mainz für die Volksabstimmung

In vorbildlicher Weise wirken einheimische Kräfte bei der durch den BvD unter der Regie des Ersten Bürgermeisters a. D. Bernhard Pawelcik - Marienburg/Westpr. groß angelegten Gedenkfeier für die Volksabstimmungen des Jahres 1920 in Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien und Schleswig im Kreuzgang des ehrwürdigen Domes In Mainz am 14. Juni 1953 durch Hergabe der bedeutsamen Örtlichkeit und Gestellung eines angesehenen Domchores u. a. m in Erkenntnis der Aktualität des Volksabstimmungsgedankens für die künftige deutsche Gestaltung mit.

 

Seite 7   Suchdienst der Heimatortskartei für Ostpreußen

Wenn Ihnen über den Verbleib der Gesuchten etwas bekannt ist, geben Sie bitte direkt Nachricht an die Heimatortskartei für Ostpreußen — (24b) Neumünster, Postfach 178. Es werden gesucht:

741. Jägersfreude, Kr. Gumbinnen. Weller, Otto, geb. 05.05.1888, Landwirt, ges. von Adamietz, Erna

742. Jägsershagen, Kr. Gumbinnen. Grigoleit, Erna, geb. Welz, ges. von Johannes Neitz

743. Jägershagen, Kr. Gumbinnen. Karos Julius, geb. 11.07.1876, Bauer, ges. von Karos, Kurt

744. Jägershagen, Kr. Gumbinnen. Schlicker, Erika, geb. 27.04.1922, ges. von Schlicker, Edith

745. Jägershagen, Kr. Gumbinnen. Schlicker, Hildegard, geb. 20.08.1923, ges. von Schlicker, Edith

746. Jockeln, Kr. Gumbinnen. Pohl, Kurt, geb. 08.08.1934, ges. von Wegner, Minna

747. Kl.-Preußenwalde, Kr. Gumbinnen. Köhler, August, geb. 07.03.1873, ges. Schaudinn, Fritz

748. Kl.-Preußenwalde, Kr. Gumbinnen. König, Gertrud, geb. 01.07.1920, Hausangestellte, ges. von König, Auguste

749. Kl.-Preußenwalde, Kr. Gumbinnen. Liehr, Lina, geb. 03.04.1889, Wirtschafterin, ges. von Liehr, Eva

750. Kl.-Preußenwalde, Kr. Gumbinnen. Paulin, Hildegard, geb. 23.12.1933, ges. von Paulin, Gustav

751. Kl.-Preußenwalde, Kr. Gumbinnen. Perrey, Johanne, geb. Brossukat, geb. 05.01.1878, ges. von Zake, Adeline

752. Klein-Puspern, Kr. Gumbinnen. Rentel, Emil, geb. 20.03.1902, Melkermeister, ges. von Rochelmeyer, Minna

753. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Harpain, Erika, geb. 06.10.1921, Bäuerin, ges. von Witschel, Ursula

754. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Harpain, Lucie, geb. 07.06.1923, Bäuerin, ges. von Witschel, Ursula

755. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Kratzat, Ida, geb. 28.05.1909, ges. von Weitkus, Frieda

756. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Minge, Ella, geb. 08.01.1915, ges. von Minge, Albert

757. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Minge, Frieda, geb. 26.10.1917, ges. von Minge, Albert

758. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Minge, Karl, geb. 12.02.1875, Hauer, ges. von Minge, Albert

759. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Plettner, Heinz, geb. 04.07.1930, Schmied-Lehrling, ges. von Plettner, Fritz

760. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Preugschat, Horst, geb. 14.07.1932, ges. von Kirstein, Minna

761. Kl.-Stangenwalde, Kr. Gumbinnen. Preugschat, Dora, geb. 08.03.1925, ges. von Kirstein, Minna

762. Kleinweiler, Kr. Gumbinnen. Rimkus, Berta, geb. Keding, geb. 27.12.1893, ges. von Rimkus, Gustav

763. Klrammsdorf, Kr. Gumbinnen. Aschmoneit, Paul, geb. ca. 1908, Landwirt, ges. von Kaspar, Friedericke

764. Krammsdorf, Kr. Gumbinnen. Karos, Fritz, geb. 19.05.1930, Landw.-Lehrling, ges. von Karos, Minna

765. Krammsdorf, Kr. Gumbinnen. Naujoks, Günther, geb. 04.07.1936, ges. von Naujoks, August

766. Kubbeln, Kr. Gumbinnen. Raudschus, Emil, geb. 04.03.1901, Schmiedemeister, ges. von Rauschus, Emma

767. Kubbeln, Kr. Gumbinnen. Thiel, Fritz, geb. 09.06.1907, ges. von Metzler, Martha

768. Kubbeln, Kr. Gumbinnen. Thies, Karl, geb. 12.12.1874, Landwirt, ges. von Thies, Lina

769. Kutten, Kr. Gumbinnen. Binsch, Helene, geb. 15.04.1921, Landarbeiterin, ges. von Binsch, Minna

770. Kutten, Kr. Gumbinnen. Buschinski, Franz, geb. 17.01.1888, Obermelker, ges. von Buschinski, Franz

771. Kutten, Kr. Gumbinnen. Didschus, Gertrud, geb. 28.02.1924, ges. von Kulm, Frieda

772. Kutten, Kr. Gumbinnen. Ruhnke, Ernst, geb. 12.02.1895, Landwirt, ges. von Ruhnke, Johannes

773. Lampshagen, Kr. Gumbinnen. Kledewski, Helene, geb. Täschner, geb. 16.10.1903, ges. von Kledewski, Franz

774. Lampshagen, Kr. Gumbinnen. Wannags, Eva, geb. Banscherus, geb. 12.10.1876, ges. von Schmidt, Anna

775. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Adomeit, Helene, geb. 09.09.1904, ges. von Adomeit, Richard

776. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Bley, Auguste, geb. 28.05.1869, ges. von Bley, Anna

777. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Bley, Lina, geb. 15.02.1910, ges. von Bley, Anna

778. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Bley, Martha, geb. 01.02.1903, ges. von Bley, Anna

779. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Jonetat, Meta, geb. 29.05.1917, ges. von Jonetat, Elise

780. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Jonetat, Paul, geb. 12.12.1920, ges. von Jonetat, Elise

781. Langenweiler, Kr. Gumbinnen. Meinekat, Otto, geb. 16.02.1888, Schneidermeister, ges. von Meinekat, August

782. Laurinshof, Kr. Gumbinnen. Meiser, Fritz, geb. 09.09.1900, Landwirt, ges. von Meiser, Hans

783. Laurinshof, Kr. Gumbinnen. Weber, Eduard, geb. 13.04.1884, Bauer, ges. von Weber, Auguste

784. Lindenkrug, Kr. Gumbinnen. Zilian, Bertha, geb. 02.10.1906, Hausgehilfin, ges. von Rudat, Elisabeth

785. Lindenkrug, Kr. Gumbinnen. Zilian, Friedrich, geb. 06.02.1904, Landarbeiter, ges. von Rudat, Elisabeth

786. Lolen, Kr. Gumbinnen. Geld, Fritz, geb. 26.02.1928, Melker, ges. von Geld, Fritz

787. Lolen, Kr. Gumbinnen. Kahl, Gertrud, geb. Senkel, geb. 22.10.1902, ges. von Kahl, Wilhelm

788. Lolen, Kr. Gumbinnen. Kidzuhn, Martha, geb. Fouquet, geb. 10.??.1890, ges. von Krause, Hedwig

789. Lolen, Kr. Gumbinnen. Rauter, Werner, geb. 02.01.1928, Lehrling, ges. von Rauter, Fritz

790. Lolen, Kr. Gumbinnen. Thieler, Annemarie, geb. 25.05.1929, ges. von Thieler, Gustav

 

 

 

Seite 8   Zinten – 600 Jahre Stadt. Von Konrektor i. R. Heinrich Lenz (Schluss)

Foto: Zinten: Kirche mit ältestem Schulhaus

Das Bild unserer Stadt wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch der Sportpflege und dem Vereinsleben einige Worte widmen würden. Es gibt nur wenige Sportarten, zu dessen Ausübung sich nicht in unserer Stadt Gelegenheit geboten hätte. Für den Schießsport standen 18 Schießstände zur Verfügung. 1933 wurden mit großen Kosten in erster Reihe durch Herrn Dr. Krüger drei neue, ideal im Stadtwalde gelegene Tennisplätze geschaffen. Der Zintner Turnier- und Rennplatz war seit 1936, nach dem Urteil von Trainer Kerpen, Königsberg, in seinem Hindernisaufbau auch den schwersten Anforderungen gewachsen, zumal die Rennstrecke 500 Meter durch Waldgelände führte. Für den Wintersport war es besonders vorteilhaft, dass die Sportgelegenheiten, wie Rodelbahn, Sprung- und Skischanze, Eislauf auf der 4000 qm großen Fläche der Badeanstalt nahe beieinander lagen, und für alle anderen Arten des Rasensport (Fußball usw.) hatte die Stadt unter Hergabe von 6.5 Morgen wertvollsten Baulandes einen allen Anforderungen genügende in wundervoller Lage gelegenen Sportplatz geschaffen, um dessen Zustandekommen sich Herr Fritz Pelikahn besonders bemüht hat.

 

Ebenso müsste man auch eine Geschichte unseres Schulwesens beifügen, von ihren bescheidenen Anfängen bis hin zu ihrer Entwicklung als vollwertige Mittelschule unter Mittelschulrektor Dr. Kluge.

 

Auf diesem nur überall angedeuteten Hintergrund einer 600-jährigen Vergangenheit erscheint uns das Bild unserer Heimatstadt, das wir alle von ihr als unverlierbaren Besitz in unseren Herzen und Sinnen tragen, um so liebenswerter, erfüllt uns mit Stolz über das, was uns in den letzten 50 Jahren so anziehend erschien, und wir gedenken dankbar der tatkräftigen Bürgermeister Holtzmann, Weiß und Dr. Ruprecht, die dem Antlitz unserer Stadt nicht nur ein modernes Gepräge gaben, sondern auch dafür Sorge trugen, dass wir an allen neuzeitlichen kulturellen Fortschritten der Zeit, die vorher ein unbestrittenes Privileg der Großstädte, wie Kanalisation, Wasserleitung, elektrisches Licht, Schlachthof, Kino, ganz besonders nicht zu vergessen die einzig schön gelegene Badeanstalt, und was kaum eine andere Stadt hatte, die Rieselfelder (67 Morgen) teilhaben konnten. Unsere Stadt zeigt auf beengtem Raum eine ideale Raumgestaltung, und der Marktplatz bot mit seinen durchweg in gleicher Höhe erbauten, stattlichen Häusern ein solch geschlossenes Bild, wie es ähnlich kaum eine ostpreußische Stadt geboten hat, weil innerhalb von sechs Jahren (1898 - 1904) alle vier Marktseiten abbrannten, und die Häuser zwangsweise planmäßig erbaut werden mussten. Seit 1885 wuchs Zinten zu einem zentralen Eisenbahnknotenpunkt (nach fünf Strecken) heran, und wir erlebten zuletzt noch den Bau des neuen Bahnhofsgebäudes mit seiner geräumigen Verkehrshalle. Ja, man träumte sogar davon, in einer nicht zu fernen Zukunft in der Gegend, da wo das Kino, die neu erbaute Berufsschule, die Offiziershäuser und die zwangsweise stillgelegten Fundamente einer neuen katholischen Kirche anklagend lagen, ein neues Zentrum von Zinten entstehen könnte. Den Fremden grüßten beim Betreten der Stadt herrliche Grünanlagen, Villen, schmucke Vorgärten und das Schmuckstück der Stadt, der Stadtpark. Der Hauptreiz unserer Stadt lag aber entschieden in den Naturschönheiten ihrer engeren Umgebung.

Da ich am 20. Januar 1945 Zinten verließ, füge ich zur Vervollständigung meiner Arbeit einen kurzen Schlussbericht des von mir hochgeschätzten und verdienten Betreuers der Stadt bis zu ihrem bitteren Ende, bei, mit dem er mir einige an ihn gerichtete Fragen beantwortete und zu verwenden gestattete. „Zinten hatte 1941, 5300 Einwohner, im Jahre 1942, 5500 und im Jahre 1943, 5800 Einwohner. Die Herrn Willy Florian Stadtrandsiedlung umfasste etwa 500 Einwohner. Ab 1943 steigerte sich die Einwohnerzahl von Monat zu Monat. Nach der Räumung von Königsberg im Jahre 1944 hatten wir 8000 überschritten. Ende 1944 waren es etwa 12 000, und im Januar 1945 habe ich für 20 000 Personen Lebensmittelkarten im Abzugverfahren hergestellt bzw. verteilt. Was mich am meisten erschüttert hat? Ich war ja kein Mensch mehr, sondern nur noch Maschine, die bemüht war, den durchziehenden Flüchtlingsstrom zu versorgen.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich dankbar des Kaufmanns Karl Arndt erinnern, der selbstlos immer jede Gelegenheit wahrnahm, Lebensmittel herbeizuschaffen. Die Beschaffung der Fahrzeuge hat uns manche schlaflose Nacht eingebracht. Noch schlimmer gestaltete sich die Unterbringung der Verwundeten. Kirchen, Schulen, Kino, Geschäftshäuser reichten nicht mehr aus. Stroh war nicht mehr zu haben, es war trostlos. Bewundert habe ich auch die Ruhe des Arztes Dr. Gürtler, der bis zuletzt unerschütterlich seine Pflicht tat, wobei ihm seine Gattin unermüdlich behilflich war.

Was mich sonst am meisten erschüttert hat? war es die brennende Stadt, waren es die herumliegenden teilweise zerfetzten Leichen, Tierkadaver oder umherirrende Tiere, waren es die Schreie elternlos gewordener Kinder oder der Verwundeten? Ich weiß es nicht! Den Räumungsbefehl der Stadt erhielt ich erst zwei Tage nach dem furchtbaren Bombenangriff, also am Mittwoch, dem 7. Februar 1945. Aus welchem Grunde diese Verzögerung erfolgte, ist mir nicht bekannt. In Heiligenbeil wurde behauptet, dass eine gewisse Absicht vorgelegen hätte. Kurz bevor ich die Stadt verließ, war ich noch auf dem Friedhof. Dort lagen in den Gängen aufgereiht, noch etwa 150 unbeerdigte Leichen. Das war der letzte trostlose Anblick." — Doch der Mensch pflanzt selbst noch an Gräbern und den Werken der Zerstörung die Hoffnung auf, und so hoffen wir, dass einst wieder neues Leben aus den Ruinen unserer zerstörten Heimat emporblühen wird. „Wir heißen euch hoffen!" denn für uns ist unsere Stadt nicht untergegangen, für uns ist sie unvergänglich!

 

Seite 9   Dr. Erwin Nadolny. Königsberg: Mittelpunkt der Deutschen Kulturleistung im Nordosten

Foto: Eckturm des Königsberger Schlosses – vom Telegrafenamt aus gesehen

Foto: Ein Einband aus der Silberbibliothek des Herzogs Albrecht – Die Silberbibliothek ging durch Kriegseinwirkungen vollständig verloren.

„Ich habe nichts, wovon ich sagen möchte, es sei mein eigen. Fern und tot sind meine Geliebten, und ich vernehme durch keine Stimme von ihnen nichts mehr. Ruhmlos und einsam  kehr ich zurück und wandere durch mein Vaterland, das wie ein Totengarten weit umherliegt“.

Diese Worte des unglücklichen großen Lyrikers Friedrich Hölderlin aus seinem „Hyperion" kennzeichneten nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 die seelische Situation von aber Millionen Deutschen. Wie viel grausamer musste der Heimatvertriebene das Unglück jener Zeit empfinden, setzte er doch einsam und heimatlos seinen Fuß in eine fremde Umwelt. In lodernden Brandnächten war auch das stolze Königsberg in Schutt und Asche zerfallen. Steingewordene Denkmäler einer 700-jährigen Kultur, deren stärkster Träger das deutsche Volk war, waren auch in dieser Stadt vernichtet worden.

Inzwischen sind acht Jahre vergangen, und manch eine Wunde ist vernarbt, weil helfende Hände das Elend überbrücken halfen. Und wieder soll ein Wort Hölderlins aus seinem „Hyperion" diesmal verheißungsvoll aufklingen:

„Aber du scheinst noch, Sonne des Himmels! Du grünst noch, heilige Erde! Noch rauschen die Ströme ins Meer und schattige Bäume säuseln im Mittag. Die Fülle der alllebendigen Welt ernährt mein Darbend Wesen."

Heute gilt es, sich der Kulturleistung Königsbergs im nordostdeutschen Siedlungsgebiet zu erinnern. Es gilt auch, die Wechselbeziehungen zwischen West und Ost aufzuzeigen und klarzulegen, dass der deutsche Osten seit 700 Jahren nicht nur ein Anliegen des deutschen Volkes, sondern aller europäischen Kulturvölker gewesen ist.

Das Ziel des Deutschen Ritterordens bei seiner Staatengründung im Preußenlande war die Gewinnung der Menschen für das Christentum und damit für die abendländische Kultur. Er trug die Kreuzzugsidee des hohen Mittelalters in das Gebiet zwischen Weichsel und Memel, aber die Vernichtung oder Ausrottung der altpreußischen Volksstämme lag ihm fern. Neben Rittern aus allen deutschen Stämmen war der Hochadel Europas, von den britischen Inseln und aus Dänemark, von Frankreich und Burgund, aus den oberitalienischen und ungarischen Ländern, aus Böhmen und aus Polen an der Bekehrungsaufgabe im Preußenlande beteiligt. In die dritte Welle der preußischen Landgewinnung durch den Ritterorden fiel im Jahre 1255 die Gründung der Burg, die zu Ehren König Ottokars von Böhmen — der an diesem Kreuzzuge gegen die heidnischen Samländer teilnahm — Königsberg genannt wurde. Im Schutze dieser Burg entstand schon zwei Jahre später die Altstadt Königsberg, deren Kirche dem Schutzpatron der hansischen Seefahrer, dem Heiligen Nikolaus, gewidmet wurde.

Die Burg, in deren Mauern sich die Ritterheere zum Zuge gegen die Heiden sammelten, war gleichsam Symbol der Missionsaufgabe durch Kreuz und Schwert Die Nikolauskirche dagegen konnte als Symbol der hansischen Siedlung christlicher Kaufleute und Bürger angesehen werden. Hieraus aber entspann sich trotz gleicher religiöser Bindung wirtschaftliche Gegensätzlichkeit, in der der Orden mit der Gründung der Städte Löbenicht (1300) und Kneiphof (1327) das Übergewicht zu gewinnen suchte. Das Prinzip des „Teile und herrsche“! bei diesen drei auf engem Raume liegenden Siedlungen musste sich wirtschaftlich und kulturell auswirken. So konnte Königsberg nie zu einer einheitlichen und planvollen Handelspolitik gelangen und die günstigen Möglichkeiten ausnutzen, die der weite Kultur- und Wirtschaftsbereich der Hanse, der von Brügge bis Nowgorod, von Bergen bis Krakau reichte, geboten hat. Viel stärker vermochte dieses das im Wettbewerb liegende Danzig zu tun. Schon aus dem Bevölkerungszustrom, den diese Städte erhielten, lässt sich die derzeitige Bedeutung ablesen. Während Danzigs Neubürger — vor allem dem Küstengebiet der Ostsee und Nordsee entstammten, verweist die Herkunft der Königsberger Bevölkerung stärker auf den Niederrhein und Westfalen.

 

Die Untersuchung des Archivars Theodor Penners für den Zeitraum des 14. Jahrhunderts ergibt schlüssig, dass 35 Prozent der Neubevölkerung in Königsberg dem Altreich, vor allem aber dem niederrheinischen und westfälischen Raum entstammte. Gleichzeitig beweist diese Untersuchung den in der Sicherheit des 14. Jahrhunderts sich mehrenden Wohlstand Königsbergs, ohne dass ihr — gegenüber den anderen deutschen Städten auf preußischem Boden — eine kulturelle Überlegenheit zugesprochen werden kann. Erst nach dem 15. Jahrhundert, das für den Deutschen Ritterorden ein Jahrhundert der Krise wurde, fiel ihr diese Rolle zu. Der Machtzuwachs der Stände im Innern, die Forderung auf politische Mitbestimmung und in der Außenpolitik die drohende Auseinandersetzung mit den vereinigten Polen und Litauern, führten nach der militärischen Niederlage in Tannenberg 1410 zum Zusammenbruch des Ordensstaates. Aber aus dieser Krise ging nach der Einführung der Reformation und der Umgestaltung in ein weltliches Herzogtum unter den letzten Hochmeister Albrecht von Brandenburg ein neuer Staat, die Keimzelle Preußens, hervor.

