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Ostpreußen-Warte, Folge 07 vom Juli 1953

Ostpreußen-Warte

Folge 07 vom Juli 1953

 

Seite 1   Das Gebot der Stunde: Wiedervereinigung. Die wichtigste Aufgabe der Vereinten Nationen.

Die Londoner Mitteilung, dass der britische Premierminister Sir Winston Churchill wegen seines Gesundheitszustandes nicht nach den Bermudas fliegen könne, lässt – schon der Formulierung dieser Verlautbarung nach – keine andere Deutung zu, als dass mit der groß angekündigten Dreier-Konferenz über das Deutschland-Problem kaum noch gerechnet werden kann.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, welche diese „Vertagung" der Bermuda-Konferenz als alles andere denn ein Unglück erscheinen lassen. Zunächst war die Zusammensetzung des Gremiums recht problematisch, was wahrscheinlich de Gasperi kürzlich Sir Winston recht deutlich gesagt haben dürfte: Denn wenn sich allein die Vertreter Englands, der USA und Frankreichs zusammensetzen, so handelt es sich eben um nichts anderes als um eine Diskriminierung derjenigen Staaten, die nur durch „Beobachter" vertreten sein sollten. Eine Teilung der westlichen Welt in Sieger und Besiegte ist aber das letzte, was sich diese im gegenwärtigen Augenblick leisten kann. Wenn deutscherseits diese Bedenken zurückgestellt worden waren, so nur in der Erwartung, dass man bei den „Drei Mächten" ein gemeinsames Interesse an der Herstellung einer gemeinsamen politischen Linie für eine Vier-Mächte-Konferenz haben würde. Die von Seiten der neuen französischen Regierung verlautbarten Stellungnahmen zur Deutschlandfrage — d. h. insbesondere EVG, NATO etc. — haben aber deutlich gezeigt, dass Paris nach wie vor nicht gewillt ist, seine hemmende Rolle aufzugeben. Eine Konferenz auf den Bermudas hätte dies aller Welt deutlich gemacht, eine schwere Beeinträchtigung der Stellung des Westens wäre die Folge gewesen.  

Dies bedeutet, dass nunmehr die Initiative für die Vorbereitung der „Deutschland“-Konferenz bei niemand anderem liegt als bei denen, für die das Zustandekommen von Vereinbarungen über die Wiedervereinigung Deutschlands ein Lebensinteresse bedeutet: Bei den Deutschen. Mit anderen Worten: Es obliegt jetzt der Bundesregierung, die Richtlinien auszuarbeiten, nach denen sie die Durchführung der Wiedervereinigung für möglich und gangbar hält. Diese Richtlinien sind bereits in der Erklärung vorgezeichnet, die der Bundestag angesichts der Berliner Ereignisse mit überwältigender Mehrheit angenommen hat. Sämtliche Westmächte haben ihre Zustimmung erklärt, so dass hier der Ansatzpunkt dafür gegeben ist, die Frage der Wiedervereinigung aus dem Stande der Vorklärungen in den der praktischen internationalen Politik hinüberzuführen.

Die Not unserer Brüder und Schwestern in der Sowjetischen Besatzungszone erfordert schnelle Maßnahmen. Es kann jetzt nicht abgewartet werden, bis etwa die Bundestagswahlen vorüber sind oder bis die „Bermuda-Mächte" etwa von sich aus zu irgendwelchen Übereinkünften kommen — denn, was das letztere anbetrifft, so ist jede Skepsis am Platze.

Es geht also darum, dass alle diejenigen Staaten, denen eine gerechte Lösung des Deutschland-Problems im ureigenen Interesse obliegt, zusammengebracht werden zu einer Konferenz, deren Programm klar ist, zu einer Konferenz, die auch nicht nur eine „Vier-Mächte-Konferenz" der „Sieger" sein kann. Und das heißt nichts anderes, als dass nunmehr die Organisation der Vereinten Nationen eingeschaltet werden muss. Die Vereinten Nationen sind die Instanz, die sich nunmehr mit allem Nachdruck der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands annehmen muss, denn der UNO soll Gesamtdeutschland eines Tages angehören, wie von Ost und West gleichermaßen verkündet worden ist. Eine unverzügliche Fühlungnahme mit den Mitgliedstaaten der UNO ist also für die Bundesregierung das Gebot der Stunde. Die UN wird dann das Forum sein, vor dem Deutschland durch welchen Mitgliedstaat auch immer als Sprecher seine Forderungen und Vorschläge unterbreiten wird, die darauf abzielen, eine gerechte und daher dauerhafte Friedensregelung in Europa vorzubereiten.

Nicht nur einige Mächte stehen vor der Aufgabe, die Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit herbeizuführen, sondern die Welt, d. h. es ist dieses vor allem eine Aufgabe der „Vereinten Nationen." Können sie diese lösen, so wird zugleich für diese Organisation die Bewährung gegeben sein, deren sie dringend bedarf. Dr. K.

 

Foto: Niemals vergessen: Ost- und Westpreußen stimmten 1920 für Deutschland!

Abgebildet ist ein großer Findling mit der Aufschrift: Am 11. Juli 1920 stimmten in der Gemeinde Stradaunen 553. Für Polen – 0. Gut Deutsch Alle?????

 

Seite 1   Die Forderungen des 17. Juni

Mit tiefer Erschütterung haben die Deutschen, mit Erstaunen und Mitgefühl die Bewohner der westlichen Welt die Nachrichten und Berichte von den Ereignissen in Ost-Berlin und in Mitteldeutschland gehört und gelesen. Hier stand eine geknechtete und gequälte Bevölkerung auf gegen ihre Unterdrücker, um für Menschenrecht und Menschenwürde, für Freiheit und Frieden und für die Wiedervereinigung Deutschlands zu demonstrieren. Sie traten also für das ein, was die Propaganda des Regimes als politische Zielsetzung ausgab, während diese verhassten Machthaber zugleich alles taten, um die Realisierung dieser Forderungen zu verhindern. Unter den Kugeln der Schergen und durch das Eingreifen der Besatzungsmacht wurde diese wahrhafte Revolution des Volkes niedergeschlagen, aber weder die einsetzende Welle der Verfolgungen, noch die Massenverhaftungen und der Terror vermögen die Auswirkungen zu unterbinden, die dieser Aufschrei eines unterdrückten Volkes in West und Ost haben muss und haben wird. Die Ereignisse des 17. Juni 1953 haben die politische Situation nicht nur in Deutschland, sondern überhaupt in Ost und West verändert; denn sie haben Klarheit geschaffen, wo eine geflissentliche Propaganda die Tatsachen verzerrt hatte, und sie ermöglichen daher die Fassung eindeutiger Entschlüsse für die Zukunft. Jetzt sind alle Deutschen aufgerufen, die verantwortlichen Politiker in Ost und West zu veranlassen, Zustände zu ändern, deren Unhaltbarkeit sich erwiesen hat und deren Beibehaltung zu einer ernsten Gefährdung des Friedens werden könnte.

Was die Auswirkungen des 17. Juni für den Westen anbetrifft, so ist festzustellen, dass jene unsinnige Propaganda, welche die Wiedervereinigung Deutschlands durch Spekulation auf die Furcht vor einem „deutschen Verrat" zu hintertreiben oder wenigstens auf unabsehbare Zeit zu vertagen suchte, als hinterhältige Lüge entlarvt worden ist. Jetzt muss jeder amerikanische oder englische oder sogar französische Politiker einsehen, dass eine Wiedervereinigung Deutschlands niemals und unter keinen Umständen eine „Gefährdung der Sicherheit" der westlichen Welt mit sich bringen würde, sondern dass die Herausbildung eines gesamtdeutschen Staates eine Sicherung des Friedens und der Freiheit bedeutet, sofern hinreichend dafür Sorge getragen wird, dass dieses Gesamtdeutschland nicht einer Aggression von außen zum Opfer fallen kann.

Für den Osten aber ist nun klargestellt, dass irgendwelche Hoffnungen und Erwartungen — sofern sie dort für die wiederholt vorgebrachten Vorschläge zur Wiedervereinigung Pate gestanden haben sollten — durch „Salami-Taktik", also durch allmähliche kommunistische „Gleichschaltung“, ein entstehendes Gesamtdeutschland zu einem Satellitenstaat zu machen, aussichtslos sind, wenn nicht die Panzer und Bajonette der Sowjetarmee zur Verfügung stehen. Zwar darf — von Westdeutschland her gesehen — die Gefahr nicht unterschätzt werden, dass die Kaders der „Volkspolizei" und der kommunistischen Organisationen neu überholt und auf eventuell subversive Aktionen „ausgerichtet" werden, aber es ist ebenso klar, dass auf einige Zeit die von hier einer gesamtdeutschen Regierung drohenden Gefahren — so wenig sie unterschätzt werden dürfen — herabgemindert erscheinen, sofern durch weitere Verstärkung des Bundesgrenzschutzes entsprechende Sicherungsmaßnahmen vorbereitet werden.

Das heißt aber, dass sich nunmehr binnen ganz kurzer Zeit die eigentliche Zielsetzung der „neuen Deutschlandpolitik" Moskaus enthüllen wird. Wenn jetzt — unter welchen außenpolitischen Aspekten auch immer — der Westen, dem einmütigen Willen des deutschen Volkes entsprechend, die Forderung auf Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit, d, h. unter Abhaltung wirklich freier Wahlen, erhebt, wird der Kreml Farbe bekennen müssen. Tut er dies nicht, so ist die einzige Folgerung die, dass — nach dem Scheitern der EVG — Westdeutschland sogleich Partner der NATO, d. h. dass der „Ridgway-Plan" durchgeführt wird. Stimmt aber Moskau der Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit zu, so könnte dieser Anschluss an die NATO unterbleiben und Deutschland in die Lage versetzt werden, durch Zubilligung eigener Verteidigungs-Streitkräfte zu einem stabilisierenden Faktor in Europas Mitte zu werden, dessen bloßes Vorhandensein die Spannungen zwischen Ost und West mildern würde.

Das sind die klaren Schlussfolgerungen, die sich aus der Klärung der Situation ergeben, die der 17. Juni mit sich gebracht hat. Möge mit Gottes Hilfe der Opfermut und der Freiheitswille wie auch die Leidensbereitschaft unserer Brüder und Schwestern in Mitteldeutschland zum Anstoß werden für eine solche Entwicklung, deren Ergebnis nur eine Stärkung des Friedens und der Beginn einer neuen Zeit sein kann.

 

Seite 2   Massenaustreibung und Völkermord. Von Dr. Herbert Kraus, Professor der Rechte, Göttingen

Auf der diesjährigen Beiratssitzung des Göttinger Arbeitskreises hielt der erste Vorsitzende, der bekannte Völkerrechtler Prof. Dr. Herbert Kraus einen Vortrag über das Thema „Massenaustreibung und Völkermord". Seinen Ausführungen, die soeben als Vorabdruck aus dem IV. Band des „Jahrbuches der Albertus-Universität zu Königsberg (Pr.)" erschienen sind, wurden die folgenden Abschnitte entnommen.

Es scheint angebracht, mit einer kurzen Präzisierung dessen zu beginnen, was hier unter Massenaustreibung einerseits, Völkermord — im internationalen Sprachgebrauch hat sich dafür das Wort Genocidium eingeführt — andererseits verstanden wird.

Im Anschluss an eine Resolution der Generalversammlung der UNO vom 11. Dez. 1946 (Nr. 59/2) kann man mit Völkermord kurz alle Maßnahmen in Leugnung der Existenz — richtiger wäre wohl zu sagen: Existenzberechtigung — bestimmter menschlicher Gruppen innerhalb eines Volksganzen bezeichnen, Gruppen, die nationale, volkstumsmäßige, rassische, kulturelle oder politische, ja auch wirtschaftliche Merkmale zusammengefasst werden.

Anders als bei dem Begriff der Minderheiten ist dabei Bewusstsein und Willen der Absonderung dieser Gruppen von anderen Teilen des Volkskörpers nicht wesentlich. Der Ausdruck „Massenaustreibung" muss etwas ausführlicher erläutert werden. Er wird in meinen Ausführungen über den engen Wortsinn hinaus nicht auf die Zwangsvertreibungen solcher Gruppen von Menschen beschränkt, die durch die Obrigkeit eines Staates oder Staatsteiles mit Gewalt und gegen ihren Willen aus dem Herrschaftsbereich des betreffenden Staates oder Staatsteiles, einschließlich eines Okkupats, entfernt, d. h. deportiert werden.

Darüber hinaus verstehen wir hier allgemein unter Massenaustreibung jedes Verhalten zur Ausscheidung bestimmter menschlicher Gruppen aus einem territorialen Hoheitsbereich einschließlich besetzter Gebiete.

Alle diese Gruppen kann man unter die Kategorie derjenigen bringen, denen ihr Recht auf Heimat versagt ist.

Recht auf Heimat! Hierunter verstehen wir das natürliche Recht jedes Menschen, im territorialen Bereiche seines Staates, in den er hineingeboren oder gewachsen ist, und innerhalbe dieses Staates dort zu wohnen, wo er sich innerlich verwachsen fühlt.

Mit dem Wohnrecht ist zugleich auch das Recht auf Rückkehr verbunden. Recht auf Heimat bedeutet weiterhin nicht nur das Recht, in einem bestimmten Staate zu wohnen und in ihn zurückzukehren. Es enthält auch das Recht, innerhalb dieses Staates an dem Orte zu verweilen, welcher für die in Betracht kommenden Personen ihre lokale Heimat ist, um diesen wenig ansprechenden Ausdruck in Ermangelung eines besseren zu verwenden. Auch die Zwangsumsiedlung innerhalb eines Staates oder Staatsteiles ist, wie bereits angedeutet, eine Verletzung des Rechtes auf Heimat, verletzt zudem das Menschenrecht auf Freizügigkeit.

Und noch ein Drittes: Keine Staatsgewalt kann ihren Untertanen ihr natürliches Recht auf Heimat nehmen. Dieses Recht auf Heimat kommt aus dem Herzen und besteht so lange, als die innere Verbindung in der Seele lebt, mag sie dort auch nur im Unterbewusstsein ruhen. Mit dem Wiedererwachen dieses Bewusstseins der inneren Verbundenheit lebt auch das Ur-Recht auf Heimat wieder auf.

In einem besonderen Falle allerdings achten Staatenpraxis und geltendes Völkerrecht das Ur-Recht auf Heimat nicht. Dies ist bei Gebietsabtrennungen der Fall. Wenn hierbei sog. Optionsklauseln vereinbart werden, sind die Bewohner des abgetretenen Gebietes gezwungen, zwischen Neu-Staat und Alt-Staat zu wählen. Entscheiden sie sich für die Staatsangehörigkeit des AIt-Staates, so müssen sie regelmäßig ihre Heimat verlassen.

Der umfassendere Begriff, der Genocidium und Massenaustreibung innerlich in Zusammenhang bringt, ist die Menschenwürde, die weder Genocidium noch Massenaustreibung sind bzw. sein müssen. Man denke an die Sklaverei, an die Ausnutzung der Frauen- und Kinderarbeit, an Misshandlungen von Kriegsgefangenen und ähnliches.

Immanuel Kant hat den Begriff der Menschenwürde in seiner „Metaphysik der Sitten" mit folgenden Sätzen gedeutet:

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.... Ein jeder Mensch hat rechtmäßigen Anspruch auf Achtung von seinen Nebenmenschen, und wechselseitig ist er dazu auch gegen jeden anderen verbunden. Die Menschheit selbst ist eine Würde-, denn der Mensch kann von keinem Menschen (weder von anderen noch sogar von sich selbst) bloß als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht eben seine Würde (die Persönlichkeit), dadurch er sich gegen alle anderen Weltwesen, die nicht Menschen sind und doch gebraucht werden können, mithin über alle Sachen erhebt. Gleichwie er also sich selbst für keinen Preis weggeben kann (welches der Pflicht der Selbstschätzung widerstreiten würde), so kann er auch nicht der ebenso notwendigen Selbstschätzung anderer Menschen entgegenhandeln, er ist verbunden, die Würde der Menschheit an jedem anderen Menschen anzuerkennen; mithin ruht auf ihm eine Pflicht, die sich auf die jedem anderen Menschen notwendig zu erzeigende Achtung bezieht."

Die Menschenwürde ist dann verletzt, wenn der Mensch als Objekt und als Mittel zum Zweck missbraucht wird — soweit der Staat in Betracht kommt —, insbesondere als Stein im Spiele um die von der Staatsraison gesetzten staatsegoistischen Ziele.

Menschenwürde fordert Anerkennung der Rechtspersönlichkeit eines jeden. Sie bedeutet Verbot der Rechtlosigkeit gegenüber Willkürakten und damit Rechtsschutz. Sie bedeutet einen unantastbaren Bereich, innerhalb dessen sich der Mensch frei bewegen kann. Würde verlangt Gerechtigkeit und Gleichbehandlung, sie bedeutet menschenwürdige Behandlung.

Kein Staat ist allmächtig. Souveränität bedeutet nicht grenzenlose Herrschergewalt des Staates über seine Untertanen. Auch dem Staate sind seiner Natur nach gegenüber seinen Untertanen Grenzen gesetzt, und eine dieser Grenzen ist die Menschenwürde. Dies ist uns zu einer Wahrheit mit axiomatischer Kraft geworden. Der Staat ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel, Apparatur zur Förderung und zum Schutze der quidditas qua homo est quod est im friedlichen Zusammenleben der Menschen.

Diese quidditas zu achten und zu schützen, ist Grundaufgabe wie Grenze seiner Betätigung. Diese doppelte Funktion hat das Grundgesetz der Bundesrepublik klar herausgearbeitet.

Hinzuweisen ist hier auch auf das in Art. 2 Abs. 1 GG. garantierte „Allgemeine Persönlichkeitsrecht". Es ist dort in folgende Formel gebracht:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."

Mit der Erklärung der Menschenwürde zusammen mit Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Frieden zu einer der fundamentalen Aufgaben und Grenzen des Staates ist zugleich ihr sittlicher Charakter bejaht.

 

Seite 2   „Der Einheit näher als viele glauben"

Bundeskanzler Dr. Adenauer, der von den Heimatvertriebenen in Werl mit Begeisterung begrüßt wurde, erklärte unter tosendem Beifall: „Der Tag wird kommen, der ganz Deutschland in Freiheit zusammenführt und euch die verlorene Heimat wiedergibt. Ich weiß nicht, wann dieser glückliche Tag kommen wird", fuhr Dr. Adenauer fort, „aber ich bin überzeugt, dass es früher sein wird, als viele von uns glauben. Hätten kürzlich nicht die sowjetischen Panzer wieder einmal den Freiheitswillen unserer Brüder und Schwestern in ihrem Machtbereich niedergewalzt, wäre heute schon die ganze verräterische Regierung vom Zorn des Volkes wie ein Spuk hinweggefegt."

 

Seite 2   Jahreshauptversammlung des ZvD

Die Pressestelle des Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen gibt bekannt:

Die Jahreshauptversammlung des Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen verlängerte am 28.06. in Dinkelsbühl die Amtsführung des geschäftsführenden Vorstandes bis zur Konstituierung des Bundes der vertriebenen Deutschen auf Bundesebene, spätestens jedoch bis Ablauf des nächsten Geschäftsjahres. Der geschäftsführende Vorstand setzt sich somit weiterhin zusammen aus dem Präsidium, Dr. Linus Kather, Dr. Karl Mocker, Sparkassendirektor Hellmut Gossing und den Stellververtretern Dr. Bernhard Geisler und Dr. Friedrich Schallwig. Die Jahreshauptversammlung fasste folgende Entschließungen zur Vertriebenenpolitik:

„Der stockende Abfluss der Geldmittel des Lastenausgleichsfonds und die dadurch verursachte Geldstauung stellt eine untragbare Benachteiligung der Geschädigten dar. Die Folge ist, dass die Berechtigten, die bittere Not leiden, nicht in den Besitz der vorhandenen Mittel kommen. Dieser Tatbestand wird noch dazu genutzt, dem Fond ständig neue Lasten aufzubürden und ihm andererseits zu stehende Mittel vorzuenthalten. Die verantwortlichen Stellen, insbesondere Bundesregierung, Bundesausgleichsamt, Landes- und Kreisbehörden werden dringend ersucht, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen, die den sofortigen Abfluss der Mittel sicherstellen und insbesondere bei den Lastenausgleichsämtern personelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche und schnelle Arbeit zu schaffen. Die Bundesregierung wird weiter ersucht, endlich die längst fälligen Maßnahmen der zugesagten Vorfinanzierung, insbesondere Auflegung der Anleihe für die Lastenausgleichsbank durchzuführen.

Die Erhaltung der bäuerlichen Substanz des heimatvertriebenen Landvolkes ist eine Forderung von nationaler Bedeutung. Sie kann nur durch Eingliederung, nicht durch Auswanderung erfüllt werden. Der ZVD hält an der Auffassung fest, dass die Auswanderung heimatvertriebener Bauern nach Übersee durch deutsche staatliche Stellen nicht propagiert werden darf und solche Pläne aufzugeben sind."

Die Jahreshauptversammlung missbilligt den Artikel des Herrn Dr. Alfred Gillee vom 25.06.1953 mit der Überschrift: „Im Dschungel politischer Intrigen". Sie stellt fest, dass die Haltung des ZVD gegenüber Dr. Ottomar Schreiber sich nicht gegen seine landsmannschaftliche Stellung und Arbeit, sondern gegen seine Tätigkeit als Staatssekretär richtet"

 

Seite 2   Auf dem Wege zum Gesamtverband

Bonn. Die Präsidien des „Verbandes der Landsmannschaften" (VdL) und des „Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen" (ZvD) kamen auf einer gemeinsamen Tagung in Bonn überein, die Bildung des „Bundes vertriebener Deutscher" (BvD) zunächst auf Landesebene in stetem Zusammenwirken weiterhin zu fördern. Es wurde eine Reihe von Richtlinien beschlossen, nach denen der Zusammenschluss der Verbände erfolgen soll, wobei der Schwerpunkt der organisatorischen Arbeit zunächst in jenen Ländern liegt, in denen der Gesamtverband bisher noch nicht gebildet worden ist.

 

Seite 2   Schreiber abgelöst. Das Bundespresseamt gab bekannt

„Der Staatsekretär im Bundesvertriebenenministerium, Dr. Schreiber, ist mit seinem Einvernehmen von der Bundesregierung damit betraut worden, alle Fragen zu prüfen, die mit der internationalen Behandlung der deutschen Flüchtlingsfrage zusammenhängen, und insbesondere die Möglichkeiten für eine internationale Hilfeleistung zu untersuchen. Er soll eine Denkschrift vorbereiten, die zur Grundlage späterer Verhandlungen dienen kann. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs im Bundesministerium für Vertriebene ist der bisherige Leiter der Zentralstelle für die Unterbringung der Sowjetzonenflüchtlinge, Min. Dir. Dr. Nahm, beauftragt worden".

Die Vertriebenen-Korrespondenz schreibt dazu: Schreiber hat Verdienste auf dem Gebiet der landsmannschaftlichen Organisation, insbesondere der Ostpreußischen Landsmannschaft. Auch seine Propagierung des Nadler'schen Gedankengutes über die geistesgeschichtliche Leistung der ostdeutschen Stämme hat Beifall gefunden. Den eigentlichen Auftrag seines Amtes, mit aller Macht die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge durchzusetzen, hat er weitgehend verfehlt. Die Tatsache, dass er 3 ½ Jahre nach dem Antritt seines Amtes höheren Orts beauftragt werden musste, eine Denkschrift über die internationalen Hilfsmöglichkeiten in der Vertriebenen- und Flüchtlingsfrage auszuarbeiten, bestätigt diesen Mangel.

 

Dr. Kather zur Ablösung Schreibers

VK. — Dr. Kather erklärte zur Ablösung Schreibers: „In einem Teil der Presse ist im Zusammenhang mit der Ablösung des Staatssekretärs im Bundesvertriebenenministerium, Schreiber, behauptet worden, dass ich die Forderung gestellt habe, auch Minister Lukaschek vor den Wahlen abzulösen; ferner, dass die Ausbootung Schreibers gegen den BHE gerichtet sei. Ich stelle dazu fest, dass beides nicht zutrifft. Der ZvD und ich persönlich haben die Ablösung von Bundesminister Lukaschek zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gefordert, weil ein Ministerwechsel kurz vor den Wahlen wenig sinnvoll wäre. Es besteht erst recht kein Grund, diesen Vorgang mit dem BHE in Zusammenhang zu bringen oder gar von einem „Zweikampf" zwischen Kraft und mir in dieser Sache zu sprechen. Mir ist nicht bekannt, dass sich der Gesamtdeutsche Block bzw. Herr Kraft persönlich je für Herrn Schreiber eingesetzt haben."

 

Seite 2   Jalta und Mc Carthy. Es geht um die Ausschaltung der Morgenthau-Boys

(hvp) Es besteht kein Zweifel, dass die deutsche Öffentlichkeit in der Gefahr steht, über die neuesten Entwicklungen in der amerikanischen öffentlichen Meinung uninformiert zu bleiben und vielleicht sogar falsche Vorstellungen zu bilden. Es geht dies nicht zuletzt darauf zurück, dass von bestimmten Sektoren der allgemeinen Publizistik aus die großen Wandlungen, die in den letzten Monaten in den USA in der Beurteilung der internationalen Lage und vor allem der eigenen amerikanischen Stellung Platz gegriffen haben, nur in eigentümlicher Beleuchtung dargestellt werden. So wird nur zu leicht übersehen, dass die Auseinandersetzungen um den amerikanischen Senator McCarthy, den Vorsitzenden des Kongress-Ausschusses „zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe" sich, von Washington aus betrachtet, ganz anders ausnehmen, als wie dies sich in weiten Teilen der europäischen Presse ausprägt. Gerade angesichts der bevorstehenden internationalen Konferenzen „auf höchster Ebene" — sei es nun die „Bermuda"-Konferenz der Westmächte oder die viel besprochene vermutete spätere West-Ost-Konferenz der vier Mächte — ist es aber dringend erforderlich, dass besonders der deutsche Leser sich über die tatsächliche Lage in den Vereinigten Staaten klar wird,

Da ist zunächst zu sagen, dass es ein verhängnisvoller Irrtum wäre, wenn man sich den „McChartyismus" als eine „Ausnahmeerscheinung" von nur vorübergehender Bedeutung vorstellen würde. Das was McCarthy vertritt und tut ist nur Ausdruck und letztes Ergebnis der eingehenden „Selbstprüfung" der amerikanischen Politik der letzten Kriegsmonate und ersten Nachkriegsjahre. Es handelt sich hier um die „praktischen Auswirkungen" des „Revisionismus", der „Überprüfung" des politischen Geschehens von Teheran und Jalta an. Man täusche sich in Deutschland nicht darüber, welchen Schock es für die amerikanische Öffentlichkeit bedeutet hat, als sie erfuhr, dass beispielsweise unmittelbar vor Beginn der Jalta-Konferenz der damalige USA-Präsident Roosevelt ein japanisches Kapitulationsangebot erhielt — und dieses nicht nur beiseite legte, sondern sich sogar bereit erklärte, Stalin weitgehend „freie Hand in Fernost" zuzubilligen. Wobei sich nun herausstellt, dass Roosevelt, entgegen den amerikanischen Interessen handelnd, die Ratschläge MacArthurs sowie der Admiräle Leahy und Nimitz in den Wind schlug und stattdessen die der pro kommunistischen Kreise um Alger Hiß befolgte.

Das gleiche gilt für den europäischen Schauplatz des politischen Geschehens. Es gibt heute keinen maßgeblichen Amerikaner mehr, welcher die Politik der bedingungslosen Kapitulation, der Zerstückelung Deutschlands oder gar die der furchtbaren und unmenschlichen Austreibungen öffentlich verteidigen wird. Das Bestreben, die eigentlich Verantwortlichen für diese seinerzeitige „Politik der Rache" zu ermitteln und sie endgültig der Möglichkeit einer Einflussnahme auf den Gang der USA-Politik zu entkleiden, ist der Hintergrund für das Wirken von Senator McCarthy. Und auch was die Ergebnisse des von ihm geleiteten Untersuchungsausschusses anbetrifft, so sind diese alles andere als dazu angetan, ihn in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit zu „diskreditieren". Man nehme nur das Beispiel der beiden britischen Schiffe, die —wie der Senator feststellte — rotchinesische Truppen zum Kampfe gegen das eigene britische Kontingent in Korea beförderten. Worüber man sich dabei wundern kann, ist allein dass diese Enthüllungen nicht noch mehr Aufsehen erregten, als dies geschehen ist.

Nimmt man alles in allem, so ergibt sich, dass vor allem für die deutsche öffentliche Meinung keinerlei Veranlassung besteht, sich in diese inneramerikanischen Vorgänge irgendwie einzumischen oder gar gegen die Tätigkeit McCarthys Stellung zu nehmen, wie dies leider von bestimmter Seite aus geschehen ist. Denn es besteht kein Zweifel, dass die der Untersuchung unterworfenen amerikanischen Kreise vor allem auch zu jenen Zirkeln der Verfechter einer „Politik der kollektiven Bestrafung" gehörten, um jene, die geflissentlich zu vernebeln trachteten, dass die sowjetische leninistisch-stalinistische Politik seit 1917 der eigentliche Schlüssel für die Beurteilung der politischen Entwicklungen in Deutschland und Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten ist.

So steht zu hoffen, dass die amerikanische „Selbstprüfung" zugleich zu einer sachlich richtigeren und klareren Einschätzung auch der Stellung Deutschlands - in Vergangenheit und Gegenwart - in dem Spannungsfelde der europäischen Politik führen wird, dass der Weg frei gemacht wird zu einer amerikanischen Politik, die ebenso weit von einem „Appeasement" entfernt ist wie von dem überholten Isolationismus. Eine Politik, die im sicheren Bewusstsein der Herstellung einer Friedensregelung an den neuralgischen Punkten der Welt überprüft und also gerade dadurch zur Entspannung beiträgt, dass sie jede Hoffnung der Gegenseite auf Unterbringung „trojanischer Pferde" vereitelt und somit überhaupt erst die Möglichkeit zu echten Verhandlungen schafft.