Im Jahre 1457 hatten die Hochmeister ihre Residenz in die Königsberger Burg verlegt. Seit diesem Jahre datiert der wirtschaftliche und kulturelle Aufstieg der Stadt Königsberg. Er musste sich steigern unter jenem genialen Renaissancefürsten Albrecht, der wie kein anderer Landesfürst im deutschen Territorium der Idee der „Vita nowa" verschworen war. Die konfessionelle Umgestaltung fand in den beiden Bischöfen Georg von Polenz und Eberhard von Queiss, eifrige Verfechter. Polenz

predigte am Heiligen Abend des Jahres 1523 zum ersten Male in deutscher Sprache und im lutherischen Sinne im Königsberger Dom. Ihm ist die Einführung der deutschen Sprache im Gottesdienst in Preußen zu verdanken. Beide Bischöfe verzichteten auf ihre landesherrlichen Rechte und Einkünfte und ermöglichten Albrecht die Berufung evangelischer Prediger nach Königsberg, unter denen Speratus und Poliander besonders zu nennen sind.

Von Königsberg ging dann im Jahre 1526 die Kirchenordnung für das Herzogtum Preußen aus. Ihr folgten schon im darauf folgenden Jahre die ersten deutschen Gesangbücher aus der Presse des Königsberger Druckers Hans Weinreich.

Aber Herzog Albrecht gab sich mit der Gründung der Landeskirche nicht zufrieden. Sein Ziel war die Sicherung des Erreichten für alle Zeiten. Mit der Zuwanderung geistlicher und weltlicher Kräfte aus dem Reich war dem Humanismus eine Bresche geschlagen worden. Aber diese Einwanderung konnte dem steigenden Bedürfnis nicht mehr entsprechen. So rückte die Sorge um den Nachwuchs in den Vordergrund. Man rief zuerst in Königsberg, später in der Provinz Lateinschulen ins Leben und schuf mit der Begründung der Universität im Jahre 1544 einen Sammelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit, die in das Land ausstrahlte. Ihr erster Rektor war Melanchtons Schwiegersohn, der Humanist Georg Sabinus, ihr erster Kurator Bischof Polenz. Kennzeichnend für die Haltung der Stadt und der Bevölkerung des Landes, ist die, durch die Stände ausgesprochene Billigung der Universitätsgründung und ihre finanzielle Unterstützung.

Dieser vielseitige geistvolle Fürst stand mit den Großen seiner Zeit, mit Luther, Melanchton, Calwin, Cranach, aber auch mit dem katholischen Domherrn Nikolaus Kopernikus in freundschaftlichem Briefwechsel. Seine kulturellen Bemühungen waren beispielgebend für Adel und Bürgertum, das im Streben nach humanistischer Bildung und in der Förderung bildender Künste und Musik wetteiferten. Von Königsberg, dieser Hauptstadt des Landes, das einer Insel gleich vom Reich getrennt war, gingen die kulturellen Impulse aus, die die Eindeutschung des Landes abschlossen.

Die Stadt gewann in dieser Zeit ein neues architektonisches Gesicht, wenn auch der gotische Backsteindom durch die Jahrhunderte beherrschendes Bauwerk blieb. Den Anstoß hierzu gab wiederum Herzog Albrecht. Er ließ aus Nürnberg Friedrich Nußdörfer kommen, den er mit der Gestaltung des sogenannten Albrechtflügels des Schlosses betraute. Wie er, fanden zahlreiche Künstler den Weg nach Königsberg. Der um 1500 in Köln geborene Jakob Binck tritt als Künstler wie als künstlerischer Berater und Mitarbeiter des Herzogs in Erscheinung. Binck eröffnet der Werkstatt des Flamen Cornelius Floris den Weg nach Preußen, das verhältnismäßig früh das Bollwerk aus den Niederlanden übernimmt. Um die Überlieferung der Cranach-Werkstatt nach Königsberg zu übertragen, ließ Albrecht den in Königsberg geborenen Heinrich Königswieser in Wittenberg ausbilden. Von Cranach selbst besaß Königsberg! „Das Alte und das Neue Testament." Es ist in jener Zeit entstanden, in der Hans Holbein im Londoner Stalhof dem Duisburger Hansekaufmann Dirk Tybis porträtierte. Die Dürer-Schule wurde durch den Königsberger Chrispin Herrant nach dem Nordosten gebracht. Aus Sachsen stammte vermutlich Hans Schenk genannt Scheuzlich, dessen herrliches Holzrelief „memento mori" zu gleicher Zeit entstanden sein mag. Hier sei noch auf den Einfluss der süddeutschen Gold- und Silberschmiedekunst durch Jobst Freudner aus Ulm und Cornelius Vorwend aus Nürnberg hingewiesen. Sie schufen die Grundlagen für die Entwicklung der Königsberger Silberschmiedekunst, deren Hauptmeister Hyronimus Kösler, Paul Hoffman und Gerhard Lenz der bürgerstädtischen Bürgerschaften entstammen.

Die berühmte Silberbibliothek des Herzogs war vor allem ihr Werk. Mit dieser Kunst eng verbunden war die aufkommende Bernsteinschnitzerei, deren bedeutendster Meister Georg Schreiber mit zahlreichen Bernsteinarbeiten, nicht nur in Dresden und Darmstadt, sondern auch in anderen westdeutschen Museen vertreten ist (Fortsetzung folgt)

 

Seite 9   Wann wurde Frauenburg Bischofsstadt?

Jahre 1836. Die Domkirche wurde gleich anfangs in Frauenburg erbaut. Die Bischöfe aber wohnten in Heilsberg, wo das bischöfliche Schloss vielen Ermländern bekannt war, nur war darin das Amtsgericht und ein Waisenhaus untergebracht.

Im Jahre 1772 kam das Ermland zu Preußen. Als der damals regierende Bischof gestorben war, wurde Karl von Hohenzollern sein Nachfolger. Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges war er Offizier im Dienste Frankreichs. Er wandte sich dann dem geistlichen Stande zu und wurde dann Bischof von Kulm und auch vom Ermland. Er wohnte in Oliva, und es ist nicht erwiesen, dass er überhaupt einmal im Ermland gewesen ist. Nach seinem Tode wurde sein Neffe Josef von Hohenzollern sein Nachfolger. Dieser wohnte wenigstens im Sommer im Ermlande, und zwar in dem Schloss Schmolainen. Er hat viel für das Ermland getan. Er gründete die ersten Dorfschulen und tat auch viel für die Kirchen im Lande.

Während der Kriegsjahre 1806 bis 1815 waren im Gebiete des preußischen Staates manche Bischofssitze verwaist. Bei manchen Diözesen waren wegen der eingetretenen Änderung der Staatsgrenzen ebenfalls Änderungen notwendig. Bischof Josef von Hohenzollern wurde vom Papst und auch von der preußischen Staatsregierung mit der Neuordnung der Verhältnisse, wo eine solche notwendig war, beauftragt. Hierbei hat z. B. er, der einfache Bischof, in Posen den Erzbischof eingesetzt. Wegen dieser seiner so vielseitigen Tätigkeit hatte er zu wenig Zeit zu den bischöflichen Funktionen im Ermlande. Dort vertrat ihn einer der Domherren (Stanislaus von Hatten) als Weihbischof. Als dann der Bischof im Jahre 1836 starb, wurde er sein Nachfolger. Er ließ seine Domherrenwohnung in Frauenburg etwas erweitern und blieb dort. Und seitdem war Frauenburg Bischofssitz.

 

Seite 9

Gott arbeitete sechs Tage,

die Philosophen haben weder Tag noch Nacht Ruhe,

um die sehr gute, wenn eben nicht beste Welt

zum Chaos zu reformieren.

J. G. Hamann

 

Seite 9

Bei Menschen und Tieren hat eine gewisse

mittlere Größe die meiste Stärke.

Immanuel Kant, gestorben 1804

 

Seite 10   Trutenau und Kiauten. Zwei berühmte alte Papiermühlen. Von Frieda Busch

„Dein Mühl- und Sorgenrad

Das geht und lauffe früh und spät

Mit Gottes Hand und Huld beglückt,

die ihm Trost, Heyl und Hülffe schickt“.

Auf welch hoher Kulturstufe unser Ostpreußenland im Jahre 1775 stand, zeigt uns das Schicksal der beiden großen Papiermühlen, von denen die eine in Trutenau im Samland stand und die andere in Kiauten im Kreise Goldap.

Die Trutenauer Mühle war eine uralte Walkmühle und wurde im Jahre 1667 zu einer Papiermühle umgebaut. 1720 gehört sie dann dem „Papyrer" Gottfried Heinrich Putz, der äußerst tüchtig gewesen sein muss. 1746 fabriziert er zehn verschiedene Sorten Papier. Und zwar: Sternpapier 10 Ries (ein Ries sind 500 Bogen); Adlerpapier 20 Ries; Marienbildpapier 20 Ries; Carpenpapier 2 Ries; Royalpapier 30 Ries; Post mit Linienpapier 5 Ries; Post ohne Linienpapier 5 Ries; Druckpapier 100 Rieß; Nadelpapier 80 Ries; Makulaturpapier 160 Ries.

Als Putz im Jahre 1775 stirbt, hinterlässt er zwei Töchter. Eine heiratet den „Papyrer" Meier in Marienwerder, die andere den „Papyrer" Schütz in Neuendorf bei Lyck. Ehe wir nun über das weitere Schicksal der Mühle etwas hören, müssen wir uns wohl erst einmal in großen Zügen über die Herstellung von Papier um 1750 orientieren. Schon im Jahre 1685 hatte Michael Kongehl in Königsberg folgendes kleines Gedicht gemacht:

Wir machen die Sachen, die nimmer vergehen,

Aus Tüchern die Bücher, die immer bestehen.

Wir schicken zu drucken den Druckern von hier,

Die geben das Leben dem toten Papier.

Es stampfen die Stampfen die Hadern und Lumpen,

Es strudeln und wudeln die plumpenden Pumpen,

Hier presset, dort lässet man leimen Papier,

Und schälet und zählet und gibts dann herfür.

Ja, so mag es wohl gewesen sein, das Mühlrad rauscht und das Stampfwerk pocht und klopft. Von nah und fern kommen die Lumpensammler und bringen auf ihren Handkarren die Lumpen angefahren. Sie werden sortiert, entstaubt und geschnitten. Dann kommen sie in die Bütten: ein Lumpengesindel, das einen Läuterungsprozess durchmacht. So werden aus Lumpen noch gute Dinge. Wir sehen die Büttgesellen an den Bütten stehen. Sie trugen grüne Schürzen, aufgekrempelte Hemdärmel und hohe Mützen aus Papier. Sie schöpfen mit großen Sieben von dem Lumpenbrei so viel ab, dass es einen Bogen Papier ergibt. Es war eine große Kunst, immer so zu schöpfen, dass die Bogen gleichmäßig dick werden konnten. Oft ging dieses große Können durch Sorgen oder Aufregung oder Krankheit verloren — das war für ihn dann wohl ein rechtes Unglück. Nach dem Schöpfen wurden die Siebe geschüttelt und auch dieses wollte verstanden sein. Nach dem Schütteln gibt der Büttgeselle das Sieb dem Gautscher, der drückt die gewendete Form — das Sieb — auf Filz und wieder Papier auf Filz. 181 geschöpfte Bogen und 182 Filze ergeben ein Pauscht. Dieser wird dann unter die Presse gelegt. Die dem Pauscht entnommenen Bogen werden nun dem dritten Gesellen gegeben, dem Leger. Er legt die Bogen zusammen und presst sie nochmals aus. Danach werden sie auf den großen Trockenböden zum Trocknen aufgehängt. Etwaige Knoten wurden mit Messern ausgeschabt. Erst dann konnten die Bogen geleimt werden und kamen unter den Stampfer, der sie glättete. Ein alter Bericht sagt: „Ein Bogen Papyr muss dem Papyrer dreiunddreißigmal durch die Hände gehen, damit er gutt ist." Nach dem Glätten beginnen die Sortiererinnen ihr Werk, sie sortieren die Bogen und legen sie zusammen. 500 Bogen sind ein Ries. Das Wasserzeichen für die Bogen ist in den Kupferdrähten der Schöpfsiebe eingeflochten und wird so in die Bogen hinein gedrückt. Es gab unendlich viele verschiedene Sorten Papier.

 

1775 kauft der Königsberger Buchhändler Johan Jakob Kanter Trutenau. Sein Bruder Daniel Christoph ist Buchdrucker, sein Bruder Alexander Schriftgießer. Kanter gründet in Trutenau eine Schriftgießerei. Es war die einzige Schriftgießerei zwischen Berlin und Petersburg!

Da die Mühle völlig verfallen war, baut er eine neue und bis diese fertig ist, schickt er seinen Meister Leberecht Keferstein nach Holland und England, um dort die neu erfundene Press-Spanfabrikation zu studieren. Pressspäne, auch Presskarten genannt, sind eine Art Pappe, die bei der Tuchfabrikation zwischen die einzelnen Stofflagen gelegt werden. Dadurch bekommt das Tuch unter der Presse einen Hochglanz. Diese Presskarten müssen aber eine große Härte, Glätte, Dauerhaftigkeit gegen Druck, Hitze und Nässe haben. In England war die Ausfuhr der Presskarten verboten! Aber es gelang Keferstein, das Geheimnis zu ergründen und einige Maschinen zu ihrer Herstellung nach Deutschland herüberzubringen.

Ein schweres Problem war für Kanter die Wasserarmut in Trutenau. Seinen Vorgängern hatte der Steipeteich und der Trutenauer Mühenteich genügt. Nun gab es bitterböse Streitigkeiten mit der Frau Hofrätin Haeddeus in Nesselbeck. Kanter wollte das Wasser aus dem zu Nesselbeck gehörenden Tannenteich nehmen. Die Frau Hofrätin gab schließlich nach und Kanter baute einen Kanal, der das Wasser aus dem Tannenteich in den Trutenauer Teich brachte. Trotz des komplizierten Baues einer großen Kläranlage und des Kanals musste der Betrieb oft bis zu vier Monaten still gelegt werden, weil das Wasser fehlte.

Das Werk umfasste:

1 großes Fabrikhaus mit zwei Etagen, massiv gebaut, mit Mansardendach, Trockenboden, gewölbten Kellern, Werk- und Wohnstuben; es hatte außerdem noch einen Flügel mit zwei Etagen in Fachwerkbau und am Wasser einen zweiten Flügel; 3 Wirtschaftsgebäude, diese umschlossen den Hof; 2 Familienhäuser für die Gesellen 1 Schriftgießerhaus mit Schriftgießerei; 1 Familienhaus auf dem Berg für vier Arbeiterfamilien; 1 Haus für vier Lumpensammlerfamilien; 1 Schmiedehaus.

Die technische Einrichtung bestand aus:

2 Holländern; 6 großen englischen Pressen; 1 alten Presse; 1 deutschem Geschirr mit 16 Hämmern, eisernen Platten und eichenen Trögen; 1 Lumpenschneider; 3 Wasserrädern; 1 Glättmaschine; 1 Papierwalze.

Zur Be.legschaft gehörten 40 Arbeiter und Arbeiterinnen. In Trutenau wurde das Papier nicht mehr geglättet und gestampft, weil die guten englischen Pressen mit eisernen Platten vorhanden waren. Getrocknet wurde das Papier hier auf eigens bestellten Stricken aus Feigen und Cocusbast aus Ostindien. 1779 war Kanter aber schwer verschuldet. Der Staat gab ihm ein Darlehen. Jedoch war die Krisis noch nicht überstanden damit. 1782 trieben die Gläubiger zur Versteigerung, trotzdem den Schulden von 111481 Gulden eine Aktiva von 189 666 gegenüberstand. Da griff der König selbst helfend ein, weil die Mühle glänzend arbeitete und die Presskarten jeder Prüfung standhielten. So bekam Kanter das Privileg für ihre Herstellung. Wohl erhob ein Papyrer aus Breslau energischen Widerspruch, aber er konnte sich Kanter gegenüber nicht durchsetzen, weil die Kanterschen Pressspäne sehr viel besser waren. So begann alsbald eine große Ausfuhr der Trutenauer Fabrikate nach Sachsen, Wien, Straßburg, Brünn, Schweden, Petersburg. Kanter besaß ein ungeheuer wichtiges Geheimnis! Erst kurz vor seinem Tode teilte er es seinem Bruder mit. Er gebrauchte zur Herstellung der Pressspäne nicht Lumpen, sondern Hanf! Und die fertigen Karten bekamen noch einen ganz besonderen Anstrich. Kanter starb am 18. April 1786 und hinterließ zwei Söhne und eine Tochter. Aber die Kinder waren noch nicht mündig, so mussten Kanters Brüder das Werk für sie weiterführen. Trotzdem die Söhne beide Papyrer lernten, haben sie später das Werk nicht übernommen. Die Tochter heiratete den Kreisphysikus aus Fischhausen Dr. med. Johann Benjamin Jachmann. Er erbte das Werk, erbte aber auch die ständigen Sorgen mit der Wasserversorgung.

Da schenkte das Schicksal dem großen Werk noch einmal eine neue Blütezeit. Die Menschheit trat ein in das Zeitalter der Dampfmaschine! Noch einmal schauten die Augen aller Papyrer Ostpreußens nach Trutenau! 1821 war Trutenau die erste Dampfpapiermühle!

Als dann jedoch die Ausfuhr nach Polen und Russland gesperrt wurde und die Konkurrenz auf dem Binnenmarkt Ostpreußens immer größer wurde, erwies sich der Dampfbetrieb als zu teuer. Nun baute der Herr Kreisphysikus Jachmann Windmühlen zum Antrieb. Das nötige Wasser wurde hochgepumpt auf den Windmühlenberg und der Papierstoff floss dann durch eine Rinne zur Fabrik hinein in die Bütten. Dieses Unternehmen war unhaltbar und Trutenau erlag der Konkurrenz der Papierfabrik in Tilsit.

Was aber Trutenau zur Zeit des Buchhändlers Johan Jakob Panter den Glanz und den Schimmer verlieh — das war Kanters Freundschaft mit Kant, Hamann, v. Baczko, Hippel. Oft weilten diese Männer in Trutenau und wandelten auf den Wegen des Parks einher und führten ihre gelehrten Gespräche. Wenn auch nicht so groß und berühmt wie die Trutenauer Papiermühle es war, zu den bedeutenden Papiermühlen gehörte auch Kiauten im Kreis Goldap. Ihr Erbauer war der Papyrer Ludwig Zieser aus Finken. Das Gründungdsatum war der 30. Juli 1734. Ludwig Ziesers Sohn Karl Ludwig Zieser lernte sein Handwerk in der Papiermühle zu Wischwill und heiratete dort auch die Tochter Wilhelmine Luise Riedel. 1709 tragen die Wasserzeichen des Kiauter Papiers die Buchstaben Z und R Kiauten.

Karl Ludwig hatte einen Sohn Johann Ludwig, er kaufte im Jahre 1799 seinem Vater die Papiermühle ab und entwickelte sie wohl zur höchsten Blütezeit. Er wurde Kommerzienrat und starb 1837. Er hatte zwei Söhne. Friedrich Ludwig starb bereits 1848, der zweite Sohn August Ludwig Herrmann besaß das Werk, bis es 1871 in Konkurs geriet. So kam die Mühle in den Besitz der Familie Goerges, die sie bis 1945 besaß.

Im Jahre 1843 war auch für Kiauten die Mühle in Tilsit die größte Konkurrentin. Nun mussten auch Gebr. Zieser die Dampfmaschinen kaufen und alles modernisieren. So wurde auch hier aus der guten alten Handwerkskunst ein moderner Maschinenbetrieb. 1858 arbeiteten in der Fabrik:

2 Papiermaschinen, 4 Dampfkessel, 19 Holländer, 195 Arbeiter.  

Ein kurzes Nachwort sei mir gestattet. Ich habe mir dieses Wissen um die alte Vergangenheit der beiden Papiermühlen in Braunsberg in der Bibliothek der Akademie erarbeitet. Ich wollte damals einen Roman aus diesem erarbeiteten Stoff schreiben. Die Quellenangaben gingen auf der Flucht verloren. Merkwürdigerweise fand ich aber wenige Aufzeichnungen, wenn nicht überhaupt gar keine über die Mühle in Tilsit. Vielleicht war sie später gegründet worden und dann schnell groß geworden. So entbehrte sie vielleicht der Romantik die die alten, dicken Steinmauern der Anlagen in Trutenau und Kiauten geheimnisvoll umrankte.

 

Seite 10   Goethe und Königsberg

Der Universalgeist Goethe war über Königsberg weit besser unterrichtet, als allgemein angenommen wird. Von dieser Vertrautheit mit den Besonderheiten Königsbergs zeugt folgender, in Fortsetzungen geschriebener Brief, den der einer alten, ostpreußischen Familie entstammende, spätere Professor für Kunst- und Literaturgeschichte an der Universität Königsberg Ernst August Hagen im Jahre 1821, also zehn Jahre vor Goethes Tod, anlässlich seines Besuchs bei dem greisen Dichter aus Weimar an seine damalige Braut, eine geborene Österreich, nach Braunsberg richtete:

 

„Weimar, Montag, den 19. Nov. 1821.

Triumpt! Ich befinde mich seit heute in der Ilmenstadt, und erfüllt muss ich meine kühnsten Erwartungen nennen. Kaum in Weimar angekommen, schickte ich meine Adresse, wie es Brauch ist, an Goethe und erhielt die Nachricht, dass Se. Exzellenz morgen meinen Besuch mit Vergnügen entgegensähen und mich zum Mittagsmahl einlade. — Mit einem Reisegefährten nahm ich die Schönheit Weimars in Augenschein: das großherzogliche Schloss mit zwei Flügeln und dem daran anstoßenden Park, den die Ilm durchströmt, über die sich schöne Brücken erheben, wunderbar gestaltete Enten auf dem Rasen am Fluss, Gebäude und hübsche Gartenanlagen mit kleinen Kaskaden im Park, in dem sich täglich die Einwohner Weimars zusammenfinden. Eine lange Lindenallee führt nach dem Schlosse Belvedere.

 

20. November 1821.

Fein und zierlich mit ihrer Haarschnur angetan trat ich in Goethes Hauspforte ein. Die Kammerräthin(Goethes Schwiegertochter Ottilie) empfing mich mit vieler Herzlichkeit und stellte mich ihrer Freundin, Adelen Schopenhauer, der Tochter der Schriftstellerin und der Lieblingin Goethes, auf die liebenswürdigste Weise als Landsmann vor. Kurz darauf trat Goethe ein, ein jugendlicher Greis, in dessen Zügen sich Würde, aber nicht Stolz oder Hochmuth verräth. Sein jugendlich frisches Angesicht, mit braunen Augen und stark lockigem dunkeln Haar, spricht nur Güte aus, und in seinem Anzuge, einer weißen Weste und blauem Überrock ohne Stern, zeigt sich die Liebe zur Prunklosigkeit. Er begrüßte mich mehr vertrauensvoll, als ich je erwarten konnte. Man setzte sich zu Tisch und Goethe, der, wie seine Schwiegertochter mir sagte, mit jedem Tag lebhafter und liebenswerther würde, zeigte die heiterste Laune und den glücklichsten Humor. Seine Neckereien, meist gegen das weibliche Geschlecht gerichtet, wozu ihn Adele reizte, waren ebenso artig als harmlos. Während des Tisches richtete er viele Fragen, die Königsberg betrafen, an mich, und ich freute mich, in viele Gegenstände ihn eingeweiht zu finden, von denen ich nicht geglaubt hätte, dass sie außer dem Bezirk der Stadtmauern bekannt wären! Nach Tische ging er mit mir in dem Nebenzimmer auf und ab und erkundigte sich nun nach meinen wissenschaftlichen und poetischen Arbeiten, an welchen er den innigsten Anteil nahm. Goethe zeigte mir Sachen, die Adele Schopenhauer auf eine bewundernswürdig feine, geschmackvolle und geistreiche Art aus schwarzem Papier geschnitten hatte und unter Glas und Rahmen prangten. Die Darstellung der großen Gruppen, jede Figur ungefähr einen halben Zoll groß, war aus Goethe'schen Gedichten entlehnt.

Während des Gesprächs mit Goethe kam ich auf die litauischen Dainos zu sprechen. Sogleich rezitierte er eins und sprach nun mit mir ebenso angenehm als belehrend über Nationalgesänge. Es war ungefähr 7 Uhr, als er mich den Damen überantwortete. Mit fröhlichem Herzen trank ich den Tee, die Kammerräthin spielte und mein Freund Heinrich (Nicolovius), dessen angenehme Bassstimme mich überraschte, sang.

Erst nach meiner Verabschiedung von der Kammerräthin hatte ich Ruhe genug, mich in dem Hause Goethes umzusehen. Überall spricht sich Einfachheit aus, wenn auch hier und da geschmackvoll aufgestellte Statuen, Vasen Gruppen den herrschenden Sinn für das Schöne bekunden. Das Haus, welches die Familie in patriarchalischer Gemeinschalt einnimmt ist groß und bequem. Die mittlere Etage bewohnt der alte Goethe, die obere der Sohn und die Schwiegertochter mit den Enkeln Walter und Wolfgang, die des Großvaters braune Augen zieren“.

 

Seite 10   Teuerung in Ostpreußen

Berlin. Eine Ostpreußin, die soeben aus AIlenstein in West-Berlin eintraf, schildert in einem schriftlichen Bericht die gegenwärtigen Verhältnisse im polnisch besetzten Teil der Provinz, die insbesondere durch Mangel an Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs, Teuerung, Verkehrsarmut, Ruhen fast jeder Bautätigkeit und — was die in der Heimat verbliebenen Deutschen anbetrifft -  auch weiterhin durchgeführte Zwangsoptionen für Polen charakterisiert sind. In Allenstein ist, wie es in dem Berichte heißt, nur sehr wenig gebaut worden, höchstens werden die Ruinen aus dem Straßenbild entfernt. Der Verkehr auf Schiene und Straße ist im südlichen Ostpreußen außerordentlich spärlich. Es gibt auch nur wenige Autobuslinien, und auf den Masurischen Seen werden Dampferlinien kaum befahren. Was die Wirtschaftslage anbetrifft, so hat die Teuerung vor allem seit Beginn dieses Jahres sich in einem Ausmaße verschärft, dass die Lebenshaltung außerordentlich abgesunken ist.

 

Seite 10   Noah Fieroawend. Allerlei lustige „Vertelkes“ aus unserer Heimat

O diese Wiewer!

Nach vollbrachtem Tagewerk ging Mauroschat zum Verdruss seiner Frau noch ganz gerne für ein Weilchen in den Krug. Nun war seine „Olsche" gestorben, und er glaubte unbekümmert seinen Abendgang machen zu können. Da — plötzlich fiel ihm ein Stück von einer Dachpfanne auf den Kopf. Als die Sterne von seinen Augen verschwunden waren, seufzte er: „O diese Wiewer! Selbst nu lett se mie nich ön Ruh!"

 

Mal sehen . . .

„Möchtest du nicht auch gern in den Himmel?" fragte der Lehrer einen kleinen ABC-Schützen. — „Mal sehen, Herr Lehrer", erwiderte der Bowke etwas verlegen, „wenn Sie da nich drin sind, dann schon!"

 

Ja, aber . . .

Nuschke saß im Kino und kaute verzweifelt auf einem zähen Sahnebonbon herum. Plötzlich bückte er sich und begann eifrig im Dunkeln den Fußboden abzutasten. — „Nanu, was suchen Sie denn da?" wandte sich flüsternd sein Stuhlnachbar zu ihm. — „Mir is der Sahnebonbon runterjefallen", hauchte Nuschke weitersuchend. — „Na, lassen Sie doch den ollen Bonbon liegen und stören Sie nicht alle Leute in Ihrer Umgebung!"

„Ach", seufzte Nuschke lispelnd, „um das Bommche wäre es ja auch weiter nich schad; aber mein Jebiß klebt doch da dran!“

 

Ein ruhiges Gewissen

Krause war passionierter Jäger und Skatspieler und da er obendrein ein guter Schütze war, wurde er von Nachbarn oft zu Jagden eingeladen. Hierbei kam es nicht selten vor, dass er sich anschließend mit einigen Skatbrüdern zusammensetzte und beim angeregten Spiel völlig die Zeit vergaß. Seine bessere Hälfte konnte und wollte das absolut nicht verstehen und bereitete ihm stets einen heißen Empfang, wenn er frühmorgens — zumeist leicht angeschlagen — heimkehrte.

Heute ist es besonders spät geworden; auch hat er wieder etwas zu tief ins Glas geschaut; vor allem die letzten beiden Bärenfangs sind ihm in die Beine gegangen. Selbst der Regen, der ihn auf seinem Heimweg begleitet, kann ihn nicht ganz ausnüchtern. Um nun seine „Olsche" — wie er seine Frau außer Hause zu nennen pflegt — nur ja nicht zu wecken, zieht er sich diesmal sogar schon vor der Haustür die Stiefel aus und schleicht wie ein armer Sünder mit klopfendem Herzen ins Schlafzimmer. Die langen, tiefen Atemzüge seiner Muttel beruhigen ihn aber; heute kann er hoffen, ohne das übliche Gewitter sein Ruhelager zu erreichen. Schon ist er ausgezogen und will nur noch die Taschenlampe in der Nachttischlade verstauen, da zieht er diese zu weit heraus, so dass sie lärmend zu Boden fällt.

Krause erstarrt vor Schreck. Jetzt ist es aus! Und er breitet sich schon auf das Gezeter vor, das ihn nun begrüßen wird. Da regt sich auch schon seine Alte und schlaftrunken murmelt sie: „Vater, bleib man heute bei diesem Dreckwetter ruhig liegen; der Hirsch läuft dir auch noch andermal vor die Flinte."

Krause traut seinen Ohren nicht. Es dauert ein Weilchen, bis es bei ihm dämmert. „Ach ja, Mutter, ich werd' mich man lieber doch wieder hinlegen." Und mit ruhigem Gewissen kriecht er in die Federn.

 

Noch e Wielke

Kallweit war angezeigt worden, weil er dem Rosenau eine Hose gestohlen haben sollte. In der lebhaften Gerichtssitzung wurde er jedoch Mangels an Beweisen freigesprochen, so dass ihm der Verteidiger, überzeugt von der Unschuld seines Klienten, befriedigt die Hand schüttelte und sagte: „So, Herr Kallweit, jetzt können Sie als ehrbarer Bürger wieder nach Hause gehen."

„Noch e Wielke, Herr Doktor", war die Antwort, „erscht mott ek noch wachte, bet de Rosenau bute ös. Ök hew ja sien Böxe an."

 

Seite 11   Sommer im Bernsteinland. Von Alexis.

Unsere Bilder zeigen: Rechts. Wasserkaskaden im Park von Willgaiten. Mitte: Willgaiter See mit Staudamm. Unten: Wassermühle Mühlfeld. Aufnahmen. Victor Moslehner

Erste Fortsetzung

Auch über die Dorffriedhöfe gehen wir gern. So in der Nähe ihrer Kirche müssen die Menschen besser liegen als Städter, die man weitab vom Gotteshaus auf einem zweckmäßigen Friedhof begräbt. Bei den großen Städten kann es ja wohl nicht anders sein, als dass die Toten den Lebenden den Platz wegnehmen. Als ich zum ersten Male einen Plan von Königsberg mit dem vielen Grün und den darin eingezeichneten kleinen Kreuzen um den Stadtkern gruppiert sah, fand ich, dass es eine Stadt der Friedhöfe sei. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als ich dort angekommen, selbst in den Anlagen am Deutschordensring auf alte Grabsteine traf, während ein Hexameter über dem neuen Rathaus daran erinnerte, das dieses Gebäude über einem Friedhof errichtet wurde.

Nun führt der Weg am Ufer des Warger Kirchenteichs entlang. Dabei lassen wir die schöne Lindenallee nach Mednicken rechts liegen. In der Ferne sehen wir das Gutshaus des Grafen Kanitz. Auch er trägt seinen Namen nach einer sächsischen Ortschaft, wie die Dohna, Eulenburg, Oelsnitz und andere. Ein Kanitz kam im 15. Jahrhundert mit dem Orden nach Preußen und erhielt „vor sein Dienst Solt und Schaden" die Stadt Allenberg verschrieben, die sein Sohn Hans 1491 gegen Mednicken und Teile von Quanditten eintauschte. Sachsen als Exportland deutscher Kolonisation im 13. Jahrhundert finden wir in der Bezeichnung für „Deutscher" in Estland verewigt. Die Esten nennen deutsch „saksa".

Am äußersten Zipfel des Teichs, zu dem wir einen Abstecher machen, liegt eine Wehranlage aus der Vorzeit, deren kreisförmiger Wall noch gut erkennbar ist. Während man früher von hier aus, den Angreifer vornehmlich mit Steinen bepflasterte, spielen jetzt Jungens aus dem Dorf Fußball und sonntags ist sie von lufthungrigen Städtern belagert, wie das Wäldchen in Juditten.

In Mühlfeld scheint die Welt zu Ende zu sein. In der Ordenszeit wurden hier Sudauer aus der östlichen Wildnis angesiedelt. Sie scheinen auch jetzt noch der kleinen Ortschaft ein besonderes Gepräge zu geben. Wir sahen Instleute vor einer strohgedeckten Hütte sitzen, die dem Spiel zweier Eichhörnchen in einem Käfig zuschauten. Der Ernst ihrer Mienen schien Sehnsucht und Erinnerung an die großen Wälder auszudrücken, aus denen man sie vor Jahrhunderten hierher verpflanzte.

Da wir seit Wargen den Landgraben verloren haben, müssen wir ihn erst wieder suchen, bis wir gewahren, dass er hier in den Mühlenteich mündet. Er ist jetzt schmaler geworden und führt die herabwürdigende Bezeichnung Leitungskanal, womit man ihm unrecht tut.

Eine halbe Stunde sind wir gewandert, haben bei Taukitten die Straße gekreuzt. Wieder läuft der Weg auf einem Damm, der anmutig mit Bäumen und Buschwerk bestanden ist. Zahlreiche Birken sind in die lichten Gruppen eingesprengt. Ich bedauere immer, dass man hierzulande keine zusammenhängenden Birkenwälder kennt. Wanderungen in ihnen, wie ich sie zur Zeit der weißen Nächte in nördlicheren Zonen machte, gehören zu meinen schönsten Naturerinnerungen.

Größere ungemischte Bestände sind bis auf die Kiefernwaldungen der Mark überhaupt selten in Deutschland. Reine Buchenwaldungen findet man im Spessart und im Saaletal. An der Bergstraße gibt es Wälder mit Edelkastanien. Sie gehören freilich ebenso zu den Absonderheiten, wie der Zypressenhain auf dem Königstuhl bei Heidelberg und der immergrüne Eibenwald bei Wessobrunn.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Eibe früher überall in Deutschland heimisch war. Sie ist ein herrlicher Baum. An ihrer Stelle haben sich landfremde Arten bei uns breitgemacht, die viel weniger in das Landschafsbild passen: Akazien, richtiger Robinien, Platanen, Weymouthskiefern.

In Ostpreußen hatte sich die Eibe bis vor 200 Jahren in der Niederung erhalten. Leider gingen die Bäume ein, als man diese Gegend zu entwässern begann. Die Ibenhorster Forst war ein Eibenwald, wie es noch der verstümmelte Name verrät.

Wie öde erschien uns die Erde, wenn es keine Bäume gäbe! Leute wie Ruisdael, Claude Lorrain und Corot hätten als Maler einpacken können. Wir haben beide unsere Lieblinge: Du die Birken, ich die italienischen Pappeln, die Du nicht magst, weil sie mit ihren Wurzeln die Felder aussaugen.

Die Eschen habe ich erst spät zu schätzen gelernt, wie mancher Menschen Antlitz, das man nicht beachtet, bis man plötzlich einen angenehmen Zug darin entdeckt. Damit wird mir auch der Mythos von der Weltenesche bildhafter. Am liebsten habe ich sie im Vorfrühling, wenn ihre tiefschwarzen Knospen gegen einen freundlich blauen Himmel stehen, während um ihre Wurzeln noch Schneeflecken gelagert sind.

Auf unseren Spaziergängen haben wir so manchen Baum gefunden, zu dem wir von Stund an Zuneigung fassten. Es brauchte sich gar nicht um einen Solitär zu handeln, der bei allen Menschen, die sich draußen ein wenig umzusehen pflegen, gut gelitten ist. Unsere Bevorzugung ist selbstsüchtiger. Unter dem einen saßen wir im Schatten, unter dem anderen warteten wir, bis ein Sommerregen vorüberging, hinter dem dritten versteckten wir uns, als wir von weitem Bekannte kommen sahen, mit denen wir nicht in ein Gespräch verwickelt zu werden wünschten.

Einmal weckte eine riesige Kiefer unsere Neugierde, deren Krone hoch über ein Wäldchen herausragte. Durch das Gestrüpp drangen wir zu ihr vor. Der Boden gab einen dumpfen Laut. Wir vermuteten, dass hier ein Schatz vergraben sei und begannen, nach ihm zu suchen. Eines Fundes schon gewiss, entdeckten wir endlich in beträchtlicher Tiefe einen Hohlraum zwischen den Wurzeln. Natürlich war er leer. Trotzdem tauften wir den Baum Schatzkiefer und kehrten oft zu ihm zurück.

Anfänglich war ich verwundert, in Ostpreußen so viel zerzausten Wipfeln zu begegnen, aus deren Grün hier und dort trockene Zweige aufragen, die Frost und Blitz verdorren ließ.

Auch hier gibt es Wetterbäume. Jetzt kann ich mir ohne diese zerplieserten Kronen Eure Weidegärten überhaupt nicht mehr vorstellen. Die Landschaft wirkt nicht so geleckt, wie jenseits der Weichsel, aber ich bin ihr auf den Geschmack gekommen.

Nun erscheint am Horizont ein unregelmäßiger, bläulicher Waldsaum. Es sind die Ausläufer der Alk, die bis in die Nähe von Seerappen reichen. Und dann haben wir ihn, den Berg, plötzlich vor uns. Kaum erhebt er sich über den Kamm der hügeligen Kette, aber die Spitze des Turms auf ihm zeigt uns an, dass es der Galtgarben ist.

So oft wir ihn sehen, beginnt unser Herz schneller zu schlagen. Wir lieben ihn so, dass wir bisweilen sogar ihn in der Woche auf einen Katzensprung besuchen kommen, nur, um ihm zuzuwinken und ihm zu sagen, dass wir am Sonntag bestimmt da sein werden. Die Gelegenheit dazu bietet sich in der Nähe des Gutes Waldgarten, unweit vom Copernikus. Es ist so, als habe der liebe Gott hier eigens ein Fenster geschaffen, durch das wir nach ihm sehen dürfen. Galtgarben, altpreußisch Haupt— Berg, du bist wahrhaftig der Kopf des Samlandes, in dem alle guten Gedanken schlummern, du bist unser Fuyiyama.

Je mehr wir uns dem Gebirge nähern, desto reizvoller erschließt sich die reicher gegliederte Landschaft. Der Wasserlauf neben uns wird noch schmaler, jetzt wirkt er mit seinen Betonmauern langweilig, wie ein Kanal, bald wird das Ziel erreicht sein.

Schon sind wir innerhalb des Kreises angelangt, den wir in stiller Vereinbarung um Wiekau, das Dorf mit der freundlichen Wirtschaft, gezogen haben. Wir kennen hier jeden Tümpel, jede Sandgrube, jeden Feldrain. Wir pflegen dieses Gebiet zwischen der zweiten und dritten Flasche zur Erholung aufzusuchen, denn wir haben es uns angewöhnt, in Wiekau Obstwein zu trinken, der hier noch besser schmeckt als in Moditten. Gottlob bist Du nie ein Spielverderber gewesen. Uns macht es ein Hauptvergnügen, wenn sich die Erde ein bisschen dreht. Da sie rund ist, sollte man das ganz in der Ordnung finden.