Es geht heute um die Beseitigung der Folgen von Jalta und Potsdam. Die Ausschaltung der „Jalta-Leute" und „Morgenthau-Boys" in den Vereinigten Staaten selbst ist eine Voraussetzung dafür, dass dieses auf dem Wege friedlicher Revision geschieht.

 

Seite 3   Stadt und Kreis Angerapp. Von Alfred Krause

Foto: Blick auf Angerapp vom Fuße des Königsberg

Foto: Das Kreiskrankenhaus von Angerapp-Darkehmen

Foto: Blick auf die Kirchenstraße und das Rathaus

Foto: Neues Haupt- und Volksschulgebäude

Der Boden des Kreises Angerapp ist von dem seines südlichen Nachbarn Angerburg wesentlich verschieden. Eines haben diese beiden gemeinsam: die Angerapp; nur mit dem Unterschied, dass Angerburg am Oberlauf, Angerapp am Mittellauf des gleichnamigen Flusses liegt. Der leichte Boden des Kreises Goldap schiebt sich noch in den südöstlichen Winkel des Kreises hinein. Sand und steile Kiesberge, Steinlager, dürftige Ackerflächen bestimmen hier den Charakter der Gegend. In den Wabbeliner Bergen erreicht dieser Endmoränenzug seine höchste Erhebung. Tiefe Täler mit eingelagerten Moorflächen und kleinen Seen, die auch einmal die Zahl der Moore vermehren, kennzeichnen diese buckelige Welt.

 

Am Zaubersee

Hier liegt auch der Stille See. Man sagt, hier sei das schönste Plätzchen des ganzen Kreises. Eingeschlossen von steilen Abhängen und einem herrlichen Hochwald, der von einem begeisterten Naturfreund geschützt und gehegt wird, füllt er ein sehr tiefes Strudelloch der Eiszeit mit seinem Wasser. Still und ruhig ruht der See in seinem Bett. Selten wird sein Spiegel von einem Windhauch bewegt. Wenn aber der lachende Frühlingshimmel mit seinen goldumrandeten Wölkchen in seinen Spiegel hineinschaut und das wechselnde Unterholz und die riesigen Kiefernstämme mit ihren Kronen auch ihren Anteil daran haben wollen, wird der See lebendig und strahlt freudig zurück, was Mutter Natur in ihrem Frühlingsschmuck vorgezeigt hat. Die Sonne muss schon sehr hoch steigen, will sie in seinen Wasserspiegel sehen. Geheimnisvoll und ernst blickt uns oft sein dunkles Auge an, aber wir können seine Rätsel nicht lösen. Die Weltabgeschiedenheit, die tiefe Ruhe und Einsamkeit dieses kleinen Paradieses empfindet der bedrängte und zerquälte Mensch als ein Labsal für Geist und Gemüt, und mit dankbarem Herzen scheidet er von der Stätte, die ihn aufrichtete und stärkte.

 

Im Wald und auf der Heide

In den südlichen Teil des Kreises gehört auch das einzige geschlossene Waldgebiet, die Altheider Forst (Skallischer F.) mit einer Oberförsterei und fünf Revierförstereien. Interessant ist der Wald durch seinen guten Besatz an Rehwild, auch einige Elche und Hirsche halten sich dort als Standwild auf. Im Herbst kam sogar eine richtige Hirschbrunft zustande. Ein Kanalsystems, von Friedrich dem Großen gebaut, durchzieht die Forst, und ein System von Schleusen reguliert die Berieselung und Abführung des Hochwassers vom Goldapfluss in der Vegetationszeit. Der Futterertrag wird dadurch wesentlich gesteigert.

 

Am Mintebruch

Durch dieses Schleusensystem wird auch der bekannte Mintebruch angestaut und dauernd unter Wasser gehalten. Auf diesem großen Bruch, der durch einen langen Steg für Jagdzwecke überquert wurde, entfaltete sich mit der Zeit eine großartige Entwicklung der Wasservogelwelt. Da gab es bald alle Sorten wilder Enten, dazu Fischreiher, Blesshühner, Schnepfen, Ziegenmelker, auch der scheue Schwarzstorch und ein Schwanenpaar ließen sich dann und wann einmal sehen. Wenn im Herbst der Vogelzug beginnt, fallen Kraniche zu Hunderten an den Rändern des Bruches ein. Da sich das in jedem Jahr wiederholt, ist anzunehmen, dass der Bruch ein Sammelort für die große Reise ist. Gegen Abend fliegen sie in großen Scharen auf die abgeernteten Kartoffelfelder, um dort wahrscheinlich ihre Nahrung zu suchen. Dann ziehen sie am Abend zurück ins Mintebruch. Wenn man dann am andern Morgen ganz früh aufsteht und sich leise und vorsichtig dem Bruch nähert, kann man ein eigenartiges Gebaren dieser großen Vögel beobachten. In langen Reihen stehen sie nebeneinander. Einige von ihnen schreiten die Reihen ab, verneigen sich, breiten die Flügel aus und gehen weiter. Man musste dann unwillkürlich an die Störche der Rominter Heide denken, die ihre Absprachen zum großen Zuge im stillen Kreise erledigten. Dann erhoben sich die Kraniche mit brausendem Flügelschlag in die Luft, formierten dort das ihnen eigene Flugbild, den Winkel, und begaben sich auf die Reise.

 

Nicht überall wachsen die dicken Kartoffeln

Der Boden des Kreises Angerapp teilt sich wertgemäß von selbst in drei Zonen auf. Der erste südöstliche ist schon genannt. Die zweite südwestliche und mittlere dürfte ungefähr 20 bis 25 Kilometer breit sein und kennzeichnet sich als schwerer Lehmboden. Die nördliche hat durchweg eine Tonunterlage, die von Kalkmergeladern durchsetzt ist. Auf diesem Tonboden lagert eine starke Humusschicht deshalb ist diese Zone außerordentlich fruchtbar. Der Körnerertrag, besonders an Weizen, ist sehr reich. Für Kartoffelanbau ist der Boden weniger geeignet. Ackerbau und Viehzucht stehen in großer Blüte. Die Wiesen sind meistens anmoorig, da sie in Tälern und an Flussläufen liegen. An Seen ist der Kreis nicht reich. Alle außer dem Stillen See sind in der Versandung schon weit vorgeschritten, am weitesten der Kleschauer See. Es ist klar, dass eine derartige Fruchtbarkeit der Böden der Landwirtschaft einen außerordentlichen Auftrieb geben. Ackerbau, Vieh- und Pferdezucht sind schon immer Hand in Hand gegangen.

Die charakteristischen Merkmale des Angerapptales und seines Flusses sind geologischer und historischer Art

Auf der Kreiskarte zeichnet sich der Kreis Angerapp als unregelmäßiges Fünfeck ab. In der Nähe von Sanden tritt die Angerapp in den Kreis Angerapp, um dann bei Jürgenshof den Goldapfluss von rechts aufzunehmen. Sie durchfließt in nordöstlicher Richtung den Kreis und tritt bei Balsken-Jäckstein in den Kreis Gumbinnen. Da der ganze Mittellauf der Angerapp durch den Kreis Angerapp geht und dieser Landschaft geologisch und historisch das Gepräge gibt, ist es erforderlich, uns mit ihr und ihrer Bedeutung für den Kreis etwas näher zu beschäftigen. Viele Jahrtausende sind vergangen, als sie den Rand des Skallischer Beckens durchsägte und nun ihren Weg nach Norden suchte. Es begann ein wilder Kampf des Wassers mit dem Gelände, aber ihr Reservoir, das Becken, das durch Schmelzwasser und andere Quellen gespeist wurde, schickte umso mehr Wasser nach, als die Abflussrinne durch die spülende Wassertätigkeit vertieft wurde. Dieser verstärkte Abfluss geschah ruckweise, so dass am Becken und am Fluss Terrassen entstanden, und zwar waren es Sandterrassen, die trocken und warm waren und den damaligen Menschen eine günstige Wohngelegenheit gaben. Auf diesen Terrassen hat man viele vorgeschichtliche Bodenfunde gemacht. Allmählich verschwand das Wasser im Becken, es blieben aber die Zuflüsse, die auch heute noch die Angerapp speisen. — Auch heute noch führt die Angerapp einen erbitterten Kampf gegen das Gelände. Sie stößt gegen die Berge, unterhöhlt sie, spült sie aus, verursacht Abstürze der Erdmassen, löst diese auf, zieht sie in den Strudel und setzt sie an ruhigen Stellen ab, wo sie Täler und Wiesen, sogenannte Au-Wiesen, bildet.

Auf der Plattform oben am Steilabhang baute sich der Mensch seine Burg, die in der Regel noch durch seitliche Steilabhänge — durch Quertäler gebildet — natürlich geschützt war. Er zog dann nach dem flachen Lande einen Wall, sogenannter Stirnwall, oder gar Parallelwälle, setzte darauf noch seine besondere Befestigung aus Holz, Stein und Erde, baute eine Wohnung, Stallung usw. hinein, und das feste Haus, der Sitz des Häuptlings, war fertig. Im Falle einer Gefahr flüchteten die Umwohner in die Burg und halfen bei der Verteidigung. Kinder, Greise, Hab und Gut waren in Sicherheit. Es waren Raubkriege, die damals geführt wurden. Unterhalb der Kreisstadt Angerapp ist die Fliehburg Kamanten auf dem Steilufer der Angerapp. Ein Walldurchstich ergab, dass die Burg zweimal erobert und durch Feuer zerstört wurde. — Interessant ist festzustellen, dass an solchen Stellen Flurnamen noch heute genannt oder Sagen erzählt werden, die noch lebendig sind und es auch bleiben werden: Teufelsschlucht, Hexengrund, Potrimposberg, Galgenberg. Die Sagen von ihnen und dem verschwundenen Dorf Awischen, von dem Tränental und dem traurigen Schicksal der Katharine Jedemski leben heute noch und werden weiter leben.

Dass diese Flusslandschaft mit ihren Steilabhängen, ihren bewaldeten Kuppen, ihren sonnigen Tälern, geheimnisvollen Schluchten und ihrem quellenden, sprudelnden und rauschenden Wassern von malerischer Schönheit ist, wurde schon oft geschildert. Hier soll nur daran erinnert werden.

 

Der Großgrundbesitz des Kreises

Bei der Volkszählung 1913 ergab es sich, dass 55 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche auf Betriebe von über hundert Hektar fielen. Daraus ergibt sich, dass im Kreise der Großgrundbesitz überwiegt. Er verteilt sich ziemlich gleichmäßig über den ganzen Kreis. Zwar wurden nach 1918 eine Reihe dieser Güter aufgesiedelt, aber der Charakter des Großgrundbesitzes blieb bestehen. Eigentlich gab es nur drei Dörfer mit größerer Einwohnerzahl: Trempen, Sodehnen und das Landgestüt Gudwalle. Ersteres ist ein freundlicher Ort mit Kleinbahnanschluss, Warnheide (ein Luftkurort) — Insterburg. Auf dem Pfarrhof in Trempen steht die Linde Ännchens von Tharau. Diese (d. h. Ännchen von Tharau) war dort lange Jahre die Pfarrfrau. Die Linde wird im Stamm durch einen Eisenreifen zusammengehalten, weil sie schon sehr alt ist.

 

Das Paradies der Erde

Es wäre sonderbar, vom Kreis Angerapp zu schreiben, ohne sein einzigartigstes Merkmal zu berühren: die Pferdezucht. Sie stand in höchster Blüte und hatte in Ostpreußen die Anwartschaft, an höchster Stelle zu stehen. Das edle Pferd Trakehner Abstammung hatte im Kreis Angerapp, so wurde geurteilt, die Spitze in der Entwicklungsreihe erreicht. Auch das Bauerntum war sehr stark daran beteiligt. Die Bewohner der Kreisstadt brauchten nur auf der Reichsstraße nach Osten einen Spaziergang von drei Kilometer zu machen, dann waren sie an den großen eingezäunten Weidegärten — Roßgärten wurden sie bezeichnenderweise genannt — in Röseningen angelangt, in denen große Koppeln von Jungpferden weideten. Es war eine Pracht zu sehen, wenn diese edlen, feurigen, jungen Tiere wie auf Kommando in rasender Karriere mit flatternden Mähnen und wehenden Schweifen dahinbrausten, dass die Gelenke knackten und Stücke des Rasens durch die Luft flogen. Ein großartiger Anblick! Sie gehörten Eberhard von Zitzewitz auf Weedern und Röseningen, dem Besitzer des größten Privatgestüts Deutschlands. Ihm hat die Zucht des Trakehner Pferdes viel zu danken. — Man konnte auch drei Kilometer nach Westen gehen, dann war man in Gudwallen und damit in einem großen Landgestüt, wo in weiträumigen Ställen und sauberen Boxen die Edelsten der Edlen untergebracht waren. Ungefähr 200 waren es, die von ihren Pflegern betreut wurden. Ein imposantes Bild bot sich dar, wenn die Beschäler in langen Kolonnen auf den weichen Feldwegen bewegt wurden. Da fiel es manchmal dem Reiter schwer, sein eigenes und das begleitende Handpferd in Ordnung zu halten. Großartig waren auch immer die Paraden, die gewöhnlich im Herbst stattfanden. Da trat mehr der sportliche Charakter in der weitgeschweiften Rennbahn in Erscheinung und auf der grünen Traberbahn, In der Mitte der weiten Runde stand auf einem Hügel ein kleiner Tempel mit der Umschrift: Hic Rhodos, hic salta! Hier ist Rhodos, hier springe! — Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, das war der Grundsatz und auch die Überzeugung jener jungen Herrenreiter, die dem Reitsport allen anderen Sportarten den Vorzug gaben. Schon die Tatsache, dass der Mensch diesen Sport nur in Verbindung mit dem edelsten seiner Haustiere ausüben konnte, hebt ihn hinaus über jeden anderen Sport. Ein wahrhaft vornehmer Sport! Das hat auch der Sänger von Weimar in überzeugender Form ausgedrückt:

Lasst mich nur in meinem Sattel gelten,

bleibt in euren Hütten, euren Zelten;

und ich reite froh in alle Ferne,

über meiner Mütze nur die Sterne.

 

Kleine Stadt im engen Tal

Wir sind jetzt in unserer Kreisstadt und stehen auf dem Königsberg gerade auf der Stelle, an der Wallreste einer alten Heidenburg sich befinden (Königsberg deshalb, weil über diesen König Friedrich Wilhelm I. von Goldap nach Angerapp kam, um nach dem Rechten zu sehen). Tief ins Flusstal der Angerapp eingebettet, liegt das Städtchen in verträumter Behaglichkeit. Wie ein breites Silberband schmiegt sich der Fluss um den freundlichen Ort, der, schön gelegen auf dem sanft ansteigenden linken Ufer, sich allmählich in seinen Bauten überhöht und schließlich mit dem Kirchenberg, seiner Kirche mit ihrem hohen Turm, dem hohen Bahndamm und dem parkartigen Friedhof seine höchste Grenze im übersichtlichen Gelände findet. Ganz weit in der Ferne verblauen die girlandenartigen Linien der Endmoränenzüge, die sogenannten Kucklins-Kallner-Berge, auch Drachenberge genannt. Von ihnen hat man einen Überblick über den ganzen Kreis und noch weiter.

Wir sind noch immer auf dem Königsberg. Ganz weit links am Rande der Stadt steigt das linke Ufer steil und hoch empor. Oben krönen die massigen Infanteriekasernen mit dem Garnisonlazarett den Berg und beherrschen das gesamte Stadtbild. Neben uns auf gleicher Höhe liegt das Gut Schimmelhof, bekannt durch seine schönen Apfelschimmel, die dann und wann im Viererzug eingefahren wurden. Unterhalb des Gutes im Angerapptal ist der Schützenplatz, dessen Laubwaldungen vom Mühlenwehr aus über den Platz den Steilabhang hinauf bis zum Gutshof klettern. Im lichten Grün des Frühlings, im satten Grün des Sommers und im vielfarbigen Herbstkleid ist der Blick auf den Schützenplatz immer eine Augenweide. Etwas weiter stromabwärts sehen wir, wie die rastlose Angerapp in ihrer unermüdlich spülenden, auswaschenden und aufschichtenden Tätigkeit eine große Wiese, die sogenannte Bleiche, und noch weiter abwärts eine zweite, größere, den jetzigen Sportplatz geschaffen hat. Er könnte etwas größer sein, aber er ist ein Meisterwerk der Natur. Umrandet von den grünen Flussweiden und den noch grüneren Anlagen des Steilhanges ist er mit dem Tennisplatz eine Welt für sich. Für die Vergrößerung des Platzes wird übrigens die emsige Angerapp sorgen. Ein Stück hinter dem Sportplatz zieht durch das Angerapptal der hohe Eisenbahndamm mit der weitgespannten Hängebrücke über den Fluss. Auch die Stadtrandsiedlungen sind von unserm Standpunkt gut zu übersehen. Besonders fällt noch auf, dass die ganze Stadt in Grün eingehüllt ist und der Eindruck einer Gartenstadt erweckt wird.

Abschiednehmend werfen wir noch einen Rundblick auf das schöne Panorama und ganz links am Ende der östlichen Stadtrandsiedlung die Fabrik von Erich Honekamp. Interessiert blicken wir auf das dicke Drahtseil, das über flinke Räder (die auf hohen Gerüsten aufmontiert sind) 300 Meter weit aus dem Angerapptal die Kraft heraufholt, die Herr Honekamp für seine Fabrik braucht.

 

Ein kurzer Gang durch das Städtchen

Befriedigt von den bisher gewonnenen Eindrücken verlassen wir den Berg und gehen die steile Geländertreppe hinunter bis zur Talsohle. Unser Blick fällt sofort auf das langgestreckte, niedrige Kreishaus mit der langen Mansarde und dem abgewalmten Giebeldach. Auf der anderen Seite der Straße gegenüber dem Kreishaus steht genau derselbe Bau. In diesen Häusern offenbart sich viel von der Geschichte unserer Stadt. Der Fluss begünstigte die Anlage von Fabriken, die für das Wachsen und Aufblühen des Ortes bedeutungsvoll wurden. Wir wandern weiter und stehen nun auf der Brücke, die die beiden Stadtteile verbindet. Breit hingelagert liegt die Angerapp zu unseren Füßen, still und tief. Eine Wasserbewegung ist nicht zu bemerken. Der Stau durch das Mühlenwehr hat sie gebändigt. Fast lautlos schiebt sich das Wasser ins Haus der Turbinen. Diese haben eine 60-Tonnenmühle mit 12 Mahlstühlen in Bewegung zu setzen. Die Geschäftsverbindungen der Mühle gehen bis zum Rhein. Sie wirkt in ihrer Massigkeit wie ein riesiger Block, in dem Tag und Nacht emsig gearbeitet wird. Dieser Mühle hat die Stadt Angerapp zu verdanken, dass sie im Jahre 1886 die elektrische Straßenbeleuchtung als erste in Deutschland einrichten konnte. Das war ein Ruhm, auf den die Angerapper stolz waren. Eine weniger glückliche Hand hatten die braven Angerapper beim Bau ihrer beiden Bahnhöfe. Als Mahnung und Warnung stand im Rathaussaal ein Wandspruch:

Wenn ein Ding geschehen ist,

sind alle voll Weisheit!

 

Kleinstadtromantik

Wir bleiben noch eine Weile an der Angerapp, weil gerade die Schützen geöffnet werden, damit das überschüssige Wasser abgeleitet wird. Schäumend, zischend und rauschend schießt es durch die Luken und stürzt einige Meter tief ins Flussbett, dort einen kochenden Strudel bildend. Die Besucher auf dem nahen Schützenplatz empfinden die abendliche Kühle, das Rauschen des Wassers und das schäumende Bier besonders wohltuend. Die sangesfrohe Harmonie, ein Männerchor mit alter Tradition, tut dann manchmal an besonders schönen Abenden oder bei festlicher Gelegenheit ein Übriges. Sie singt von Lenz und Liebe, von seiger, goldner Zeit. ... Es kam nicht selten vor, dass nach besonders intensivgefeierten Festen in lauer Frühlingsnacht ein gedämpft klingendes Männerquartett in diesem oder jenem Winkel der Stadt ein Ständchen dargebracht wurde. Manchmal allerdings, wenn sich die gefühlsbedrängte Männerbrust gar zu sehr der Sache hingab, sorgte das wache Auge des Gesetzes für den Stadtsäckel.

Wir setzen unsere Wanderung fort. Die Stadt hat breite, saubere Straßen und einen sehr geräumigen, zweiteiligen Marktplatz. Den Grünen Markt umrandet eine Lindenallee. Zum Teil sind auch die anderen Straßen mit Baumreihen bepflanzt. Dieses Grün und die vielen Gärten, der parkartige Friedhof, der bewaldete Kirchenberg und noch vieles andere verleihen dem Ort den Eindruck einer Gartenstadt. In Angerapp war im ersten Weltkrieg viel zerstört. Durch den Aufbau, der sich dem Stadtbild gut anpasste, gewann sie sehr. Das neue moderne Schulgebäude, in dem die Haupt- und Volksschule ihre Unterkunft hatte, die dazugehörige Turnhalle und das gegenüberliegende moderne Krankenhaus (Schaudinn-Krankenhaus) sind klare Beweise für die fortschrittliche Entwicklung. — Wir besuchen jetzt noch den neben der Kirche liegenden Kinderspielplatz. Auf ihm steht das Ehrenmal der gefallenen Helden des ersten Weltkrieges. Von ihm hat man einen schönen Blick auf die Kirchenstraße und das Rathaus mit seinem Haubendach und dem eigenartigen Zwiebelturm. Dicht daneben hat das Denkmal der Kämpfer von 1870/71 seinen Platz gefunden.

 

Der Potrimposberg im Geschichtsbild der Stadt Angerapp (Darkehmen).

Wer vom Marktplatz der Stadt Angerapp die Insterburger Straße entlang wandert, kommt am Nordrand der Stadt an einen Berg, dem man sofort ansieht, dass Menschenhände ihn aufgeschüttet haben. Es ist der Potrimposberg. Er steht gewissermaßen als Eckpfeiler auf einem verhältnismäßig kurzen Höhenrücken, welcher sich zwischen dem Flusstal der Angerapp und dem tiefen Grund des Maidebaches erstreckt, der sein Wasser in einem engen Bogen in die Angerapp schickt. Der schon erwähnte Höhenrücken trägt eine Gruppe von Häusern, die in zwanglosem Beisammensein den Reiz der schönen Flusslandschaft besonders in Erscheinung treten lässt. Eine aufmerksame Betrachtung der weiträumigen Bodenverhältnisse lassen klar und deutlich erkennen, dass hier wahrscheinlich einmal eine größere Fliehburg mit Wall und Graben zum Schutz der Heimat und ihrer Bewohner gestanden hat. (Es muss hier eingefügt werden, dass außer dem Alletal auch das der Angerapp sehr viele Steilabhänge hat, die mit vielen Befestigungen an den Flussufern ausgerüstet waren. Sie sollten dem Feind die Eroberung des Gaues Nadrauen erschweren, ja unmöglich machen. Diese Absicht konnte insofern verhältnismäßig leicht durchgeführt werden, weil der Ritterorden mit der Niederwerfung des Großen Aufstandes der alten Pruzzen, der über 12 Jahre dauerte, zu tun hatte. Wenn dem so ist, kann man vielleicht einen Schritt weiter gehen. In einem altpreußischen Geschlechterregister soll auch der Familienname Dargis gestanden haben. Der frühere Name der Stadt Angerapp war Dar-kehmen. Keimas, also kehmen bedeutet Dorf. Dar-kehmen würde also das Dorf des Dargis bedeuten. Bei der Eindeutschung der Dorf- und Flurnamen in Ostpreußen wurde diese Bezeichnung Dargiskeim anerkannt, ihres fremdartigen Klanges wegen aber abgelehnt und dafür der Name des Flusses Angerapp auch auf die Stadt übertragen. Es dürfte also, wenn diese Beweisführung stimmt, die Fliehburg Dargisheim der Anfang der Siedlungen Darkehmens sein.

Wir kehren nun zu unserem aufgeschütteten Berg, dem sogenannten Potrimposberg zurück. Er hat die Form eines abgestumpften Kegels mit etwas ausgebeutelten Seitenwänden. Ein Serpentinweg am Berghang führt hinauf zur Platte, auf der Bänke zur Ruhe einladen. Ein grünes Blätterdach, getragen von hundertjährigen Bäumen, spendet Schatten und Kühle allen, die gern und oft dem Berg einen Besuch abstatten. Dann erklingen dort, besonders an schönen Sommerabenden, unsere herzlichen deutschen Volks- und Heimatlieder, die so tief und nachhaltig unser Herz bewegen, wenn sie von der begleitenden Gitarre getragen werden. Ein origineller Junggeselle, der urwüchsige Kantor Alexander Skropnik aus Angerapp (er ruht heute in seiner Heimaterde), ein fantasiereicher Märchenerzähler und eifriger Sagensammler war oben auf dem Potrimposberg häufig der Mittelpunkt der Jugend. Seine Märchen und Sagen wurden immer als zu recht anerkannt, weil letzten Endes seine kleinen Produkte auf dem Gebiete der Heimatforschung gelten mussten, da Dichtung und Wahrheit, vom literarischen Standpunkt aus gesehen, fast immer im richtigen Verhältnis zueinander standen. So mag im Laufe der Jahrhunderte dieser alte Platz den Volksversammlungen gewissermaßen als Tingstätte gedient haben.

Immer sah der Potrimposberg nicht so sauber und einladend aus. Er war vielmehr der schmutzigste Dreckwinkel der Stadt. Mit seinen verfallenen Kartoffel- und Rübenmieten, den verfaulten Ständern und Brettern, den großen Schutt- und Scherbenhaufen und dem wilden Unkraut machte er einen solch verwahrlosten Eindruck, dass er ein allgemeines Ärgernis der Stadt wurde. Wie dieser Zustand beseitigt wurde, darüber berichtet uns die Stadtchronik von Darkehmen (Angerapp) besonders aber die sehr wertvolle Chronik von Pfarrer Rogge über Stadt und Kreis Darkehmen. Es war wohl im Jahre 1817(?(, als der damalige Bürgermeister v. Lischinski mit Hilfe seiner gesamten Bürgerschaft in einer Gemeinschaftsarbeit den Potrimposberg in Ordnung brachte und somit endlich das Ärgernis beseitigte. Damals erhielt der Potrimpos auch seine dem Höhenrücken aufgeschüttete stumpfe Kegelform. Von Rogge erfahren wir auch, dass in früheren Zeiten unmittelbar neben dem Fuß des Potrimpos ein großes Gasthaus gestanden hat, dem mittelbar in der Gegenwart eine riesige Molkerei folgte, die wahrscheinlich auch heute noch dort steht. Das alte Gasthaus hieß damals der Dreigötterkrug. Über dem Eingang prangte ein Schild, auf dem die drei altpreußischen Güter Perkunos, Pikollos und Potrimpos bildlich dargestellt waren. Der Schluss ist, dass die Epigonen den Berg für eine Kultstätte der alten Pruzzen gehalten haben. Die Bezeichnung Potrimposberg geschah wahrscheinlich deshalb, weil der junge, den Menschen so freundlich gesinnte Gott geehrt werden sollte. Spätere Generationen haben den Namen wahrscheinlich aus Pietät übernommen und bis auf den heutigen Tag erhalten. Das vorhin erwähnte Türschild des Kruges (oder war es eine Nachbildung) soll nach Königsberg gebracht worden sein; leider ist es spurlos verschwunden.

Aber noch mehr weiß der Potrimposberg und seine Umgebung uns zu verraten. Er steht hart am Straßenrand gegenüber dem etwa 30 m entfernten, sogenannten Tausend-Menschenhaus, das sich hinter dem hohen Straßenwall fast ganz versteckt. Dieses uralte Gebäude beherbergt eine Menge Menschen, die um ihre dürftige Herberge nicht beneidet werden konnten. Ein großer Teil dieses langen einstöckigen Gebäudes musste wegen Baufälligkeit abgebrochen werden, trotzdem blieb es weiter bewohnt. Es gab Leute, die mit einem gewissen Stolz erklären konnten, dass der große Friedrich einst hier eine Schwadron seiner Husaren untergebracht hatte. An diese erinnert noch die Standartenparzelle, auf der im Zedmarbruch seiner Zeit die Husarenschwadron ihre Pferde geweidet hat.

Eine ganz besondere Bedeutung für die Stadt und ihre Bewohner hat der Potrimposberg noch insofern, als er dazu beitrug das Stadtwappen erstellen zu helfen und dadurch ein Symbol zu schaffen, das nur ihr zu eigen war. Erzeigt ein grünes Wiesental das von einem Bach durchflossen wird. Der durfte wohl die Maide sein. Im Hintergrund stehen Berge dicht beieinander, über deren Gipfel die strahlende Morgensonne aufsteigt. Der aus dem Wiesengrunde aufsteigende Adler und die emporstrebende Morgensonne verbildlichen den Wunsch, dass die junge Provinzstadt blühen, wachsen und gedeihen möge. (Der Marktflecken Darkehmen wurde 1725 von König Friedrich Wilhelm I. zur Stadt erhoben.)

Die drei Berge sind wohl der Lina- und der Galgenberg, beide auf der rechten, der Portimposberg auf der linken Angerappseite. Der sagenreiche Galgenberg, eine alte Richtstätte ist heute kein Berg mehr, sondern eine weite Kiesgrube. Der Potrimposberg auf der linken Flussseite gehört zum Stadtgebiet.