Ich kenne Herren, die lediglich hierher kommen, um den berühmten Wiekauer Korn an der Quelle zu trinken. Wer ahnungslos in den Krug tritt, fühlt sich unwiderstehlich angezogen, wenn ihm der schöne Spruch entgegenleuchtet:

Wiekauer Korn braucht keine Reklame

Wiekauer Korn ist edel und rein

Wiekauer Korn verträgt selbst die Dame

Wiekauer Korn schmeckt herzhaft und fein.

So oft wir auf diesen Koppeln spazieren gingen, fühlten wir den Segen der Scholle. Der Gedanke, dass Ackerbau und Viehzucht die Grundlagen des Lebens bilden, ist überall in Ostpreußen vorherrschend; hier aber im Rahmen dieser friedlichen Landschaft war er so stark, das wir nur immer singen konnten: auf dem Lande möcht ich bleiben, auf dem Lande ist's so schön!

Dabei ergab es sich von selbst, dass Du mir bisweilen landwirtschaftlichen Unterricht erteiltest, den ich so bitter nötig habe. Wie belachten wir uns oft, wenn wir auf einen Hof kamen und uns der Besitzer mit behäbigem Stolz Ställe und Scheunen zeigte, in der Annahme, dass ich etwas davon verstünde. Du standest bescheiden wie ein Mauerblümchen dabei und blicktest mich allenfalls mitleidig an, wenn mir trotz vorsichtiger Gegenrede ein Fehler unterlief.

Einmal kamen wir an einem Insthaus vorbei. Mir fielen die schönen „Enten" auf, die gegen meine Beine anzischten und ich pries sie so laut, dass mir ein altes Mütterchen ins Wort fiel: „Aber hören Sie, das sind doch Gänse!" Du hättest mich am liebsten in die Seite geknufft, aber Du wolltest die Frau nicht kränken und so erklärtet ihr mir denn beide den Unterschied zwischen Gänsen und Enten, bis ich behauptete, verstanden zu haben.

Als wir außer Sehweite waren, schmähtest Du mich nicht wenig und ich bekam nachträglich die verdienten Puffe. Dabei hatte ich dem alten Frauchen einen Gefallen tun wollen. Sie soll sich uns Städtern überlegen fühlen und ihr Selbstbewusstsein kräftigen. Denn wenn ich hier draußen auch Gänse und Enten zu unterscheiden vermag, so bin ich gegen die Landleute doch recht ahnungslos. Nach dieser Erklärung bekam ich von Dir abermals einen Puff.

Nun haben wir den reizenden Naturgarten erreicht, der unterhalb der Talsperre von Wiekau angelegt ist. Er führt nach seinem Schöpfer den Namen Hermann-Hoffmann-Park. Gewundene Wege führen hindurch und Brückchen leiten über die Wasserläufe, die durch ein wohldurchdachtes Schleusensystem aus dem Stauteich gespeist droben den Beginn des Landgrabens bilden, während der Überfluss in seinem gemauerten Bett zu Tal stürzt und zur Berieselung der Anlagen dient. Hier ist es gut sein, hier teilt sich uns das Gefühl der Geborgenheit mit, auf diesen Bänken sitzen wir im Halbschatten und dösen wohlig vor uns hin, während die Vögel musizieren und Kinder in Sommerkleidern, die eben im Auto aus Königsberg gekommen sind, voll Begeisterung auf Entdeckungsreisen ausziehen.

Wir gehen ein wenig die Promenade in Richtung Willgaiten und krauchen wie Späher durch das Gebüsch am Ufer. In unserer Nähe tummeln sich Wasserhühner, Fische springen. Ragt da nicht ein Hut über das Schilf? Richtig, ein Angler. Jetzt wollen wir ihn belauschen.

Vorsichtig pürschen wir uns heran. Ein Mann sitzt dort mit gebeugtem Rücken und starrt regungslos auf das glatte Wasser. Fünf Minuten beobachten wir ihn in seiner Spannung, die sich nicht löst. Endlich eine Bewegung. Er neigt den Kopf vor und spuckt herzhaft in den Teich. Petri Heil, Herr Fischer! Wir müssen lachen und nehmen Reißaus. ^

Ob er sich erschrocken hat? Wir finden es nicht richtig, ins Wasser zu spucken. Der Verfasser der Gesetzestafel am Ufer hat entschieden vergessen, darauf hinzuweisen. Es steht nur darauf, dass das Baden im Teich streng untersagt ist. Und doch wurde in Königsberg in Umlauf gesetzt, ein hoher Stadtvater habe hier mit seiner Nymphe neckische Badespiele aufgeführt.

Die Entrüstung der Leute darüber machte uns großen Spaß. Wir hatten nämlich Gelegenheit, in der Straßenbahn zwei Frauen zuzuhören, die sich über diesen Fall laut unterhielten.

„Denken Sie nur", sagte die eine, im Wiekauer Teich haben sie zusammen gebadet und das Wasser sollen wir dann trinken? Ist das nicht eine Schweinerei?" ... Worauf die andere tonlos erwiderte: „Und dazu mit seiner Freundin! Wenn's wenigstens seine Frau gewesen wäre!" Siehst Du — Volkes Stimme ist Gottes Stimme. Am schönsten finde ich übrigens „zusammen."

Von Wiekau aus ist der Anmarsch zum Galtgarben noch hübscher, als von Drugehnen. Der Weg führt in der Nähe des Gutes Prilacken vorbei. Hiervon gibt es eine Lithographie aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts — eins der wenigen Bilder aus alter Zeit mit dem Berg im Hintergrund. Er ist darauf etwas übertrieben dargestellt. Die Maßstäbe waren frühere andere; ja fast scheint es, als hätten die Menschen damals andere Augen gehabt, Augen, die den künstlerischen Vorwurf großartiger sahen. Oder war es nur Liebe zur Sache, die die Ausmaße übertrieb?

Wir können uns, an Vergleiche gewöhnt, eines Lächelns kaum erwehren, wenn wir die Bezeichnung Alkgebirge auf den Karten lesen. Aber Mittelpunkt und höchste Erhebung des Samlandes ist der Galtgarben noch immer — ist das nicht Grund genug, ihn mit Ehrfurcht zu betrachten, mit der gleichen Ehrfurcht, die in grauer Vorzeit heidnischen Preußen auf seinem Gipfel dem Frühlingsgott Ligo einen Tempel errichten ließ?

Komm und lass uns den lichten Blätterwald, der ihn an diesem Maientag umkleidet, durchwandern, um die Schönheit des heidnischen Kults recht verstehen zu können, dieses Gottesdienstes an Sonne und am erwachenden Leben, hier oben, näher Wolken und Wind, mit dem Blick auf die ferne See, hoch über den Niederungen zu unseren Füßen, die wir mit einer Sehnsucht durchschritten haben, als gelte es die Wallfahrt zu einem heiligen Ort.

Dieses Wissen um eine gläubigere Menschheit, die heidnisch war, lässt einen selbst die Anlage des neuen Turms entschuldigen, der wenigstens Gelegenheit gibt, den Rundblick über das Land zu erweitern, eine an klaren Tagen prachtvolle Fernsicht mit dem Haff bis zum jenseitigen Ufer, einer Ahnung von Pillau, dem Leuchtturm von Brüsterort, den Dünen bei Cranz, im Rücken über die blinkenden Stauteiche hinweg die Stadt.

Wir liegen mit den Ellbogen auf der von Sonne erhitzten Landschaft. Deine Hand, die immer noch den Handschuh trägt, weist von einem Punkt zum anderen. Nur selten müssen wir die Karte zu Hilfe nehmen, alles im Umkreis ist uns vertraut. Herrlich ist es hier oben, lockend wie die Weite. Darum führte der Teufel den Heiland auf einen Berg, ihn zu versuchen.

Die letzten Stufen, die man emporklimmen muss, bevor man unter der Wetterhaube auf die Plattform hinaustritt, bilden eine eiserne Wendeltreppe, die sich uns Ankömmlinge durch ihr Klirren verrät, sofern das nicht schon vorher astmathisches Pusten von Erwachsenen und eintöniges Zählen der Stufen von Kindern anzeigt. So können wir uns rechtzeitig zurückziehen, um die Begeisterung der Fremden nicht durch unsere Anwesenheit zu verletzen.

Zuvor die samländischen Gutsbesitzer durch die Anfuhr von Findlingsblöcken den Bau ermöglichten, trug der Galtgarben einen hölzernen Aussichtsturm. Die Bäume machten aber seiner Höhe allzu sehr den Rang streitig Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Immerhin sind Buchen, Eichen und Fichten so groß, dass sie nur den obersten Teil freigeben. Mit seinen vier Zinnen ähnelt er aus der Ferne einem Pierdekopf mit gespitzten Ohren.

Unweit des Bismarckturms, wurde nach dem Befreiungskriege, für die Gefallenen ein Denkmal errichtet. Es stammt aus dem Jahr 1818. Sein Schöpfer war der alte Kriegsrat Scheffner, der bei Kant zum Tee kommen durfte und mit der Königin Luise in Briefwechsel stand. Diese Tatsache, sowie sein wohlklingender Titel, der dem heutigen Regierungsrat gleichzusetzen ist, während man in ihm lieber einen kleinen Kriegsminister sehen möchte, hat zu einer Fülle von Schrifttum über den Dichter geführt, die ihn zu einer fast legendenhaften Persönlichkeit stempelt.

Er ließ sich hier oben beisetzen und hat sich selbst in schlechten Strophen eine Grabschrift verfasst, die wie ein Marterl an einem Baum befestigt ist.

Die Verse, die er als Jüngling schmiedete, sind entschieden unterhaltsamer. In gerader Linie von Anakreon stammend, schildern sie vornehmlich die Freuden des Weins und der Liebe mit einem Bekennermut, der in seiner harmlos-lasciven  Zeit Selbstverständlichkeit war. Als besonderer Feinschmecker erweist er sich in seiner Ode „Über das Vergnügen, andere sich lieben zu sehen."

Hätte der alte Herr gewusst, wieviel Ärger und Kosten es verursachen würde, den Plan zur Errichtung eines Landwehrkreuzes zu verwirklichen, dürfte er verzichtet haben, selbst auf die Gefahr hin, weniger berühmt zu werden.

Die Leute, die er anpumpen wollte, waren zach. Noch nicht einmal die königliche Familie kam seiner Unternehmungslust als Denkmalsgründer entgegen und hielt das Portemonnaie zu. Ein Flugblatt, das für die Spende „zur Kreuzerhöhung zum Gedächtnis preußischer Kämpfe und Siege auf dem Rinauer Berge bei Galtgarben" werben sollte, zog nicht recht, wiewohl es von drei gewichtigen Namen: Schrotter, Auerswald und Borowski mit unterzeichnet war. Dabei darf man die Bedingungen entgegenkommend rennen. Sollte das Ehrenwerk nicht zustande kommen, wurde jedem Zahler die Rückerstattung des Betrages zugesichert. Außerdem stellte man den Geldgebern in Aussicht, ihre Namen auf den ersten Blättern des künftig am Berg zu haltenden Gästebuches zu verzeichnen. Leider ist dieses Buch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts unbekannt geblieben. Ein Liebhaber von Autogrammen wird es gleich mitgenommen haben. Fortsetzung folgt.

 

Seite 11   Gottes Anblick

Auf den ersten Abdruck der Artikelserie Sommer im Bernsteinland" erhielt der Verfasser „Alexis" eine Zuschrift von Frau Dr. med. A. Oetiker, Zürich, in der es heißt:

„Ich bin in den 60-er Jahren in Katzenblick geboren und kann Ihnen mitteilen, dass der wunderliche Name wegen der schönen Aussicht, die man von dort genießt, einst „Gottes Blick" gelautet hat. Als ich dann später in Berlin lebte und mir während meines Studiums ein Führungszeugnis besorgen musste, nannte ich meinen Geburtsort mit Katzenblick, Kreis Fischhausen, Ostpreußen. Der Beamte schlug lange nach und sagte dann: „In meinem Buch heißt das Gut „Gottes Anblick."

Wir geben diese freundliche Version wieder, ohne die Gelegenheit zu haben, alte Adressbücher zu Rate zu ziehen und ohne auf die Erklärungen hinzuweisen, die Gerullis in seinen „Altpreußischen Ortsnamen" auf Grund seiner Forschungen der untergegangenen Sprache bereithält.

 

Seite 12   Heimkehreraussagen über Vermisste. Wer kennt die Angehörigen?

Heimkehrer haben beim Suchdienst Aussagen über Vermisste gemacht. Die Angehörigen dieser Vermissten konnten bisher nicht ermittelt werden. Erkennen Sie aus den nachstehend aufgeführten Personalangaben einen der Vermissten und können Sie Auskunft über dessen Angehörige geben? Helfen auch Sie, die Angehörigen ausfindig zu machen. Jede zutreffende Meldung bedeutet ein geklärtes Vermisstenschicksal! Geben Sie Ihren Hinweis zur Auffindung der Angehörigen bitte unverzüglich unter Angabe der Befragungsnummer der Liste (jeweils am Ende der Suchanzeige) an das Deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München, Abt. Nachforschungsstelle für Wehrmachtsvermisste München 13, Infanteriestraße 7 a.

 

Contor, Karl, geb. etwa 1902, verh., zwei Töchter, Zimmermeister, aus Orteisburg — 3/1683. –

 

Didszum, Franz, geb. etwa 1903, Landwirt aus Joshewen bei Ebenrode — 3a/1691.

 

Diehle, Heinz, geb. etwa 1914, verh., Gefr. oder Obergefr., Landwirt aus Ostpr. — 3/1691.

 

Dirks, Kurt, verh., aus Königsberg, Kapornerstraße 15 — 3a/1547

 

Döring, Theo, geb. 1900, verh., zwei Töchter, aus Königsberg, Unter- od. Oberhaberberg — 3/1693.

 

Drengwitz, Fritz, geb. 1900, verh., Kraftfahrer aus Tilsit — 3/2481.

 

van D ü h r e n, Vorn, unbek., geb. etwa 1915, ledig, Obergefr., Kaufmann, hatte ein Glas- und Porzellangeschäft, aus Königsberg — 3a/1195.

 

Düsterhöft, Hugo, geb. 02.08.1907, Stabsgefr., vermutl. aus Heiligenbeil-Steindorf — GB 445.  

 

Dulisch, Vorn, unbek., geb. etwa 1895, verh., mehrere Kinder, aus Allenstein — 3a/295.

 

Dunkel, Henriette, geb. etwa 1867, verwitwet, zwei Töchter, aus Königsberg, Alter Graben 19 (Tochter: Charlotte) — 3/1698.

 

Eggert, Paul, geb. etwa 1905, verh., zwei Kinder, Tischler, aus Wormditt, (Ehefrau: Maria) — 3/1701.

 

Elias, Hans Günther, geb. 1922, ledig, Obergefr., aus Lyck, Moritzstraße 24 (Vater: Arthur) — 3a/1294.  

 

Ellinger, Fritz, geb. etwa 1905, verh., Feldwebel, Bäcker u. Konditor, aus Mühlhausen bei Braunsberg — 3a/1243.

 

Engel, Christel, geb. etwa 1917, verh., ein Kind, aus Elbing, Gr.-Zahlerstr. - 3a/1174.  

 

Engelbrecht, Erwin, geb. etwa 1895. verh. Major, Landwirt, aus Erwinen bei Bartenstein — 3a/1321.

 

Erdmann, Vorn, unbek., geb. etwa 1908, verh., Oberleutnant, aus Königsberg, Schrötterstr. 15 — 3/1706.

 

Erlhöfer, Willi, Kanonier, aus Winsken, Kreis Neidenburg, (Vater: Friedrich) — D 3/3542.

 

Ernst, Vorn. unbek., geb. etwa 1912, verh., Obergefr. od. Uffz., aus Schlesien oder Ostpreußen — 3a/1516.

 

Erzberger, Vorn, unbek., geb. etwa 1915, verh., vier Kinder, aus Ostpreußen — 3a/1121.  

 

Erzberger, Gerhard, geb. 1909, ledig, Oberfeldw., aus Elbing — D 3/2887.

 

Esche, Paul, verh., Kaufmann, aus Königsberg — 3a/1508.

 

Exner, Hermann, geb. etwa 1910, ledig, Leutnant od. Oberleutn., stud. jur., aus Marienburg/Westpr. — 3/1709.  

 

Färber, Vorn, unbek., geb. etwa 1920, Leutnant, aus Arnsberg/Ostpr. - S 3/4225.

 

Falck, Emil, geb. etwa 1906, verh., Soldat, Landarbeiter, aus Jelbsch, Kreis Rastenburg - 3/1710.

 

Faltin, August, verh., Obergefr., Landwirt, aus Goldap — 3/1711.

 

Faust, Vorn, unbek., geb. etwa 1901, verh., Signalwerkführer, aus Labiau — 3/2154.  

 

Federau, Eberhard, geb. 19.06.1926, Obergrenadier, aus Allenstein/Likusen — GB 506.

 

Feierabend, Herbert, geb. 01.11.1924, Gefr., aus Reimershof, Kreis Gerdauen, (Vater: Hermann) — GB 507.  

 

Feldmann, Bruno, verh., Stabgefr., aus Königsberg — 3/1712  

 

Feuersänger, Otto, geb. 1888, verh., Feldwebel, Landwirt, aus Harteck, Kreis Goldap — 3/1713.

 

Graf Fink von Finkenstein, Vorn, unbek. geb. 1919, Rittmeister aus Ostpreußen — 3/1715  

 

Fischer. Gustav, verh., eine Tochter, Obergefr., Landwirt aus Freistadt, Kreis Marienwerder — 3a/1423  

 

Fitzner, Karl, geb. 1902, aus Schröttersburg, (Vater: Julius) — 3/1717  

 

Flach, Paul, geb. etwa 1900, verh., Volkssturmmann, Eisenbrenner an der Schiffswerft in Elbing, aus Elbing — 3/1712  

 

Fligge, Hildegard, geb. etwa 1924, ledig, aus Turoscheln, Kreis Johannisburg, Dorfstraße — 3/2751

 

Fox, Ferdinand, geb. 05.01.1922, Gefr., aus Arnsdorf, Kreis Heilsberg, (Ehefrau: Gertrude) — GB 542

 

Frederichs, Heinz, geb. 27.03.1923, Obergefr. aus Rolmanen, Kreis Ortelsburg (Vater: Franz) — GB 560

 

Freitag , Heinz, geb. etwa 1910, verh., ein Kind, aus Königsberg — 3/2430

 

Galke, Emil, geb. etwa 1905, ledig, Obergefr., Landarbeiter aus Hasenberg, Kreis Osterode, — 3a/1181

 

Gedenk, Erwin, geb. etwa 1931, ledig, Schüler, aus Seerappen, Kreis Samland — 3/1731  

 

Geißler, Vorn, unbek., geb. etwa 1904, verh., zwei Kinder, Obergefr., Fabrikarbeiter aus Elbing — 3a/1590  

 

Gembries oder Gembritz, Georg, geb. etwa 1900, verh., fünf Kinder. Volkssturmmann aus dem Kreise Angerburg — 3a/904

 

General, Franz, geb. etwa 1915, ledig, aus Königsberg - 3/1733 

 

Gerigk, Bernhard, geb. etwa 1877, verwitwet, Bauer, aus Klawsdorf. Kreis Rössel — 3/1733

 

Gehrmann, Otto, geb. 1900, aus Wengelwalde, Kreis Marienburg — 3/2789

 

Gieroht, Fritz, geb. etwa 1908, verh., ein Kind, Obergefr., Kraftfahrer bei der Städt. Krankenanstalt Elbing, aus Elbing — 3a/1014  

 

Gölz, Horst, geb. 1931, aus Seenothen, Kreis Preuß. Holland — 3/1740  

 

Göring , Vorn, unbek., geb. etwa 1898, verh., aus Elbing, Fischerstr. — 3a/1327  

 

Görke, Günter, geb. etwa 1921, ledig, Leutnant, Abiturient aus Ostpreußen — 3a/1008  

 

Goldbach. Fritz, geb. 1927, ledig, Kanonier, Landarbeiter, aus Mohrungen — 3/1741  

 

Gramatzki, Emil, geb. 17.08.1908, verh., eine Tochter, Uffz. Elektrotechniker, aus Königsberg — D3/2902

 

Gradtke , vermutl. Karl, geb. etwa 1901, verh., Obergefr. aus der Gegend von Tapiau, Labiau — 3a/977

 

Greisner, Richard, geb. etwa 1905. ledig, Landarbeiter aus dem Kreise Braunsberg — D 3/2899  

 

Grigoleit, Herbert, geb. etwa 1925, Fahnenjunker-Uffz., aus Allenstein, Copernikusstr. 46 — GB 684

 

Grimminger, Vorn, unbek., geb. etwa 1927, ledig, Soldat, aus Ostpreußen — 3/1756  

 

Grodde, Lucia, geb. etwa 1925, ledig, Haustochter, aus dem Kreise Braunsberg — 3/1757  

 

Groß, Willi, geb. 1921, ledig, Soldat, Landhelfer, aus Scheitschin, Kreis Insterburg — 3/1759

 

Großberger, Karlheinz, ledig, Gefr., Schüler, aus Königsberg — 3/2147

 

Grunert, Paul, geb. 22.07.1911, Oberfeldwebel, Büroangestellter, aus Schellen, Kreis Rössel (Vater: Josef) — GB 695

 

Guddat, Vorn, unbek., geb. etwa 1917, ledig, Stabsgefr., Landwirt aus dem Kreise Schloßberg — 3a/ 448

 

Haffke, Erich, geb. etwa 1914, verh., Autovermittlung, aus Rastenburg — 3/1746

 

Hecketier, Vorn, unbek., geb. etwa 1915, Hauptmann, aktiv, aus dem Kreise Elbing — 3/1768

 

Helbig, Vorn, unbek., geb. etwa 1885, verh., Oberst, aktiv, aus Ostpreußen — 3a/396  

 

Helm, Vorn, unbek., geb. etwa 1908, Polizist, aus Königsberg — 3/1773  

 

Hermann, Herbert, geb. 1909, verh., vier oder fünf Kinder, Stabsgefr. aus Elbing, Heilige-Geist Str. 1 — 3a/419  

 

Heß, Friedrich, geb etwa 1901, verh., drei Kinder, Obergefr., Landwirt, aus Ostpreußen — D3/3536

 

Hesse, Franz, verh., Kutscher, aus Bischofsburg, Kreis Rössel, Brunnenstr. — 3/1779  

 

Hinz, Oskar, geb. 16.08.1908, Obergefr., aus Elbing, Georgendamm 21 — GB 767 —

 

Hippler, Anton, geb. etwa 1913, verh., Obergefr., aus Königsberg — 3/2430  

 

Hippler, Hedwig, ledig, aus Kogendorf, Krs. Braunsberg — 3/1783  

 

Hoffmann, Artur, verh., Kellner, aus Ostpreußen — 3a/1435  

 

Holzhütter, August, geb. 1904, verh., OT-Mann, vermutlich aus Ostpreußen — 3/2913  

 

Hoppe, Otto, verh., Hauptmann, Bürgermeister in Seeburg, Kreis Rössel — 3a/1130  

 

Horn, Rudolf, geb. 1906, verh., Obergefr., Landarbeiter, aus Skandau — 3a/6068  


 


 

Irasmus, Kurt, geb. etwa 1900, verh., Lehrer, aus Tilsit — 3a/43  

 

Iwanowsky, Vorn, unbek., geb. 1889, verh., 4 Kinder, Uffz., aus Lindensee, Kreis Johannisburg (Beruf: Bauer) — 3/2761  

 

Jäger, Alois, geb. 06.03.1903, Soldat, aus Tilsit (Ehefrau Rosa, geb. Fischer) — GB 838  

 

Jansen, Walter, geb. 1900, verh., zwei Töchter, Grenzzollbeamter, aus Deutsch Eylau — 3/1799

 

Jastrow, Paul, geb. 28.06.1904, Stabsgefr., aus Königsberg, Ratslindenstr. 39 (Bruder: Julius) — GB 869  

 

Jerick, Paul, geb. etwa 1912, verh., 1 Kind, Zahlmeister, aus Allenstein — 3/1803  

 

Jonas Dieter, geb. 1930, ledig, aus der Nähe von Insterburg oder Gumbinnen — 3a/1627  

 

Jorzig, Karl, geb. etwa 1908, verh., Obergefr., Gärtner, aus Salzbach Kreis Rastenburg — 3/1806

 

Josepeld, Vorn, unbek.  geb. etwa 1888, verh., Baumeister, aus Königsberg – 3a/1325

 

Käsler, August, geb. 26.11.1899, war bei der Polizei, Schlosser, aus Allenstein – 3a/866

 

Kalender, Vorn. unbek., geb. etwa 1900, verh. Gutsbesitzer, aus Bartkamm bei Elbing - 3/1813

 

Kalkowski, Otto, geb. etwa 1912 ledig. Landwirt und Schmied aus Ostpreußen - 3a/1434

 

Kallweit. Vorn, unbek.  geb. 1913, verh., 2 Kinder, Hauptmann, aus Tilsit — 3/3587  

 

Kalsun, Richard, geb. etwa 1916, verh., zwei Kinder, Hauptfeldwebel aus Ostpreußen oder Schlesien - 3/1813

 

Kaminski. Vorn, unbek., geb. etwa 1910, verh., Stabsgefr., Beamter, aus Königsberg — D3/2920

 

Kaminski, Max, geb. etwa 1885, verh., ein Sohn. Oberamtmann bei der Cranzer Eisenbahn, aus Königsberg, General-Litzmann-Str. - 3/2107  

 

Karrasch, Kurt, geb. 1921, verlobt, Uffz., Autoschlosser, aus Neuendorf/Ostpr. - 3/1816

 

Karrasch, Waldemar, geb. 22.12.1916. Obergefr., aus Grießen, Kreis Treuburg — GB 945  

 

Kelch, Siegfried, geb. 26.10.1927, SS-Soldat, aus Hohenbruch über Liebenfelde (Vater: Gustav) — GB 966  

 

Kirschnik, Erwin, verh., Stabsgefr., Kellner, aus Königsberg — 5a/49  

 

Kirchstein, Reinhold, geb. 20.09.1893, Oberfeldwebel, aus Marienburg, Langegasse 19 (Ehefrau: Edith) — GB 980  

 

Kiwatkowski, Wladislaus, verh., Schuhmacher, aus Puppen, Kreis Ortelsburg — 3a/1074  

 

Kitzki oder Kitzky, Albert, geb. etwa 1908, verh., Kinder, Obergefr., Arbeiter, aus Rosengarten, Kreis Angerburg – 3a/947

Klaus, Johann, geb. etwa 1901, verh., aus Königsberg — 3/1827 

 

Klautke, Hermann, geb. etwa 1896, verh., Malermeister, aus Bischofsstein, Kreis Rössel — 3a/1261

 

Kledtke, Grete, geb. etwa 1923, ledig, Kindergärtnerin, aus dem Kreise Labiau — 3a/790

 

Klein, August, geb. etwa 1904, verh., Obergefr., Landwirt aus Groß-Damrau, Kreis Allenstein — 3a/616

 

Klein, Hans, geb. etwa 1924, ledig, Gefr., Landwirt, aus dem Kreise Ebenrode — 3a/1572

 

Klopotowski, Bruno, geb. 17.08.1927, Jungbauer, vermutlich aus Schöndorf, Kreis Rössel (Vater: Joachim) — D3/2925  

 

Kneiphof, Alfred, geb. 21.03.1925, Gefr., aus Königsberg, Hindenburgstr. 19a (Vater: Rudolf) — GB 991

 

Kniffka, Walter, geb. 10.09.1925, SS-Sturmmann, aus Groß-Pötzdorf/Osterode — GB 993  

 

Knorr, Franz, geb. 1906, verh., Stabsgefr., Gutsdiener, aus Wilknitt, Post Eichholz über Zinten (Ehefrau: Herta) — 3a/1058  

 

Köhn, Gerhard, geb. 15.12.1927, SS-Panzerjäger, aus Heiligenbeil — GB 1002  

 

Köhler, Gerhard, Feldwebel aus Otspreußen — GB 1000

 

Kowalewski, Vorn, unbek., geb. etwa 1908, verh., Sägewerk- oder Zimmereibesitzer, aus der Gegend von Königsberg — 3/1844  

 

Krause, Thea, geb. 1926, ledig, Büroangestellte, aus Ostpreußen — 3/1848

 

Kretschmann, Vorn, unbek., geb. etwa 1904, verh., Gefr. oder Obergefr., Bauer, aus dem Kreise Ortelsburg bei Mensguth - 3/1850  

 

Krickhahn, Irmgard, geb. 1928, ledig, aus Königsberg - 3/1851  

 

Kroll. Vorn unbek., geb. etwa 1903 verh., zwei Kinder, Obergefr. aus Pogegen bei Tilsit - 3a/1424

 

Kroll, Karl, verh. Feldwebel, Drogeriebesitzer, aus Braunsberg, Ziethenstr. 10 (Ehefrau: Helene, Tochter: Ingeborg) - 3/2407  

 

Kroll, Lothar, geb. 18.08.1905, Uffz., aus Königsberg. Lobeckstr. 13 (Vater: Paul) -  GB 1039

 

Kropp, Walter, geb. etwa 1913, ledig, aus Treuburg, Mühlenstr. 7 – 3/1852

 

Kuhblum, Ernst Wilhelm, geb. etwa 1903, Musiker, aus Königsberg-Juditten – 3a/1391

 

Kühn, Eduard-Adolf, geb. 12.05.1917, Gefr., vermutlich aus Jägertal über Insterburg II (Mutter Minna) - GB 1049  

 

Kuschnereit, Vorn. unbek., verh. Oberleutnant der Schutzpolizei, aus Königsberg - 3/1861  

 

Lange, Fredy geb 07.11.1911, Sanitäts-Stabsgefr., aus Deutsch Eylau (Ehefrau: Minna) — GB 1068

 

Lange, Gerda, geb. 1925, ledig, Hausangestellte, aus der Nähe von Zinten — 3/1865

 

Lange, Otto, verh., Meister der Schutzpolizei, aus Königsberg, Hansaring — 3/1866

 

Langanke, Emil, geb. 11.11.1909. Obergefr., aus Merglitten bei Albrechtsdorf — GB 1067

 

Langkau, Ernst Johannes, geb. 13.05.1908, Stabsgefr., aus Plötzendorf, Kreis Lyck (Vater: Johann, Mutter: Auguste) — GB 1071

 

Lasler, Ernst, geb. etwa 1910, verh., drei Kinder, Stellmachermeister, aus Markushof, Kreis Marienburg — 3/2093

 

Laurinat, vermutlich Hans, geb. etwa 1913, verh., Oberfeldwebel. Berufssoldat aus Insterburg oder Gumbinnen — 3/1863

 

Lazert, Werner, geb. 1927, ledig, Soldat, Schüler, aus Königsberg — 3/1851

 

Leih, Anneliese, geb. etwa 1916, ledig, aus der Gegend von Rothfließ — 3/1871

 

Lehmann, Else, verh., aus Königsberg, in der Nähe vom Schauspielhaus — 3/1869

 

Dr. Lehnert, Vorn, unbek., geb etwa 1876, verh., Sanitätsrat, aus Palmnicken — 3/1870

 

Liedtke, Harry, geb. 23.11.1926, Panzergrenadier, aus Görben-Eylau-Königsberg — GB 1082

 

Liedtke, Hans, ledig, Uffz., Langemark-Schüler, aus Elbing — 3/1874  

 

Liedtke, Walter, geb. 08.12.1919, Feldwebel, aus Klein-Kutten. Kreis Angerburg (Vater: Adolf) — GB 1083 

 

Lindemann, Toni, geb. 1897, verh., aus Rössel, Fischerstr. — 3/3097

 

Lipka, Julius, geb. 16.02.1908, Obergefr., aus Ulrichsee, Kreis Ortelsburg, (Ehefrau: Elfriede) — GB 1069  

 

Lischewski, Ernst, ledig, Stabsgefr., Landwirt, aus Ostpreußen — 3a/1187

 

Lochner, Kurt, geb. 20.12.1915, Pionier, aus Königsberg — GB 1099

 

Lorenz, Karl-Friedrich, geb. etwa 1904, verh., Friseur, aus Goldap — 3/2109

 

Lüth, Johann, geb. etwa 1889, verh., Kinder, Oberstleutnant, aus Königsberg — 3/1888

 

Lukau, Hugo, geb. etwa 1905, Soldat, Bauer, aus Kukernese, Elchniederung oder Umgebung — 3/2441

 

Luckenbach, Klaus, geb. 09.02.1917, Leutnant, vermutlich aus Raudingen/Ostpr. — GB 1108

 

Lusza, Martin, geb.08.12.1903, Gefr., Landwirt, aus Aug?tumal, Kreis Heydekrug — GB 1114  

 

Luschnat, Willi, geb. etwa 1900, ledig, aus Feuchtwiesen, Kreis Schloßberg D3/2943

 

Luttert, Vorn. unbek., geb. etwa 1900, verh., Uffz., aus Ostpreußen – 3a/960

 

Dr. Mahlo, Vorn. unbek., verh., Leutnant, Dipl. Volkswirt, aus Königsberg, Tragheimer Pulverstr. (Ehefrau: Ruth) — 3/1890

 

Manthey, Werner, geb. etwa 1922, ledig, Soldat. Landwirt, aus Ostpr., vermutlich aus dem Kreis Insterburg (Vater: Wilhelm) — 3/1894

 

Marienfeld, Hans, geb. etwa 1905, verh., Bauunternehmer, aus Dörbeck, Kreis Elbing — 3a/551

 

Marquardt, Luise, ledig, aus Grunenberg, Kreis Braunsberg — 3/1896

 

 

Seite 12   Gefallene und gestorbene Wehrmachtsangehörige

Anfragen und Mitteilung zu dieser Liste sind unter Angabe des Namens und Vornamens des Gemeldeten (zweiter Name in der Suchmeldung) an den Suchdienst München, Rundfunkauskunft München 13, Infanteriestr. 7a, zu richten.

Gesucht wird:

 

Pieseck, Käthe, aus Königsberg, Polwestraße 53, für Pieseck, Friedrich, geb. 08.08.1903 in Königsberg.  

 

Pippis, Familie, aus Sowenen, Kreis Heydekrug, für Pippis, Albert, geb. 12.11.1911 in Nidden.

 

Plager,  August, aus Lindensee (Johannisburg) für Plager, Kurt, geb. 05.10.1925 in Lindensee.

 

Plate, Martha, aus Königsberg, Philosophendamm 10 für Plate, Werner, geb. 18.05.1905 in Remscheid.  

 

Plewka, Auguste, aus Neidenburg, Hohensteiner Straße, für Plewka, Karl, geb. 28.01.1907 in Groß-Tauersee.  

 

Koß, H., aus Prostken, Kreis Lyck, für Plewka, Paul, geb. 08.04.1922 in Oberhausen.

 

Plotzitzka, Franz, aus Grönflet, Kreis Goldap, für Plotzitzka, Fritz, geb. 15.10.1925 in Grönflet.

 

Familie Pypetz, aus Schloßpark Schlodien, Kreis Preußisch-Holland, für Pypetz, Heinrich, geb. 27.02.1921 in Gaschowitz.  

 

Familie Podszuck, aus Gumbinnen, Gartenstraße für Podszuck, August, geb. 03.04.1912 in Schönheide.

 

Podszuck, aus Gumbinnen, Gartenstraße 26, für Podszus, Herbert, geb. 22.04.1920 in Gumbinnen.

 

Seite 12   „Hiob im Moor"

Der Nordwestdeutsche Rundfunk bringt am Montag, dem 15 Juni, von 20.35 bis 21.45 Uhr auf der Mittelwelle eine Feature-Sendung „Hiob im Moor" von Horst Mönnich. In ihr wird von dem bewegten Schicksal der Familie Schiarb berichtet, deren Vorfahren von der Kaiserin Maria Theresia in Neu-Szivacz in der Woywodina-Batschka,heute Jugoslawien angesiedelt worden waren. Das Ende des zweiten Weltkrieges, der Zusammenbruch des Hitlerreiches mit all seinen furchtbaren Folgen für die Deutschen im Osten zwingt die ganze Schlarb-Sippe, nach Deutschland zurückzukehren. In einem bayrischen Hochlandsmoor vollbringt die große Familie der Schlarbs eine bemerkenswerte kolonisatorische Leistung und schafft sich damit aus eigener Kraft eine neue Heimat und Existenz.

 

Seite 13   Eltern suchen ihre Kinder

Tausende ostpreußische Eltern und Angehörige suchen noch immer ihre Kinder, die seit der Vertreibung aus der Heimat verschollen sind. Nachstehend beginnen wir mit der Veröffentlichung einer ersten Liste. Wer Auskunft geben kann, schreibe bitte sofort an den Kindersuchdienst Hamburg-Altona, Allee 125 unter Angabe von Namen, Geburtsdatum und Ort des Kindes und von Namen, Vornamen, Geburtsdatum Ort sowie Heimatanschrift von 1939 der Angehörigen. Landsleute, helft mit, das Schicksal der Vermissten aufzuklären!

Gesucht werden aus Domnau, Kreis Bartenstein:

Haack, Helmut, geb. 21.01.1940, von seinem Vater: Haack, Kurt, geb. 27.06.1912. Im Juni 1947 befand sich das Kind in Groß-Klitten bei Damnau. Es wurde dort einem Kindertransport übergeben, der über Königsberg nach Westdeutschland sollte.

 

Königsberg, Barbarastraße 540:

Schröder, Manfred, geb. 10.02.1933, von Meller, Mina, geborene Reinmann, geb. 17.06.1889.

 

Königsberg, Berliner Straße 9:

Post, Dieter, geb. 1933, von seinem Onkel Post, Franz, geb. 08.09.1889.

 

Königsberg, Blumenstraße 12:

Dreher Brigitte, geb. 23.07.1934, von ihrer Mutter Dreher Hildegard, geborene Lehmann, geb. 27.05.1905. Brigitte Dreher soll in Königsberg von einer Frau Schröder und Frau Maiwald aufgenommen worden sein.

 

Königsberg, Börsenstr. 4:

Schlieks Ursel, geb. im Juli 1933 in Zoppot, von Schlieks Artur, geb. 03.05.1907. Im Dezember 1944 befand sich Ursel Schlieks in Oelsnitz (Erzgebirge).

 

Königsberg-Ponarth, Buddestr. 24:

Renk Inge, geb. 05.07.1933, und Renk Marianne, geb. 11.03.1943, von Rudzewski Margarete, geborene Bock, geb. 14.12.1913.

 

Königsberg, Friedemannstr. 18:

Schulz Richard, geb. 19.07.1934, von Lobitz Elfriede, geb. 15.02.1925

 

Königsberg, Fritznerweg 13:

Rudolff Inge, geb. 02.11.1933, von Scharwies Hildegard, geborene Rudolff, geb. 29.06.1923.

 

Königsberg, Poonstr. 14:

die Geschwister Floth, Günther-Wolfgang, geb. 16.08.1934. Erwin, geb. im August 1937, und Dora, geb. 27.06.1941, von ihrem Vater Floth, Bruno, geb. 22.06. 1914.

 

Lindenbruch, Kr. Tilsit-Ragnit:

Ruddigkeit Gerhard, geb. im September 1933, von Ruddigkeit Emil, geb. 16.11.1901.

 

Lolen, Kr. Gumbinnen: die Geschwister Thieler Walter, geb. 030.08.1933, Käthe, geb. 06.04.1937, Hans, geb. 02.07.1941 , und Dietmar, geb. 20.09.1943, von Thieler Gustav, geb. 30.12.1906. Die Geschwister Thieler wurden am 22.02.1945 in Dirschau in einen Güterzug verladen.

 

Lyck, Schlageterstr. 19:

Drutsch Rudolf, geb. 05.09.1933 in Prostken, von Kamutzki Lotte, geb. 04.02.1922. Rudolf Drutsch wurde im April 1945 zuletzt in Königsberg gesehen.

 

Mahnsfeld, Kr. Samland:

Lobb Vera, geb. am 25.05.1934, von ihrem Vater Lobb Eugen, geb. 05.06.1904. Der Vater erhielt die letzte Nachricht im Dezember 1945 aus der Gegend von Insterburg. Bei Vera Lobb befanden sich die Geschwister Horst, Günther sowie die Mutter Luise Lobb.