Foto: Landschaft bei Angerapp (Darkehmen) Aufn.: Wiemers

Foto: Die Badeanstalt der Stadt

2 Fotos: Rausche-Brücke am Mintekanal in der Altheide Forst – Stiller See im Kreis Darkehmen. Aufn.: Archiv und Ehmer

 

Seite 4   Wachtelruf in ostpreußischen Ährenfeldern

Überall ist es in der weiten Welt so: Mutter Natur lässt ihre Früchte heranreifen, um sie dem Menschen als lebendiges Brot auf den Tisch zu legen. Ob in der alten Stammesheimat oder in der neuen Wahlheimat: Unter dem weit gespannten Firmament wächst Brot! Und doch ist es uns Ostpreußen so, als wenn nirgend die Getreidefelder so ernteschwer wogten als in unsern weiten Räumen zwischen Wäldern und Seen, nirgend atmet das schnittreife Korn so stark den Duft nach frischem Brot als in den Fluren der alten Heimat. In ihr wächst unser Brot.

Wenn die Wachtel, der ostpreußische Erntevogel, sich in die goldschweren Ährenfelder zurückzog und von hier aus in stillen Abendstunden ihren Lockruf ertönen ließ, horchte der Bauer auf. Die Zeit der Ernte naht. Aus dem „Fürchte – Gott, fürchte – Gott“ des Wachtelrufes hört der sinnige Bauer das „Bück den Rück – bück den Rück“ des Erntevogels heraus. Und wahrlich die Tage rücken heran, in denen unter den brennenden Strahlen der Sommersonne der Landmann tagaus, tagein den Rücken bücken muss. – Die wenigen Zeilen sind sinnige Betrachtungen an eine frühere Zeit. Wir haben heute keine Zeit, für solche Fragen Zeit zu haben.

Ich wollte, wir könnten heute trotz der schwersten körperlichen Beschwerden in der Heimat Ernte halten. Doch erfordern diese Fragen Zeit, um auszureifen. Diese große Zeit erfordert ein geduldiges Herz. Der Ungeduldige gibt sich selber auf!

 

Seite 4   Tief unten in Masuren …/Von Luise Kalweit

Und weil ich gebunden bin an deinen Boden, an deine Erde, o Heimat, deshalb ist mir deutlich geworden das Wort von der erdgebundenen Seele.

Und weil ich schaute die Menschen der Stadt, die sich lösten von der Scholle, erkannte ich die sichere Prägung des Namens, mit dem man die Haltlosigkeit der Hastenden, Verworrenen, Welkenden zeichnet: entwurzelte Seele.

Wenn ich das Bild forme des Heidedorfes, tief unten in einer Ecke Masurens gelegen, so ist es nicht nur ein Dorf, das sich vor mir aufbaut.

Alle sind es mitsammen, bei denen die Häuser gefügt sind aus den Bohlen der Kieferstämme, die erst gefällt werden mussten, damit dass Haus Platz fand. Bei denen der Roggen, der auf dem Flugsand des Ackers kärglich wuchs, das Dachstroh lieferte. Bei denen die Ziegel des Herdes aus der Heimaterde gebrannt wurden.

Auf dem dunkelgrün gemalten Hausrat — dunkelgrün wie die Kiefernwälder — erblühten noch einmal leuchtend die Blumen des Vorgartens: rote Tulpen, rosa Rosen, schwefelgelber Sonnenglanz.

Das Gespinst der Matten und Decken war mit dem Saft der Blätter und Blüten heimischer Pflanzen gefärbt, wie es der Wissensschatz der Ahne lehrte. Kleidung, gesponnen und gewebt aus dem blaublühenden Flachs und der Wolle der kleinen Heidschafe, deckte den Körper. Der Acker gab die Nahrung des Leibes.

Und Gestalt und Gesicht der Menschen war wie von Bildners Hand aus einem Holzblock gemeißelt. Verkümmert wirkten sie, todernst und traurig, wo die Erde verkommen war, behäbig und satt lächelnd, wo die fröhliche Erde spendet.

Das Lied ist Ausdruck der Menschen, treffender als Alltagsrede. Darum offenbaren eure Lieder, ihr Masurenmenschen, den langgezogenen, gleichförmigen Rhythmus eures Lebens. Wenn ihr sie anstimmt bei der Arbeit, bei der Ernte, am Feierabend, so wird euer Leben selbst zum vielstrophigen Lied.

Singt ihr zur Erntezeit in der Kirche das Lied „Das Feld ist weiß, vor ihrem Schöpfer neigen die Ähren sich, ihm Ehre zu bezeigen", dann wandelt sich all die schwere Feldarbeit, die der Wochentag euch auflud. Mit der Feier des Sonntags, mit dem ewigen Himmelslicht wird sie umkleidet. Ganz selbstverständlich mutet es an, dass ihr Menschen Masurens dies Lied allsonntäglich fünf Wochen hindurch — solange die Ernte währt —, zum Eingang des Gottesdienstes singt.

Und dabei umfasst es elf Strophen — es wird euch nicht langweilig, es wird euch nicht zu viel.

O der Sangesfreudigkeit der Masuren!

Eine Stunde oder länger vor dem eigentlichen Gottesdienst stimmen sie unter Führung des Vorsängers ihre geliebten Lieder an. Kein Geistlicher mahnt sie dazu, keiner ist dabei.

So singt die Seele von innen heraus. Wort und Sinn sind noch eins.

 

Das Christentum, die tiefste Religion, ist hier noch wie in eine Urform gebannt. Kein Künsteln, Deuteln erschüttert seine Wesenheit. Die Weisheit des seelisch sichern Menschen tastet sich auf den rechten Weg. Was dem klügelnden Verstand, der sich von den Wahrnehmungen der äußeren Sinne leiten lässt, verborgen bleibt, erlauscht sie mit innerem Ohr und sieht mit innerem Auge.

Es war in einer Versammlung von Bauernfrauen, die gar nicht genug des Singens bekommen konnten. Ich fragte nach Lieblingsliedern. Eine Frau, ernsthaft die Hände über ihrem Gesangbuch gefaltet, sah mich mit wahrheitstiefen Augen an. Ihr klares Gesicht leuchtete aus der Umrahmung des schwarzen Tuches. Sie sprach gemessen: „Wer über mich lachen will, soll lachen. Ich sage aber doch, dass mein bestes Lied ist: „So lasst uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel' nachgehen."

Es war wie ein Bekenntnis.

 

„Saie se aus Mauhrunge?"

In Mohrungen, dem Kreisgebiet des ostpreußischen Oberlandes, wurde „Mauhrungsch" gesprochen. Auf die Frage „Saie se aus Mauhrunge?" antwortete ein echter Mohrunger nur mit „Jau'che, Jau!" — Den so einwandfrei Legitimierten kann man dann auffordern: „Na, setze se sich e Korn'che." — Mohrungen, eingebettet in der reizvollen Seenlandschaft des Oberlandes, wurde 1327 vom Deutschen Orden und Kolonisten aus Mitteldeutschland, aus Thüringen und dem Harz, gegründet. Die neue Ansiedlung erhielt ihren Namen nach einem gleichlautenden Orte am Fuße des Harzes. Ihren größten Sohn hat die ostpreußische Kreisstadt Mohrungen der Heimat ihrer einstigen Gründer wieder zurückgegeben, denn Johann Gottfried Herder, der in Mohrungen das Licht der Welt erblickte, wirkte in der Vollkraft seines Lebens in Weimar, wo er auch starb.

 

Kein Brot in Ostpreußen

Berlin. Über zwei Monate beträgt jetzt die Laufzeit von Briefen zwischen Westdeutschland und Ostpreußen, geht aus mehreren kürzlich aus Ostpreußen eingetroffenen Briefen hervor. Die vorliegenden Briefe drücken in bewegten Worten die Freude über alle zugeschickten Pakete mit Bekleidungsstücken und Gegenständen des täglichen Gebrauchs aus, aber sie berichten gleichzeitig davon, dass die ungeheure Verknappung und Verteuerung der Lebensmittel in den polnisch verwalteten deutschen Ostgebieten sogar das Brot zu einem seltenen Nahrungsmittel haben werden lassen. Insbesondere sind die vielen noch heute in Ostpreußen lebenden alleinstehenden deutschen Frauen verzweifelt, zumal sie außer der Lebensmittelnot auch in dem harten ostpreußischen Winter nicht ausreichend Brennmaterial hatten. Viele Frauen sind krank und leiden an Rheumatismus, Frostschäden und Arbeitsverletzungen, die wegen der mangelnden ärztlichen und medikamentösen Betreuung nicht heilen.

 

Seite 4   Eine Leserzuschrift. „Preußen“, „Prussen“ oder „Pruzzen“

„In den ostpreußischen Heimatzeitungen wird immer wieder die Namensform „Prussen“ für die Preußen gebraucht. Da diese Frage für uns Ostpreußen doch gar nicht so unwichtig ist, wäre eine Klärung dringend zu wünschen.

Es ist schwer festzustellen, wer überhaupt auf den Gedanken gekommen ist, unsere biederen Preußen plötzlich in „Prussen" umzutaufen. Wahrscheinlich ist es Herr Dr. Keyser gewesen. Dieser brach im Jahre 1940 in dem Heft 1 der Zeitschrift „Altpreußen" für den Namen „Prussen" eine Lanze. Er meint, die späteren Preußen des Königreiches seien ein deutscher Volksteil gewesen, und man müsse daher den Namen „Prussen" einführen, um Verwechselungen zu vermeiden. Nun, nachdem die Wissenschaft ebenso wie das volkstümliche Schrifttum den Preußen jahrhundertelang den Namen „Preußen" zuerkannt hat, ohne dass es jemals Verwechselungen gegeben hat, besteht wahrlich kein Anlass, jetzt dieser Auffassung, die noch dazu fünf Minuten vor Vernichtung unserer Heimat und Forschungsarbeit geäußert wurde, zu folgen.

Herr Dr. Kayser hat auch nicht Recht, wenn er die Bezeichnung „altpreußisch" als romantisch und unwissenschaftlich ablehnt. Er hätte dann nicht seinen Artikel in der Zeitschrift „Altpreußen" veröffentlichen dürfen. Auch die Zeitschriften „Altpr. Monatsschrift'' und „Altpr. Forschungen" haben doch wohl den Anspruch erhoben, sehr ernst zu nehmende wissenschaftliche Zeitschritten gewesen zu sein. Der Vergleich mit den alten Germanen passt nicht ganz, da man ja die heutigen germanischen Völker nur mit ihren neuen Namen Deutsche, Schweden, Dänen usw. nennt. Ebenso wenig sind wir gezwungen, von „alten" Römern zu sprechen, da es heute nur noch Italiener gibt. Dagegen würde es durchaus angebracht sein, die Griechen des klassischen Altertums „Altgriechen" im Gegensatz zu den mit deren Kultur nichts mehr gemein habenden Neugriechen zu nennen.

 

Soweit ich es übersehen kann, sind in der Zeit, als noch in der Heimat selbst Forschungsarbeit geleistet wurde, außer dem Danziger Prähistoriker La Baume, der zunächst eifrig für den Namen Preußen eingetreten war und 1942 schwankend bald „altpreußisch' bald „prußisch" schreibt, keine Wissenschaftler dem Vorschlage des Herrn Dr. Keyser gefolgt. Dr. Gaerte hat noch im letzten Prussia-Heft 1943 stets „altpreußisch“ gebraucht. Ebenso hat Prof. Engel, der neben Gaerte die letzten großen Veröffentlichungen herausgab, nur „Preußen" oder „Altpreußen" gekannt. Die Philologen, die sich in neuerer Zeit mit der allpreußischen Sprache befasst haben (Bezzenberger, Trautmann, Gerullis), reden ebenfalls nur von „Preußen" Ziesemer hat bis zuletzt an „Preußen" festgehalten. Hubatsch und Riemann schreiben „Altpreußen". (Vergl. Hefte 1, 13, 19 der Schriftenreihe des Göttinger Arbeitskreises). Auch die von Krollmann herausgegebene „Altpreußische Biographie" gebraucht bis in die letzte Lieferung (1943) hinein den Namen „Preußen".

Abgesehen von alledem mutet die Unsicherheit im Gebrauch des Wortes „Prussen" sehr merkwürdig an. Man will das Wort offenbar den heidnischen Bewohnern Ostpreußens vorbehalten und nennt deren ordenszeitliche Nachkommen wieder „Preußen". Von einem Prussenlande spricht man ohnehin in der Regel nicht. Wird das Land erwähnt, dann heißt es eben doch das „Preußenland". Es ist nun begrifflich völlig ausgeschlossen, dasselbe Volk zunächst „Prussen" und von einem willkürlichen Zeitpunkt ab „Preußen" zu nennen. Das preußische Volk bestand bekanntlich, vor allem auch mit eigener Sprache, noch bis weit in die Ordenszeit hinein. Der Chronist Simon Grunau, der die preußische Sprache beherrschte, und zu dessen Zeit noch auf dem flachen Lande überall preußisch gesprochen wurde, nannte unsere Vorfahren niemals anders als „Preußen". Es spricht jedenfalls manches dafür, dass die Preußen selbst an dieser Bildung ihres Namens mitgewirkt haben.

Schließlich muss ein Unterschied in der Benennung der heidnischen und der christianisierten Preußen zu dem Gefühl führen, es handle sich bei den Preußen der Vorordenszeit um Wilde, denen man ihren später zu hohen Ehren gelangten Volksnamen nicht zubilligen wolle." Robert Helwig

 

Seite 4   Das Erbsenschmeckerlied

Man erzählet, dass vor Jahren

soll ein Bau'r aus langer Weil

sein mit Erbsen eingefahren

in das Städtchen Schippenbeil.

 

Als kein Kautmann ihn bespricht,

Schweigt er seiner Ware nicht.

 

„Holla!' fing er an zu bitten,

"„Kinga, kamt doch op de Gaß'!

Hia sön Arfte von Polkitten,

geel as en gewunge Waß,

 

se sön uter Mate seet

wie gekoakte Farkelfeet!"

 

Ei, da liefen Mägd' und Kinder

auf den Gassen ohne Ruh,

Knecht' und Jungens auch nicht minder

den gerühmten Erbsen zu:

 

Jeder holt ein Händchen voll,

dass die Herrschaft schmecken soll.

 

Als man nun von allen Ecken

tapfer hat herumgeschmeckt,

warn die Erbsen aus den Säcken.

Und der Bauer war gegeckt.

 

O, was fing der arme Mann

um die schönen Erbsen an!

 

„Fräät dem Dood ön june Mage!

Hefft mi denn nu de Pokulls

hia na Schöppenpöll gedrage?

Nich umsonst schloog mi de Puls,

 

als ök un em Derp utfoor

on dem linke Schloor verloor!

 

Auch, wi geit et doch mi Arme,

ei, wi warrt mien levet Wie!

öm de schöne Arfte karme!—

ök wull, dat ön junem Lief

 

jeda Arfte warrt so groot

wie e preißschet Düttkebrootl"

Caspar Heling 1656 - 1701 (Aus Plenzats „Liederschrein")

 

Seite 4   „Masurische Landschaft“

… Es gibt Wälder, die uns beglücken, und Wälder, die mit einer unsäglichen Trauer sich über uns stürzen. Du gehst in sie hinein wie in alle Wälder, aber mit dem ersten Schritt weißt du, dass sie dein Blut erfüllen werden mit der dunklen Traurigkeit von Totenzimmern. Hast du die Nächte des blauen Lichtes angetroffen, in denen ferne Gewitter hineinleuchten in die dunklen Gründe und blasse Signale aus Wolken brechen; dann magst du ???ben, dass die Seele dieser Landschaft nach dir ruft. Es we?? ??? deinem Weg, wo das Wollgras weißlich schimmert am Rande des Moores. Es weint gleich einem verirrten Kind. Es weint nicht heraus, sondern in sich hinein. Du stehst und lauschst. Ja, wenn du ein Stein wärest, würdest du lauschen. Und dann gehst du dem Weinen nach. Die Stimme schweigt, und das blaue Licht tastet über deine Stirn, blendet, irrt ab, erlischt. Dann ruft es wieder, tiefer im Wald. Und erstirbt. Ein schwarzes Wasser glüht auf im blauen Licht. Nebel steht wie Rauch im Erlengrund, und leise zittert die Espe, der Judasbaum, im unsichtbaren Hauch.

Sie werden dir sagen, es sei eine Eule. Aber du glaubst es nicht. Hinter den Wäldern blickst du von den Hügeln zurück. Wie unendlich der Raum, wie verloren der Menschen Spur! Da sind Horizonte, die nichts haben als einen Baum, und du fühlst das Ungeheure seiner Bedeutung wie in deiner Heimat einen gotischen Dom. Mit einem Male verstehst du, was ein Haus ist, ein Herd, eines Menschen nahe Hand. Lange noch wendest du dich zurück, und in den Nächten unter fremdem Dach stehst du am Fenster und horchst hinaus, ob das Kind noch weine unter dem großen Mond. Du hast es nicht erlöst, und das Herz ist dir schwer wie bei jenem Lied, das sie in den Wäldern sangen: „Es dunkelt schon in der Heide ... nach Hause wollen wir gehn ..." Es ist gut, dass deine Heimat einen Zauber wirft über alle, die einkehren bei ihr. Lange hat man nichts gewusst von ihr und das Reich der Macht und Schönheit war nicht bei ihr, sondern an der Donau oder am Rhein. Aber nun blickt man nach ihr, wie man nach den Toren blickt in ernster Zeit. ..."

(Ernst Wiechert)

 

Seite 4   Starke Wolfsplage in Masuren

Neidenburg. Aus einem Privatbrief einer in der Heimat von den Polen zurückgehaltenen deutschen Frau an ihren Großvater im Ruhrgebiet geht hervor, dass besonders in Masuren die Wolfsplage geradezu erschreckende Ausmaße angenommen habe. Erst vor wenigen Wochen seien Wölfe in eine Schafherde eingebrochen, die in der Nähe eines Dorfes bei Neidenburg friedlich weidete, und hätten im Nu 15 Schafe zerrissen. In einem anderen Dorf des gleichen Kreises hat kürzlich ein Wolf einen älteren Mann, der zur Stadt gehen wollte, am hellen Tage angefallen; nur seiner Geistesgegenwart — er schlug mit seinem Krückstock wild auf das Raubtier ein — ist es zu verdanken, dass dieses von seinem Opfer abließ. Derartige Vorfälle kämen, wie die Briefschreiberin mitteilt, in den letzten Monaten immer häufiger vor, ohne dass von polnischer Seite auch nur die elementarsten Maßnahmen gegen diese Landplage getroffen würden. Zu deutscher Zeit war, das sei ausdrücklich betont, dieses ostpreußische Grenzgebiet seit Jahrhunderten vollkommen wolfsfrei. Gleichzeitig wird von der Bevölkerung auch über die ständig zunehmende große Raubvogel- und Wildschweinplage Klage geführt; durch die rapid sich vermehrenden Wildschweine sei im Kreise Neidenburg bereits unübersehbarer Flurschaden angerichtet worden.

 

Seite 4   Wissenschaftliche Anerkennung des Preußischen Wörterbuchs

Wie uns der Leiter des Preußischen Wörterbuchs, Dr. phil. habil Erhard Riemann (Oldenburg), mitteilt, hat die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, die die Tradition der einstigen Preußischen Akademie der Wissenschaften fortführt, das Preußische Wörterbuch in die Reihe seiner wissenschaftlichen Unternehmungen aufgenommen und der Kommission für germanische Sprach- und Literaturgeschichte eingegliedert. Zugleich hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Finanzierung des Unternehmens übernommen und dem Wörterbuch für das laufende Rechnungsjahr eine beträchtliche Sachbeihilfe bewilligt. Damit hat das Mundartwörterbuch unserer Heimat nicht nur seine wirtschaftliche Sicherung, sondern auch eine ganz besondere wissenschaftliche Anerkennung gefunden.

Wir möchten unsere Freude darüber Ausdruck geben, dass so repräsentative wissenschaftliche Institutionen dieses große Werk des deutschen Nordostens wieder in ihre Obhut genommen und damit ihre Verbundenheit mit den aus ihrer Heimat vertriebenen Ost- und Westpreußen zum Ausdruck gebracht haben. Es ist dies ein gewichtiger Schritt auf dem Wege zur Wiederankerkennung der deutschen Ostforschung, der in dem Kampf um die Rückgewinnung unserer Heimat heute erhöhte Bedeutung zukommt.

Wer von unseren ostpreußischen Landsleuten die Mundart der Heimat noch gut beherrscht, meIde sich bei der Geschäftsstelle des Preußischen Wörterbuchs, Oldenburg (Oldb.), Ziegelhofstraße 109, die in den nächsten Tagen die ersten Mundartfragebogen herausschicken wird.

 

Seite 5   Kindersuchdienst des Deutschen Roten Kreuzes, Hamburg-Altona, Allee 125, mit Fotos

Name: Gersus oder Gressus

Vorname: Benno

Geb. 10.05.1936

Augen: grau

Haare: dunkelblond

Das Kind soll aus Pogegen Ostpreußen stammen. Es sucht seine Mutter und drei Geschwister. Der Vater ist Soldat gewesen. Bild Nr. 2388

 

Name: unbekannt

Vorname: Traute

Geb. ca. 1940/1941

Augen: graue

Haar: blond

Das Kind wurde auf dem Bahnhof Wartenburg, Kreis Allenstein/Ostpreußen aufgefunden. Bild Nr. 2504

 

Name: Philipp

Vorname: Edeltraud

Geb.: Juni 1939

Augen: blau

Haar: hellblond

Das Kind will nach eigenen Angaben Juni 1939 in Ostpreußen geboren sein. Bild Nr. 1489

 

Name: Wehlmann

Vorname: Hans

Geb.: 05.08.1944

Augen: blau

Haar: blond

Das Kind stammt angeblich aus Ostpreußen (Tapiau) ?) und kam danach in das Städt. Kinderheim Bischofsberg-Danzig. Bild Nr. 483

 

Seite 5   Das ostpreußische Soldatentreffen in Göttingen. Ehrenmal für ostpreußische und niedersächsische Soldaten

Am Rande eines Schulplatzes, der harmonisch in die Grünanlagen auf den alten Stadtbefestigungen Göttingens eingebettet ist, sind Bauarbeiter am Werk. Dort wird sich in wenigen Wochen, ein Denkmal für die Gefallenen der ostpreußischen Divisionen und Gruppenverbände, sowie der, in diesem Raum stationiert gewesenen niedersächsischen Division erheben. Von einer Steinbalustrade in weitem Halbrund umgeben, wird auf einem Sockel die Gestalt eines Soldaten zu sehen sein, der zur Schule und an ihr vorbei auf den Vorplatz des Amtshauses blickt.

So wie dieses Denkmal mitten in das Leben dieser Stadt gestellt ist und symbolhaft die Heimatvertriebenen und Einheimischen im Gedenken an die Toten des letzten Krieges verbindet und deren Vermächtnis an die heranwachsenden Generationen weitergibt — zwei Schulen in der näheren Umgebung werden die Pflege des Denkmals übernehmen —, so sind seit Wochen ein aus Vertretern aller beteiligten Truppenverbände zusammengesetzter Vorbereitungsausschuss und die kommunalen, staatlichen und Universitätsbehörden mit den gemeinsamen Vorarbeiten zur Einweihung des Denkmals im Rahmen eines großen Soldatentreffens beschäftigt.

Dieses Soldatentreffen wird am 29. und 30. August die 1000-Jahrfeier der Stadt Göttingen abschließen. Für den ersten Tag des Treffens sind kameradschaftliche Abende aller alten Truppenteile der insgesamt beteiligten 11 ostpreußischen Divisionen, der Korps- und Versorgungstruppen, der Einheiten des Luftgaukommandos I, der 1. Minensuch-Flottille und der V. Marine-Art.-Abt. sowie der niedersächsischen 31. Division und der Kav.-Rgt. 3 vorgesehen. Im Mittelpunkt des 30. August steht die Denkmalseinweihung, welche durch Gottesdienste beider Konfessionen, durch Ansprachen des Göttinger Oberbürgermeisters und des Leiters des Vorbereitungsausschusses, General d. Inf. a. D. Friedrich Hoßbach, eingeleitet wird. Nach einer Gedenkminute für die Gefallenen und der Kranzniederlegung wird die Feierstunde durch das Geläut aller Kirchenglocken der Universitätsstadt, das mit einer Verkehrsstille verbunden sein wird, beendet. Am Nachmittag findet in der Johanniskirche Göttingens eine musikalische Gedenkstunde für die Gefallenen, Vermissten und Kriegsgefangenen statt. Den Abschluss des Treffens bildet ein abendliches Konzert mit großem Zapfenstreich.

Ununterbrochen laufen beim Städtischen Verkehrsamt in Göttingen die Anmeldungen für das Soldatentreffen ein. Aus allen Teilen der Bundesrepublik und auch aus West-Berlin melden sich alte Soldaten an. Vor allem aber befindet sich unter den Anmeldungen ein unerwartet hoher Prozentsatz von Witwen und Hinterbliebenen, teilte der Sachbearbeiter im Verkehrsamt mit und wies darauf hin, dass die Errichtung dieses Denkmales als ein Bedürfnis empfunden wird. Über alle parteilichen Trennungen und Unterschiede hinweg soll dieses Ehrenmal der Achtung und Dankbarkeit gegenüber den gefallenen Soldaten sichtbaren Ausdruck verleihen und für die lebenden und nachfolgenden Geschlechter eine Mahnung zu Einigkeit und Opferbereitschaft sein. Mit diesen Worten umreißen der Oberbürgerbürgermeister der Stadt Göttingen und der Landrat des Kreises Göttingen den Sinn des Treffens in ihrem gemeinsamen Begrüßungswort, welches die soeben erschienene Festschrift einleitet. So wie das Festabzeichen das Wappenschild des Deutschen Ordens mit dem Braunschweiger Löwen verbindet, so haben ostpreußische und niedersächsische Soldaten Schulter an Schulter auf den Schlachtfeldern des letzten Krieges gekämpft. General Hoßbach schließt seine Schlussbemerkung in der Festschrift mit dem Satz: „Mit der Erinnerung an das gemeinsame Kriegserlebnis ist das Gedenken an die Toten, die Vermissten und die Kriegsgefangenen unlösbar verbunden".

 

Seite 5   Treffen der Ostpr. Feldzeugdienststellen

Das Treffen der Ostpr. Feldzeugdienststellen findet am 29. und 30. August 1953 zusammen mit dem Niedersächsisch-ostpreußischen Soldatentreffen in Göttingen statt. Alle Angehörigen der Ostpr. Feldzeugdienststellen, welche noch nicht durch Rundschreiben benachrichtigt wurden und an dem Treffen teilnehmen wollen, werden gebeten, sich bis spätestens 5. Juli 1953 bei Fritz August in, (21b) Hemer-Sundwig (Westf.), Hüttenstraße 16, unter Beantwortung folgender Fragen zu melden: a) Frühere Feldzeugdienststelle? b) an welchen Veranstaltungen am 29. und 30. August 1953 ist Teilnahme erwünscht? c) sorgt der Teilnehmer selbst für Unterkunft? Soll ein Quartier in Hotel, Pension, Privatquartier gegen Zahlung der Kosten oder im Massenquartier gegen geringes Entgelt sichergestellt werden? Für welche Nächte? d) Wird Parkplatz für Kraftfahrzeug benötigt? Weitere Einzelheiten über das Treffen werden den Teilnehmern durch Rundschreiben bekanntgegeben.

 

Pi.-Batl. 50!

Pioniere der ostpr. Pi.-Komp. 665, dem späteren (He) Pi.-Batl. 50, die unser großes ostpreußisches Divisionstreffen in Göttingen mitmachen, kommt bitte zu Helmut Gronen, Celle, Hugoweg 2 I, bei der Vereinigung ehem. Pi. 11er Lötzen. Es gibt noch viele Vermisstenschicksale des Pi.-Batl. 50 zu klären.

 

Luftgau Kdo I, Prüfgruppen!

Es haben sich auf Grund meines Aufrufs folgende Kameraden gemeldet:

Liedtke, fr. Luftpark Riga, jetzt Hamburg-Bahrenfeld, Am Diebsteich 43;

Haese, fr. Luftpark Gutenfeld, jetzt Lauenstein/Hann., Haus 244;

Eickhoff, fr. Luftpark Seerappen, jetzt Schwerte/Ruhr, Lichtendorfer Str. 40;

Norkus, fr. Luftpark Seerappen, jetzt Gelsenkirchen-Horst, Zum Bauverein 35;

Zimmer, fr. Luftpark Seerappen, jetzt Celle/ Hann., Hornbostelstr. 8;

Seyler, fr. Werftabt. Heiligenbeil, jetzt Elmshorn, Gerberstr. 20;

Lehmann, fr. Luftpark Gutenfeld, jetzt Berlin-Steglitz, Wilseder Str. 6;

Denk, fr. Werftabt. Devau, jetzt Gleul b. Köln, Buchenstr. 1 a;

Klinger, fr. Werftabt. Powunden, jetzt Starnberg/ Obb. Possenhofener Str. 11;

Ludorf. fr. Werftabt. Jesau, jetzt Harber b. Soltau/Hann.;

Kanditt, fr. Werftabt. Devau, jetzt Köln, Berg.Gladbach, Lerbacher Weg 5;

Harnack, fr. Neuhausen, jetzt Schledehausen Kr. Osnabrück, Bergstr. 89;

Woköck, fr. Werftabt. Seerappen, jetzt Lauenberg 170 über Kreiensen;

Rose, fr. Werftabt. Rahmel, jetzt Ostdorf Kr. Bahlingen, Württemberg, Wettenstr. 144;

Tiedemann, fr. Werftabt. Jesau, jetzt Westerröhnfeld b. Rendsburg, Post Neuwerker Gärten, Marienweg 2;

Wetzel ,fr. Flugber. Riga, jetzt Münster/Westf., Postfach 205.

 

Mein Aufruf verfolgt lediglich den Zweck eines kameradschaftlichen Zusammenschlusses und hat mit allen Fragen einer künftigen Luftfahrt nichts zu tun. Evtl. werde ich in einem Rundschreiben über einzelne Schicksale berichten, die mir durch Zuschriften bekannt geworden sind. Bei allen Anfragen bitte ich. Rückporto beizufügen: Wilhelm Gramsch, Celle/ Hann., Waldweg 83. früher Königsberg Pr., letzte Dienststelle: Werftabteilung Jesau.

 

Flugzeug-Führer-Schulen (E) Devau. u. Elbing

Am 29. und 30. August d. Js. findet in Göttingen die Einweihung der Gedächtnisstätte für ostpreußische und niedersächsische Gefallene statt, verbunden mit einem Treffen ostpr. und niedersächsischer ehemaliger Soldaten. Anlässlich dieser Tagung hat Oberst a. D. Zielke, Göttingen, Calsowstr. 24. ein Treffen der Kameraden der Luftwaffe Ostpreußens angeregt. Wir unterstützen diese Aufforderung und rufen die Kameraden, Soldaten, wie auch die Nichtsoldaten der Flugzeug-Führer-Schulen (E) Devau und Elbing! Um eine gemeinsame Stunde unserer Schulen vereinbaren zu können, bitten wir um Zusagen bis zum 1. August an: Oberst a. D. Werner Nöldecke, 23 Lahn über Sögel, Gut Röpke, oder Oberst a. D. Walter Böhnke, Nürnberg, Mommsenstr. 11.

 

Treffen ostpreußischer Divisionen in Göttingen am 29. und 30. August 1953.

Kameraden der 714. Inf.-Div. bzw. 114 Jäg.-Div. wollen jetzige Anschrift und ehemalige Einheit übermitteln:

Friedrich Stahl, Frankfurt-Eschersheim, Ulrichstraße 33.

 

Seite 5   Feier der Memel-Patenschaft in Mannheim

Mannheim (hvp). Am 2. August, dem Tag der Heimat, wird die Stadt Mannheim ihr Patenschaftsverhältnis zur Stadt Memel erneuern und auf das gesamte Memelland ausdehnen. Schon 1915, als Memel durch die Russen verwüstet worden war, hatte Mannheim eine großzügige Hilfsaktion für die Landsleute im äußersten Nordosten des Reiches eingeleitet. 1926 lebte das Patenschaftsverhältnis zwischen Mannheim und Memel erneut auf, um die Memelländer in der schweren Zeit der Abtrennung moralisch und materiell zu unterstützen. Mannheims Oberbürgermeister Dr. Heimerich, der 1926 die Patenschaft übernahm und sie auch am 2. August erneuern wird, erklärte, er wolle Mannheim zu einem ideellen Mittelpunkt der Memelländer machen. Mannheim will in seinen Mauern eine starke Memelländer-Kolonie schaffen, ein Memel-Archiv errichten und von einer sozialen Betreuungsstelle aus allen Memelländern in Ost und West dienen, die sich hilfesuchend an die Patenstadt wenden.

 

Seite 5   Eine Stadt hilft ostpreußischen Frauen

Bremen. Nach achtjähriger Trennung haben jetzt zwei ostpreußische Kinder wieder ein Lebenszeichen von ihrer Mutter bekommen, die sich in einem Zwangsarbeiterlager in Sibirien befindet. Die Kinder wurden von ihren Eltern 1945 getrennt und gelangten mit ihrem Großvater nach Brake im Kreise Wesermarsch. Während der Vater fiel, wurde die Mutter in Ostpreußen festgehalten und dann nach Sibirien verschleppt. In einem kürzlich eingetroffenen Brief, der unter Umgehung der Absperrmaßnahmen abgeschickt wurde, teilt die Mutter mit, dass sich in ihrem Lager noch viele ostpreußische Frauen befinden. Die Stadt Brake hat beschlossen, den Ostpreußinnen in Sibirien mit Paketsendungen zu helfen.

 

Seite 7   Wer kennt die Sparbuchinhaber?

Dem Treuhänder  des Vermögens aller in die britische Zone ausgewichenen Landschaftlichen Banken sowie des in der britischen Zone befindlichen Vermögens der Central-Landschafts-Bank Berlin sind die nachfolgend aufgeführten Sparbücher zugeleitet worden:

1.     Sparbuch Nr. 1537 der Bank der Ostpr. Landschaft, Nebenstelle Braunsberg, lautend auf: Frau Gerda Konstanty, geb. Freitag, Braunsberg, Langgasse 23;

 

2.     Sparbuch Nr. 2783 der Bank der Ostpr. Landschaft, Nebenstelle Braunsberg, lautend auf: Herrn Oberfeldwebel Paul Konstanty, Braunsberg, Langgasae 23;

 

3.     Sparbuch Nr. 2213 der Bank der Ostpr. Landschaft, Nebenstelle Braunsberg, lautend auf: Herrn Zollassistent Michael Czycholl, Braunsberg, Ziethenstraße 8;

 

4.     Sparbuch Nr. 4215 der Bank der Ostpr. Landschaft, Nebenstelle Vorstädtische Langgasse 136, lautend auf: Frau Maria Wien geb. Neumann, Königsberg (Pr.), Unterhaberberg 57.

 

Die Sparbücher zu 1 - 3 wurden nach dem Luftangriff auf Lüneburg am 22.02.1945 im Besitz von bei diesem Luftangriff ums Leben gekommenen Personen, und zwar Frau Ida Anna Czycholl geb. Konstanty und Frau Gerda Charlotte Konstanty geb. Freitag gefunden und vorübergehend von dem für das Bergungsgut bestellten Nachlasspfleger in Verwahrung genommen.

Das Sparbuch zu 4 ist dem o. g. Treuhänder von der Kreissparkasse Rotenburg i. Hannover übersandt worden, wo es wahrscheinlich vor der Währungsreform in den Kassenräumen liegen geblieben war.

Der Aufenthalt der aus den Sparbüchern Berechtigten oder deren Erben konnte bisher nicht ermittelt werden. Wegen der nach dem Gesetz über einen Währungsausgleich für Sparguthaben Vertriebener vom 14.08.1952 vorzunehmenden Anmeldung der Sparguthaben (Frist 31.08.1953) werden hiermit alle Personen, die Auskunft über das Schicksal oder den Aufenthalt der Forderungsberechtigten geben können oder glauben, selbst anspruchsberechtigt zu sein, gebeten, unverzüglich Nachricht an den Treuhänder des Vermögens aller In die britische Zone ausgewichenen Landschaftlichen Banken sowie des in der britischen Zone befindlichen Vermögens der Central-Landschafts-Bank Berlin, Bad Godesberg, Moltkestraße 41, zu geben.

 

Seite 7   Bäcker-Handwerk Ostpreußen!

Alle Bäckermeister, die bis zur Vertreibung in Ostpreußen selbständig waren, werden gebeten, sich umgehend zwecks Aufstellung einer Gesamtkartei bei der Handwerkssammelstelle Arthur Tobias, Lübeck-Travemünde, Am Heck 2, zu melden. Auch die verwitweten Meisterfrauen. Erforderliche Angaben:

1. Vollständiger Name und Geburtstag,

2. genaue Anschrift und Innung beim Verlassen der Heimat,

3. genaue heutige Anschrift, Innung und ob wieder selbständig.

Auch Meldungen von euch ermittelten Kollegen erwünscht.

Wir bitten alle Kollegen, die Meldungen schnellstens abzugeben, da die Angelegenheit sehr eilt. Heinrich Berg, Richard Popp, Arthur Tobias.

 

Seite 7   Aus den Landsmannschaften

Kulturveranstaltung München

Auf der ersten großen kulturellen Heimatveranstaltung trafen sich die Mitglieder des Orts- und Kreisvereins München im festlich geschmückten Münchener Sophiensaal.

Wenn auch die Menschen der deutschen Nordostmark ihr Hab und Gut, ihre Heimat verloren haben, so ist ihnen doch ein unabschätzbar wertvolles geistiges Gut geblieben. Im Rahmen dieser und hoffentlich noch weiterer Veranstaltungen soll den älteren Generationen die Liebe zu ihrer alten Heimat wieder aufs Neue wachgerufen werden, aber ganz besonders soll der heimatvertriebenen Jugend, wie Lothar Polixa, der 1. Vorsitzende des Orts- und Kreisvereins München, in meinen Begrüßungsworten hervorhob, dieses geistige Gut vermittelt werden. Als Vertreter der bayerischen Staatsregierung richtete Dr. Priller einige Grußwarte an die ostpreußische Landsmannschaft und versicherte, dass alles getan werde, um den Heimatvertriebenen das schwere Los zu erleichtern und ihnen hier in Bayern, über 1000 km von ihrer alten Heimat entfernt, eine zweite Heimat zu schenken.

Dr. Walter Schlusnus, in dessen Händen auch die sehr vielseitige Programmgestaltung des Abends lag, zeichnete unter dem Thema „Ostpreußen — von Geist und Seele der deutschen Nordostmark" ein sehr interessantes kulturgeschichtliches Bild Ostpreußens. Einfach und doch vielgestaltig wie die Landschaft mit ihren dunklen Wäldern und ihren Seen, sind auch die Menschen einfach und doch von hoher Geistesgröße, von denen hier nur einige, wie Kant, Schopenhauer, Max von Schenkendorf, Agnes Miegel und der Dichter und Komponist E. Th. Hoffmann genannt sein sollen.

Umrahmt von festlicher Musik, dem Harfenquintett von E. Th. Hoffmann, ausgeführt vom Streichquartett der Münchener Philharmoniker, und alten ostpreußischen Volksliedern, gesungen vom ostpreußischen Sängerkreis München unter Leitung von Herrn Ernst Ulrich, trugen die junge Königsberger Sprecherin Irmgard Buksch, deren große Rezitations-Begabung ganz besonderer Erwähnung bedarf, und der Sprecher Kurt Kaminski, Verse und Balladen, unter anderem von Agnes Miegel und Arno Holz und anderen ostpreußischen Dichtern vor. Als Gast der Münchener Staatsoper sang der vielversprechende Bariton, Walter Ehrengut, Lieder ostpreußischer Komponisten. Ursula und Wulfhild Mithaler sangen Volkslieder zur Laute. Das gut besetzte Auditorium dankte den mitwirkenden Künstlern für den wohlgelungenen Abend mit Blumen und viel Beifall. H. J. R.

 

Seite 7   Berchtesgaden und Reichenhall

Ein Treffen mit den Bad-Reichenhaller Landsleuten führte die Berchtesgadener Vereinigung der Ost- und Westpreußen in Bischofswiesen durch. Zunächst saß man im schattigen, schönen Garten, um später im Saal zusammenzukommen, wo Studienrat Neudorf, Bad Reichenhall, die zahlreich erschienenen Landsleute begrüßte. Er gedachte besonders der Abstimmung von 1920 und unterstrich die Bedeutung der Jugendarbeit der Heimatvertriebenen. Besonders erfreut war der Redner über die immer stärker werdende Zahl von Jugendlichen bei den Zusammenkünften.

Diese Feststellung fand eine Bestätigung in der Ausgestaltung des Treffens durch die Jugend. Da gab es einen Walzer, ein reizendes Menuett und den fröhlichen Rüpeltanz, geboten von Mädchen der Reichenhaller Vereinigung, während die Berchtesgadener Volkstanzgruppe eine Reihe schöner Volkstänze zur Aufführung brachte. Alle Darbietungen ernteten reichen Beifall. Heinz Krauß als Leiter der Volkstanzgruppe machte darauf aufmerksam, dass sich diese Gruppe aus Jugendlichen aller Heimatvertriebenen-Organisationen zusammensetzt und bat besonders die Jugend der Ost- und Westpreußen, sich an dieser wertvollen Kulturarbeit noch mehr als bisher zu beteiligen.

Marian Hepke, gab zum Schluss noch einige Mitteilungen bekannt. Die Feier des 25-jährigen Bestehens der Ostpreußenhütte wird am 25./26. Juli begangen. Eine Delegation der beiden Vereinigungen im Rupertigau wird daran teilnehmen. Die nächste Zusammenkunft der Berchtesgadener Vereinigung findet am 5. Juli statt; in ihrem Rahmen soll ein Kinderfest veranstaltet werden.

 

Seite 7   Ostpreußenfamilie Flensburg

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt", war die Devise, die den Vorstand der Ostpreußenfamilie in Flensburg veranlasste, die Juni-Mitgliederversammlung mit einem Ausflug nach dem historischen Orte Oeversee, zu verbinden. Mit drei großen Omnibussen fuhren 250 Ostpreußen nach dem an der großen Straße nach Schleswig gelegenen Ort. Landsmann Hiller, der 2. Vorsitzende begrüßte in launiger Weise die Ausflügler. Der 1. Vorsitzende Schulrat a. D. Babbel gab einen kurzen interessanten, historischen Überblick über die schleswig-holsteinische Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der lokalen Ereignisse und historischen Stätten. „Um unser Gastland und seine Menschen zu verstehen, wollen wir auch etwas von deren Geschichte wissen", sagte der Redner. Wie immer gab der 3. Vorsitzende, Bocian, einige geschäftliche Mitteilungen bekannt. Dann kam der Frohsinn und Humor zu Worte. Köstlich waren die von Landsmann Burdinski vorgetragenen Perlen ostpreußischen Humors. Eine Kaffeetafel im Garten und Saal des „Historischen Kruges" leitete über zu einem frohen Sonntagnachmittag. Fröhliche Spiel u. a. Tauziehen, Prämien-Ballwerfen, u. a. m. wurden unter der humorvollen Regie des 1. Vorsitzenden abgewickelt. Unter Vorantritt zweier Schifferklaviere gab es eine Gartenpolonaise. Weiter war Interessenten Gelegenheit gegeben, die alte historische Kirche von Oeversee zu besichtigen. Die Kirche ist eines der ältesten Baudenkmäler des Landes Schleswig-Holstein und als Wehrkirche gebaut. Auf der Hin- und auch auf der Rückfahrt wurde am Sankelmarker Gefallenen-Denkmal Halt gemacht. Den Abschluss dieses gelungenen Ausfluges bildete ein unter Leitung von Schulrat Babbel veranstaltetes Volksliedersingen der Teilnehmer. Armoneit

 

Seite 7   Lübbecke/Westfalen

Der Kreis- und Ortsverein tagte Anfang Juni. Die Veranstaltung war diesmal in Form einer Plauderstunde gestaltet. Über Eindrücke und Erlebnisse der Bochumer Tagung erzählten die Damen Frau Pieper und Fräulein Goerke. Dann las Fräulein Stahl einige lustige Geschichtchen aus der alten Heimat vor. Der Sprecher der Kreis- und Ortsvereinigung, Hardt, machte dann Ausführungen über geschäftliche Angelegenheiten. Bei Beendigung des angeregt verlaufenen Beisammenseins sang man gemeinsam unser „Land der dunklen Wälder."

 

 

Seite 7   Bielefeld

Landsmannschaften Ostpreußen und Westpreußen, Vereinigte Kreisgruppen Bielefeld eV.

Am Sonntag, dem 2. August, dem „Tag der Heimat", findet auf dem Johannisberg anlässlich des sechsjährigen Bestehens der Bielefelder Kreisgruppen das bereits zur Tradition gewordene Heimattreffen der Ostpreußen und Westpreußen für den Stadt- und Landkreis Bielefeld statt.

Nach einer heimatlichen Gedenkfeier soll Jung und Alt den weiteren Tag in Erinnerung an unsere alte Heimat frohe Stunden verbringen. An der Ausgestaltung dieses Heimattreffens wirken mit: Ein großes Orchester sowie ein Bielefelder Männerchor und der Volkstanzkreis der DJO. Der Beginn ist auf 16 Uhr festgesetzt. Landsleute! Bekundet durch Euer zahlreiches Erscheinen Eure Treue zur Heimat!"

 

Zu dem niedersächsisch-ostpreußischen Soldatentreffen in Göttingen werden von Bielefeld aus am 30. August Sonderomnibusse eingesetzt. Der Fahrpreis beträgt zirka 13 DM. Anmeldungen an die Landsmannschaften Ostpreußen und Westpreußen, Vereinigte Kreisgruppen Bielefeld e. V., Postfach 999, sind schnellstens erbeten. Weitere Einzelheiten über Abfahrtzeit werden In der August-Ausgabe der „Ostpreußenwarte" bekanntgegeben.

 

Seite 7   Seesen a/Harz.

„Das ostpreußische Gold und die Bäderperlen des Samlandes" war das Thema der eindrucksvoll verlaufenen Juni-Kulturstunde der Ost- und Westpreußen im vollbesetzten großen Saal des Ratskellers. — Im informatorischen Teil des Heimatabends am 4. Juli wird der Leiter des Landw. Beratungsringes Seesen, Diplomlandwirt Dr. Schimmelpfennig (früher Kbg) über „Was haben die Ostlandwirte aus dem Vertriebenengesetz zu erwarten?" referieren. — Für die nächste Kulturstunde hat Schulrat a.D. Papendick eine Vortragsfolge über „Merkwürdige ostpreußische Ortsnamen und andere sprachliche Kuriositäten" ausgearbeitet. — Eine große Harzrundfahrt am 9. August wird bis Braunlage und zur Odertalsperre führen.

 

Seite 7   Wir gratulieren

Seinen 70. Geburtstag feiert am 30. Juni 1953, Herr Albert Kroll aus Rosignaiten, Kreis Fischhausen, in Flensburg, Jürgenstr. 63 a. Er war Stauermeister in Königsberg und wohnte Georgstr. 28 bzw. Turnerstr. 6. Wir wünschen ihm nachträglich alles Gute, vor allem Gesundheit!

 

Ihren 79. Geburtstag kann am 21. Juli 1953, Frau Berta Blumenthal, geb. Schröder in völliger Frische feiern. Sie wohnte früher in Hoppendorf, Kreis Pr. Eylau, und jetzt bei ihrer Tochter in Flensburg, Brixstr. 5. Wir wünschen weiterhin alles Gute.

 

Am 12. Juni 1953, wurde Frau Olga Budinski, geb. Otto, früher Königsberg, Richardstr. 54, jetzt in Dortmund, Bergstr. 70, 75 Jahre alt. Wir wünschen nachträglich alles Gute und einen gesegneten Lebensabend.

 

Am 10. Juni 1953, wurde der Rentner Jakob Jednoralski, aus ,Königsberg, Sackheim 3, 85 Jahre alt. Er wohnt jetzt in Bünsdorf über Rendsburg, Krs. Eckernförde. Wir wünschen dem Jubilar nachträglich alles Gute und einen gesegneten Lebensabend.

 

Der Bauer Hugo Herrmann, aus Saltnicken, Krs. Samland, jetzt wohnhaft in Seesen, Lange Straße 49, begeht am 1. Juli 1953, seinen 78. Geburtstag.

 

Johann Braun, Ziegelbrenner aus Nikolaiken, Krs. Sensberg O./Pr., wohnhaft in Seesen a. H., Lange Straße 45, vollendet am 07.07.1953, sein 73. Lebensjahr.

 

Ihren 89. Geburtstag beging am 23. Juni 1953, die Witwe Natalie Zagermann, geborene Thiel, aus Wusen, Kreis Braunsberg, jetzt bei ihrem Schwiegersohn AI. Pohlmann, in Halle (Westf.), Lange Straße 60.

 

Am 18. Juli 1953, begeht Frau Auguste Schreiber, geb. Alschauski, aus Groß-Engelau, Kreis Wehlau, jetzt wohnhaft bei ihrer jüngsten Tochter Minna Rieck, (22 c) Kreuzau über Düren — Postamt, ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin erfreut sich einer guten Gesundheit und nimmt am Weltgeschehen regen Anteil. Wir wünschen ihr auch weiterhin alles Gute und einen ruhigen, sorgenfreien Lebensabend.

 

Im Monat Juli können die nachstehend aufgeführten betagten Mitglieder der Ostpreußenfamilie in Flensburg Geburtstag feiern:

Am 06.07.1953:  Gustav Massalsky, Neustadt 56, 84 Jahre;

am 06.07.1953:  Margarethe Pommerening, Sehloßstraße 43, 74 Jahre;

am 08.07.1953:  Marie Westphal, Schulgasse 10, 78 Jahre:

am 09.07.1953:  Martha Wolff, Matthias-Claudius-Str. 15. 73 Jahre;

am 12.07.1953:  Wanda Zorn, Norderstraße 5, 75 Jahre;

am 14.07.1953:  Frieda Habermann, Bismarckstraße 40, 72 Jahre:

am 14.07.1953: Johanna Stein, Engelsbyerstraße 20, 79 Jahre;

am 15.07.1953:  Anna Schwarzrock, die kürzlich nach Göppingen-Bodenfeld, Gottfried-Kinkel-Straße 19, umgesiedelt ist, 74 Jahre;

20.07.1953: Johann Grimm, Harrisleerstraße 9, Lagerhaus, 91 Jahre;

31.07.1953: Karl Safzig, Schleswiger Straße 22, 88 Jahre.

Die Flensburger Ostpreußenfamilie, insbesondere der Vorstand gratuliert allen Geburtstagskindern aufs herzlichste und wünscht ihnen einen gesegneten Lebensabend. Armoneit.

 

Seite 7   Amtsgericht Insterburg!

Wer kann Mitteilung machen, wohin die Grundbücher und das Katastermaterial des Amtsgerichts Insterburg gekommen sind. Die gleichen Unterlagen werden auch von den Amtsgerichten Wehlau und Fischhausen gesucht. Mitteilungen an die Schriftleitung der Ostpreußen-Warte erbeten.

 

Seite 7   ASCO-Treffen in Augsburg

Da in diesem Jahre kein Treffen des Vereins ostdeutscher Rasensportler in Hamburg stattfindet, ruft die Sportvereinigung ASCO Königsberg e. V. zu einer Wiedersehensfeier in Augsburg auf. Das Treffen findet im Rahmen der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften, die vom 24. - 26. Juli dauern, statt. Das Wiedersehenstreffen des ASCO und der ostdeutschen Leichtathleten wird am Sonnabend, den 25. Juli, um 20 Uhr, im Ludwigsbau, weißer Saal, in Augsburg durchgeführt. Treffpunkt aller Askoten ist die Gaststätte Lenshalde, Rosenaustraße. Dr. Schmidtke, der Organisator des Treffens, wohnt im Hotel Rosenau, Augsburg.

 

Seite 7   Suchdienst der Heimatortskartei für Ostpreußen

Wenn Ihnen über den Verbleib der Gesuchten etwas bekannt ist, geben Sie bitte direkt Nachricht an die Heimatortskartei für Ostpreußen — (24b) Neumünster, Postfach 178.

Es werden gesucht:

791. Altwolfsdorf, Kr. Johannisburg: Bytzek, Gerhard, geb. 02.10.1912, Landwirt, ges. von Bytzek, Johann

792. Arnswalde, Kr. Johannisburg: Fischer, Irmgard, geb. 12.09. 196, ges. von Fischer, Martha

793. Arnswalde, Kr. Johannisburg: Hufnagel, Ida, geb. Ratalzik, geb. 02.09.1894, ges. von Hufnagel, Erika

794. Arnswalde, Kr. Johannisburg: Melzner, Adelgunde, geb. 27.11.1927, ges. von Melzner, Heinrich

795. Arnswalde, Kr. Johannisburg: Ueckert, Julius, geb. 01.07.1883, Bauer, ges. von Schick, Gertrud

796. Arys, Kr. Johannisburg: Abzinki, Hedwig, geb. Olk, geb. 06.01.1908, ges. von Gerigk, Angelika

797. Arys, Kr. Johannisburg: Abzinski, Viktor, geb. 30.04.1908, ges. von Schneider, Walter 798. 798. Arys, Kr. Johannisburg: Bodday, Wilhelmine, geb. Kischkewitz, geb. 17.05.1872, ges. von Richbächer Erna

799. Arys, Kr. Johannisburg: Bondzio, Erna, geb. 17.10.1906, ges. von Bondzio, Frieda

800. Arys, Kr. Johannisburg: Böttke, Inge, geb. 17.07.1940, ges. von Böttke, Lothar

801. Arys, Kr. Johannisburg: Brozio, Fritz, geb. 03.12.1878, Kaufmann, ges. von Brozio, Elfriede 802. Arys, Kr. Johannisburg: Buchsteiner, Oscar, geb. 14.08.1903, ges. von Buchsteiner, Martha

803. Arys, Kr. Johannisburg: Dennig, Gustav, geb. 23.06.1875, Bäckermeister, ges. von Schlesier, Wilhelm

804. Arys, Kr. Johannisburg: Dennig, Gustav, geb. 25.01.1882, ges. von Denning, Hermann

805. Arys, Kr. Johannisburg: Dittmann, Frieda, geb. 02.09.1925, ges. von Liedtke, Otto

806. Arys, Kr. Johannisburg: Foerstner, Selma, geb. Schröder, geb. 27.03.1885, ges. von Rombeck, Margarete

807. Arys, Kr. Johannisburg: Gayko, Evelin, geb. Sedlazek, geb. 17.01.1912, ges. von Gayko, Max 808. Arys, Kr. Johannisburg: Gayko, Helga, geb. 23.11.1927, ges. von Gayko, Max

809. Arys, Kr. Johannisburg: Grußinkat, Auguste, geb. Hufenbach, geb. 10.08.1866, ges. von Zielinka, Maria

810. Arys, Kr. Johannisburg: Hill, Erna, geb. 25.08.1900, ges. von Hill, Maria

811. Arys, Kr. Johannisburg: Höpfner, Emil, geb. 21.02.1894, Tischler, ges. von Höpfner, Marie

812. Arys, Kr. Johannisburg: Jendreizick, Helene, geb. Liedtko, geb. 28.04.1920, ges. von Liedtko, Max

813. Arys, Kr. Johannisburg: Kaminski, Maria, geb. Kappich, geb. 07.09.1869, ges. von Schätz, Anna

814. Arys, Kr. Johannisburg: Kaminski, Paul, geb. 19.03.1892, Schuhmacher, ges. von Schätz, Anna

815. Arys, Kr. Johannisburg: Klede, Auqust, qeb. 05.03.1870, Obermaschinist, ges. von Klede, Julie

816. Arys, Kr. Johannisburg: Klein, Andreas, geb. 12.08.1887, Schmied, ges. von Klein, Karoline

817. Arys, Kr. Johannisburg: Kobrin, Ernst, geb. 17.10.1919, ges. von Kobrin, Marin

818. Arys, Kr. Johannisburg: Krüger, Gerhard, geb. 1909 (?), Drogist, ges. von Sawatzki, Gertrud

819. Arys, Kr. Johannisburg: Krüger, Wilhelmine, geb. Drewell, geb. 08.03.1873, ges. von Kaiser, Hildegard

820. Arys, Kr. Johannisburg: Kryszon, Hedwig, geb. Budday, geb. 05.08.1908, ges. von Richebächer, Erna

821. Arys, Kr. Johannisburg: Lichottka, Johann, geb. 29.01.1895, Schmied, ges. von Nottebaum, Frieda

822. Arys, Kr. Johannisburg: Lindenau, Grete, geb. 05.1119 23, ges. von Lindenau, Friedrike

823. Arys, Kr. Johannisburg: Miehlke, Christel, geb. 05.1019 20, ges. von Miehlke, Albert

824. Arys, Kr. Johannisburg: Olk, Magdalena, geb. 24.02.1932, ges. von Olk, Gertrud

825. Arys, Kr. Johannisburg: Pellny, Erich, geb. 23.11.1910, Schneider, ges. von Olte, Elfriede

826. Arys, Kr. Johannisburg: Peylo, Gottlieb, geb. 27.04.1870, ges. von Peylo, Richard

827. Arys, Kr. Johannisburg: Pianka, Bertha, geb. Dudeck, geb. 30.05.1892, ges. von Pianka, Karl

828. Arys, Kr. Johannisburg: Pieper, Gisela, geb. 17.05.1928, Büroangestellte, ges. von Pieper, Bruno

829. Arys, Kr. Johannisburg: Pieper, Ida, geb. Koschorek, geb. 12.10.1886, ges. von Pieper, Bruno

830. Arys, Kr. Johannisburg:  Puck, Adolf-Paul, geb. 27.12.1883, Heilpraktiker, ges. von Purk, Elsa 831. Arys, Kr. Johannisburg: Rautenberg, Horst, geb. 25.05.1929, Tischler, ges. von Rautenberg, Ernst

832. Arys, Kr. Johannisburg: Rogoschinski, Erna, geb. 14.03.1936, ges. von Rogoschinski, Maria

833. Arys, Kr. Johannisburg: Rödiger, Leonarde, geb. 06.11.1902, ges. von Gerigk, Angelika

834. Arys, Kr. Johannisburg: Runge, Franz-Gustav ,geb. 09.04.1876, ges. von Bauske, Gerda

835. Arys, Kr. Johannisburg:  Slomma, Paul, geb. 25.07.1889, Klempner, ges. von Podkova, Ida

836. Königsberg, Roonstraße 17. Kalinowski, Auguste, geb. Rosenberger, geb. 14.10.1882, ges. von Erich Kalinowski

837. Königsberg, Roonstraße 17. Kalinowski, Emil, geb. 22.03.1881, Buchdrucker, ges. von Kalinowski Erich

838. Königsberg, Roonstraße 17.. Kalinowski, Maria, geb. 20.08.1909, ges. von Kalinowski, Erich

839. Königsberg, Karl-Baer-Str. 2. Kalinowski, Familie, ges. von Hulpke, Helene

840. Königsberg, Oberhaberberg 13a. Lockwald, Rudi, geb. 18.07.1927, ges. von Lockwald, Martha

 

Seite 8   Arnold Federmann zum Gedächtnis

Foto: Dr. Arnold Federmann

Am 29. Dezember 1952 verstarb in Braunschweig auf dem Weg in seine neue Heimat Frankfurt/Main im Alter von 75 Jahren der ostpreußische Schriftsteller, Kunst- und Literarhistoriker Dr. Arnold Federmann. Seine Hauptlebensarbeit war Goethe gewidmet, dessen Bedeutung als Maler und Zeichner er in dem grundlegenden Werk: „Goethe als bildender Künstler" (Cotta 1932) würdigte. In einer zweiten großen Publikation gab er eine umfassende erstmalige Darstellung vom Schaffen des bis dahin in Deutschland fast völlig unbekannten genialen Schweizer Malers Johann Heinrich Füßli, den der junge Goethe und der deutsche Sturm und Drang als wahlverwandten Dichter hoch schätzte. (Zürich 1927, Orell Füßli Verlag.)