 

Medischkehmen, Kr. Heydekrug: Timries Heinz-Walter, geb. 06.10.1933, und Timries Frieda, geb. 30.09.1936, von ihrem Vater: Timries Michael, geb. 19.05.1898.

 

Mehlsack, Kr. Braunsberg, Markt 28: Wichert Horst Adolf, geb. 12.01.1934, von seinem Vater Wichert Leo, geb. 14.02.1909.

 

Mohlen, Kr. Insterburg:

Zahlmann Horst, geb. 06.05.1934, in Insterburg, von Rose Fritz, geb. 05.03.1900.

 

Neuhausen-Tiergarten. Kr. Samland, Birken-Allee: die Geschwister Wichmann Horst, geb. 11.08.1934, Inge, geb. 22.04.1937, und Dietrich, geb. 08.06.1939, von Wichmann Fritz, geb. 26.10.1911.

 

Neuhof, Kr. Samland:

Ritter Edeltraud, geb. 15.05.1933, von Seemund Walter, geb. 04.02.1917.

 

Osterode, Grabenstr. 1:

Scheller Ingrid geb. 1933 in Deutsch-Eylau, von Kukla Käte, geborene Kuski, geb. 31.01.1904.

 

Osterwein, Kr. Mohrungen:

Seubert Kurt, geb. 1933, von Böhlke Lina, geborene Seubert, geb. 07.12.1887.

 

Paterswalde. Kr. Wehlau, Schule:

 

Schwarz Else, geb. 13.03.1933 in Groß-Hein, und Schwarz, Ilse, geb. 28.11.1934, von Huck Auguste, geborene Schwarz, geb. 26.06.1890.

 

Petrellen, Kr. Heydekrug:

Preuß Helmut, geb. 11.03.1934, von seiner Schwester Preuß Ruth, geb. 29. 07.1931.

 

Praddau, Kr. Samland:

die Zwillinge Jandt Elisabeth und Erna, geb. 22.12. 937, von ihrer Schwester Krämer Grete-Maria, geborene Jandt.

 

Preußisch-Holland, Erich-Koch-Str. 26:

Fischer Irma Edelgard, geb. 26.07.1936 in Steegen, von ihrer Mutter Fischer Anna, geb. 10.02.1909.

 

Gesucht werden aus Königsberg Pr.: Grazerdamm 54:

Buchholz Siegfried, geb. 27.09.1933, von Buchholz Adolf, geb. 08.08.1897.

 

Haberberg (Rundteil I):

Onischke Ursula, geb. 08.01.1933, und Onischke Gisela, geb. 17.11.1936, von Schipper Richard, geb. 11.02.1901.

 

1. Rundteil 3:

Bunk Günther, geb. 19.10.1934, von Bunk Gertrud, geb. 19.01.1908.

 

Höftmannstr. 15:

Pohl-Thiede Elona, geb. 23.02.1933, von Pohl Irmgard, geb. 31.12.1901. Elona Pohl-Thiede befand sich im Januar 1945 in Breslau, Weinstr. 46, bei Thiede.

 

Holländergasse 12:

Behrendt Elfriede, geb. 13.03.1934, von ihrer Tante Tater, Marie, geborene Grohnert, geb. 30.12.1890.

 

Jägerstr. 18:

Richter Ingrid, geb. 17. 01.1933, von Richter Auguste, geb. 17.08.1908.

 

Juditter Kirchenstraße 68:

die Geschwister Maeding Lothar, geb. 05.10.1933. Brigitte, geb. 10.09.1938, und Dieter, geb. 15.03.1942. von Maeding Friedrich, geb. 08.04.1897.

 

Karlstr. 9 - 10:

Polligkeit Eva, geb. 10.07.1934, von Polligkeit Waltraud, geb. 30.08.1929. Eva Polligkeit befand sich zuletzt in einem Waisenhaus in Königsberg.

 

Karschauer Straße 62:

Püseke Elfriede, geb. 03.08.1933, und Püseke Renate, geb. 25.07.1938, von Püseke Rosemarie, geb. 24.03.1930.

 

Kochstraße 8:

Perlach Vera, geb. 25.01.1934, und Perlach Irene, geb. 26.08.1933, von Perlach Ernst, geb. 15.01.1884.

 

Kufsteiner Weg 9:

Bludau Manfred, geb. 30.06.1933, von seiner Tante Bludau Annemarie.

 

Lange Reihe 18:

Mattussat Gisela, geb. 05.06.1933, von Huhnhäuser Erna, geborene Groß, geb. 30.03.1915.

 

Lawsker-Allee 104:

Arendt Annemarie, geb. 07.03.1934, von ihrer Mutter Arendt Anna, geborene Freudenberg, geb. 10.07.1910.

 

Liebigstraße 4:

Keppke Marion, geb. im November 1934, von ihrem Onkel Bockschewski, Paul, geb. 22.09.1912, Marion Keppke befand sich im April 1945 in einem Landheim in Sachsen.

 

Löbnichtsche Langgasse 11:

Barstat Harry, geb. 1934, von Schulz Erich, geb. 28.06.1914.

 

M???straße 16 – 17:

Kohn Alfred, geb. etwa 1933, von seiner Tante Langau, Gertrud, geb. 16.01.1890.

 

Neue Reiterbahn 2:

Nitsch, Ilona, geb. 28.05.1934, und Nitsch, Manfred, geb. 05.03.1937, von Nitsch, Albert, geb. 27.11.1902

 

Große Sandgasse 20:

Möcks, Manfred, geb. 18.11.1933, von Glowacki, Martha, geb. 16.06.1910

 

Schloßteichstraße 14 – 15:

Neumann, Gerhard, geb. 21.03.1934, von seinem Vater: Neumann, Gustav, geb. 17.11.1908. Gerhard Neumann befand sich im März 1945 in Pillau.

 

Schönfließer-Allee 22:

Nehmke, Gerhard, geb. 29.06.1933 in Sand/Wartenstein, von Rummler, Elisabeth, geborene Nehmke, geb. 16.03.1910

 

Schwalbenweg:

Christ, Claus-Peter, geb. 16.12.1933, von Mangold, Wilhelm, geb. 27.03.1898

 

Sudauerweg 4:

Lihs, Erwin, geb. 22.03.1933, von Griggel, Klaus

 

Steinstraße 15a II:

Blöss, Gerhard, geb, 08. Oder 16.07.1933 in Zinten, von Blöss, Albert, geb. 11.04.1892

 

Vorstädtische Langgasse 39:

Ballnus, Günther, geb. 1933, und Ballnus, Roland, geb. 1935, von Mantwill, Gertrud, geborene Ballnus, geb. 06.12.1895

 

Vorstadt 4:

Nagorr, Erwin, geb. 08.02.1934, von Bonach, Edith, geb. 18.06.1920

 

Waisenhaus:

Assinner, Siegfried, geb. 11.07.1938, und Assinner, Minna, geb. 17.07.1940, von ihrer Mutter: Assinner, Minna, geborene Reimann, geb. 28.06.1914

 

Stadtpark:

Patro, Gisela, geb. 1934, und Patro, Margot, geb. 1937, von Dormeyer, Gustav, geb. 13.08.1886

 

Straße 1058: Nr. 7 – 11:

Boettcher, Erhard, geb. 13.09.1933 in Danzig, von Boettcher, Egbert, geb. 05.11.1903

 

Liep:

Fischer, Kurt, geb. 23.04.1939, von seinem Vater: Fischer, Fritz

 

Troppauer Weg 54:

Kielmann, Werner, geb. 13.10.1933, und Kielmann, Gisela, geb. 17.10.1937, von ihrer Mutter: Kielmann, Margarete, geborene Lückmann, geb. 04.09.1911

 

Gesucht werden aus:

Dombrowken, Kreis Ortelsburg:

Hein, Erika, geb. 02.03.1937, von ihrem Vater: Hein, Ernst

 

Friedland, Kreis Bartenstein, Säuglingsheim:

Assinner, Hannelore, geb. 06.10.1942 in Landskron, von ihrer Mutter: Assinner, Minna, geborene Reimann, geb. 28.06.1914

 

Gerhardsweide, Kreis Elchniederung:

Krüger, Dieter, geb. 01.01.1935, von seiner Mutter: Krüger, Lydia, geborene Raudszus, geb. 24.10.1908

 

Glandau bei Landsberg, Kreis Preußisch Eylau:

Wessolek, Waltraud, geb. 11.04.1934, und Wessolek, Ruth, geb. Wessolek, geb. 22.04.1925. Brandt, Anni, geb. Wessollek, geb. 22.04.1925

 

Haffwinkel, Kreis Labiau:

Bast, Eva, geb. 18.02.1935, und Bast, Willi, geb. 08.11.1936, von ihrer Tante, Schmickt, Elisabeth, geborene Bast, geb. 27.08.1902. Eva und Willi Bast befanden sich mit ihrer Mutter: Gertrud Bast, geborene Mertins, im Februar 1945 in Pillau.

 

Hohenstein, Kreis Osterode, Schulstraße, oder aus Gilgenau, Kreis Osterode:

Grabowski, Edith, geb. 24.07.1939, von ihrem Vater: Grabowski, Otto, geb. 12.01.1908

 

Königsberg, Rosenauerstr. 51:

Rinder, Ulrich, geb. 26.05.1933, von Rinder, Emil, geb. 31.10.1898

 

Königsberg Scheffnerstraße 1, bei Bäckermeister Braun:

Skrebbas, Brigitte, geb. 29.05.1935, von ihrer Tante Burgdor, Herta, geborene Kutschinski, geb. 23.07.1907

 

Königsberg, Schrötterstraße 141:

Rieck, Erika, geb. 14.04.1935, von ihrer Mutter: Rieck, Herta, geb. 10.06.1912

 

Königsberg, Unterhaberberg, Ecke Blücherstraße:

Ewert, Jürgen, geb. 24.06.1939 und Ewert, Ingrid, geb. im Mai 1944, von Wenig, Martha, geborene Plew, geb. 29.01.1908. Die Kinder befanden sich zuletzt im Waisenhaus in Königsberg, Samitter-Allee

 

Königsberg-Ponarth, Schreberstraße 26:

Reinhold, Gerhard, geb. 23.01.1933, Reinhold, Siegfried, geb. 26.05.1934 und Reinhold, Irmgard, geb. 25.09.1937, von Suchier, Lucie, geborene Reinhold, geb. 07.06.1904

 

Königsberg-Westend, Wegnerstraße 12:

Werner, Arno, geb. 28.02.1934, von Werner, Udo, geb. 26.11.1930

 

Laschnicken, Kreis Insterburg:

Gindler, Heinz, geb. 31.05.1936, und Gindler, Herta, geb. 09.02.1939, von ihrem Vater: Gindler, Franz, geb. 31.08.1905. Die Kinder sind am 19.02.1945 mit der Mutter in Gotenhafen gesehen worden.

 

Liebenfelde, Kreis Labiau, bei Frau Steppat:

Oschwald, Fritz, geb. 12.10.1935, und Oschwald, Helga, geb. 19.09.1940, von ihrem Vater: Oschwald, Walter, geb. 25.09.1902

 

Masuren, Kreis Treuburg:

Kendiziora, Helmut, geb. 07.10.1938, von seinem Onkel: Ziegler, Wilhelm

 

Palmnicken-Süd, Kreis Samland:

Löll, Irmgard, geb. im November 1934, von ihrer Tante: Löll, Frieda

 

Rastenburg, Waisenhaus:

Assinner, Gerda, geb. 06.12.1934, in Lauterhagen, von ihrer Mutter: Assinner, Minna, geborene Reimann, geb. 28.06.1914

 

Regitten, Kreis Samland:

Die Geschwister Broschinski, Christel, geb. 01.01.1934, Manfred, geb. 12.03.1939, und Elsa, geb. 13.02.1940, von ihrem Vater: Broschinski, Fritz

 

Rosengarten, Kreis Angerburg:

Holstein, Dieter Georg, geb. 22.05.1941, von seiner Großmutter Nieske, Lina, geb. 17.08.1892. Das Kind befand sich gemeinsam mit seinen Geschwistern auf der Flucht. Im Mai 1945 wurde Dieter auf dem Bahnhof in Berlin von den Geschwistern getrennt, und von einer fremden Frau, die einen Zug bestieg, mitgenommen. Wer ist diese unbekannte Frau? Dieter Holstein hat blaue Augen, blondes, glattes Haar und trug aller Wahrscheinlichkeit nach Einheitskleidung aus einem Kinderheim.

 

Rudau, Kreis Samland:

Krause Heinz, geb. 12.01.1939, von seinem Vater: Krause, Bruno

 

Sensburg, Waisenhaus:

Assinner, Sieghilde, geb 15.12.1935, und Assinner Waltraut, geb. 20.01.1937 in Erdmannshof, von ihrer Mutter: Assinner, Minna, geborene Reimann, geb. 28.06.1914

 

Soldau, Kreis Neidenburg:

Ziegenhagel, Olga, geb. 1933 in Rudki, und Ziegenhagel, Irene, geb. 1935 in Rudki, von ihrem Bruder: Ziegenhagel, Johann, geb. 15.11.1927

 

Spannegeln, Kreis Labiau:

Rieck, Theodor, geb. 24.02.1934, und Rieck, Erich, geb. 07.04.1938, von ihrer Mutter: Rieck, Ida, geborene Willuhn

 

Tiefenthal bei Kreuzburg, Kreis Preußisch Eylau:

Jordan, Christa, geb. 12.12.1938, und Jordan, Anneliese, geb. 09.11.1941, von ihrem Vater: Jordan, Otto, geb. 14.03.1908. Die Kinder kamen mit der schwerverletzten Mutter ins Krankenhaus in Preußisch Eylau

 

Waldburg, Post Seepothen, Kreis Samland:

Paul, Alfred, geb. 24.07.1938, von seinem Großvater: Schirwing, Rudolf, geb. 03.12.1892. Beim Kind befand sich auch die Großmutter: Minna Schwirwing, geborene Korinth, geb. 29.11.1894. Sie wurden Anfang Februar 1945 in Heiligenbeil gesehen.

 

Wiesenheide, Kreis Heydekrug:

Enseleit, Gerda, geb. 17.09.1936, und Enseleit, Werner, geb. 27.11.1938, von ihrer Mutter: Enseleit, Charlotte, geb. 06.01.1915. Die Kinder sind am 07.08.1947 mit einer Frau Drewelies nach Litauen gefahren.

 

Bergau, Kreis Samland:

Kraschewski, Brigitte, geb. 21.09.1940, von ihrem Vater: Kraschewski, August, geb. 15.09.1914. Brigitte Kraschewski hat sich zusammen mit der Mutter und der Großmutter zuletzt in Löbegallen, Kreis Schloßberg, aufgehalten

 

Bismark, Kreis Heydekrug:

Lehahn, Gerhard, geb. 18.09.1942, von seinem Vater: Lehahn, Leonhard, geb. 11.08.1915. Das Kind befand sich bei seiner Großmutter Else Meding oder Mödling. Die Großmutter ist verstorben. Das Kind soll mit einem Kindertransport nach dem Westen gekommen sein. Es hat blaue Augen, braunes Haar und eine kleine Einbuchtung am Hinterkopf. Es wäre möglich, dass Gerhard nicht mit Nachnamen Lehahn genannt wird, sondern Meding oder Möding.

 

Domnauswalde, Kreis Bartenstein:

Die Geschister Liedtke, Horst, geb.31.01.1936, Marianne, geb. 1942, und Günter, geb. 1943, von Liedtke, Rosa

 

Friedland, Kreis Bartenstein (Ostpreußen), Preußenstraße:

Tillwick, Helga, geb. 17.02.1936, und Tillwick, Udo, geb. 01.04.1943, von ihrem Vater: Tillwick, Walter, geb. 16.07.1901.

 

Germau, Kreis Samland:

Schröder, Horst, geb. 10.09.1934 in Willkau, von seinem Vater: Schröder, Ernst, geb. 14.02.1908. Im Mai 1945 befand sich Horst Schröder in Palmnicken, Kreis Samland

 

Gumbinnen:

Bree, Wolfgang, geb. 28.10.1937, von seiner Mutter: Bree, Luise, geborene Scholl

 

Gumbinnen, ehemalige SA-Straße 50:

Plüquett, Gerd, geb. etwa 1938, von seinem Bruder: Plüquett, Peter, geb. 16.07.1942. Die Mutter Hanna Plüquett, geb. 04.11.1907, wird ebenfalls gesucht.

 

Insterburg, Gerichtsstraße 8:

Grzybowski, Ingrid, geb. 30.04.1938, von ihrer Schwester: Crzybowski, Erna, geb. 10.07.1922

 

Königsberg, Alter Garten 31:

Sprengel, Erika, geb. 01.01.1935, und Sprengel, Renate, geb. 22.12.1943, von ihrem Vater: Spengel, Walter, geb. 26.10.1899

 

Königsberg, Harberger Neue Gasse 24:

Die Geschwister Oltersdorf, Hilde, geb. 15.10.1933, Harry, geb. 1936, sowie Ingrid, Irene und Brigitte, von ihrem Vater: Oltersdorf, Fritz

 

Königsberg, Karlstraße 9/10:

Kaschulla, Alfred, geb. 29.07.1935, von seinem Vater: Kaschulla, Paul, geb. 25.01.1900

 

Königsberg-Ponarth, Karschauerstraße 52:

Reinke, Günter, geb. 15.10.1934, von seinem Vater: Reinke, Franz. Günter Reinke soll angeblich 1947/1948 in einem Waisenhaus in Sachsen gewesen sein.

 

Königsberg, Steile Straße 23:

Krause, Werner, geb. 19.12.1934, von seiner Schwester: Pusch, Käte, geborene Krause, geb. 05.10.1921. Am 16. April 1945 befand sich Werner Krause mit seiner Mutter und den Geschwistern auf dem Dampfer „Goyar“ bei Hela. Durch Bombenabwurf auf den Dampfer wurde Werner Krause von seinen Angehörigen getrennt.

 

Königsberg, Wilhelmstraße 7:

Budeweit, Erika, geb. 01.01.1933, von ihrem Bruder: Budeweit, Georg, geboren am 11.05.1923

 

Königsberg-Ratshof, An der Kirche:

Parkross, Peter, geb. etwa 1942, von seinem Großvater: Parkross, Gustav, geb. 27.01.1892. Beim Kind befand sich die Mutter: Grete, Parkross, geborene Chellies

 

Königsberg-Rosenau, Jerusalemer Straße 39:

Lakeit, Hans-Joachim, geb. 09.03.1933, von seinem Onkel: Gottschalk, Fritz, geb. 27.09.1899

 

Königsberg-Rosenau, Mühlhauser Straße 9:

Terzenbach, Lothar, geb. 16.11.1934, von seiner Tante: Lemke, Martha, geborene Terzenbach, geb. 11.03.1905

 

Königsberg-Rothenstein, Ringstraße 215:

Sauerbaum, Hans, geb. 05.04.1934, von Sauerbaum, Helmut, geb. 13.09.1910

 

Pompicken, Kreis Preußisch-Eylau:

Best, Ulrich, geb. im April 1943 in Königsberg, von seinem Vater: Best, Max, geb. 18.05.1899. Das Kind befand sich mit der Mutter auf der Flucht und wurde unterwegs in das Krankenhaus Neustadt (Westpreußen) eingeliefert.