Eine Ergänzung zu diesen beiden Werken über Goethe und aus dem Goethekreis bildet die Monographie über Goethes Schweizer Freund Johann Heinrich Meyer, in der der Autor erschöpfend Goethes Stellung zu den Künstlern seiner Zeit behandelt. Die letzte Publikation Arnold Federmanns „Der junge Goethe und England" (Erich Schmidt Verlag, Berlin 1949) zeigt den weltoffenen Geist des jungen Goethe, der nicht nur von dem freiheitlichen Geist Englands, sondern auch von den französischen und Schweizer Dichtern und Denkern seiner Zeit stärkste Einflüsse erfuhr.

Aus dem kleinen Städtchen Fischhausen am Frischen Haff stammend trieb ihn, den jungen Juristen, schon früh die typische Sehnsucht des Ostpreußen ins Reich und in den Süden. Reisen nach Griechenland, Italien, Frankreich, England, Skandinavien gaben ihm die Einsicht, dass eine tiefere Erkenntnis und ein herzlicheres Verständnis des Auslandes die Grundbedingung für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den anderen Nationen ist.

1922 bot sich ihm als Dozent für auslandskundliche Vorlesungen an der Technischen Hochschule Charlottenburg die Gelegenheit, seine reichen Kenntnisse der fremden Kulturen an die jungen Ingenieure weiterzugeben und ihnen so den Weg im Ausland zu erleichtern. Denn seine Überzeugung war es, dass nur wer die Psyche eines fremden Volkes versteht, mit Erfolg bei ihm wirken kann, auf welchem Gebiet es auch sei.

Dass Arnold Federmann über dem Studium der fremden Kulturen nicht die Achtung vor den Leistungen des eigenen Volkes vergaß, dafür zeugt sein Buch „Deutsche Konquistadoren in Südamerika" (Berlin 1936). Auf zeitgenössische Quellen fußend, stellt Arnold Federmann darin die kühnen Züge der Deutschen durch den unerforschten Kontinent dar, unter denen der Zug des Feldhauptmanns Nicolaus Federmann, einem Vorfahren des Autors, einer der kühnsten war, der durch die Liannos von Osten her vordringend als erster Europäer die Cordillieren bezwang. Das 1557 zum ersten Mal gedruckte Tagebuch des Nicolaus Federmann ist dem Buch im Neudruck beigegeben und gibt ein höchst anschauliches, oft auch mit urwüchsigem Humor dargestelltes Bild von den Strapazen und Gefahren solcher frühen Entdeckungszüge.

Außer seinen historischen Arbeiten, die fast vollständig bei seinen Lebzeiten erschienen sind, hinterließ Arnold Federmann noch ein bisher ungedrucktes Werk von ganz besonderem Zauber, das allen Ostpreußen unmittelbar ans Herz greifen wird: das sind seine Kindheitserinnerungen „Ostpreußische Jugend". Arnold Federmann schildert darin seine glückliche Kindheit in Fischhausen, wo er in völliger Freiheit und innigster Naturverbundenheit wie in einem Paradies aufwächst. Er tut das mit solcher Kühnheit und Gestaltungskraft, dass sich die einfache Erzählung wie eine Legende aus einer Urzeit liest, so wenn er die heroischen Sonnenuntergänge am nordischen Meer beschreibt: „wahre Wolkenbrände, als gäbe es einen Weltuntergang" oder wenn er den urweltlichen Gesang der wilden Schwäne zu schildern versucht: „der klingt, als käme er aus einer anderen Welt". Und auch die Menschen der kleinen Stadt, diese bodenständigen Handwerksmeister, werden lebendig gemacht. Es sind Gestalten wie aus Gottfried Kellers Welt: nur dass hinter diesen ostpreußischen Menschen eine Natur von elementarer Größe steht, die in Sturm- und Winternächten zu dämonischer Wildheit aufwächst. Die schönste Ergänzung zu diesen Kindheitserinnerungen bilden dann Arnold Federmanns Gedichte (Privatdruck 1941), in denen er auch der geliebten ostpreußischen Heimat in tiefempfundenen Versen gedenkt.

 

„Süßes väterliches Land

sieh, ich küss den Boden

süßer heimatlicher Strand

mit dem Meeresodem!

 

Geh ich einstmals ein zur Ruh,

lass in Dir mich liegen,

Nächte, Sterne deckt mich zu,  

herrlichste der Wiegen!"

 

Seite 8   Drüben im Osten ...

Weit — drüben im Osten liegt eine Stadt,

in der man die Freude begraben hat

mir und den meinen.

 

Unsere Sehnsucht wandert noch oft

zu ihren Gärten. Und das Herz hofft,

dass Sonne mag scheinen

 

über den Stätten, die wir so geliebt. —

Ob uns der Himmel die Gnade noch gibt,

an lieben Gräbern zu weinen?

 

Aus alten Gräbern drängt neue Kraft,

singt eine Weise. — Wer aber schafft

den Weg zu ihnen?

 

Wir wollten wohl neue Straßen ziehn

und jäten und pflanzen, dass neu erblühn

Blumen über den Steinen

 

dort drüben im Osten in jener Stadt,

aus der uns der Krieg vertrieben hat,

mich und die meinen.

Otto-Maria Kant.

 

Seite 8   Der Maler Arthur Degner

Bild: Der Prophet

Bild: Arthur Degner: Aufsteigender Weg

In dem breiten Strom der deutschen Malerei vor dem ersten Weltkriege traten deutlich zwei große Persönlichkeiten hervor: Corinth und Liebermann. Neue Auseinandersetzungen unternahm seit 1906 eine jüngere Generation, die zu der „Brücke" zusammengeschlossen war, und 1912 erregte Harry Walden durch seine Leistungen großes Aufsehen. Der Naturalismus, das Hauptstilmerkmal des 19. Jahrhunderts, wurde immer mehr verdrängt.

Zu dieser Generation gesellte sich der Ostpreuße Arthur Degner, der 1909 die Akademie in Königsberg verließ und Anschluss an Corinth suchte, der den Impressionismus mit Ausdruckswerten versah, die zum Expressionismus hinüberleiteten. Reich an plastischen und räumlichen Elementen ist Degners „Frauenraub", in dem er der formlosen Materie des Impressionismus feste Begrenztheit im Sinne von Mareées und Hodler entgegensetzt. Eine besondere Klarheit durch die Linienführung zeigen auch seine Radierung von 1913 mit zwei Figuren und „Don Quichote mit Sancho Pansa", obgleich in dem letzteren nicht mehr der strenge Umriss gewahrt ist. Trotz der lebendigen malerischen Detaillierung sind in der „Maskerade" vor einer Fläche die vier Figuren durch den Kontur zusammengefasst. Mit sparsamen Mitteln bringt er 1946 die „Flüchtlinge" zur Darstellung, und eine fast glasfensterartige Wirkung übt seine stark farbige liegende Bäuerin von 1953 aus.

Neben den formalen Problemen beschäftigten Degner frühzeitig auch schon Bildnisauagaben. Eine kräftige Charakterisierung zeigt seine Pinselzeichnung mit zwei Fischertypen. Mit geringer Binnenzeichnung hat er in einem männlichen Bildnis von 1921, einer Radierung, den inneren Ausdruck herausgeholt. Malerisch und stark plastisch wirkt die Lithographie mit dem Bildnis von Max Liebermann. In der Lebendigkeit des Ausdrucks erinnert an Kokoschkas Werke das Bildnis eines Herrn W. Trotz der Behandlung von Licht und Schatten in der Fläche zeigt ein getuschtes männliches Bildnis plastische Werte. Nicht den schönen, sondern den leidenden Menschen brachte er in dem Bildnis des Gottessohnes in dem großen Kreuzigungsaltar zum Ausdruck.

Zu einer künstlerischen Einheit verbinden sich Form und Farbe in seinem Bild „Ansteigender Weg" von 1919. In Flächen aufgebaut ist seine farbige Landschaft von 1945, und in die Tiefe dehnt sich der Raum in seiner „Winterlandschaft“ und „Landschalt mit Bauernhaus". Ein ähnliches Prinzip der Flächengestaltung mit vielfach hochgeschobenem Horizont zeichnet alle seine Landschatten aus.

Hauptsächlich malerische Werte sind seinen Stillleben eigen, und eine kräftige Farbigkeit beherrscht auch sein Stillleben aus dem Jahre 1953.

Arthur Degner war vorübergehend an der Kunstakademie in Königsberg tätig, wurde durch die Verleihung des Dürer- und Villa Romana-Preises ausgezeichnet, wurde 1945 aus Schlesien vertrieben und wirkt heute als Professor an der Abteilung Kunstpädagogik der Hochschule für bildende Künste in Berlin.

Charlotte Steinbrucker

 

Seite 8   Aufruf an alle Ostpreußen!

„Göttinger Arbeitskreis" sammelt Berichte über Hilfe der litauischen Bevölkerung.

 

Göttingen. „Der Göttinger Arbeitskreis" ostdeutscher Wissenschaftler richtet einen Aufruf an die Ostpreußen, Berichte über Taten der Hilfe und Nächstenliebe einzusenden, die von Seiten der litauischen Bevölkerung den nach Litauen geflüchteten Deutschen in der Zeit der großen Hungersnot seit 1945 zuteilwurden. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut:

 

An alle Ostpreußen!

Der Göttinger Arbeitskreis hat bereits einmal die Unterstützung der Heimatvertriebenen erhalten, als er im Jahre 1950 zur Einsendung von Erlebnisberichten aufforderte, in denen Taten selbstloser Hilfe von Ausländern während der Massenaustreibungen geschildert werden sollten. Die zahlreich eingegangenen Berichte ermöglichten die Veröffentlichung des Werkes „Dokumente der Menschlichkeit", das in der Welt Aufsehen und Anteilnahme erweckte und das inzwischen auch in englischer und französischer Sprache vorliegt.

In diesem Werk konnte, seiner besonderen Aufgabenstellung wegen, nur kurz darauf hingewiesen werden, dass viele Ostpreußen während der sowjetischen Besetzung allein durch die selbstlose, ja aufopfernde Hilfe der Litauer vor dem Tode des Verhungerns bewahrt wurden. Den Dank hierfür gilt es heute einem benachbarten und befreundeten Volke gegenüber umso mehr auszusprechen, als es zum Teil mit uns die Heimatlosigkeit teilt, zum Teil in seiner Heimat aber furchtbaren Leiden ausgesetzt ist.

Der Göttinger Arbeitskreis richtet daher in Übereinstimmung mit der Landsmannschaft Ostpreußen an alle Ostpreußen die Bitte, ihm

Berichte einzusenden, in denen geschildert wird, wie Litauer in den Jahren seit 1945 hungernden Deutschen geholfen haben.

Hierbei wird, um den Wert dieser Hilfe und die aus ihr gerade für den Helfer entstehende Gefahr deutlich zu machen, die Lage in Ostpreußen und Litauen kurz zu beschreiben sein. Wir glauben, dass es kaum Schöneres gibt, als dem Helfer in großer Not Dank zu sagen, so lange dieser durch die Tat noch nicht abgestattet werden kann.

Die Berichte werden bis zum 31. Juli 1953 erbeten an: Der Göttinger Arbeitskreis, Göttingen, Sternstraße 2, Gartenhaus.

gez. Dr. Herbert Kraus, Professor der Rechte, Vorsitzender des „Göttinger Arbeitskreises"

 

Seite 8   „Hungernäpfchen"

In Nummer 6 Ihres Blattes ist ein Aufsatz über „Hungernäpfchen" enthalten. Dazu erlaube ich mir Ihnen noch folgendes mitzuteilen:

 „In dem Elbinger Stadtmuseum befand sich ein Ziegelstein'' (mit 5 Näpfen und 1 Rille) von der etwa 1882 abgebrochenen Heiligen-Drei-Königskirche, die aus dem 14. Jahrhundert stammte. In dem „Führer durch die Sammlungen des St. Museums" von 1903 schreibt Professor Dorr: „Die Näpfchen sind halbkugelförmige ausgebohrte Vertiefungen, die an Ziegeln an der Außenseite älterer Kirchen gefunden werden, Rillen sind derartige längliche Vertiefungen. Zweck und Bedeutung dieser Aushöhlungen ist bisher nicht mit Sicherheit erklärt."

In dem Wörterbuch der Kunst, 3. Aufl., Stuttgart 1950 ist folgende Erklärung gegeben:

„Näpfchen, halbkugelförmige Vertiefungen im Mauerwerk von Kirchen neben Portalen, sollen durch Entnahme von Gesteinsstaub entstanden sein, der als Heilmittel gegen Krankheiten eingenommen wurde. Eine ähnliche Entstehungsursache sollen die Schleifrillen haben, die man ebenfalls an Kirchenportalen findet: entstanden durch das Wetzen und damit Weihen von Waffen, bevor man in den Kampf zog." Horst Stobbe, München

 

Seite 8   „Tag der Heimat", herausgegeben von der Deutschen Jugend des Ostens. Preis 1 DM (einschl. Porto) als „Arbeitsbrief", illustrierte Broschüre heimatkundlichen, heimatgeschichtlichen und heimatpolitischen Inhalts als praktische Anregung für die Gestaltung des alljährlichen Tages der Heimat. Eingeleitet mit einer Abhandlung über die Bedeutung dieses Tages enthält das Heft 2 Feiervorschläge, Materialhinweise und Notenabdrucke der bekanntesten ostdeutschen Heimatlieder. Die inhaltliche Gestaltung berücksichtigt die verschiedenen ostdeutschen Landschaften. Besonders für die örtlichen Gruppen und Vereinigungen der Vertriebenen geeignet. Bestellung bei: Deutsche Jugend des Ostens, Bundesleitung Bonn, Heerstraße 15.

 

Seite 9   Aus Guttstadts Geschichte

Foto: Blick auf Guttstadts Domkirche mit Allee

Foto: Schöne Heimat im Bild. Braunsberg die Stadt an der Passarge

Dem Fremden, der früher nach Guttstadt kam, fiel sofort die außerordentlich große Pfarrkirche auf, die, wie fast alle ermländischen Kirchen, im gotischen Backsteinstil gebaut ist. Weithin überragte nämlich die altehrwürdige Domkirche das Stadtbild, das Guttstadt dem Auge des Reisenden von der Eisenbahn her oder dem Besucher beim Betreten der Stadt bot. Diese Kirche, wie sie auch heute noch besteht, übertraf an Größe jede andere des Ermlandes, ausgenommen den Frauenburger Dom. Mit Recht wurde sie darum schon von alters her als Domkirche bezeichnet. Gleichsam wie Küklein um die Henne, so scharten sich die Häuser der Stadt im Alletal um das gewaltige Bauwerk des Domes, als wollten sie hier bei dem höchsten Herrn der Welt Schutz suchen. Die Stadt, die von dem damaligen Bischof Heinrich II. Wogenap die Handfeste ausgefertigt erhielt, ist heute fast 625 Jahre alt.

 

Wie der Deutsche Ritterorden die Besiedelung des eroberten Preußenlandes durch deutsche Einwanderer von Anfang an mit der Anlage von Städten begonnen hatte, so nahmen nach seinem Vorbilde auch Ermlands Bischöfe bei der Systematischen Kolonisation ihres weltlichen Herrschaftsgebietes zunächst die Gründung von Städten in Angriff, die der wirtschaftliche Mittelpunkt des betreffenden Landstriches, der Ausgangspunkt für deutsche Sitte und Kultur und die Zufluchtsstätte in Zeiten der Gefahr sein sollten. So hatte Heinrich I. Fleming, der Lübecker Kaufmannssohn, Braunsberg (1280) und Frauenburg (1287, Handfeste von 1310) angelegt; sein Nachfolger, der aus Schlesien stammende Eberhard von Neiße, hatte Heilsberg (1308) und Wormditt (1312) geschaffen, während das ermländische Domkapitel in seinem weltlichen Herrschaftsgebiet die Stadt Mehlsack (Handfeste von 1312) begründete. Als man dann weiter südlich in dem altpreußischen Bezirk Glottau, wo schon einige wenige Ortschaften bestanden, energisch an die Besiedlung heranging, entstand hier im Tal der Alle, das damals noch mit dichtem Urwald bestanden war, Guttstadt. Schon der Name der Stadt, dessen erste Silbe bestimmt nichts mit den alten Goten und kaum etwas mit dem deutschen Eigenschaftswort „gut“ zu tun hat, sondern wohl von dem altpreußischen gudde, d. i. Busch abzuleiten ist, lehrt uns, dass diese neue Ortschaft mitten in der buschreichen Wildnis begründet worden ist, dort, wo auf eine Alle-Insel seit langer Zeit eine altpreußische Fliehburg bestand. Und das gleiche versinnbildet uns das Wappen der Stadt, das seit alter Zeit im Gebrauch ist: auf grünem Boden schreitet ein roter brauner Hirsch dahin, der im Maul einen grünen Eichenzweig trägt.

Insgesamt umfasste das Landgebiet Guttstadts ursprünglich 113 Hufen. Doch sind im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Änderungen eingetreten. Schon sehr früh hatte der Rat der Stadt 29 Ackerhufen zu einem eigenen Stadtdorf ausgetan, das den Namen „Neuendorf" führte; die Bauern dieser Ortschaft hatten den Grundzins an die Stadt zu zahlen. Bald aber, spätestens im Beginn des 16. Jahrhunderts, kam dies Dorf aus unbekannten Gründen an die Landesherrschaft, während andere Stadtdörfer (wie z. B. Bürgerwalde bei Wormditt) bis in die Neuzeit als solche bestehen geblieben sind. Andererseits erfuhr die Feldmark der Stadt auf dem linken Alle-Ufer gegen Knopen hin eine Erweiterung dadurch, dass hier ein kulmisches Zinsgut mit fast 9 Hufen, das 1336 am Quehlbach begründet, aber in den verheerenden Kriegen des 15. Jahrhunderts wüst geworden war, ihr zugeschlagen wurde. Auch auf dem rechten Alle-Ufer kam ungefähr zur gleichen Zeit, also gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts, das kulmische Gut Nakistern mit 16 Hufen an die Stadtgemeinde. Und schließlich verlieh 1751 Bischof Stanislaus Grabowski der Stadt 1 ½ Waldhufen.

Die Geschichte Guttstadts weist gegenüber den anderen Städten des Fürstbistums kaum etwas Besonderes auf; die Stadt teilte eben die wechselvollen Geschicke des ganzen Ermlandes, das oft von Krieg und Pest, von Feuer und Hungersnot heimgesucht wurde, aber immer wieder zu neuem Leben, zu neuer Blüte emporstieg, dank der warmherzigen Fürsorge seiner Landesherren, der ermländischen Bischöfe, bis dieser mittelalterliche Kleinstaat 1772 seine Selbständigkeit verlor und in das große Staatsgebilde der Hohenzollern aufging. Eins aber hat Guttstadt gegenüber allen anderen Städten des Ermlandes, ja ganz Ostpreußen voraus: hier hatte seit der Mitte des 14. Jahrhunderts das einzige Kollegiatstift des Ordenslandes seinen Sitz. Hier residierte nämlich von 1347 bis 1811 ein zweites Kapitel von Weltgeistlichen neben dem Domkapitel der Kathedrale in Frauenburg. Es nannte sich „Kollegiatstift zum Heiligen Erlöser und allen Heiligen“. Es war aber keine autonome Korporation, mithin bedurften alle wichtigeren Entscheidungen der Bestätigung des Bischofs. Nähere Umstände der Gründung waren nie ganz aufzuhellen, da die Gründungsurkunde nicht erhalten ist. Einen wertvollen Schatz barg das Kollegiatstift in der Bibliothek, die in einem schönen gewölbten Raum an der Vorhalle zur Kirche untergebracht war. Nach Aufzeichnungen aus alter Zeit wusste man, dass auch Napoleon in den schweren Kriegsjahren 1807 und 1808 in dem mit einem reichen Sternengewölbe versehenen Festsaal gespeist hatte.

 

Die Gründungsurkunde

„Im Namen des Herrn. Amen. Kund sei allen, die diese Urkunde einsehen, folgendes: Wir Heinrich, von Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnaden, Bischof von Ermland, halten es gemäß unserer Hirtensorge für unsere Pflicht, die verdienstvollen Arbeiten unserer Kirche zu fördern. Immer sind wir von dem Wunsche beseelt, jenen durch reichliche Hulderweise entgegenzukommen, von denen wir erkannt haben und wissen, dass sie sich in ihren verdienstvollen Arbeiten fördern lassen.

Was nun den Nutzen unserer Kirche anbetrifft, so haben ihn schon die ehrwürdigen Väter, die Herren Bischöfe Eberhard und Jordan, hochseligen Angedenkens, unsere Vorgänger, im Auge gehabt, und zwar Herr Jordan, da er als Propst während der Krankheit des eben erwähnten ehrwürdigen Vaters Eberhard in unserem bischöflichen Lande das Amt eines Statthalters in zeitlichen Dingen inne hatte.

Durch die Bemühungen dieser erwähnten Herren und mit Wunsch und Willen unseres Ermländischen Kapitels war in dem Gebiete unserer Kirche die Ansetzung (Lokation) und Gründung unserer Stadt Guthinstat, die sich schon eines guten Rufes erfreut, in Angriff genommen und unserem getreuen Wilhelm, dem Schulzen von Wormedythin. und seinem wahren Erben und Nachfolgern übertragen worden. Da er aber bis auf unsere Zeiten die landesherrliche Bestätigung über die Ansetzung der genannten Stadt nicht hatte, so habe wir geglaubt, ihm, dem verdienstvollen Manne, das Ansetzungsrecht (Lokationsrecht) über unsere Stadt Guthinstat zu kulmischem Rechte ewig und erblich verleihen zu sollen, wie es schon früher endgültig bestimmt und ausgemacht war.

Wir weisen dieser Stadt Guthinstat und ihren Einwohnern 70 Hufen zu, von denen der genannte Schulz Wilhelm und seine Nachfolger die zehnte Hufe unter dem Titel der Ansetzung zu ewig freiem Besitz erhalten sollen. Der dortigen Pfarrkirche und dem jeweiligen Pfarrer gewähren und schenken wir vier, von jeder Dienstleistung freie Hufen.

Indessen haben die Einwohner und Bürger unserer genannten Stadt schon mehrere zinsfreie Jahre gehabt, und zwar in der Weise, dass sie in einigen Jahren überhaupt frei von der Zinszahlung waren, in andern nur die Hälfte des Zinses zahlten. Da nun die zinsfreien Jahre schon ganz abgelaufen sind, so haben die Bürger von jeder Hufe, ausgenommen die Hufen des Schulzen und des Pfarrers, alljährlich an dem Feste des Heiligen Bischofs Martinus eine halbe Mark gangbarer Münze uns und unsern Nachfolgern im Voraus ohne Widerrede zu zahlen. Insbesondere weisen wir noch den Einwohnern unserer Stadt, welche als Hufenbesitzer angesehen werden, für Gärten und Scheunen eine Freihufe zu. Aus besonderer Gunst, die wir dem genannten Wilhelm entgegenbringen, gewähren wir ihm selbst und seinen rechtmäßigen Nachfolgern zwei weitere Freihufen. Diese begrenzen wir, wie folgt: Sie fangen an außerhalb unseres Roßgartens bei einem festgesetzten Grenzmal neben einer Erle am Allefluss. Von hier geht die Grenze gradlinig zu einer gekennzeichneten Eiche und von dieser zu einem aufgeworfenen Grenzmal neben dem Wege, der nach Warthberg (d. i. Wartenburg) führt. Ausgeschlossen sind die Wiesen an der Alle stromaufwärts. So bleibt ein Acker an jener Stelle der Grenzen gegen die Stadt zu, wo Gärten angelegt werden dürfen. Dem genannten Wilhelm und seinen Nachkommen geben wir ferner eine freie zehn Morgen große Wiese in der Heide am Bache Kyrsin, der, wie bekannt, die Wiese selbst durchfließt.

Damit die Einwohner unserer genannten Stadt umso besser vorwärtskommen und die Stadt durch das wirtschaftliche Fortkommen der Bürger wachse, verleihen wir ihnen in den Wäldern auf jener Seite der Alle gegen die Wildnis hin 40 Hufen zu gemeinsamen Nutzen, frei von jeder Verpflichtung, die uns und den bischöflichen Stuhl betrifft. Die Grenzen sind folgende: Sie fangen an bei den Grenzen des Feldes Prolithin (Prolitten, d. i. Schmolainen und Kossen) gehen die Alle aufwärts bis zu den sprudelnden Quellen, welche in die Alle fließen; von dort geht es zu den Grenzen der Preußen Curncthin, Santhop und Akistyr, endend in der Mitte der erwähnten Felder. Ausgenommen bleiben die Äcker und Wiesen, wenn solche als geeignet für eine neue Siedlung gefunden werden. Das sollen die Grenzen der genannten Siedlung sein.

Außerdem soll der oft genannte Wilhelm und seine Nachfolger in dieser unserer Stadt die Gerichtsbarkeit oder das Schulzenamt besitzen in folgender Weise und zu folgenden Bedingungen: Mit den Ausschreitungen oder Gesetzesübertretungen der Einwohner unserer genannten Stadt und auch der andern auswärtigen Gesetzesübertreter, seien es Deutsche oder Preußen, verhält es sich so: Wenn als solche Gesetzesübertreter auswärtige Preußen bei den Ausschreitungen selbst oder auf der Flucht durch den Schulzen der Stadt ergriffen und festgehalten werden, so sollen von derartigen Ausschreitungen, wie auch immer sie waren, uns und unsere Kirche zwei Teile der Strafgelder, dem Wilhelm und seinen Nachfolgern der dritte Teil zufallen. Wenn aber deutsche Einzöglinge nach begangenen Ausschreitungen entfliehen, so soll von ihrer Bestrafung der genannte Richter den dritten Pfennig erhalten, falls die Sache zur Erledigung kommt. Von den Ausschreitungen, die die Preußen unseres Gebietes untereinander begehen, wo auch immer sie bleiben soll, der oft genannte Wilhelm und seine Nachfolger nicht das geringste Strafgeld bekommen. Wenn aber im Bereiche unseres Gebietes Preußen mit Deutschen oder Deutsche mit Preußen sich verfehlt haben und sie durch den erwähnten Schulzen belangt werden, so soll er hiervon den dritten Teil erhalten; wenn sie aber entflohen sind, soll der Erbrichter keinen Anteil an den Strafgeldern haben.

Die Strafen der kleinen Gerichte aber, die sich auf vier Schilling und darunter belaufen soll, der nämliche Wilhelm und seine Nachfolger aus besonderer Gunst unsererseits ganz für sich behalten.

Wir fügen noch hinzu, dass von jedem Zins, welcher in der Folgezeit in unserer genannten Stadt einkommen wird, wie von den Schlachtungen, den Brotbänken, den Bänken der Schuster und der Krämer, dem Kaufhause, der Badestube und von allem anderen uns und unserer Kirche ein Teil, dem Wilhelm und seinen Nachfolgern der zweite Teil, den Bürgern aber der genannten Stadt der dritte Teil zufließen soll.

Wir bestimmen, dass die Einwohner unserer genannten Stadt zum Zeichen der oberherrlichen Anerkennung uns und unsern Nachfolgern an jedem Feste des heiligen Martinus von jedem ganzen Hause sechs Pfennige zahlen soll.

Überdies erlauben wir, dass der vorgenannte Wilhelm und seine Nachfolger innerhalb der Stadtgrenzen den Vogelfang und die Jagd auf das kleine Wild wie Hase und Wolf ausüben dürfen. Aus besonderer Gnade gestatten wir, dass der Schutz und seine Nachfolger sowie die Einwohner der Stadt im Alle-Fluss fischen dürfen, jedoch nur für eigenen Bedarf und mit kleinem Gezeuge.

Endlich behalten wir uns und unserer Kirche innerhalb der Stadtgrenzen vor: die Mühlen und deren Gelände, die Erträgnisse der Erde, z. B. Erz, oder wie immer sie heißen mögen, mit Ausnahme der Früchte des Ackerbaus oder was sonst dem gemeinen Nutzen dient.

Und damit, dass oben gesagte im Ganzen, wie in den einzelnen Teilen immerwährende Rechtskraft habe, bestätigen wir es nunmehr kraft unserer ordentlichen Amtsgewalt. Zum Zeichen dessen sind unser und unseres Kapitels Siegel angehängt worden. Anwesend sind hierbei gewesen: die ehrbaren und frommen Männer und Brüder Friedrich von Liebenzelle und sein Gehilfe Johannes von Rynkenburg, unsere Vasallen Konrad Wendepfaffe, Nikolaus und Alexander, die Söhne des Ritters Alexander, Johannes Dobrin, unser Wormditter Bürger, Konrad von Welin, unser Notar Johannes und viele andere.

Gegeben in unserer Frauen Burg bei unserer Kathedralkirche am Tage des hl. Erzmartyrers Stephanus im tausenddreihundertdreißigsten Jahre des Herrn (d. i. 26. Dez. 132? (letzte Zahl unlesbar, daher ?) (Das Original, lein säuberlich auf Pergament geschrieben, war bis zur Flucht im Stadtarchiv aufbewahrt worden.)

 

Seite 10   Königsberg: Mittelpunkt der Deutschen Kulturleistung in Nordosten. Dr. Ewin Nadolny

Nicht weniger lebhaft und wiederum unter der Förderung des Herzogs entwickelte sich das Musikleben Königsbergs, ja, es gewann im weiten Ostseeraum bald eine führende Stellung, Am herzoglichen Hof wirkten die aus Augsburg kommenden Liederdichter und Komponisten Paul und Hans Kugelmann und der Kantor und Kapellmeister Urban Sörmer.