 

Schatzberg, Kreis Preußisch-Eylau, Kinderheim:

Neumeyer, Günter Adolf, geb. 11.03.1941 in Sossehnen, von seiner Mutter: Neumeyer, Emmy, geb. 07.04.1913

 

Schönlinde, Kreis Gerdauen:

Schemmerling, Elsbeth, geb. 1933/1934 in Wiedenau, von ihrem Onkel: Schirrmacher, Paul, geb. 20.06.1921. Bei Elsbeth Schemmerling befand sich die Mutter Berta Schemmerling, geborene Görke, geb. 24.12.1908/1909

 

Spirgsten bei Lötzen:

Danielsik, Helmut, geb. 28.07.1935 in Kieler-Wald, von Danielsik, Anni, geb. 02.04.1926. Helmut Danielsik war im Januar 1945 auf der Flucht und befand sich zuletzt in Landsberg (Ostpreußen)

 

Stefensfelde, Kreis Gumbinnen:

Bratz, Helmut, geb. 01.08.1933, von Bratz, Karl, geb. 07.10.1883

 

Wildwiese, Kreis Elchniederung:

Kröhnert, Klaus, geb. etwa 1942, von seiner Tante: Mertineit, Erna. Klaus Kröhnert kam nach dem Tode seiner Mutter zu einer Frau Stuhllemmer, die wiederumg das Kind in einem Kinderheim abgegebn haben soll

 

Zinten, Kreis Heiligenbeil, ehemalige Straße der SA 27:

Will, Ursula, geb. 18.09.1934, von ihrem Bruder: Will, Siegfried, geb. 24.04.1927

 

Gesucht werden aus Königsberg (Ostpreußen):

Brandenburgerstraße 11:

Voß, Dora, geb. 01.05.1938 in Königsberg, von ihrem Vater: Voß, Walter, geb. 31.12.1905

 

General-Litzmann-Straße 9:

Romey, Christel, geb. 23.06.1933 in Königsberg, von Romey, Charlotte, geborene Dahlke, geb. 15.06.1906

 

Hans-Schemm-Straße 15:

Will, Alfred, geb. 01.11.1933 in Königsberg, von Will, August, geb. 16.03.1880

 

Jägerstraße 55a:

Thormeyer, Klaus, geb. 24.10.1934 in Königsberg, und Thormeyer, Frank, geb. 16.05.1940 in Königsberg, von Thormeyer, Paul, geb. 10.04.1901

 

Kalthöfschestraße 17:

Budday, Ilse, geb. 06.02.1933 in Königsberg, und Budday, Klaus, geb. 10.03.1934 in Königsberg, von Vaessen, Hanna, geborene Kubinski, geb. 29.12.1916

 

Löbauerstraße 2:

Weidler, Hanni, geb. 13.12.1934 in Königsberg, von Weidler, Charlotte, geborene Kreuzberger, geb. 11.02.1906

 

Löbenichtsche Oberbergstraße 7:

Zachrau, Irmgard, geb. 23.04.1933 in Königsberg, und Zachrau, Horst, geb. 19.04.1935 in Königsberg, von ihrem Bruder: Zachrau, Heinz, geb. am 21.09.1918

 

Mozartstraße 27:

Schweiger, Manfred, geb. 1934 in Königsberg, von Schweiger, Erna, geborene Dombrowski, geb. 03.08.1901

 

Nasser Garten 24:

Stoffregen, Ilse Dora, geb. 23.12.1934 in Königsberg, und Stoffregen, Alfred, geb. 08.05.1936 in Königsberg, von ihrem Großonkel: Stoffregen, Bruno, geb. 28.08.1884

 

Oberhaberberg 38:

Werner, Rudi, geb. 04.02.1934 in Königsberg, von Werner, Fritz, geb. 07.12.1904

 

Seite 13   Kinder suchen ihre Eltern

Nachstehend veröffentlichen wir eine Liste der Angehörigen sowie bei letzten auch die von ostpreußischen Kindern, die ihre Eltern und Angehörigen suchen. Wer Auskunft geben kann, schreibe bitte sofort an den Kindersuchdienst, Hamburg - Altona, Allee 125 unter der Angabe von Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Ort des Kindes und Heimatanschrift von 1939.

 

Gesucht werden die Angehörigen eines unbekannten ostpreußischen Knaben, der etwa 1944 im August geboren ist. Der Junge ist am 31.91.1045 etwa 4 km vor Heilsberg bei Rehagen von einem Flüchtlingstreck übernommen worden. Er trug damals ein rotes Kleid mit weißen Punkten. Auf dem Flüchtlingswagen befanden sich noch zwei alte Frauen, die beide krank waren. Eine dieser Frauen starb am folgenden Tage, die andere wurde von einem durchziehenden Flüchtlinsgtreck übernommen. Der unbekannte Knabe hat die Kenn-Nr. 926. Helligenbeil/Ostpr.:

 

Schwarz, Frida, geb. 1311.1919, von ihrer Tochter Schwarz, Renate, geb. 18.11.1941 in Insterburg.

 

Gesucht wird vermutlich aus Labiau der Glasermeister Günter, Alfred oder Albert, von seiner Tochter Günter, Erika, geb. 27.05.1939

 

Rössel:

Keikott, Josef und Keikott, Magdalene, geb. Schenk, von ihrer Tochter Keikott, Erika, geb. 27.05.1939

 

Gesucht werden Eltern und Angehörige eines etwa 1943 geborenen namenlosen Knaben, der aus Bischofsburg, Kreis Rössel, stammen soll. Er kam auf der Flucht mit seiner Mutter, vermutlich auch mit seiner Großmutter, bis Katzen, Kreis Heilsberg. Dort muss die Mutter in Gefangenschaft gekommen sein, die Großmutter verstarb. Wer kennt Angehörige dieses namenlosen Knaben aus Bischofsburg, Kreis Rössel. Es ist möglich, dass er Alfon, Artur oder Alfred mit Vornamen heißt. Der namenlose Knabe hat beim Kindersuchdienst die Kennummer 2671

 

Gesucht werden Vater oder Angehörige des Knaben: Rohmann, Reinhard, geb. 04.06.1941, der vermutlich aus der Gegend von Elbing stammt. Das Kind befans dich in einem Kinderheim in Elbing und kam am 11.01.1947 mit einem Transport nach Berlin. Reinhard Rohmann gibt an, dass er noch eine Schwester Dora und einen Bruder Hubert hat. Reinhard Rohmann hat graublaue Augen, dunkelbraunes Haar und hat die Kennummer 2961

 

Gesucht werden Eltern oder Angehörige eines Kindes Hannelore, das mit dem Nachnamen Broschke, Brosch oder ähnlich heißt und 1941 in Insterburg geboren sein soll. Hannelore befand sich in Pflege bei einer Frau Konrad, die im Juni 1945 verstorben ist und zuletzt in Nitzlin, Kreis Schlawe (Pommern) wohnhaft war.

 

Gesucht wird vermutlich aus Stucken/Ostpr., Krs. Elchniederung, Hoffmann, Anna, von ihrem Sohn Hoffmann, Kurt, geb. 14.09.1934 in Königsberg.

 

Aus Herzogsrode, Kreis Goldap, Siedlung 4, werden Simon, Johannes-Ferdinand, geb. 26.03.1889, und Simon, Ida, geb. Czeplutz, geb. 13.05.1896, gesucht von ihrer Tochter Simon, Christel, geb. 20.0 4.1933 in Herzogsrode.

 

Gesucht werden aus Lyck, Str. d. SA 50, Eltern oder Angehörige des Kindes Zilinski, Eleonore, geb. 06.05.1934.

 

Aus Ludwigsort, Barbarastraße 3, Kreis Heiligenbeil, werden Kruschka, Margot, geb. März 1938 und Kruschka, Herbert, geb. 10.09.1911, gesucht von der Schwester und Tochter Kruschka, Monika, geb. im September 1944. Margot Kruschka wurde am 5. Februar 1945 in Braunsberg vor dem Hause Horst-Wessel-Straße 10, durch Bombensplitter schwer am Kopf verwundet. Ihre Mutter, Frida Kruschka, geb. Nickschick, geb. 18.12.1914, fand bei diesem Fliegerangriff den Tod. Das schwerverwundete Kind Margot wurde später noch einmal in Passarge gesehen, von wo es weiter in ein Krankenhaus in Danzig gebracht werden sollte. Welcher Arzt und welche Schwester nahmen sich des Kindes an und können über den weiteren Verbleib Auskunft geben.

 

Aus Seefelden, Kreis Goldap, wird die Mutter Rasch, Johanna, geb. Kalinka, geb. 20.06.1890, von ihrer Tochter Rasch, Gertrud, geb. 08.07.1933, gesucht. Die Mutter befand sich zuletzt in Königsberg im Krankenhaus der Barmherzigkeit.

 

Gesucht werden Eltern und Angehörige eines unbekannten Knaben, der im Alter von etwa drei bis vier Wochen am 28.01.1945 in einem Wehrmachtslastwagen auf dem Bahnhofsplatz in Serappen (Ostpr.) aufgefunden worden ist. Der Knabe lag im innern eines Wenrmacntswagens bedeckt mit mehreren Wehimachtsdecken und hatte nur ein Hemdchen und ein Jäckchen an. Der namenlose Knabe hat die Kennummer 963.

 

Gesucht werden die Angehörigen des Kindes Sablotta, Christa, das angeblich am 04.12.1943 in Ostpreußen geboren sein soll. Christa kam mit der Großmutter bis Trantow/Pommern, wo dieselbe verstarb. Nach Äußerungen des Kindes soll die Mutter desselben schon vor der Flucht verstorben sein. Christa, die blaue Augen und hellblondes Haar hat, hat die Kennummer 0212.

 

Rosenthal, Kreis Angerburg: die Eltern und Angehörige der Kinder Tucha oder Tuchat oder ähnlich, Gerhard und Erika. Gerhard soll etwa 1943, Erika etwa 1942 geboren sein. Die Mutter der Kinder soll angeblich zuletzt in der Gau-Frauenklinik in Danzig gelegen haben. Die Kinder Tucha oder Tuchat haben die Kennummer 2663.

 

Tapiau:

Wunderlich, Elli, geb. etwa 1920, von ihrer Tochter Wunderlich, Hannelore, geb. 26.06.1943 in Schirrau, Kreis Wehlau. Elli Wunderlich war 1944 in Tapiau als Hausgehilfin beschäftigt.

 

Königsberg oder Umgebung:

Die Mutter Engelhardt, Agatha, sowie sonstige Angehörige der Kinder Engelhardt, Marianne, geb. 22.04.1935, und Engelhardt, Ingeborg, geb. 05.02.1937.

 

Königsberg, Jerusalemer Straße 12:

Die Eltern Krebs, Hermann und Krebs, Grete, sowie die Geschwister Krebs, Hermann, Walter, Anneliese, Heinz, Rotraud und Lothar, von Krebs, Waldemar, geb.  03.10.1933.

 

Königsberg-Ponarth, Erlenweg 12:

Krüger, Elsbeth-Maria, geborene Stobbe, geb. 28.09.1911, von ihrer Tochter Stobbe, Karin-Marianne, geb. 31.01.1944. Elsbeth-Maria Krüger soll angeblich im Jahre 1944 in Königsberg oder Umgebung im Arbeitseinsatz bei der Reichsbahn gestanden haben. Karin-Marianne Stobbe hat die Kennummer 0275.

 

Ostpreußen: Die Mutter Podzuweit, Anna, von ihrer Tochter Podzuweit, Waltraud, geb. 17.11.1935, in Schakendorf. Waltraud Podzuw«it kam aus Perkuhnen, Kreis Elchniederung.

 

Seite 14   Wer kennt dieses Kind? Mit Foto

Name: Unbekannt. Vorname: Edith (fraglich), geb. etwa 1943, Augen blaugrau, Haar blond. — Das Kind wurde am 08.02.1945 in einem Haus in Heilsberg (Ostpr.) aufgefunden. Die Mutter ist an diesem Tage verstorben. Das Kind konnte schon etwas sprechen und nannte sich selbst „Ede“. Eine Frau, die es von Ferne sah, rief es mit dem Vornamen „Edith“ und nannte auch den Nachnamen, welcher nicht ganz verstanden wurde. Die Endung lautete „ki". Als Geburtsort des Kindes nannte sie Königsberg Pr. Zuschriften unter dem Kennwort „Bild Nr. 034" an den Kindersuchdienst, Hamburg-Altona, Allee 125.

 

Seite 14   Jahrestagung der „Ostpreußisohen Arztfamilie" in Göttingen. Großes Foto

Am Wochenende nach Pfingsten feierte wie alljährlich die „Ostpreußische Arztfamilie“ ihren Familientag in Göttingen, zu dem aus dem ganzen Bundesgebiet und Berlin mehrere hundert Mitglieder mit ihren Angehörigen erschienen waren. Die Ostpreußische Arztfamilie, zu der heute 1200 in dem Bundegebiet lebende und 400 in der Sowjetzone wohnende Mitglieder zählen, bemüht sich um die Wahrung der ostpreußischen Tradition, um die Förderung des medizinischen Nachwuchses und ist um eine Betrueung der in der Sowjetzone lebenden Ärzte bemüht.

Der eigentlichen Jahrestagung ging ein internes Gespräch am „Runden Tisch“ über die Ostpreußische Arztfamile berührende Fragen und die Traditionssitzung des Vereins für Wissenschaftliche Heilkunde Königsberg (Pr.) voraus. Auf der Traditionssitzung dieses Königsberger Vereins sprachen Prof. Dr. Schwarz über „Materie und Polaritätsprinzip“ und Prof. Dr. Koenig, Hildesheim, über das Thema: „Arzt und Ärztliches bei Kant“.

Im Mittelpunkt des Familientages stand am Sonntag, dem 31. Mai, der Vortrag des „pater familias", Dr. Schroeder, Dänischhagen, der unter dem Thema: „Auf der Schwanspitze des Fuchses“ einen Beitrag zur Dokumentation der Vorgänge in Königsberg und im Samland in der Zeit von Anfang Januar bis Ende April 1945 lieferte. Dr. Schroeder, der in jenen Tagen Verbindungsoffizier im Sanitätswesen und bei der Organisation der Evakuierungen tätig war, gab ein anschauliches Bild von den chaotischen Zuständen, die in jenen Monaten in Königsberg herrschten.

Der übrige Teil des Familientages war ausgefüllt mit der Erstattung des Jahres- und Kassenberichtes und der Besprechung des Arbeitsprogrammes bis zum nächsten Familientag.. Ehrend gedachten die Anwesenden der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder.

Foto: Dr. Paul Schröder, der „pater familias“ der ostpreußischen Ärzte. Aufn.: Paul

 

Seite 14   Heimatkarte von Ostpreußen

Mit großer Freude werden alle Ostpreußen das Erscheinen der „Heimatkarte von Ostpreußen" begrüßen, die der Verlag Conrad Schadinsky, Celle, Hansahaus, soeben herausgegeben hat. Diese Karte gibt einen ausgezeichneten Überblick von der gesamten Provinz mit allen Städten und einer Fülle von Ortschaften, Flüssen, Seen, Straßen und sonstigen Verkehrswegen. Man kann sagen, dass eine solche Karte schon lange sehnlichst von allen Ostpreußen erwartet wurde und eine wichtige Lücke in den bisherigen ostpreußischen Verlagserscheinungen schließt. Der Mehrfarbendruck macht die Heimatkarte anschaulich und übersichtlich. Besonders erfreulich ist es auch, daß die Karte mit 80 farbigen Wappen aller ostpreußischen Städte ausgestattet ist. Der Preis der Karte beträgt 3,-- DM.

 

Seite 14   „Geschichte der Stadt Rom"

In diesen Tagen ist in der Wissenschaftlichen Buchgemeinschaft (Tübingen) und zugleich beim Benno Schwabe-Verlag (Basel) der erste Band der „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" des ostpreußischen Historikers Ferdinand Gregorovius neu herausgekommen. Die „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" von Ferdinand Gregorovius zählt zu den klassischen Werken der deutschen Geschichtsschreibung. Das Hauptanliegen der neuen Ausgabe ist die einwandfreie Wiedergabe des von Gregorovius überlieferten Textes. Um die Ausgabe lesbar zu gestalten, wurde auf jede Belastung des Textes mit einem kritischen Apparat verzichtet.

Herausgeber der neuen Ausgabe ist Herr Dr. W. Waldemar Kampf (fr. Königsberg); er fühlte sich als Landsmann von F. Gregorovius ganz besonders dazu verpflichtet, sich für dessen Werk einzusetzen. Herr Dr. Kampf bereitet außerdem eine Gesamtausgabe der Briefe des ostpreußischen Historikers vor, die er im Auftrage der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie herausgeben wird.

 

Seite 14   Quellenwerk zur Geschichte der Odei -Neiße-Linie

Unter dem Titel „Zeittafel und Dokumente zur Oder-Neiße-Linie 1939 - 1952/53 erschien soeben im Holzner-Verlag, Kitzingen/Main, eine von Herbert Marzian im Rahmen der Tätigkeit des Göttinger Arbeitskreises bearbeitete Zusammenstellung von Zeugnissen sowohl aus den alliierten Verhandlungen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges als auch aus der internationalen Diskussion nach 1945 über die Oder-Neiße-Linie. Diese Veröffentlichung ist ein Sonderdruck aus der neuen Auflage des Handbuches „Ostdeutschland" und will als erste Dokumentation dieser Art jedem Interessierten die einschlägigen Quellen als Arbeitsgrundlage an die Hand geben. Die Schrift umfasst 64 Seiten und ist für den Preis von 1,90 DM erhältlich.

 

Seite 14   Der General und die Kleinbahn

Die ostpreußischen Privat-Kleinbahnen mussten oft als Zielscheibe manchen derben Witzes herhalten. Dessen ungeachtet behaupteten sie sich bis zuletzt, ein Beweis für ihre Unentbehrlichkeit im weiten ostpreußischen Hinterland. Dass aber der Humor rings um die Kleinbahnen begründet war, zeigten viele nette Anekdoten und Späße, die sich der Volksmund erzählte.

Als der alte Goltz-Pascha noch Kommandierender General des I. Armeekorps in Ostpreußen war, musste er einmal zu einer Besichtigung mit der Kleinbahn fahren. Eine andere Verkehrsmöglichkeit gab es in S. nicht. Also stieg der General gemeinsam mit seinen Generalstabsoffizier in ein Abteil zweiter Klasse. Er freute sich, als er hier die liebenswürdige Gattin des ihm bekannten Rittmeisters v. T. vorfand, die mit ihrem Töchterchen auf dem Wege nach X war. Bald kam eine angenehme Plauderei in Gang. Der Kommandierende General war über das unerwartete Wiedersehn mit Frau von T. dermaßen erfreut, dass es ihm fast leid tat, als er sich berets in R. verabschieden musste, um seine Besichtigungsrundreise fortzusetzen.

Vor dem Bahnhof stand ein Krümperwagen für den General bereit. Eine Ordonnanz verstaute die aus dem Eisenbahnabteil herausgeholten Gepäckstücke und die Helmschachtel. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, setzte sich der Wagen in Richtung Grenadier-Kaserne in Bewegung. — Schon am Eingang der Kaserne, besser des Exerzierhauses, hatte sich der Oberst mit seiner Begleitung feierlichst aufgebaut, um den hohen Gast zu begrüßen. Bedächtig stieg der Kommandierende aus dem Wagen. „Mein Helm bitte!" winkte er der Ordonnanz. Mit preußischer Exaktheit pflanzte sich der Gefreite vor den General, riss seine Knochen zusammen und hielt ihm die aufgeklappte Hutschachtel hin: „Herr General, die Hutschachtel!"

In diesem Augenblick ging ein nur mit Mühe unterdrücktes Lachen durch die Reihen der zum Empfang angetretenen Offiziere. Der zweite Generalstabsoffizier, verantwortlich für eine reibungslose Abwicklung, wurde blass. Da merkte auch der Gefreite den Braten. Die Hutschachtel barg nämlich nicht den erwarteten Helm, sondern ein zierliches — Nachttöpfchen …

 

„Ja", pflegte der alte Goltz-Pascha später in Bekannten- und Freundeskreis zu sagen, „es war damals gang und gäbe, dass die Offiziersdamen, die sich mit ihren Kindern auf Reisen befanden — und gerade auf den mitunter dürftig ausgestatteten Kleinbahnen —, in dieser sehr zweckmäßig geformten Helmschachtel das für Kleinkinder unentbehrliche Möbel mitführten. Dass die Ordonnanz meine Helmschachtel mit der der Offiziersgattin verwechselte, war weniger seine Schuld als die meine. Denn ich hätte meine Helmschachtel eben auf alle Fälle mit einem besonderen Zeichen versehen sollen,

was ich übrigens nach diesem ergötzlichen Vorfall sofort tun ließ. Fortan konnte mir ein derartiges Missgeschick, entgegen dem allerhöchsten Befehl, bei einer Rekrutenbesichtigung in Mütze zu erscheinen, nicht mehr passieren, denn meine Helmschachtel war seitdem mit ein paar Halbmonden geschmückt!" E. G.

 

Seite 14   Untersuchung

„Herr Förschter, komes moal schnell ön den Stall met, de Wallach de ös krank", kam aufgeregt unser Kutscher meinen Vater holen. — „Was fehlt ihm denn, Bernhard?" — „Joa, ek weet ja oak nich, datt motte wie erscht moal ondersöke!" Im Stall angekommen, nahm Bernhard die Untersuchung in seine Hand. „So, Herr Förschter, goahne Se moal tom Kopp on kicke Se dem Wallach moal ent Muul." Erwartungsvoll tat mein Vater, wie ihm geheißen. Bernhard stellte sich derweil hinter das Pferd und hob den Schweif hoch.

„So, Herr Förschter, könne Sie mie sehne (sehen)?" — „Aber, nein, Bernhard", lächelte mein Vater beklommen. — „Na, denn hewt he Darmverschlingung', gab Bernhard mit gewichtiger Miene zur Antwort.

 

Seite 14   Noch einmal das „Hungernäpfchen“

Mit Interesse las ich in Nr. 5 der Ostpreußenwarte den Bericht über die eigentümlichen kleinen Vertiefungen, die „Hungernäpfchen", an der alten Ordenskirche von Lindenau. Ich beschäftigte mich nämlich bereits in der Heimat mit dieser merkwürdigen Erscheinung an einigen ost- und westpreußischen Gotteshäusern. Aus jener Zeit hat sich die beistehende von mir aufgenommene Fotografie der Hungernäpfchen links vom Hauptportal der katholischen Pfarrkirche zu Notzendorf, Kreis Marienburg, erhalten. Auch an der katholischen Pfarrkirche zu Pestlin, Kreis Stuhm, stellte ich ähnliche Näpfchen fest. Außer den in dem Artikel der Ostpreußen-Warte angeführten Erklärungen für diese Vertiefungen ist mir noch eine vierte Deutung bekannt geworden: dass man in diesen, ja gut

erreichbar in Handhöhe angebrachten, Löchern durch Reiben von morschem Holz den Funken für das Osterfeuer für die kirchliche Feuerweihe am Karsamstag erzeugt habe. Herr Prof. Ziesemer, mit dem ich mich einmal länger über die Hungernäpfchen unterhielt, wollte sich für keine dieser Erklärungen entscheiden. Mir selbst erscheint sowohl diese letzte Deutung wie auch die drei andern früher angeführten: die Herkunft durch die öffentlichen Büßer, oder als Mittel zur Behebung und Abwendung von Hungersnot und Krankheiten recht unwahrscheinlich, da die sehr regelmäßige glatte Form und gleiche Größe dieser Vertiefungen sowie ihr Auftreten meist in Dreizahl gegen eine solche mehr oder weniger willkürliche spätere Einkratzung sprechen. Ich halte diese eigenartigen Näpfchen für Zeichen,

die bereits die Ziegelbrenner oder doch die Bauleute aus religiösen (daher die heilige Dreizahl!) oder halb abergläubischen Gründen) Abwehr von bösen Geistern) den Ziegeln einprägten. Es wäre interessant und würde vielleicht der Lösung der Frage näher führen, wenn man, was nun nicht mehr möglich ist, dieser Erscheinung im gesamten ostdeutschen Gebiet bis ins Baltikum hinein nachgehen würde, gehen würde. Dr. A. Triller geb. Birch-Hirschfeld

 

Zu dem in der Mai-Nummer Ihrer Ostpreußenwarte erschienenen Artikel „Das Hungernäpfchen" von Lindenau bemerke ich folgendes: Es ist durchaus richtig, dass eine authentische Überlieferung über die Bedeutung der an vielen Kirchen vorhandenen Näpfchen fehlt. Von den vieltältigen Erklärungen, die in Ihrem erwähnten Artikel angeführt sind, scheint mir indes keiner die Sache sicher zu treffen. Um zur richtigen Erklärung zu gelangen, wird man beachten müssen, dass die Näpfchen stets in der Nähe der Eingänge zur Kirche sich befinden und auch nur in einer bestimmten Höhe. An Stellen etwa, wo heute keine Pforte zum Innern der Kirche führt, wird leicht eine Nachprütung ergeben, dass ursprünglich da, wo sich die Näpfchen befinden, eine Tür gestanden hat. Die Gleichmäßigkeit der Form deutet ferner auf das Vorhandensein einer Absicht hin, wobei freilich die Verteilung auf die Kirchenwand willkürlich erscheint. Die Näpfchen hatten jedenfalls ihre Bedeutung an der Kirchentür für die Aus- und Eintretenden. Wir kennen in bestimmten Gegenden noch heute den Brauch, an bestimmten Feiertagen mit brennenden Kerzen in die Kirche einzutreten, und es kann keinem Zweifel unterliegen, dass diese uns heute nicht mehr erklärlichen Näpfchen für diesen Brauch eine bestimmte Bedeutung hatten. Wir zünden heute Kerzen auf andere Weise an als früher, wo man eine stärkere Reibung an einer möglichst harten Fläche benötigte, um eine Zündung hervorzurufen. Vor dem Eintritt in das Kircheninnere gab es dazu nur an der Kirchentür die letzte Gelegenheit. Für diesen Zweck waren eben jene Näpfchen vorbereitet, um durch ihre Vertiefung den verwendeten Geräten den nötigen Halt für die Erzielung einer geeigneten Reibung zu ermöglichen. Der Übergang zu anderen Feueranzündern hat die Näpfchen in die Vergessenheit geraten und uns heute zu Rätseln werden lassen.

Dr. Bellée

 

Seite 16   Alexander Kolde. Ein Meister der Farben.

Foto: St.-Georg-Kirche in Rastenburg. Ölgemälde

Foto: Ölbildnis der Tochter Berta Kolde

Foto: Flammen-Aquarell 1948

Foto: Immanuel Kant (Aquarell)

Schon lange zählt Alexander Kolde zu einem der begabtesten gegenwärtigen ostpreußischen Maler, von dem Adolf Nowakowsky einmal sagte: „Ohne Zweilel ist Kolde ein Maler, der den Weg zur Einfachheit als ein lauterer und ehrlicher Künstler beschritten hat, einen Weg, den er sich selbst, seinem Wesen getreu, gefunden hat, und der ihn einem seiner Persönlichkeit eigenem Ziele zuführte. Namentlich darin unterscheidet er sich von vielen jener Malergeneration der Jahre nach dem ersten Weltkriege, von jener Generation, die sich zu den Expressionisten zählte. Gerade, dass er sich nicht von seinem eingeborenen Künstlertum entfernte und, wo er der Malsuggestion seiner Generation unterlag, zu sich selbst zurückfand und seine Eigenart ohne Anklänge an Vorbilder auch fernerhin bewahrte, gerade das spricht für die innere Selbstsicherheit seines Schöpfertums und für das organische Gewachsensein seiner Kunst." Seine Bildwerke sind stark und lebendig; sie sind erlebt, gestaltet und werden von einer einzigartigen Farbensymphonie beherrscht.

Alexander Kolde wurde am 2. März 1886 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren. Doch schon mit sieben Jahren (1893) kommt er nach Ostpreußen und zwar nach Rastenburg, wo sein Vater eine Seifenfabrik besaß. An Gemälden, die später an diesen seinen Heimatort erinnern, seien hier erwähnt „Traum in Rastenburg" und „Der Tartar vor Rastenburg". „Jenes, ganz visionär, zeigt in einer wolkenzerfetzten Mondscheinnacht das Schloss von Rastenburg als Hintergrund, eine riesige, weiße Gestalt, doppelt so hoch wie die schmalen Häuser, durch die engen Gassen schreitend. Das andere, „Der Tartar vor Rastenburg", stellt vor den Hintergrund des mannenbewehrten hohen Schlosses die Figur eines Reiters der Angreifer. Das erste Werk ganz transzendent, das zweite kraftvoll erdgebunden, trutzig, klar.'' (Gruber) — Von Rastenburg kommt er später nach Lötzen. Auf dem Gymnasium galt er als ein Durchschnittsschüler. Er weilte lieber außerhalb der Stadt in der freien Natur, als dass er sich mit großem Eifer in einer stickigen Stube hinter die Schularbeiten setzte. Erst außerhalb der beengenden Stadtmauern fühlte er sich wirklich wohl und hier prägen sich schon damals die ersten tiefen Erlebnisse mit seiner ostpreußischen Heimat ein, deren starke Wurzelkraft man in vielen seiner Landschaftskompositionen zu spüren bekommt. Er gibt in seinen Aquarellen und Ölbildern nicht das Sichtbare der Natur wieder, nicht ihr Echo; er sucht hinter ihrem Äußeren die innere Wirklichkeit, ihre Seele, ihr wahrhaft Wesenshaftes er macht uns die Natur, durch seine Kunst vergeistigt und verinnerlicht, erst sichtbar. — Wer einmal dem Bilde „Wettlauf am Strande" mit seiner Farbenmelodie von Steilküste, Meer, Himmel und Sonne begegnet ist, spürt die Tiefe dieser Kunst, die ein grüblerisches, vielleicht etwas zur Schwermut neigendes Gemüt verrät. Selbst die schlanken jungen Männer, die in der Brandung laufen, vermögen nicht die Schwere jener Landschaft zu lösen; sie wird durch diese Gestalten nur noch gedanklich vertieft. Dies gilt für die meisten seiner Landschaftsbilder. „Der Natureindruck steigert sich bei ihm ins Gefühlsmäßige, ins Musikalische, für das übrigens in diesem Künstler eine starke Neigung und Aufnahmebereitschaft zu finden ist. Es ist bezeichnend, dass Alexander Kolde seine Motive selbst in unmalerischen Stoffen lindet, und dass er diesen Motiven eine ganz eigene starke Stimmung ernster, ja dramatischer Art zu geben vermag. Immer sehen wir farbigen Rhythmus und innere Bewegung in seinen Bildern, und aus alltäglichen Motiven werden malerisch gesehene, belebte, gelühlsdurchtränkte Stimmungen. Bezeichnend ist ferner seine Vorliebe für Farben, die weich zusammenklingen, für gelbrote, rostige, hellgrüne und hellblaue Töne. Motiv und Farbenwahl erhöhen so gemeinsam den von der inneren Anschauung her gewollten Eindruck" (Nowakowsky)

Im Jahre 1906 beginnt Kolde als Zwanzigjähriger seine künstlerische Ausbildung auf der Akademie in Berlin, wo Schlabitz sein Lehrer ist. Hiernach geht er zu Angelo Jank nach München und kommt dann nach Königsberg zu Richard Pfeiffer und Heinrich Wolff, dem damaligen Leiter der Graphikerklasse. 1912 war er hier auch zwei Monate lang Schüler des Impressionisten Lovis Corinth, der mit seiner künstlerischen Arbeit zufrieden war. Durch den ersten Weltkrieg wurde er gezwungen, sein Studium fürs erste zu unterbrechen. Mit einer schweren Beinverwundung, die sein Gehen stark behinderte, kehrte er heim. Vielleicht hat Adolf Nowakowsky nicht ganz Unrecht, wenn er meint, dass diese Einschränkung seiner äußeren Bewegungsmöglichkeit dazu beigetragen hat, die Entwicklung seines sensiblen Künstlertums ins Geistige zu lenken und noch mehr zu verinnerlichen. Im Jahre 1918 nahm er sein Studium an der Königsberger Kunstakademie wieder auf und gründete dort im selben Jahr die Künstlervereinigung „Der Ring", dessen Aufgabe es war, die bildenden Künstler Ostpreußens zu einem Wirtschaftsverband zusammenzuschließen. — ln dieser Zeit entstand sein Gemälde „Glocken'', und aus dem Vorjahr (1917) sei noch die farbenzauberische Komposition „Abendrot" und das packende Bildnis „Fliehende Amazonen" erwäht. In der Folgezeit ist es vor allem das Tier, dem er sein Schaffen widmet, namentlich das Plerd. So entstehen 1922 die wundervollen, von Leben bis in den feinsten Strich hinein erfüllten Bilder „Pferde im Gewitter" und „Pferde unter blühenden Bäumen". Lassen wir an dieser Stelle Dr. Ulrich Baltzer sprechen, der zu seinen Pferdebildern sagt: „Wenn rote, braune und gelbe Pferde durch die Landschaft rasen, aufbäumen, in den Kurven des Galopps sich biegen, erlebt, wer sie sieht, mehr vom Wesen dieses edlen Tieres als bei der nüchternen Impression eines sogenannten Pferdespezialmalers. Deutlich wird alsbald, dass der Künstler für Pferde Nerv hat. Er modelliert mit breiten Pinselstrichen die Leiber hin, er formt sie Kraft seiner seelischen Kräfte neu. Immer und immer wieder macht man die Erfahrung, daß Kolde nichts malt um der malerischen Virtuosität willen, sondern weil ein göttlicher Funken ihm nur diesen Weg zur Befreiung von inneren Gesichten vorschreibt."

Im Jahre darauf — 1923 — zeigt er in Gemäldeausstellungen vornehmlich Kompositionen von einer stilleren Art, die mehr zu einer nachdenklichen Betrachtung und Auseinandersetzung anregen, wie etwa: „Der Schwur", „Die Singenden" oder „Fischerkähne".

1924 verließ er Deutschland und ging für einige Zeit nach Amerika wo er sich vor allem in New York aufhielt. Von dort zurückgekehrt scheint er von einer tiefen inneren Ausgeglichenheit und Gereiftheit erfüllt zu sein, wie sie sich in den Bildern „Spielende Kinder" und „Mann mit Stilleben" widerspiegelt. Bedeutende Beachtung fand seine Gemäldeausstellung in Königsberg bei Riesemann und Lintaler im Jahre 1929. Ein berufener Königsberger Kritiker jener Jahre, sagte dazu von seiner künstlerischen Entwicklung: „Die Palette, deren Reichtum und Delikatesse wir stets gerühmt haben, hat sich insofern noch ein wenig mehr differenziert als neben den helleren Konsonanzen vereinzelt auch dunkle Farbklänge auftreten, die aber immer auf lichte Höhepunkte gesteigert werden. — Auch in seinem Verhältnis zur Körperwelt scheint Kolde Abklärung und Beruhigung anzustreben. Seine weiblichen Akte sind von einer ausnehmenden Zartheit des Komturs und stehen in sorgfältigster Komposition eingegliedert in das reiche, lebhaft wogende Farbenspiel der Bildfläche: — Besondere Sorgfalt verwendet Kolde auf die Durcharbeitung von Naturstudien. Wenn er Blumenstilleben malt, so bringt er etwas von dem Duft der Blüten in seine zauberisch schönen Farbakkorde, und es wird einem völlig deutlich, dass alle Bilder dieses Malers aus dem lebendigen Gefühl dafür entstanden sind, dass nicht der Gegenstand an sich lebendig ist und darstellenswert, sondern, dass er erst durch das allbelebende Licht zu seinem wirklichen Dasein erweckt wird.''

Durch seine schwere Verwundung ist Kolde, der sich in Königsberg niedergelassen hatte, stark ortsgebunden. Nur sehr wenige Studienreisen unternimmt er; zwei führen ihn 1930 und 1932 nach Paris.

Trat uns in seinen früheren Gemälden oft eine verhaltene Traurigkeit, bisweilen an Schwermut grenzend, entgegen, oder aber mitunter auch Herbheit und Resignation, so weicht dieser Zug aus seinen späteren Kompositionen merklich. Es beginnt sich in ihnen immer mehr ausgewogene Gelassenheit, ein zunehmender Schimmer von Lebensfreude und Lebensbejahung widerzuspiegeln. Diese neueren Arbeiten sind weniger in ihrer Linienführung und Form verändert, diese sind von der ursprünglichen Gestalt nicht gewichen, sondern die Farbtönung und Motivauffassung der Kompositionen hat sich gewandelt und zu einer abgeklärten Reife entwickelt, wie etwa in „Stilleben mit Gladiolen" oder in dem Landschaftsgemälde „Aus Masuren".

Von seinen Werken, die vor oder während des zweiten Weltkrieges entstanden, seien hier genannt die Wandbilder „Bacchus mit Tieren" und „Orpheus in der Wildnis", die er 1936 für das bekannte Königsberger Restaurant „Viehhof malte. 1939 entstanden u. a. die Bilder „Der verwundete Krieger", „Leierkastenmann" und in den folgenden Jahren „Reiter am Strand", „Steilküste bei Warnicken" und „Mädchen mit Bernstein".

1940 verließ Kolde Königsberg und hielt sich vornehmlich in Graudenz auf. Seit 1945 lebt er in Flensburg (Schleswig-Holstein). Von seinen gesamten künstlerischen Arbeiten, etwa 500 Ölbilder und Aquarelle hat er nichts retten können.

Befassen wir uns nun noch einmal mit dem Wesentlichen seines Schaffens, über das Adolf Nowakowsky zusammenfassend sagt: „Sein Schaffen umfasst alle Äußerungen anschaulichen und geistigen Lebens, es birgt Zeitbetrachtungen und Stimmungen von dem griechischen Mythos, der Legenden- und Tierwelt bis zur klassischen Dichtung. Da sind Akkorde rasch hingeworfener Farben, visionäre Bekenntnisse, freie Phantasien, trotzige Auseinandersetzungen. Selten ist etwas zeichnerisch durchgeführt, selten ist das Bemühen um die Komposition schöner Linien das Wichtige. Die Farbe herscht vor. Alles schwingt in ihr voller Leben, schwelgt und reißt Wesentliches hervor, ruht in Spannungen und ist dargestellt in einer kraftvollen Anmut, die das grüblerische Gemüt des Künstlers gestaltet. Wie sein Dasein in raschen Takten künstlerischen Erregungen und Einfällen gleichsam zum Instrumente dient, zu einem lautstarken und gleichzeitig auf sehr zarte Ausdrucksmöglichkeiten abgestimmte Instrument, so gestaltete sich aus dem Leben dieses Malers der Rhythmus seines Künstlertums. Es trieb und treibt Wurzeln in fast jedes Gebiet eines neuerkannten geistigen Bezirks. Nicht allein Bekenntnisse weiteten den Blick dieses Künstlers, wenngleich sie seinem Schaffen gelegentlich gewisse Anregungen verliehen. In Alexander Koldes farbigen Gestaltungen offenbart sich so stark Eigenstes, so ungewöhnlich ein persönliches Verhältnis zu dem jeweiligen Motiv und zu dessen farbiger und formaler Andeutung, dass seine Malweise oft umstritten, oft missdeutig, oft falsch verstanden wurde. Wenn seine Bilder den Beschauer gelegentlich zunächst verwirren, weil sie sich nicht in gewohntere Bildervorstellungen einordnen lassen, beim näheren Betrachten aber ihre außerordentliche Anziehungskraft offenbaren, so liegt dies gewiss stärker an der Befangenheit des Beschauers als an dessen Unbefangenheit. Wenn ein Beschauer von einem Bilde Koldes in einer Ausstellung so gefesselt ist, dass er immer wieder zu ihm zurückkehrt, dann tut er es wohl nur, weil ihn dessen eindringliche Sprache so stark anzieht."

Die Porträts von Alexander Kolde sind bis in den feinsten Zug hinein belebt! Jede zeichnerische Härte, die im letzten nur der Erstarrung der Gesamtwirkung dienen könnte, ist darin vermieden. Es gehört zu seiner Schaffenskraft, dass er mit kühnen Strichen bedachte Wirkungen auch bei der Gestaltung eines Porträts einsetzt. Wie in seinen Blumenstücken, in seinen figürlichen, gleichnishaften, sinnend verharrenden Darstellungen und wie auch in seinen Landschaften gewinnen die Strichführung und die Musikalität seiner Farben stets eine Erhöhung des Ausdrucks, obgleich die dafür eingesetzten Mittel einfach bleiben. Ein stets waches „Farbfühlen", wie es Alexander Kolde selbst nennt, leitet dabei seine Hand. Dieses Farbgefühl ergänzt, was der Künstler über seine Malweise sagt: „Die Vorstellung ist das Starke, das die Mittel der Technik direkt aufdrängt. Sie bestimmt die Technik, die man anwendet. Ohne eine starke Vorstellung kommt man zu keiner großen Technik."

Zwar raubte ihm der Krieg neben der Heimat sein gesamtes malerisches Werk, doch hoffen und wünschen wir, dass dieser berufene und schöpferische Maler gerade deshalb uns noch manches Werk schenken möge.

H. Rutkewitz

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