Mit Recht hat Alfred Rohde, der letzte Direktor der städtischen Kunstsammlung Königsberg darauf hingewiesen, dass Königsberg eine „Albrechtsstadt" war.

In der Architektur und bildenden Kunst ist immer wieder die Beeinflussung durch das Altreich — so durch Blasius Berward aus Stuttgart und durch Lud. Schultheiß von Unfriedt aus brandenburgischem Lande — dann durch die Niederlande — genannt seien Wilhelm und Abraham von dem Block — spürbar. Aber aus Königsberg und dem Preußenlande selbst kommen schon neue Kräfte, die ihren Beitrag am europäischen Kulturleben leisten.

Ihnen voran steht der im Jahre 1560 in Königsberg geborene Anton Möller. Er stellte sich sehr früh in Opposition zu der „in dürftigen Talenten fortvegetierenden Cranachschule" in Ostpreußen und gewann nach niederländischen Anregungen und nach seiner zweijährigen Italienreise zwar nicht in Königsberg, so doch aber in Danzig ein dankbares Schaffensgebiet. Seine nie den strengen nordischen Geist aufgebende Malerei wirkte noch auf den im Jahre 1630 in Königsberg geborenen Michael Willmann, der sich nicht dem Einfluss der Möllerschen Typen und Motive zu entziehen vermochte. Gilt Anton Möller als das erste große Malertalent in dem Dreigestirn, das über ostpreußischen Boden aufging, so ist mit Michael Willmann der zweite Künstler genannt worden. Seine 1945 gerettete „Apothese auf den Großen Kurfürsten" zeigt ihn als einen hervorragenden Hofmaler seiner Zeit, aber seine überragende Bedeutung liegt in der Schaffung der Wandgemälde des Klosters Leubus in Schlesien, das ihm zweite Heimat wurde. Die Jahrhunderte überspringend sei hier der Name des dritten Malertalents Ostpreußens eingefügt: Lovis Corinth. Er ist 1858 in Tapiau am Pregel geboren, aber Königsberg hat ihn während seiner Akademiejahre von 1876 bis 1880 und dann noch einmal nach der Rückkehr aus Paris 1887 bis 1891 entscheidend beeinflusst. Corinth selbst nannte die Akademiejahre stets die schönsten seiner Jugend, während ihm sein zweiter Königsberger Aufenthalt als Zeitpunkt der Ruhe und Sammlung und zugleich des Aufbruchs in eine bewegte und gewaltige Zukunft in Erinnerung blieb.

Auch das Werk der Königsberger Graphikerin und Plastikerin Käthe Kollwitz ist durch ihre Heimatstadt frühzeitig festgelegt worden. Der Vater, das Referendarexamen der Jurisprudenz in der Tasche, wird Maurermeister und Prediger der freireligiösen Gemeinde. So gewinnt Käthe schon als Malschülerin jene soziale Schau, die künftig Herbheit und Güte in ihrem Werk bestimmen. Die Darstellung der Armen und Hungernden, der Frierenden und Entrechteten, wird von ihr in die Sphäre des religiösen Mitleids und der ethischen Anklage gehoben.

Wie Magneten zogen die Königsberger Universität und die Akademie der bildenden Künste die geistigen und musischen Kräfte des Preußenlandes an sich. Beide Kulturstätten standen unter den beständig befruchtenden Kräften des Geistes und der Kunst aus dem Reich. Nur flüchtig kann ihre Bedeutung als Hintergrund der Rolle Königsbergs im geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Leben gestreift werden. Schon längst ist das Wort vom westöstlichen Kulturgefälle entwertet worden. Während der Sturm des Dreißigjährigen Krieges Westdeutschland durchraste, vermochte der Osten in langen Friedensjahren aufzuholen und im 18. Jahrhundert bereits mit großen, geistigen Leistungen hervorzutreten.

Der 1730 in der jungen und glanzvollen Krönungsstadt der preußischen Könige geborene Johann Georg Hamann gewann mit seiner Glaubensphilosophie den Ruf eines „Magus im Norden". Dass er später in Düsseldorf und in Münster im Kreise der Fürstin Gallitzin lebte, mag als ein erstes Rückstrahlen aus dem Osten nach dem Westen angesehen werden. Mit seiner Gefühlsphilosophie und dem Wort, dass die „Dichtung die Muttersprache des Menschengeschlechtes" sei, beeinflusste er in Königsberg den jungen Johann Gottfried Herder aus Mohrungen. Er wies ihm den Weg, den Herder mit seiner „Idee zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" und mit seinem Kampf um das Verständnis der nationalen Kulturen, der Sprache und Dichtung der Völker beschritt.

Mit Immanuel Kant aber hat ein Königsberger, der nie seine Heimatstadt verlassen hat, Weltbedeutung gewonnen. Der als Sohn eines Sattlers 1724 geborene Immanuel entstammte einer deutsch-blütigen Familie aus Memel. die kurisches, vielleicht sogar litauisches Blut in sich aufgenommen hatte. Prof. Hans Mortensen hat damit die Vermutung von der schottischen Abstammung der Familie Kant aufgehoben. Kants Philosophie, seine Kritik der reinen Vernunft wurde für das Geistesleben der gesamten Welt von ungeheurer Bedeutung. Das Wort vom „bestirnten Himmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir und dem moralischen Gesetz in mir“ wurde als kategorischer Imperativ zur Richtschnur preußischen Pflichtbewusstseins. Der Geist dieses Königsberger Philosophen, der die Haltung des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts beherrschte, konnte keine bessere Anerkennung finden als in dem Ausspruch Goethes: „Kant hat das unsterbliche Verdienst, uns von der Weichlichkeit, in die wir versunken waren, zurückgebracht zu haben.

In diesem Ideal lebte der aus Schreitlauken stammende erste Oberpräsident der Provinzen Ost- und Westpreußen, Theodor von Schön, ein Freund Eichendorffs und Adolph Menzels. Seine Wirkungsstätte Königsberg hat ihm in kultureller Hinsicht viel zu verdanken Aber auch der Politiker Eduard Simson, der Präsident der Frankfurter Nationalversammlung von 1848 und schließlich Otto Braun, der von 1920 bis 1925 Preußischer Ministerpräsident war, sind Söhne dieser Stadt und lebten — wenn auch unter veränderten Voraussetzungen — in jenem Geiste Kantischer Prägung.

Nur kurz sei noch Königsbergs Rolle in der deutschen Dichtkunst gestreift. Dem Königsberger Dichterkreis des Barocks entstammt der Memeler Simon Dach, der als Professor der Poesie an der Universität wirkte. Seine schlichte Lyrik hat ihn volkstümlich gemacht. Anders war es mit Johann Christoph Gottsched, dessen Werk ihn mehr als Gelehrten denn als Dichter charakterisiert. Aber mit dem Genie Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der als Dichter, Maler, Komponist und Musiker wirkte, stellt Königsberg einen seiner besten musischen Söhne im Zeitalter der Romantik. Nicht vergessen werden darf die „Droste des Ostens", Agnes MiegeI, die mit ihren Balladen und mit ihrer Lyrik wie kaum ein anderer ostpreußischer Dichter ihr Heimatland und ihre Heimatstadt Königsberg berühmt gemacht hat. Ihr und ihrem Werk gehört nicht nur das Herz der Ostpreußen, sondern die Liebe des deutschen Volkes.

Hier wären noch viele Söhne jener einst so stolzen und kulturell so aufgeschlossenen Stadt am Pregelstrom zu nennen. In die Ehrenhalle der großen Naturwissenschaftler sind die Geographen Siegfried Passarge und Erich von Drygalski, der Physiker Gustav Kirchhoff und der Chemiker und Nobelpreisträger Otto Wallach eingegangen. Unter ??aliens Jüngern steht Adalbert Matkowsky unter den Großen der Schauspielkunst. Und Otto Nicolai, Heinrich Albert, Joh. Fr. Reichardt, schließlich Heinrich Ludwig Dorn und Otto Besch sind Namen, die dem Musikfreunde unvergesslich sein werden.

Aus allem, was mit schnellen, flüchtigen Strichen hier umrissen wurde, lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassend wiederholen: Das deutsche Volk — und mit ihm Europa — erschloss und kultivierte in langer, mühseliger Arbeit eine Wildnis. Nach Jahrhunderten der Aussaat konnte Deutschland, ja Europa und die Welt die Früchte ernten, die dort eingebracht wurden. Der Anteil der Stadt Königsberg an der Erschließung dieses Landes im Nordosten und an der Ernte kennzeichnet ihre Bedeutung im gesamten deutschen, ja europäischen Kulturleben.

 

Seite 10  Das ostpreußische Element in Wirtschaft und Kultur in USA

Die Sesshaftigkeit und Heimatverbundenheit der ostpreußischen Menschen ist die Veranlassung, dass die Zuwanderung von Angehörigen dieses Volksstammes in die Vereinigten Staaten von Amerika im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahrhunderte fast niemals in größeren Gruppen, sondern durch einzelne Familien zumeist mit ganz bestimmten Aufgabenzielen erfolgte. Man stellt die ersten Niederlassungen ostpreußischer Familien im Gebiet der sogenannten 13-Urstaaten der Union in der Umgebung von Philadelphia fest, wo auch heute noch die Mehrzahl der ostpreußischen Nachkömmlinge ihren Wohnsitz hat. Weil aber die Mehrzahl der ostpreußischen Zuwanderer zumindest bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Staaten mit den Aufgaben der Landeserschließung, der Pferdezucht und der Viehhaltung berufen wurde, ist auch eine nennenswerte Verbreitung dieser ostpreußischen Zuwanderer in den Mittelweststaaten zu beobachten, wo diese Familien heute noch vielfach große Pferdezuchtcamps unterhalten und auf weitgedehnten Farmen eine vorbildliche Aufbauarbeit auch im modernsten Sektor der amerikanischen Agrartechnik leisten.

Man darf die Zahl der aus Ostpreußen-Familien stammenden heute lebenden Amerikaner auf einige 185 000 Menschen schätzen. Fast alle aber nehmen solche Positionen ein, von denen aus sie als höchst loyale Bürger ihrer überseeischen Siedlungsgebiete einflussreiche Arbeit leisten können. So sind auch viele der ersten Nachfahren der ostpreußischen Amerikawanderer bereits vor rund 100 Jahren in die agrarische Forschung gegangen, sie haben aber auch im Sektor der Chicago-Fahrzeuge-Industrie und in Detroits Automobilfabrikation sichtbaren Einfluss seit den ersten Jahren der Errichtung etwa der Ford - Landkraftwagenbau - Association, der Michigan-Tractors-Organisationen und der nordwestlichen Industrieanlagen für den landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugbau genommen. Viele dieser heute in Konzernen zusammen arbeitenden Industriewerke für agrarische Technik und Chemie wurden von ostpreußischen Amerika-Bürgern begründet, die Urenkel arbeiten an leitenden Stellen dort noch heute mit Auszeichnung.

So nimmt es denn auch nicht Wunder, wenn besonders in den Südweststaaten der Union und in Mittelwest Nachfahren der ostpreußischen Zuwanderer vielfach an rechtlich verantwortlicher Stelle stehen. Zahlreiche Schiedsleute in Farm- und Viehzuchtgebieten, aber auch die Sheriffs der westlichen Staaten Washington, California und selbst im nördlichen Texas können ihre ostpreußischen Vorfahren mit einigem Stolz als die ersten Besiedler von damals (meistens um 1820 herum) noch vollkommen verkehrsabgeschlossenen und unsicheren Territorien nachweisen, und sie tun das auch.

Hier gleich kann es gesagt werden, dass die ostpreußische Zuwanderung eine solche transozeanische Volksgruppe in die Staaten brachte, die es in angemessener und kaum jemals aufdringlicher, Weise verstanden hat, die Vorzüge ihrer heimatlichen Volkseigenarten, ihrer Leistungsfähigkeiten und ihrer besonderen Eignungen zu verbinden mit dem Blick für die tatsächlichen Erfordernisse einer auf vollkommen neuen und neuartigen Grundlagen aufgebauten Arbeit am Platz der Unions-Siedlung. Es ist bezeichnend, dass gerade die ostpreußischen Bürger der USA zu jenen Familien zählen, deren alter Besitz, der meistens zwischen 1790 und 1860 erworben wurde, immer noch ungeschmälert in den Händen der heute lebenden Nachfahren geblieben ist. Diese Volksgruppe aus dem deutschen Osten hat eigentlich als eine der ersten Zuwandererstämme Beständigkeit und Festigkeit mitgebracht; denn man darf nicht darüber wegsehen, dass andere Zuwandererstämme, etwa Italiener und Griechen, keineswegs jene beharrliche Anhänglichkeit an zuerst gewählte Ausgangspunkte ihrer neuen Betätigungsgebiete gezeigt haben.

 

Es war also auch nichts natürlicher, dass diese ostpreußische Siedlungsgruppe eine Arbeit auf Zukunftserfolg einleitete, was ebenfalls für die typischen Entwicklungsvorgänge der Union im vergangenen Jahrhundert etwas Unerhörtes war, überwog doch hier stark der Drang, durch Bodenspekulation schneller reich zu werden, als durch Bodenerschließung, durch Handel mit Vieh und Getreide sensationelle Konjunkturgewinne zu machen, als Getreide zu bauen und Vieh sachverständig zu züchten. Auch heutige, sehr hochstehende politische Kreise erklären uns unumwunden, dass insbesondere die hervorragende Pferdezucht der Südoststaaten, etwa in Lousiana und Georgia, ein Produkt der zähen und festhaltenden Arbeit der ostpreußischen Nachfahren in diesen US-Gebieten darstelle. In der Tat ist Art und Entwicklung der Pferdezucht zumindest in Ost-USA sehr deutlich als Methode der ostpreußischen Pferdezucht-Wirtschaft zu erkennen, die Zuchtstammbücher dieser Camps weisen auch stark die Zufuhr ostpreußischen Blutes für den Aufbau dieser Pferdezucht nach. Die Ostpreußen in Amerika bildeten damit eine erste Brücke in ihre Heimat, und viele andere Ostpreußen sind, — selbst mit den erschwerenden Zuwanderungsbestimmungen der Jahre 1945, durch Zuweisung ganz bestimmter Leistungsaufgaben drüben von ihren früheren ostdeutschen Landsleuten bzw. deren Nachkommen nach drüben geholt worden.

Diese eben erwähnte Brücke zu ihrer ostpreußischen wie überhaupt zu ihrer deutschen Heimat wird von der ostpreußischen Zuwandererbevölkerung und ihren Nachfahren auch in kultureller Hinsicht deutlich gehalten und erweitert. Wir konnten weiter oben bereits sagen, dass diese ostpreußische Zuwandererbevölkerung schnell erkannt hatte, dass sie keineswegs mit ewig sentimentalen Erinnerungen oder einer sturen Übertragung ihrer heimatlichen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten wirklich ihre weitgehenden Zuwandereraufgaben erfüllen könnte. Das war der Anlass,

dass die Interessen der neuen Heimat von diesen ostpreußischen Menschen auch mit Sicherheit und Anpassungsfähigkeit erkannt und eingehalten werden. Man hat in zwei Weltkriegen die Loyalität der ostpreußischen deutschen Bürgergruppe in den Staaten durchaus feststellen und anerkennen können was aber nicht hindert, dass diese Menschen auch alles getan haben, um Unterstützung, Hilfe und Fürsprache für ihre früheren deutschen Landsleute einzulegen, wo sie nur konnten.

Gerade die ostpreußische deutsche Bürgergruppe der Union hat durch die Gründung und Erhaltung von deutschen Sängergruppen, Frauenchören, Lese- und Bildungsinstituten auf ostpreußischer Entwicklungsgrundlage, auf dem Gebiet der deutschsprachigen Zeitungen und „Periodicals" mit aufklärenden Beilagen in englischer Sprache für die Erweckung des Verständnisses für Deutschland in USA sehr viel getan und zwar das alles mit eigenen Mitteln. Hier soll erwähnt werden, dass schon um die Jahrhundertwende der sonst gar nicht so deutschfreundliche Staatssekretär für das Steuerwesen Albert Jerome Morrison, sagte: — „Dass unsere Forderungen billig und leicht zu erfüllen sind, sollten sich unsere ältesten englischen Volkgruppen daran merken, dass anderer Zuwandererverbände in der Union, nehmen wir an ihrer Spitze die früher ostpreußische Sektion, mit Eile und Bereitwilligkeit diese neuen Verpflichtungen erfüllt haben."

Der ostpreußische Bürger im Auslande hat, wie hier in der Union überhaupt immer „dem Kaiser gegeben, was des Kaisers ist". Das hat auch die Beliebtheit dieser Volksgruppen in der Union geweckt und erhalten, es kann gesagt werden, dass man in kulturkontrollierenden Kreisen in Washington (DC.) längst weiß, dass die innige Vereinigung dieser ostpreußischen Abkömmlinge mit den nachbarlichen Fremdstämmen sehr haltbar und tragend für die amerikanische Wirtschaft und Kultur überhaupt sind. Man weiß dort, dass keineswegs alle anderen Stämme, aus denen zahlreiche Siedler kamen und kommen, sich so reibungslos in das Gesamtleben des amerikanischen Volkes eingefügt haben, wie diese aus dem Osten Deutschlands gekommenen Menschen. Ostdeutsche Gastfreundschaft, Hotels und Gaststätten bewiesen das besonders in Südost und Mittelwest der Staaten, Vereins- und Sportwesen, Familienbande von Kontinent-umspannender Weite und außerdem Garantien dafür, dass diese Ostpreußen in Amerika niemals ihre kulturellen Gaben aus alter Abstammungszeit verleugnen werden und das auch gar nicht können, wie sie aber auf der anderen Seite alles tun, um in ihrer neuen Heimat den Aufbau und die Zielsetzung der USA-Weltpolitik solange zu fördern, wie der gute, der menschenrettende und der aufbauende Sinn einer solchen Weltpolitik der heutigen Vereinigten Staaten deutlich erkennbar ist. Damit sind diese Ostpreußen in USA die tragfeste Brücke zwischen unserem alten Europa und dem jungen Amerika.

Dr. Herbert Schmidt-Lamberg

 

Seite 10   Neuer Ostpreußen-Pfarrer im Amt

In der überfüllten Notkirche an der Fischerstraße wurde in Duisburg als dritter Seelsorger der evangelischen Pfarrgemeinde Wanheimerort Pfarrer Karl-Heinz Schulzke durch Superintendent Vetter in feierlicher Weise eingeführt. Der 43-jährige neue Pfarrer stammt aus Ostpreußen und hat eine harte Lebensschule hinter sich. Seine ersten Gemeinden in Ost- und Westpreußen fielen dem Krieg zum Opfer, und auch seine nicht leichte Aufgabe als Wehrmacht-Geistlicher nahm ein vorzeitiges Ende. Mit Pastor Schulzke ist der neunte evangelische Vertriebenen-Pfarrer in Groß-Duisburg im Amt, nachdem im Ortsteil Marxloh vor Jahresfrist erst Pastor Rehberg aus Tilsit eine Planstelle übernommen hat.

 

Seite 10   Agnes-Miegel-Schule in Duisburg

Die Namen der beiden großen deutsches Dichterinnen Agnes Miegel und Annette von Droste-Hülshoff werden künftig die beiden Duisburger Mädchen-Realschulen tragen, die nach der Teilung der bisherigen Mädchen-Realschule entstanden sind. Der Rat der Stadt und der Regierungspräsident in Düsseldorf haben bereits ihre Genehmigung dazu erteilt. Die offizielle Namensverleihung wurde am 24. Juni in einer Feierstunde in der Schule an der Nahestraße vollzogen. — Duisburg besitzt bereits eine Käthe-Kollwitz - Schule.

 

Seite 10   Die Königsberger - ein Sonderfall

Kiel. Auf Grund des Ostsparergesetzes sind in Kiel 25 000 Anträge auf Währungsausgleich gestellt worden. 17 000 Anträge im Wert von 50 Millionen Reichsmark sind bereits von den Geldinstituten an das Ausgleichsamt weitergereicht worden, restliche 8000 werden von ihnen noch bearbeitet. Einen Sonderfall unter den Ostsparern stellen die Königsberger dar. Die Stadtsparkasse war die einzige, die die Sparbücher aus besonderen Sicherheitsgründen für den Fall des Verlustes nicht auf den Namen des Besitzers, sondern auf eine Nummer ausstellte. Diese Maßnahme wirkt sich nunmehr gegen die Sparer aus, da sie nicht beweisen können, dass die Kontonummer auf sie ausgeschrieben wurde. Wohl stellte die Königsberger Sparkasse auf Wunsch zum Schluss noch Namensbescheinigungen aus aber zwei Drittel davon sind während der Flucht wieder verlorengegangen. Eine Bundesentscheidung zu dieser Frage soll herbeigeführt werden.

 

Seite 10   Wir gratulieren

Zum 75. Geburtstag am 30. Juni 1953 Frau Margarete Taudien, geb. Asquith, aus Tilsit, Hohestr. 16, jetzt Itzehoe/Holstein, Liethberg 42, wo sie in alter Munterkeit und Frische bei ihrem Schwiegerson Erich und Tochter Erna Taudien lebt.

 

Seite 10   Was häd de Mertineitsche?

Wet se, Schwester Robeleitsche,

gistern bi de Mertineitsche?

Und da war de Abromeitsche,

Biebeweitsche, Buttgereitsche,

Christopeitsche, Danieleitsche,

Ehrenteilsche, Grigoleitsche,

Mischeweitsche, Kennigkeitsche,

Kämereitsche, Josupeitsche,

Skribuleitsche, Schneidereitsche,

und de schwarte Jodeleitsche;

wet se, und de Mertineitsche

ingesäpe, und wat seit se?

Up de Jodeleitsche geit se,

möt dem strompjen Bessen schleit se,

bet den Schandar kummt und leit se,

in den Kalus; em Torkles geit se,

hinnerdrin de Abromeitsche,

Bibereitsche, Buttgereitsche,

un de schwarte Jodeleitsche,

Wet se, Schwester Robeleitsche,

was häd da de Mertineitsche? —

Schand hat da de Mertineitsche!

(Ostpr. Spottreim von A. Horn.)

 

Seite 11   Sommer im Bernsteinland. Von Alexis. 2. Fortsetzung.

Foto: “Wir haben das Korn geschnitten …“ Aufn.: Wiemers

Foto: Doppelkiefer bei Elendskrug. Aufn.: Scheffel

2 Fotos: Landstraße bei Wiekau – In der Nähe von Trankwitz. Rechts der umbuschte Landgraben

Ist der Bergrücken nach Westen durchlaufen und die Umwandlung, ein Rest seiner Befestigung in heidnischer Zeit, überwunden, freut man sich, wieder im Wald zu sein — fern von Turm und Kreuz und dem Pathos des alten Scheffner. Den alten Göttern gehört der Berg; nirgends anders als hier ist die Wohnung des Frühlingsgottes; hier in diesem durchsonnten Dickicht auf den südlichen Hängen, wo, wie einige vermuten, kellerkundige Mönche im Mittelalter Reben bauten, bis der grimmige Winter des 1432sten Jahres den ganzen Weinbau in Preußen vernichtete und den Boden der heimischen Pflanzenwelt zurückeroberte. Noch immer empfinden wir Ehrfurcht und Scheu vor den Geheimnissen um diese Stätten, die tausend Jahre überdauert haben.

Die Sage meldet, dass der Tempel Ligos für immer zerfiel, als sich ein samländischer Edler erkühnte, eine keusche Vestalin vom Altar des Gottes zu rauben. Dennoch glauben wir, dass Ligo die Liebe als solche duldet — er hat uns immer begünstigt. Weniger gut scheint er auf die Vertreter der Geschäftswelt unserer Zeit zu sprechen sein. Einem Kaufmann aus Königsberg, so lasen wir wenigstens, der hier ganz harmlos in den Heidelbeeren lag und den Kurszettel studierte, schickte er eine Kreuzotter, die ihn ins Bein biss.

Zweifler behaupten, Ligo sei die Erfindung eines Scholastengehirns in Anlehnung an römische Vorbilder. Sollte dies stimmen, was wir nicht glauben wollen, muss der Gott mit Merkur verfeindet gewesen sein.

Viele Male sind wir rings um die Alk gewandert und haben sie nach allen Richtungen hin durchmessen, bis es uns schwer fiel, einen neuen Weg zu entdecken. Dabei stellten wir fest, dass die sanfte Hügelkette den Namen Gebirge gar nicht zu Unrecht trägt, wenn man sich mitten darin befindet. Hier wirken die Tälchen und Schluchten, die Hänge und Kuppen zum mindesten wie ein Gebirge im Kleinen.

Sehr abwechslungsreich ist das Gebiet gestaltet. Mooriges Gelände wechselt mit Laub- und Nadelwald. Dünenartige Gebilde tragen nur kümmerliche Vegetation. Zwischen Wacholder und Ginsterbüschen weiden Ziegen. Ein spärliches Roggenfeld sprießt auf einem rundlichen Sandberg wie Haar auf einem Schädel, der zur Glatze vorausbestimmt ist.

Landwege mit Birken leiten zu den benachbarten Dörfern: da ist der Kirchturm von Cumehnen, dort die Linkenmühle bei Wernershof. Gut Kind hat viele Namen. Manche sprechen von der samländischen Schweiz. Alles in allem: die Alk ist reizend und, was uns besonders freut, eine typisch deutsche Landschaft. Die skandinavischen Eindringlinge, die sich hier dem Höhenzug von Medenau folgend, unter die Preußen setzten, hatten keinen schlechten Geschmack. Oder war es der heimatliche Boden, vom Eis in nordischen Gebirgen geschürft, der sie zum Siedeln verlockte?

Manche Superlative sind für die Alk gebraucht und manche mehr oder weniger treffende Vergleiche gezogen worden. Dass Passarge in seinem Wanderbuch von einem Omphalos spricht, mag noch hingehn. Wenn aber Lautensack in der „Samländischen Ode den Galtgarben als Schamhügel des Samlands preist, müssen wir im Namen aller Ostpreußen Widerspruch erheben.

Als wir den Berg zum ersten Mal erstiegen hatten, beschlossen wir, möglichst viel über ihn in Erfahrung zu bringen. Dabei erschien es uns selbst zweifelhaft, dass wir von den Besitzern der umliegenden Höfe etwas herausbekommen würden. Wie überall pflegt man sich um das am wenigsten zu kümmern, was einem allgegenwärtig ist. Zudem haben leider die kleineren Anwesen, die einstmals den Gefolgsmannen des Ordens „zu tun einen tüchtigen Dienst mit Hengst und Harniscn verliehen worden waren, sehr häufig den Eigentümer gewechselt.

Die wenigen Tatsachen sind mit dürren Worten gesagt. In der Vorzeit diente der Berg als Wehranlage, aus der die Besatzung über Land und Haff weit sichtbare Feuersignale geben konnte. Eine Reihe von größeren Erdarbeiten ist dabei vorgenommen worden, so dass man später zu der Annahme neigte, dass der Berg „zum Teil geschüttet" sei.

In der Ordenszeit hat der Gallgarben — damals nach dem umliegenden Rinauer Gebiet Mons Rinow genannt—eine Burg (arx) getragen. Die Grenzen dieser Landschaft sind ebenso wenig festgelegt, wie der Standpunkt der Burg selbst, deren bloße Existenz urkundlich erwähnt wird. Bereits 1399 ist sie nicht mehr vorhanden gewesen. Jedenfalls scheint die Erinnerung an sie nach 150 Jahren schon vollkommen erloschen. Hierfür legt wiederum eine Urkunde von 1539 Zeugnis ab, die noch von der Möglichkeit spricht, dass auf dem Berg einmal ein Schloss gestanden habe.

Auch von einer Kapelle (templum), die, wie die Geschichtsschreiber erzählen, zum Schloss gehört haben soll und deren Steine, wie es heißt, später zum Bau der Cumehner Kirche verwendet wurden, ist nichts Näheres bekannt. Der Bau des Bismarckturms hat nichts zutage gefördert und die Rätsel werden ungelöst bleiben.

Könnten wir den Schleier lüften, wären wir sicher enttäuscht. Vielleicht war das Schloss auf dem Galtgarben ein Blockhaus, errichtet inmitten der Wälle des überwundenen Feindes, während das größere Hakelwerk (suburbium) zu seinen Füßen lag, dort, wo sich heute das Gasthaus befindet. Vielleicht stand dort auch die Kapelle, oder, weiterhin sichtbar, auf den Hügeln in der Nähe des Gutes Dallwehnen, so dass man sie, wie dies selbst bei kostbareren Baudenkmälern allzu häufig geschah, bequem als Steinbruch benutzen konnte, als sie baufällig wurde. Auf einem Lageplan des Gutes von 1626 ist hier an überragender Stelle eine „Kaltegarbische Wachtbudt" mit einem Ziehbrunnen eingezeichnet, was zu der Vermutung Anlass gibt, dass dieser Platz auch schon früher bebaut gewesen sein kann.

Die alten Quellen fließen nur spärlich und auf die Chronisten ist wenig Verlass. Einer hat vom anderen abgeschrieben; ein Verfahren, ohne das es auch heute noch nicht geht.

Wie aus einem Heldenepos vernehmen wir durch den Mund Simon Grunaus die Worte des Pruzzen Waiderwut an seinen Sohn Samo:

Und du solt Herre sein übers landt von Crono und Hailibo (kurisches und frisches Haff) bis auf Skara die Wasser (Pregel) und dieser nahm es mit der Zeit ein, und is wardt Samlandt von ihm genannt und er baute ihm auff einem mechtigen Sandtberg, der am meisten teil geschüttet wart, eine feste und nante ihn Gayltegarwo.

Während das schöne Märchen vom Frühlings- und Freudengott Ligo von Rhesa, dem trefflichen Dolmetscher litauischer Texte, erzählt wird, kehrt die Geschichte von Waidewut und Samo immer wieder. Ausführlich finden wir sie in der 1595 im Druck erschienenen „Erclerung der Preußischen Landtafel" des Pfarrers, Geschichtsschreibers und Geographen Caspar Hennenberger, der, wie er selbst in seiner Vorrede sagt, aus verschiedenen Autores, insbesondere Petrus Dusburg, colligiert hat.

Nach ihm bringt es Caspar Stein in seinem Bericht über die Merkwürdigkeiten des Landes Preußen. J. A. von Brand, der seine Reisen durch Brandenburg, Preußen, Chur- und Liefland herausgab, hat die gleiche Geschichte 1674 unzweifelhaft auf dem Land durch Hörensagen erfahren. Ein weniger sachlich behandelt Pisanski die Angelegenheit in seiner „Commentatio geographica de montibus Prussiae notabilioribus“, die 1769 in Königsberg erschien.

Von nun ab wird das Schrifttum häufiger und ausführlicher, indem nicht nur Sage und Geschichte, fsondern auch Topographie und Naturkunde in den Kreis der Betrachtungen mit einbezogen werden.

 

Friedrich Samuel Bock, einer der liebenswürdigsten und fleißigsten Schriftsteller Königsbergs im 18. Jahrhundert lässt sich 1782 in seinem fünfbändigen „Versuch einer wirtschaftlichen Naturgeschichte Ost- und Westpreußens" über den Galtgarben aus, der, wie er angibt, „nicht zu einer Strecke von Gebürgen gehöret, sondern sich einzeln befindet." Dieser kleine Lapsus wird ihm von seinem Amtskollegen Wald, der im Preußischen Archiv 1794 einen Aufsatz über den Galtgarben verfasste, schwer angekreidet. Auch einige andere Fehler in den Beobachtungen Bocks werden von Wald nicht gerade sehr taktvoll gerügt, wiewohl er nach seinen Worten „keinen Gefallen am Streit findet". Dabei ist er selbst von Irrtümern befangen. So glaubte er, um nur ein Beispiel anzuführen, an die Fabel eines unterirdischen Gangs vom Rinauer Schloss bis Medenau, was selbst für heutige Verhältnisse bei rund sieben Kilometer Luftlinie eine ganz hübsche Minierarbeit wäre.

Noch ein dritter Herr von der Geistlichkeit, der Oberlehrer Gerber, nachmals Pfarrer zu Wargen, hat gleichzeitig mit Wald einen deutschen Aufsatz über den Galtgarben zu Papier gebracht. Der Verfasser bemerkt eingangs in einer Fußnote, dass seiner Beschreibung noch unaussprechlich viel zur ästhetischen Vollendung fehle. An diesem Werturteil hat der Gottesmann wohl selbst am wenigsten geglaubt, sonst hätte er zum mindesten unterlassen, nicht weniger als zwölf Gedichte hereinzupacken. Da uns die Schilderung, die ebenfalls im Preußischen Archiv abgedruckt wurde, als Zeugnis für das Naturgefühl zu Ende des 18. Jahrhunderts wertvoll erscheint, lesen wir mit Vergnügen:

 

I.

Mahlerische Beschreibung einer Reise in das Galtgarbische Gebürge.

Fahrt durch das Gebirge nach Cumehnen.

„Wir hatten Drugehnen hinter uns. Rasch liefen unsere Pferde, die der endlichen Entspannung sich entgegenzusehnen schienen, in das vor uns liegende Gebürge hinein.

Die weiten freien Aussichten in eine lachende bevölkerte Gegend verengten um unsern Horizont sich allmählig. Gebüsche und einzeln stehende Birken drängten sich um uns herum, izt bildeten sie romantische Gruppen und verlohren sich endlich in die Nacht des vor uns liegende Waldes, der über das Gebürge sich hinzog.

Ein tiefer Hohlweg nahm in sein heiliges Dunkel uns auf. Hangende Birken wölbten sich über unserem Haupte zu einem Laubdach, auf dessen Spizzen der Abendsonne Schimmer sich wiegte. Plözlich wandte sich der Wagen und versezte uns in ein reizendes Thal, das zu beiden Seiten sich öfnete.

 

Rechts eine undurchdringliche Nacht, in der der einsam sich hinschlängelnde Fußsteig mit seinem weißen Sande eine Strecke lang blendend abstach, dann aber mit grüner dämmernder Farbe in des Haines heiligem Dunkel verschwand, links eine freiere Zusammenstellung mancherley Formen und Abschattungen, bey denen die Natur der Kühnheit eines englischen Gärtners nachgeahmt zu haben schien, ohne jedoch seines Aberwitzes sich schuldig zu machen.

Unsere bisherigen lauten Äußerungen über den Reiz der Gegend verlohren sich in ein stilles Anstaunen, unsere Blikke schwammen in gerührter Bewunderung, und kaum lösten die überströmenden Gefühle des Herzens in ein leises o wie schön sich auf.

 

Das Thal breitete in eine große Fläche sich aus. Die hohen, dunkelschattigen Bäume zogen sich zu dem Gebürge zurück, und in der Fläche des Thals gruppierten sich junger Anflug in tausenderley Gestalten. Grau und dunkelgrün gemischter Moor, von der sanfteren Farbe eines blumigen Wiesengrundes eingefasst, kleine, blendend weiße Sandflekken, braune Reste zusammengewehten Laubes vom verwichenen Herbste, und ein durch alles dieses sich hinschlängelnder Bach verzierten die Landschaft.

Eine Rinderheerde, die von dem Wege, der über einen hängenden Hügel sich hinzog, bis in die Schatten des fernen Waldes weidete, drükte der Gegend das vollendete Gepräge einer Schweizerischen auf.

Jzt hob sich der Weg schleunig in die Höhe. Vor uns stand, wie eine Mauer, das Gebürge gethürmt. Dunkle Schatten umgürteten es, die keinen Blik in das innere Heiligtum ließen, aber fürchterlich schön trennte dieses nächtliche Grauen ein freundlicher Sandweg, der steil und abschüssig auf das Gebürge sich hinaufwand ...

Jzt hatten unsre Pferde den steilen Weg uns mühsam hinangeschleppt, und neue Scenen der immer neuen reichhaltigen Natur lagen vor uns. Unser Wagen wand durch ein wellenförmiges Laubdach sich hindurch, zu dessen Rechten bald sanfter, bald steiler und abhängiger das Gebürge sich in die Höhe erhob. Auf der entgegengesetzten Seite breitete eine freundliche Wiese sich aus, die von einer schnurgeraden Linie der in die Ferne hinlautenden Bergkette begrenzt wurde. Den Prospekt umschloss das umbuschte Dorf Dallwehnen."

 

II.

Fahrt nach dem Galtgarbischen Berge.

„Der Morgen war über alles schön. In der reinen heitern Luft, im erfreulichen Scheine der frühen Sonne, in den tausend Zusammensezzungen der schönen Natur — Formen, in dem bald lauten, bald sanfteren Concerte unzähliger zwitschernder Vögel — überall webte die Gottheit, die diese Erde zur Beglükkung der Menschen, und ihre tausend Reize zu seiner Freude erschuf. Mein ruhiges, heiteres, freudiges Hinaufstaunen in die erwachte Natur ward zum lautesten Dankgebet.

Aber meine Empfindungen sollten noch höher gespannt, sollten zu dem Feyerlichen: Falle nieder und bete an, erhoben werden. Es ging auf den Galtgarbischen Berg hin. Leicht und schnell flog unser Wagen dahin und ließ die reizenden Bilder wie die Phantome einer Laterne Magica vor uns vorüberziehn. Aber um desto schneller entwikkelte sich auch das Gebürge, dem wir izt zueilten, und bot in seinen unzähligen Veränderungen immer neue Scenen dar. Jzt blieb die freundliche Wiese, die bey unserem ersten Austritt aus dem Gebürge sich öffnete.

Fortsetzung folgt.

 

Seite 12   Heimkehrer-Aussagen über Vermisste. Wer kennt die Angehörigen?

Heimkehrer haben beim Suchdienst Aussagen über Vermisste gemacht. Die Angehörigen dieser Vermissten konnten bisher nicht ermittelt werden. Erkennen Sie aus den nachstehend aufgeführten Personalangaben einen der Vermissten und können Sie Auskunft über dessen Angehörige geben? Helfen auch Sie, die Angehörigen ausfindig zu machen. Jede zutreffende Meldung bedeutet ein geklärtes Vermisstenschicksal! Geben Sie Ihren Hinweis zur Auffindung der Angehörigen bitte unverzüglich unter Angabe der Befragungsnummer der Liste (jeweils am Ende der Suchanzeige) an das Deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München, Abt. Nachforschungsstelle für Wehrmachtsvermisste München 13, Infanteriestraße 7a.

 

Masuch, Max geb. 05.05.1922, Uffz., aus Groß-Schmieden, Kreis Lyck (Vater: Gottlieb) — D 3/2946

 

May, Adolf, geb. 24.04. 1902, verh., vier Kinder, Uffz., Landwirt, aus Rothfließ (Ehefrau: Lucie) — D 3/2947

 

Meyer, Alwin, geb. 04.07.1907, Obergrf., aus Feldbergen, Kreis Marienburg (Ehefrau: Elida) — GB 1149 

 

Meyer, Arno, geb. 08.08.1908, Gefr., Arbeiter, aus Königsberg, Kohlhofstr. 3 — GB 1150  

 

Meyer, August, geb. 01.10.1901, verh., Soldat, aus Jonasdorf, Kreis Osterode, (Ehefrau: Meta) — D 3/2949  

 

Meyer, Erna, ledig, Arbeitsmaid, aus Königsberg — 3/1901

 

Modrow, Leuthold, geb. etwa 1927, Panzergrenadier, aus Röhrchen bei Königsberg — GB 1166

 

Möller, Arthur, geb. etwa 1889, verh., aus Dörbbeck, Kreis Elbing — 3a/551

 

Möller, August, geb. 16.05.1908, Gefr., aus Succase, Krs. Elbing, (Ehefrau: Johanna) — GB 1167

 

Möller, Jakob, geb. etwa 1890, verh., Arbeiter, aus Dörbeck, Kreis Elbing — 3a/551

 

Mohr, Bruno, geb. 23.09.1927, Panzergrenadier, aus Königsberg-Metgethen — GB 1168

 

Mortag, Hans, geb. etwa 1906, verh., zwei Kinder, Oberleutnant, aus Elbing — 3/3702

 

Mosebach, Vorn, unbek., geb. etwa 1907, verh., Zollsekretär, aus der Nähe von Wehrkirchen, Kreis Goldap — D3/2952

 

Muche, Herbert, geb. etwa 1897, verh., Eisenbahninspektor, aus Königsberg, Kaplanstr. — 3/1914

 

Müller. Paul, geb. 27.08.1919, Obergfr. aus Gumbinnen, Karminerstr. 19, (Ehefrau: Wendeline) — GB 1179

 

Nagel, Fritz, geb. 1909, ledig, Obergfr., Berufssoldat, aus Elbing (Vater: August) — 3a/1540  

 

Narock, Gustav, geb. 21.02.1911, verh.. Grenadier, aus Auschlacken, Post Drugehnen, Kreis Samland (Ehefrau: Lydia) — 3/1929

 

Neujahr, Ludwig, geb. etwa 1908, verh., Obergefr., Postangestellter, aus Ostpreußen — 3/2732

 

Neumann, Franz, geb. etwa 1920, ledig, Uffz., aus Ostpreußen — 3/1934

 

Nickel, Otto, geb. etwa 1898, verh., Volkssturmmann, Landwirt, aus Bohmanen, Kreis Ortelsburg (Ehefrau: Emma) — 5a/38

 

Nieswandt, Fritz, geb. 11.07.1924, aus Denknitten, Kreis Preußisch-Eylau — GB 1190

 

Nieswandt, Kardel, geb. etwa 1900, aus Seepothen, Ostpreußen — 3/1923

 

Nitsch, Vorn, unbek., geb. etwa 1905, verh., Volkssturmmann, aus Pumnik, Kreis Rastenburg — 3/2149

 

Nitzkowski, Ewald, geb. 10.10.1906, verh., Oberfeldwebel, Bauer, aus Satticken, Kreis Goldap (Ehefrau: Alma) — 3/1924

 

Oberhauser, Erich, verh., Sanitätsfeldwebel, Luftwaffe, Dentist, aus Königsberg — 3a977

 

Ollesch, Richard, geb. 07.08.1901, Fahrer, aus Karwen, Kreis Sensburg — GB 1214  

 

Olesch, Heinz, geb. im November 1925, ledig, Gefr., Landwirt, aus Ortelsburg — 3a/1338

 

Osowsky, Josef, geb. etwa 1909, verh., Maurer, aus Allenstein, Tannenbergstr. 22a — 3/1938 —

 

Palfner, Vorn, unbek., verh., ein Sohn, Hauptmann, Kaufmann, aus Schloßberg (Ehefrau: Rotraud) — 3/2440

 

Penteleit, Vorn, unbek., geb. etwa 1925, ledig, Grenadier, aus Königsberg — 3/1942

 

Paprodtka, Vorn. unbek., geb. etwa 1896, verh., Major, Obersekretär, aus Tilsit — 3/1942

 

Paaris, Friedrich, geb. 09.07.1909. Oberwachtmeister, aus Schippenbeil, Wosgienstr. 12 — GB 1220

 

Paulokat, Hermann, verh., Hauptmann, Pastor, aus Tilsit — 3 2679

 

Petter, Günther, geb. 09.04.1925, Gefr., aus Königsberg, Krugstr. 1 — GB 1249  

 

Petrikowski, Peter, geb. etwa 1913, verh., Schlosser oder Elektriker, aus Ostpreußen — 3/1947

 

Pichler, Vorn. unbek., geb. etwa 1924. ledig, Landarbeiter, aus dem Kreise Angerapp — 3a/594

 

Pilchowski, Fritz, geb. 28.03.1887, verh., Ortsbote, aus Königshöhe, Kreis Lötzen, (Ehefrau: Charlotte) — 5/1017

 

Plettau, Rudi, geb. 1916, ledig, Uffz., Landwirt, aus Ostpreußen — 3a/1075

 

Politt, Fritz, verh., Gefr., Friseur, aus Pr.-Eylau — 3/2571  

 

Postzig, Ernst, geb. 1927, ledig, Soldat. Landwirt, aus Groß-Jauer, Kreis Sensburg — 3/1958

 

Priess, Heinz, geb. etwa 1920, verh., Obergefr., aus Insterburg — 3/1960

 

Pulla, Artur, geb. etwa 1926, ledig, Pionier, Autoschlosser aus der Nähe von Königsberg — 3a/1340

 

Raac h, Gottfried, geb. 1905, verh., vier Kinder, Feldwebel, aus Ostpreußen — 3/1964

 

Radtke, Karl, geb. etwa 1905, verh., fünf Kinder, Angestellter bei der Überlandzentrale Fischhausen, aus Fischhausen — 3/1965

 

Radmann, Gustav, verh., Sanitäts-Obergefr., aus Tapiau, Kreis Wehlau, Siedlung Peterhof — 3/1965

 

Raschewski, Ernst, geb. etwa 1904, verh., 1 oder 2 Kinder, Schmied, aus Ostpreußen — 3/1816  

 

Raudisch, Helmut, geb. 25.05.1928, aus Trübenwasser Nr. 22, bei Trautenau, Kreis Heilsberg (Vater: Josef) — GB 125

 

Rautenberg, Ernst, geb. etwa 1905, verh., 6 Kinder, Stabsgefr., aus Ostpreußen — 3/3938

 

Reichardt, Heinz, geb. 1921, ledig, Beamter beim Finanzamt, aus Schloßberg — 3/1969

 

Reimann, Willy, geb. etwa 1918, verh., 2 Kinder, Gefr., aus Elbing — 3/1970  

 

Rettmann, Willy, geb. etwa 1906, verh., 6 Kinder, Oberscharführer, aus Königsberg, General-Litzmann-Str. — 3/1973

 

Reuter, Franz, geb. etwa 1902, verh., Gefr., Zimmermann, aus der Nähe von Goldap — 3/1973  

 

Rilck, Adolf, geb. etwa 1906, Bauer, aus der Gegend von Königsberg — 3/1976

 

Rode, Rudi, geb. etwa 1907, verh., Oberfeldwebel, Zimmermann, aus Rastenburg — 3/1978  

 

Römer, Willi, geb. etwa 1923, ledig, Bäcker oder Fleischer, aus Königsberg — 3/1976

 

Rieske, Otto, geb. etwa 1917, aus der Umgebung von Rastenburg — 3/1976 —

 

Rode, Rudi, geb. etwa etwa 1875, verh., Kutscher beim Bernsteinwerk, aus Palmnicken — 3/1977

 

Romey, Vorn. unbek., geb. etwa 1915, verh., ein Kind, Leutnant, aus Königsberg — 3/1982

 

Rosenkranz, vermutl. Herbert, geb. etwa 1925, ledig, Gefr., aus der Gegend von Gumbinnen — 3/2391

 

Rossmann, Willi, geb. etwa 1924, ledig, San.-Uffz., Landarbeiter, aus Ostpreußen — 3/1984

 

Roßteck oder Rosteck, Vorn. unbek., geb. etwa 1905, verh., Stabintendant, aus Ostpreußen — 3/1984

 

Rübe, Karl, geb. etwa 1927, ledig, Gefr., aus Ostpreußen — 3/2109

 

Rübin , Franz, geb. etwa 1922, ledig, Uffz., Schüler oder Angestellter, aus Mielau/Ostpr. — 3a/1407

 

Sachs, vermutl. Fritz, geb. etwa 1920, ledig, Gefr., Landwirt, aus Neudamm bei Bladiau (Vater: Fritz)

— 3/2515

 

Sachs, Helmuth, geb. 1927, ledig, Arbeitsmann, aus Juditten, Kreis Königsberg — 3/2156  

 

Sadowski, Emil, geb. etwa 1905, Bauer, aus Peitschendorf, Kreis Sensburg — 3a/1144

 

Sadowski, Horst, geb. 1924, ledig, Obergefr., landw. Arbeiter, aus Goldap oder Umgebung — 3a/570

 

Saak, Franz, geb. etwa 1895, verh., zwei Kinder, aus Königsberg, Alter Graben 19 — 3/1989

 

Salewski, Fritz, geb. etwa 1908, verh., zwei Kinder, Gefr., Kraftfahrer bei der Post, aus der Nähe von Angerburg — 3/1990

 

Sanders, Walter, geb. etwa 1917, ledig, Feldwebel, aus Allenstein, — 3/2147

 

Saul, Richard oder Hermann, geb. 1904, verh., Tischler oder Zimmermann, aus Königsberg oder Umgebung — 3/1991

 

Sdunek, Rudolf, verh., Maurer aus Osterode — 3/1992

 

Wiechert, Gerd, geb. 17.05.1926, Soldat, aus Angerapp, Gumbinner Str. 104 — GB 1975

 

Abeld, Vorn. unbek., verh., Lehrer, aus Königsberg — 3a/978

 

Abt, Vorn, unbek., geb. 1898, verh., Soldat, Kaufmann, aus Königsberg, Lawskerallee — 3a/1325  

 

Adamek, Vorn. unbek., geb. etwa 1910, verh., Soldat, Steiger, aus Orlau, Kreis Teschen — 3/1636

 

Adloff, Vorn. unbek., geb. etwa 1902, war bei der Polizei, aus Ostpreußen — 3/1635

 

Adomeit, Vorn. unbek., geb. etwa 1923, ledig. Gefr., aus Ostpreußen — 3/2571

 

Allies, Vorn. unbek., geb. etwa 1890, verh., Hauptmann, Oberlehrer, aus Allenstein — 3/2678

 

Amsel, Fritz, geb. 03.11.1919, Obergefr., aus Bonkheim, Kreis Pr.-Eylau (Mutter: Berta) — GB 21

 

Andechser, Paul, geb. etwa 1923, Obergefr. aus Königsberg — 3a/623

 

Apsel, vermutl. Friedrich, verh., Kraftfahrer, aus Wehlau — 3a/899

 

Argut, geb. Loesch, Vorn. unbek., verh., aus Osterode, Neuer Markt — 3/1630

 

Arndt, Artur, geb. 1907, verh., Oberwachtmeister, aus Goldap — 31/630

 

Assmann, Helmut, geb. etwa 1925, ledig, Gefr., aus Ostpreußen — 3/1629

 

Assmann, Wilhelm, geb. etwa 1912, verh., Feldwebel, aus Haffstrom, Kreis Königsberg — 3/1629  

 

Asmus, Vorn. unbek., geb. etwa 1911, geschieden, ein Kind, Landwirt, aus Ostpreußen — 3/1629

 

Atts, Vorn. unbek., geb. 1895, verh., Uffz., Landratsbeamter, aus Memel, verlängerte Alexanderstr. — 5/737

 

Ausländer, Franz, geb. etwa 1900, verh., Soldat, vermutl. Maurer, ohne Nummer

 

Babbel, Augustin, Sonderführer, aus Siebehofen über Sensburg (Ehefrau: Berta) — GB 59

 

Babinek oder Babinnek, Vorn., unbek., geb. etwa 1912, verh., Soldat, Landwirt, aus Ostpreußen — 3/2108

 

Bämsch, Otto, geb. 1920, aus Scharkendorf. Kreis Gerdauen — 3/1642

 

Bärmann, Walter, geb. 06.03.1926, aus Rositten/Pr.-Eylau (Mutter: Berta) — 3/3582

 

Braginski, Vorn, unbek., geb. etwa 1910, verh., Uffz., Heimatort unbek. (geb. vermutl. in Ostpreußen) — 3/4962

 

Backe, Fritz, ledig, aus Braunsberg — 3a/979

 

Backhaus, Heinz, geb. etwa 1907, verh., Verwaltungsbeamter, aus Ostpreußen — 3/1643

 

Balzer, Franz, geb. etwa 1908, verh., Maurer, aus Rössel — 3/1641

 

Bartels, Vorn, unbek., geb. etwa 1890, Stadtpolizeiinspektor, aus Allenstein — 3/2652

 

Bauer, Vorn, unbek., geb. etwa 1910, verh., Oberleutnant, soll beim Zoll gewesen sein, aus Ostpreußen — 3a/1575

 

Baumgart, Fritz, geb. 1926, ledig, Soldat, aus Königsberg-Ponarth — 3/1676

 

Belgard, Josef, verh., aus Braunsberg, Grüne Str. — 3a/1038

 

Behrendt, Vorn unbek., geb. etwa 1901. Landwirt, aus der Gegend von Insterburg - 3a/1614

 

Bergender, Vorn, unbek., geb etwa 1902 Obergefr.Viehhändler, aus Ostpreußen _ 3/1680

 

Bergmann Alfred, geb. 08.07.1920. ledig, aus Insterburg Salzburger Str. 3 (Vater: Alfred) - 3a/860

 

Berke Hermann, geb. 1914. Gestütswärter, aus Trakehnen (Vater: Wilhelm) - 3a/1292

 

Bernoteit, Vorn, unbek., geb. etwa 1895, Meister der Gendarmerie, aus dem Kreis Goldap oder Ebenrode - 3a/1110

 

Bessel, Karl, geb. 1897 verh. eine Tochter. OT-Mann, Zimmermann aus Angerburg - 3/1655

 

Beslack, Erich, geb. etwa 1925, ledig. Obergefr. hatte ein Friseurgeschäft in Königsberg — 3/2372

 

Belaa, Heinrich, geb. etwa 1907 ledig, Landwirt, aus Heydekrug, (Vater: Heinrich) - 3a/45

 

Bethke, Vorn. unbek., geb. 1900, verh., Hauptmann, Lehrer, aus Tilsit - 3a/792

 

Dr. Bethge Johannes, Hauptmann, aus Memel (Ehefrau: Meta, geb. Kroll) - 3a/962

 

Birzer, Karl, aus Marienstein/Ostpr. — GB 225

 

Bitz, Franz, geb. 1909, verh., Obergefr., Korbflechter, aus Tilsit — 3a/1511

 

Blank, Otto, geb. etwa 1900 verh., eine Tochter, Stabsgefr. aus Königsberg — 3/1661  

 

Blankenberg, Vorn unbek., geb. etwa 1885, Major, Rektor, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg — 3/1660

 

Blankenstein, Willi, geb. etwa 1919, ledig, Obergefr., aus Labiau — 3a/1227

 

Block, Ernst, geb. etwa 1910, ledig, Gefr., Postoberinspektor, aus Königsberg — 3/1659

 

Blum, Vorn, unbek., geb. etwa 1890, verh., eine Tochter, Bankdirektor der Ostpr. Bank in Königsberg, aus Königsberg — 3/2376

 

Böhmke, Artur, verh., Obergefr., aus der Nähe von Königsberg — 3/2149

 

Böndel, Ernst, geb. etwa 1910, ledig, Oberleutnant, aus Königsberg — 3/1652

 

Böhnert, Maria, geb. etwa 1903, verh., aus Schmolleinen/Ostpreußen — 3a/1114

 

Böttcher, Vorn, unbek., geb. etwa 1923, ledig, Obergefr., aus Königsberg 3/1651

 

Bock, Erich, verh.. Zimmermeister, aus Marienburg, Mittelweg — 3a/458

 

Bombien, Ernst, geb. 20.04.1923, ledig, Obergefr., Rohrleger, aus Cranz, Blumenstr. 11, Kreis Samland (Mutter: Anna) — 3/1649

 

Bonneck, Walter, geb. 10.10.1914, Uffz.. aus Marienwerder, Königsberger Str. 123, (Vater: Franz) — GB 279

 

Borchert, Bruno, geb. etwa 1914, ledig, Stabsgefr., Landwirt, aus Ostpreußen — 3a/697

 

Bott, Vorn, unbek., geb. 1915, Oberleutnant, aus Elbing — 3a/1166

 

Brämer, Hermann, geb. 10.12.1908, Obergefr., landwirtschaftl. Arbeiter, aus Gurnen bei Goldap (Ehefrau: Elsa) GB 290

 

Brebeck, Anna, geb. etwa 1918, ledig, Schneidermeisterin, aus Kleiditten, Krs. Heilsberg — 3/1645

 

Bröcker, Fritz, geb. 26.04.1907, Grenadier, aus Neudollstddt/Ostpr. — GB 312

 

Brock, Alois, aus Schönwalde, Krs. Wußlack, bei Heilsberg — 3/2412

 

Brokowski, Vorn, unbek., geb. etwa 1898, ledig, Stabswachtmeister, aus Königsberg oder Elbing — 3a/1474

 

Broscheit, Alfred, verh., Obergefr., Maurer, aus Eberswalde, bei Kreuzingen /Ostpreußen(Ehefrau: Gertrud) — 3/1671

 

Broscholl, Herbert-Kurt, geb. 12.04.1905, verh., Drogist, aus Tilsit-Ragnit, Deutsche Str. 22 (Vater: Emil, Mutter: Liesbeth, geb. Meyer) (Ehefrau: Grete, geb. Watschulat) — 3/2311

 

Brose, Walter, geb. etwa 1900, verh., vermutlich 2 Kinder, Stabsgefr., Landwirt, aus Ostpr. — 3/1671

 

Broseit, Vorn, unbek., geb. etwa 1903, verh., Volkssturmmann, Bäckermeister, aus Gumbinnen — 3/2110

 

Broso, Adolf, geb. 1906, verh., Landwirt, aus Ostpreußen — 3/2376

 

Buchholz, Ernst, ledig, Stabsgefr., aus Neuendorf, bei Heilsberg — 3/2587

 

Buchwald, Paul, geb. etwa 1901, Obergefr., aus Königsberg — 3/1668

 

Bünschus, Vorn, unbek., geb. etwa 1895, verh., Volkssturmmann, Arbeiter, aus Olschewen, Kreis Angerburg — 3a/1137

 

Buhrke, Vorn, unbek., geb. etwa 1910, verh., vier Kinder,

 

Böttcher, aus Insterburg — 3/2490

 

Burkert, Anton, geb. etwa 1926, ledig, Schütze, Landarbeiter, aus der Nähe von Königsberg — 3/2532

 

Buczilowski, Ernst, geb. etwa 1915, ledig, Stabsgefr., Landwirt, aus der Gegend von Lötzen/Lyck — 3/1667

 

Czech, Vorn, unbek., geb. 1906, Feldwebel, aus Marienburg — 3/1684

 

Czephan, Gerhard, geb. 30.10. 917, verh.. Uffz.. Kaufmann, aus Ortelsburg — 3/1685

 

Czelk, Alfred, geb. 28.07.1906, SS-Unterscharführer. aus Fasten-Sensburg — GB 348

 

Czycholl, Michael, verh., Hauptmann der Gendarmerie, aus Willenberg/ Ortelsburg (Ehefrau: Maria) — D 3/3542

 

Schwark, Alois, geb. 16.04.1922, SS-Rottenführer, Handlungsgehilfe, aus Raunau, Kreis Heilsberg (Vater: Hugo) — GB 1569

Weitere Namen folgen in der nächsten Ausgabe

 

Seite 12   Gefallene und gestorbene Wehrmachtsangehörige

Anfragen und Mitteilung zu dieser Liste sind unter Angabe des Namens und Vornamens des Gemeldeten (zweiter Name in der Suchmeldung) an den Suchdienst München, Rundfunkauskunft München 13, Infanteriestr. 7a, zu richten.

 

Familie Pöppel, Erhard, aus Königsberg, Lückestraße 18 für Pöppel, Hans-Erhard, geb. 07.10.1905 in Königsberg.

 

Pörschke, Fritz, aus Heiligenbeil/ Hermsdorf für Pörschke, Helmut, geb. 05.06. 1926 in Hermsdorf.

 

Familie Poetsch, aus Insterburg, Brauereistr. 8, für Poetsch, Heinrich, geb. 26.03.1894. Geburtsort unbekannt.

 

Poetschke, Marie, aus Guttstadt (Abbau) für Poetschke, Paul, geb. 11.07.1907 in Galitten.

 

Pötschke, Bertha, aus Baarden, Krs. Pr. Holland, für Pötschke, Richard, geb. 12.09.1896, Geburtsort unbekannt.

 

Pohl, Hildegard, aus Gilgenburg. Osteroder Straße 12, für Pohl, Heinrich, geb. 12.01.1916, in Herne.

 

Pohl, Berta, aus Rastenburg, Ludendorffstr. 4, für Pohl. Willy, geb. 10.10.1907 in Rastenburg.

 

Pohlke, Adeline, aus Steinsee bei Insterburg, für Pohlke, Fritz, geb. 12.02.1905 in Seßlacken.

 

Pohsen, Elfriede, aus Elbing, Wintertrift Nr. 17, für Pohsen, Heinz, geb. 02.01.1912, in Seligenfeld.

 

Pokall, Franziska, aus Allenstein, Langgasse 17, für Pokall, Heinz, geb. 02.04.1926, in Allenstein. —

 

Poleske, Elisabeth, aus Diwitten, Krs. Allenstein, für Poleske, Reinhold, geb. 15.02.1926 in (Diwitten.

 

Schürhoff, Hilde, aus Gumbinnen für Schürhoff, Hans Eugen, geb. 30.03.1911, in Velbert.

 

Philipsen, Walter, aus Schwansdorf, Krs. Marienburg, für Philipsen, Kurt, geb. 19.07.1922 in Schansdorf.

 

Picolin, Eduard, aus Memel, Johannes-Schirrmann-Str. 23, für Picolin, Bernhard, geb. 06.05.1925, in Korschen.

 

Pierk, Fritz, aus Liedicken, Krs. Tilsit, für Pierk, Willi, geb. 11.09.1921, in Naujeningken.

 

Polloks, Max, aus Bartenstein, Markeraustraße 25, für Polloks, Kurt, geb. 21.05.1923, in Bartenstein.

 

Polsfuhs, Alma, aus Lubainen, Krs. Osterode, für Polsfuhs, Wilhelm, geb. 20.07.1908, in Gr.-Rogau.

 

Pomanenke, Emma, aus Gr.-Feliendorf, Kr. Goldap, für Pomanenko, Timofei, geb. 09.06.1893 in Russland.

 

Pompetzki, Paul, aus Karwen, Kreis Sensburg, für Pompetzki, Otto, geb. 08.04.1923, in Karwen.

 

Familie Porsch, aus Korienen bei Gr.-Lindenau für Porsch, Günther, geb. 03.11.1925, in Königsberg.  

 

Porsch, Albert, aus Gerdauen, Danziger Straße 28, für Porsch, Kurt, geb. 14.01.1924, in Gerdauen.

 

Porschke, Paul, aus Neukirchen, Kreis Samland, Hauptstraße, für Porschke, Heinz, geb. 04.10.1926, Geburtsort unbekannt.

 

Poschmann, Franz, aus Königsberg, Landsberger Straße 31, für Poschmann, Ernst, geb. 24.10.1921, in Königsberg.  

 

Poschmann, Anton, aus Mestellen, Krs. Heydekrug für Poschmann, Otto, geb. 08.03.1910 in Sauerbrunn.

 

Posingies, Maria, aus Buhlen, Krs. Schloßberg, für Posingies, Erwin, geb. 22.02 1926, in Dortmund.

 

Possekel, Franz, aus Königsberg-Moditten für Possekel, Hans, geb. 18.12.1925, in Königsberg.

 

Bauschat, Eva, aus Königsberg, Weidendamm 45, für Bauschat, Helmuth, geb. 09.07.1921 in Königsberg.

 

Seite 12   Heimkehrer-Aussagen über Zivilgefangene

Wir veröffentlichen nachfolgend Namen von in die UdSSR Verschleppten, die dort noch zurückgehalten werden, bzw. dort verstorben sind. Der Suchdienst Hamburg ist bemüht die Anschriften der Angehörigen zu ermitteln, um sie benachrichtigen zu können. Sollten Sie die Namen und Anschriften von Angehörigen kennen, schreiben Sie an den Suchdienst Hamburg Abteilung II (Zivilvermisste), Hamburg-Altona, Allee 131.

Es werden gesucht:

 

Nordenburg, Krs. Gerdauen: die Angehörigen der Bork, Minna, geb. etwa 1903, verh., 4 kleine Kinder.

 

Schönfließ, Kreis Rastenburg: die Angehöligen der Schoppnies, Gertrud, geborene Aßmann, geb. etwa 1915; verh., 4 Kinder; sie war Bäuerin.

 

Tannenwalde-Samland: die Angehörigen der Probst, Irmgard, geb. etwa 1920, verh., eine Tochter. Tilsit, Ragniterstraße:

die Angehörigen der Meier, Eva, geb. etwa 1915, verh., zwei Kinder.

 

Zinten, Kreis Heiligenbeil: die Angehörigen einer Scheffler, Minna, geb. etwa 1902, verh., ein Kind.

 

Zollerndorf, Kreis Johannisburg: die Angehörigen der Frau Krafzick, geb. etwa 1900, verh., 4 Kinder, sie war Bäuerin.

 

Kreis Elchniederung: die Angehörigen der Knoch oder Knopf Minna, geb. etwa 1895, sie hatte drei oder vier Kinder.

 

Kreis Osterode oder Rastenburg: die Angehörigen der Reddig, Maria, geb. 1912/1920, sie war Bäuerin und Mutter von vier Kindern, damals im Alter zwischen zwei und zehn Jahren.

 

Ostpreußen: die Angehörigen der Frau Mantwill; sie hatte ihren Enkel bei sich; weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Ostpreußen, vermutlich Königsberg: die Angehörigen der Frau Klein, geb. etwa 1900; sie hatte ihre Tochter, geb. etwa 1925, bei sich.

 

Kreis Schwetz: die Angehörigen der Frau Moritz, geb. etwa 1917 in Litauen, verh., zwei Kinder.

 

Allenstein, Trautzingerstr.: die Angehörigen der Dombrowski Cäcilie, geborene Schröter, geb. etwa 1912; verh., eine Tochter.

 

Barsuhnen, Kreis Heydekrug: die Angehörigen der Bertolis Meta, geb. etwa 1905; Ihr Ehemann hieß Johann Bertolis und ihre Töchter Christel, Sieglinde und Gudrun.

 

Königsberg. Rosenauerstraße: die Angehörigen der Kleinschmidt Berta, geborene Rassert, geb. etwa 1890. Ihr Ehemann Franz Kleinschmidt und ihre Kinder Gerhardt und Inge wurden zusammen mit ihr verschleppt.

 

Königsberg-Metgethen: die Angehörigen der Frau Konrad, geb. etwa 1917: ihr Ehemann hieß Reinhold Konrad, zwei Kinder, Sohn und Tochter.

 

Königsberg-Metgethen: die Angehörigen der Frau Kreuz, geb. etwa 1902, verh., sechs Kinder.

 

Königsberg: die Angehörigen der Rucharts, Ilse, geb. etwa 1903, verh., zwei Kinder.

 

Königsberg: die Angehörigen der Scheffler, Gertrud, geb. etwa 1882, ein Sohn.

 

Königsberg: die Angehörigen der Frau Streich, geb. etwa 1910, sie hatte ein Kind bei sich.

 

Krausendorf, Kreis Rastenburg: die Angehörigen der Frau Hecht, geborene Prengel; verh., ein Sohn mit Vornamen Peter.

 

Mühlhausen, Kreis Pr.-Holland: die Angehörigen der Frau Regenbrecht, geb. etwa 1900; sie hatte zwei Kinder bei sich, eines Brigitte mit Vornamen, geb. etwa 1930.

 

Allenstein, Richtstr. 7: die Angehörigen der Frau Backhaus. Frau Backhaus war Geschäftsfrau.

 

Allenstein: die Angehörigen des Büttner Karl, geb. etwa 1901. Er war verheiratet und besaß einen Sohn.

 

Bartenstein, Hindenburgfeld: die Angehörigen des Bahr, August. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Bartenstein, ehemalige Horst-Wessel-Straße: die Angehörigen der Manleitner Herta. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Bartenstein: die Angehörigen des Herrn Wolf, der Vorname ist vermutlich Georg, geb. etwa 1875/1880, von Beruf Handelskaufmann.

 

Darkehmen: die Angehörigen des Fahrdienstleiters bei der Reichsbahn in Darkehmen. Name und Vorname unbekannt, geb. etwa 1885.

 

Dembenofen, Kreis Osterode: die Angehörigen des Herrn Mack, geb. etwa 1897/1900, von Beruf Bauer.

 

Kreis Heilsberg oder Braunsbach: die Angehörigen des Fräulein Braun. Sie war eine Bauerntochter.

 

Allenstein (Ostpreußen): die Angehörigen des Wronowski, Josef, geb. etwa 1879. Beruf: Fischer.

 

Sensburg (Ostpreußen): die Angehörigen des Amtsvorstehers Kunz. Vorname und Geburtsdatum unbekannt.

 

Rotflies, Kreis Rössel (Ostpreußen): die Angehörigen des Kruk, Bruno, geb. 05.03.1925, Beruf: Autoschlosser.

 

Sensburg (Ostpreußen): die Angehörigen der Konopa, Else, geb. etwa 1913, Beruf: Hausfrau.

 

Wittschujews bei Plock (Südostpreußen): die Angehörigen des Weuder, Gustav, geb. etwa 1905, Beruf: Kolonialwarenhändler.

 

Dem Kreise Plöhnen (Südostpreußen): die Angehörigen des Rinas, Robert, geb. etwa 1901, Beruf: Lebensmittelhändler.

 

Insterburg (Ostpreußen): die Angehörigen des Hartwig, Herbert, geb. 30.12.1928. Herbert Hartwig war Landwirtssohn.

 

Kreuzburg, Kreis Preußisch-Eylau (Ostpreußen): die Angehörigen des Krakke, Karl, geb. etwa 1929 Beruf: unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Sakowski, Wilhelm, geb. etwa 1890, Beruf: Gutsbesitzer.

 

Ostpreußen: die Angehörigen der Pawlak Traute, geb. etwa 1922, Beruf unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Dirrk, Erich, geb. etwa 1918. Beruf: Landwirt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen der Frau Prichel, geb. etwa 1897, vermutlicher Vorname: Emma. Frau Prichel war Landwirtsfrau.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Switzky Johann, geb. etwa 1905, Beruf: unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Weide Erwin, geb. etwa 1927, Beruf: unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Nelbrand Leopold, geb. etwa 1895, Beruf: unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Zielinski Siegmund, geb. etwa 1890, Beruf: Landwirt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Jesse, Michael, geb. 25.04.1904, Beruf: Schweizer.

 

Ostpreußen: die Angehörigen der Rohde, Anna, geb. etwa 1910, Beruf: unbekannt.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Nowak, Werner geb. etwa 1919, Beruf: Kaufmann.

 

Insterburg: die Angehörigen des Brand, Gustav. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Kassuben oder Nassawen, Kreis Ebenrode: die Angehörigen des Waldukat, Ernst, geb etwa 1885/1895. War von Beruf Viehhändler.

 

Klogehnen, Kreis Morungen: die Angehörigen der Frau Becker. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Königsberg: die Angehörigen der Becker, Martha, geb. etwa (Jahreszahl unlesbar)

 

Königsberg: die Angehörigen des Herrn Böhlke. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Königsberg-Ponarth: die Angehörigen der Buchholz, Martha, geborene Neumann, geb. etwa 1900.

 

Königsberg: die Angehörigen der Freiwald, Gertrud, geb. etwa 1905. Sie war Hausfrau.

 

Königsberg, vermutlich Nasser Garten oder Knochenstraße: die Angehörigen des Gerke, Bruno oder Fritz, geb. etwa 1916. War von Beruf Rundfunkmechaniker. Er besaß zwei Kinder.

 

Königsberg, vermutlich Viehmarkt: die Angehörigen der Korinth, Martha. Sie war Hausfrau.

 

Königsberg: die Angehörigen des Lißmann, Gustav, geb. etwa 1894/1895. War von Beruf Klempner-Obermeister.

 

Königsberg: die Angehörigen des Mekelburg, Karl, geb. 1898. War von Beruf Friseurmeister.

 

Königsberg, Grenadierweg: die Angehörigen der Frau Niederhäuser. Frau Niederhäuser war zum zweiten Mal verheiratet, der jetzige Name ist unbekannt.

 

Königsberg: die Angehörigen der Frau Rummler, geb. etwa 1875/1880.

 

Königsberg, Jägerstraße 55: die Angehörigen der Wilk, Elfriede, geb. etwa 1911. Sie besaß ein Kind.

 

Königsberg oder Insterburg: die Angehörigen der Schwarz, Gerda, geb. etwa 1925.

 

Königsberg, Kummerauer Straße 70: die Angehörigen der Frau Thal, geb. etwa 1897, und Thal, Elfriede, geb. etwa 1926.

 

Königsberg, Unterhaberberg: die Angehörigen der Geschwister Westphal, Margot, geb. etwa 1935, und Westphal, Günther, geb. etwa 1933.

 

Langanken, Kreis Sensburg: die Angehörigen der Johr, Helene, geb. 27.02.1927. Sie war eine Bauerntochter. Eine Schwester von Helene Johr, Frau Gertrud Obenauf, soll in Gera (Thüringen) wohnhaft sein.

 

Lyck: die Angehörigen des Staatz, Adolf, geb. etwa 1895. War von Beruf Kaufmann, verheiratet.

 

Messeden: die Angehörigen des Herrn Bernetat. War von Beruf Bauer.

 

Deuthen, Kreis Allenstein: die Angehörigen der Zwntha, Elfriede, geb. 09.03.1923. Sie war Schülerin. Die Eltern hießen Felix und Gertrud Zyntha.

 

Mühlhausen, Kreis Preußisch Holland: die Angehörigen des Dietrich, Fritz, geb. etwa 1910. War Arbeiter. Seine Ehefrau hieß Lina Dietrich

 

Niedermühl, Kreis Rössel: die Angehörigen des Herrn Lippowski, geb. etwa 1907 War von Beruf Bauer und Mühlenbesitzer.

 

Nordenburg: die Angehörigen der Frau Liedke, geb. etwa 1902. Frau Liedke war Inhaberin eines Kolonialwarengeschäftes.

 

Seite 13   Eltern suchen ihre Kinder

Tausende ostpreußische Eltern und Angehörige suchen noch immer ihre Kinder, die seit der Vertreibung aus der Heimat verschollen sind. Wer Auskunft geben kann, schreibe bitte sofort an den Kindersuchdienst Hamburg-Altona, Allee 125 unter Angabe von Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Ort des Kindes sowie die gleichen Angaben der Angehörigen und ihrer Heimatanschrift von 1939 Landsleute, helft mit, das Schicksal der Vermissten aufzuklären!

Gesucht werden aus:

 

Pillauerstraße 6: Schwarzkopf, Kurt, geb. 26.02.1934 in Königsberg, von Schwarzkopf, Berta, geborene Pusch, geb. 21.08.1887

 

Powundenerstraße 33: Sommer, Inge, geb. 10.01.1933 in Königsberg, von Knorr, Lotte, geb. 27.12.1903

 

Plantagenstraße 28: Schwärmer, Hildegard, geb. 24.06.1934 in Königsberg, und Schwärmer, Sigrit, geb. 16.04.1942 in Königsberg, von Schwärmer, Fritz, geb. 10.03.1902

 

Ratkestraße 12: Schwarz, Werner, geb. 01.02.1933 in Königsberg, und Schwarz, Ilse-Lore, geb. 28.07.1936 in Königsberg, von Wittkamp, Luise, geborene Schwarz, geb. 29.06.1899, und dem Onkel Gronau, Fritz, geb. 17.10.1901

 

Reifschlägerstraße 35/36: Zachrau, Dora, geb. 11.02.1933 in Königsberg, von dem Pflegevater Lapuse, Friedrich, geb. 21.08.1882

 

Schrötterstraße 186: Schmohr, Johann (Hans), geb. 09.04.1933 in Königsberg, von dem Vater Schmohr, Erich, geb. 30.07.1904. Johann Schmohr befand sich ab November 1942 als Schüler im KVL-Lager in Motzkau (Vogtland).

 

Gesucht werden aus:

 

Allenstein: Vilbrandt, Günter, geb. 23.01.1934, und Vilbrandt Ingrid, geb. 31.10.1936 in Berlin-Schöneberg, von ihrer Tante Reetz Maria, geborene Tuschy, geb. 17.01. 1895.

 

Allenstein, Jägerkaserne, Block 3: Bannach Manfred, geb. 03.12.1933 von Schwittek, Wilhelmine, geborene Küchmeister, geb. 26.01.1874.

 

Allenstein, Roonstr. 86: Berger, Peter, geb. 1943, von Berger, Horst, geb. 03.01.1904.

 

Allenstein, Schanzenstr. 29: Arndt, Gerhard, geb. 04.05.1944, von Arndt Ernst, geb. 10.03.1921.

 

Ardappen, Kreis Bartenstein: Kommeritz, Anna, geb. 01.03.1935, und Kommeritz, Elli, geb. 10.10.1938, von ihrem Vater Kommeritz, Otto, geb. 12.09.1904.

 

Bartenstein: Qwitteck, Inge-Laurita, geb. 06.02.1942 in Königsberg, von ihrer Mutter Schöppe Cilly, geborene Qwitteck, geb. 19.04.1918.

 

Gut Battau, Kreis Samland: Blöck, Werner, geb. 13.09.1940, von seinem Vater Blöck, Ernst, geb. 22.11.1913.

 

Blumenfeld, Kreis Labiau: Oschwald, Barbara, geb. 14.03.1942, von ihrer Schwester Oschwald, Renate, geb. 24.12.1940.

 

Breitenstein, Kreis Tilsit-Ragnit: Lessing, Fritz, geb. 01.05.1935 in Kallwehlen, von seiner Schwester Lessing, Ursula, geb. 08.01.1927. Fritz Lessing befand sich im Frühjahr 1945 in Swinemünde.

 

Dreihornswalde, Kreis Schloßberg: Klinger, Martin, geb. 17.10.1933 und Klinger, Barbara, geb. 24.01.1935, von Klinger, Max, geb. 24.09.1904. Martin und Barbara Klinger befanden sich zuletzt in Groß-Hubnicken, Kreis Samland.

 

Gerdauen, Danziger Straße 19: Job, Erwin, geb. 20.05.1935, von Job, Ewald, geb. 02.05.1913. Erwin Job soll nach dem Tode der Eltern in Kinderheim gekommen sein.

 

Haselgrund, Kreis Ebenrode: Hein, Gerda, geb. 04.06.1934 in Szabojeden, von Gerlach, Berta. Gerda Hein befand sich von 1945 bis September 1948 in Tilsit.

 

Insterburg, Memeler Straße 16: die Geschwister Kühnapfel, Renate, geb. 18.04.1936, Susanne, geb. 19.02.1938, und Isolde, geb. 12.05.1940, von ihrem Großvater Kühnapfel, Gustav, geb. 06.12.1881.

 

Insterburg, Siehrstraße 16: die Geschwister Karalus, Irmgard, geb. 28.06.1933, Bruno, geb. 10.01.1935, und Manfred, geb. 1938, von ihrer Tante Karalus, Helene, geb. 27.06.1895. Die Geschwister Karalus befanden sich im Mai 1945 in Barvin, Kreis Rummelsburg.

 

Kiauten, Kreis Samland: die Geschwister Mehlfeld, Hans, geb. 27.03.1937. Dieter, geb. 27.02.1942, und Karl, geb. 16.09.1944, von ihrem Vater Mehlfeld, Richard, geb. 16.11.1913.

 

Korschen, Kreis Rastenburg, Schillerstr. 3: Volkmann, Heinz, geb. 20.04.1933 in Rastenburg, von Volkmann, Emil, geb. 07.06.1909.

 

Linde, Kreis Gerdauen: Bildermann, Helga, geb. 09.01.1933, von Jelonnek, Emilie, geborene Wegener, geb. 23.04.1893.

 

Pomedien, Kreis Wehlau: die Geschwister Matthe,Hannelore, geb. 10.11.1934. Werner, geb. 22.05.1936, Siegfried, geb. 10.11.1934, Werner, geb. 22.05.1936, Siegfried, geb. 22.04.1939, Manfred, geb. 1941, und Heinz, geb. 20.02.1943, von ihrem Vater Matthe, Karl.

 

Rauschen-Kirtigehnen, Kreis Samland, bei Gustav Franke: Hellmig, Paul, geb. 03.10.1937, von seiner Mutter Zander, Erna, geschiedene Hellmig. Paul Hellmig soll angeblich im Winter 1946 in ein Waisenhaus nach Pobethen gekommen sein.

 

Reuschenfeld, Kreis Gerdauen: Keiwel, Rudi, geb. 11.09.1935, und Keiwel, Siegfried, geb. 08.12.1938 in Wolfshöhe, von ihrer Mutter: Keiwel, Hildegard, geborene Frohnert, geb. 13.02.1919.

 

Rothfließ, Kreis Rössel: Hüttig, Agathe, geb. 24.03.1938 in Korschen, von ihren Eltern: Hüttig, Richard und Anna.

 

Sergitten, Kreis Labiau: Faust, Günther, geb. 27.08.1933, und Faust, Gerda, geb. 27.09.1938, von ihrem Bruder: Faust, Erwin, geb. 07.09.1926.

 

Schakenhof, Kr. Gerdauen: Buckschun, Klaus, geb. 08.11.1934, von seiner Mutter: Buckschun, Minna, geborene Nitsch, geb. 19.08.1905. Der Junge war mit seinen Eltern aus Essen nach Schakenhof, Kreis Gerdauen, evakuiert und ist zuletzt 1946 zu Erntearbeiten in Sophienberg, Kreis Gerdauen, eingesetzt gewesen.

 

Schwalbenthal, Kreis Insterburg: Lemke, Heinz, geb. 29.12.1940, von seiner Schwester: Gruber, Elisabeth, geb. 23.05.1926.

 

Steinort über Rastenburg, Kreis Angerburg: Bagus, Gertraud, geb. 15.05.1935, und Bagus, Hans-Ulrich, geb. 11.12.1943, von ihrem Vater: Bagus, Richard, geb. 12.03.1915. Die Kinder befanden sich zuletzt in Dirschau (Westpreußen).

 

Adelshof, Kr. Tilsit-Ragnit: Kröhnert, Peter, geb. 06.06.1941, von seinem Vater: Kröhnert, Otto, geb. 25.01.1899.

 

Allenstein, Marine-Hospital: Brock, Brigitte, geb. 02.08.1944 in Guttstadt, von ihrer Mutter: Brock, Berta, geborene Schulz, geb. 18.07.1911.

 

Allenstein, Trautzigerstraße: Kostrezewa, Renate, geb. 05.05.1939, von ihrem Vater: Kostrezewa, Franz, geb. 11.09.1914.

 

Allenstein, Wilhelmstr. 28: Kosing, Günter, geb. 25.08.1937, von seinem Vater: Kosing, Paul, geb. 24.06.1905.

 

Almenhausen, Nr. 1, Kr. Preußisch - Eylau: Buchhorn, Gerhard, geb. 03.08.1937, von seinem Vater: Buchhorn, Albert, geb. 26.08.1891.

 

Arys, Lötzenerstr. 4: Kowallik, Traudel, geb. 1916, und Kowallik, Dieter, geb. 1939, von Kowallik, Rudolf, geb. 10.03.1916.

 

Barten, Kr. Rastenburg, Bahnhofstr. 40: Die Geschwister Korsch, Erna, geb. 03.06.1935, Korsch, Günter, geb. 15.04.1940 und Korsch, Karl-Heinz, geb. 10.03.1943, von ihrer Mutter: Korsch, Erna, geborene Wischnewski.

 

Bartenstein, Waisenhaus: Pelzer, Erna, geb. 16.06.1936, von Pelzer, Emil, geb. 30.10.1891.

 

Bartenstein, Mozart-Apotheke: Krispin, Brigitte, geb. im Mai 1934 in Königsberg, von Chilla, Erwin, geb. 25.07.1886.

 

Bantkengut, Kr. Neidenburg: Burdenski, Albert, geb. etwa 1935, von Burdenski, Paul, geb. 04.05.1914.

 

Beldahnsee, Kr. Sensburg: Nowak, Hildegard, geb. 07.08.1940, von Nowak, Erich, geb. 12.06.1903.

 

Königsberg, Badritterweg 31: Sameit, Elisabeth, geb. 15.08.1933, von Ursula Sameit, geb. 22.02. 1931.

 

Königsberg, Kalgenbachweg 33: Schmidt, Heidrun, geb. 03.06.1941, von ihrer Mutter: Schmidt Elsa, geb. 15.07.1915. Am 6. April 1945 ist das Kind mit den Großeltern Gustav und Elisabeth Hinz in Gollau mit einem Treck, der nach Ludwigsort führte, zuletzt gesehen worden. Das gesuchte Kind Heidrun Schmidt hat braune Augen, dunkelblondes Haar, die Ohrläppchen sind kurz und angewachsen.

 

Königsberg, Kalthöfschestraße: Neumann, Heinz, geb. 24.12.1933, von Harnau, Gertrud, geb. 17.03.1911.

 

Königsberg, Oberhaberberg 22: Krzensk, Karin, geb. 1941. von ihrer Großmutter Krzensk, Luise, geborene Gottschalk, geb. 04.10.1889. Das Kind soll zuletzt noch in Allenstein und Osterode gewesen sein.

 

Königsberg-Liep, Olmützerweg 38: Die Geschwister Illner, Lotte, geb. 27.02.1933, Illner, Heinz, geb. 15.03.1937, und Illner, Rottraut, geb. 24.06.1945, von ihrem Bruder: Illner, Herbert, geb. 25.06.1928.

 

Königsberg-Metgethen, Trankwitzer Weg. Doberleit, Siegfried, geb. 08.10.1934, von seiner Tante: Bansemir, Elise, geborene Doberleit, geb. 30.09.1901. Siegfried Doberleit ist 1946 nach Litauen gegangen.

 

Königsberg-Quednau, Wehrmachtssiedlung 29. Lehmann, Herbert, geb. 18.05.1937, von seinem Bruder: Lehmann, Horst, geb. 27.07.1927.

 

Königsberg, Yorkstr. 90: Neumann, Anneliese, geb. 11.12.1934, und Neumann, Ursula, geb. 07.06.1937, von ihrem Vater: Neumann, Willy, geb. 27.09.1911.

 

Königsgut, Kr. Osterode: Die Geschwister Powiewski, Erwin, geb. 07.09.1933, Powiewski, Christel, geb. 04.01.1934, und Powiewski, Günther, geb. 28.02.1939, von Powiewski, Emil, geb. 11.05.1898.

 

Kollkeim, Kr. Rastenburg: Kruschke, Erwin, geb. 17.01.1934 in Rosenstein, von seinem Vater: Kruschke, Gustav, geb. 19.04.1907.

 

Korschen, Kr. Rastenburg: Die Geschwister Koriat, Helga, geb. 08.04.1934, und Koriat, Siegfried, geb. 18.12.1935, von Koriat, Karl, geb. 20.01.1901.

 

Korschen, Kreis Rastenburg, Schillerstraße 7: Kretschmann, Ruth, geb. 1934 in Labiau, von Nikoleizik, Alfred, geb. 06.06.1916.

 

Kraukeln, Kr. Lötzen: Die Geschwister Niewiadowski, Horst, geb. 22.08.1934, Niewiadowski, Erich, geb. 12.12.1936, und Niewiadowski, Sigrid, geb. 09.10.1940, von ihrem Vater: Niewiadowski, Johann, geb. 27.05.1896.

 

Krausendorf, Nr. 30, Kr. Rastenburg: Die Geschwister Krause, Charlotte, geb. 12.07.1933, Krause, Elfriede, geb. 03.09.1934, Krause, Horst, geb. 22.04.1939, und Krause, Klaus, geb. 02.03.1942, von ihrer Großmutter: Krause Maria, geborene Arlitt, geb. 09.04.1886.

 

Lötzen: Koschmierz, Siegfried, geb. im Juni 1934 in Friedland bei Bartenstein, von Gröning, Elise, geb. 20.06.1896.

 

Mohrungen: Michaelis, Bruno, geb. 20.11.1933, von Huwald, Auguste, geb. 09.11.1909.

 

Spiegelberg, Kr. Allenstein: Die Geschwister Kochanek, Erika, geb. 23.05.1935, Kochanek, Renate, geb. 06.09.1936, und Kochanek, Arno, geb. 23.01.1942, von Kochanek, Josef, geb. 05.08.1909.

 

Allenburg, Kreis Wehlau, Siebenbrüderstraße 175: Peter, Erna, geb. 01.6.1939, von ihrem Vater: Peter, Fritz, geb. 08.12.1903.

 

Allenstein: Marschewski, Rudolf, geb. 17.01.1940, von Marschewski, Adolf, geb. 21.05.1873.

 

Allenstein, Alte Jägerkaserne, Familien-Haus 1: Wrobel, Elisabeth, geb. im August 1934, von Tolksdorf, Franz, geb. 09.11.1903.

 

Allenstein, Gerdauer Str. 9: Wojdowski, Heinz, geb. 24.02.1938, von Wojdowski, Anton, geb. 20.04.1907.

 

Allenstein, ehemalige Straße der SA 10: Oßmann, Oswald, geb. 1938, und Oßmann, Manfred, geb. 1939, von ihrer Mutter: Oßmann, Eva, geborene Knothe, geb. 12.07.1915.

 

Alt-Krieven, Kreis Lyck: Mostolta, Ursel, geb. 06.03.1942, von Fischer, Gerda, geborene Schmidt, geb. 28.09.1903. Das Kind war im Juli/August im Waisenhaus in Preußisch-Eylau.

 

Altweide, Kreis Heydekrug: Ney, Helga, geb. 23.10.1943, von ihrem Vater: Ney, Franz, geb. 29.11.1885. Das Kind soll angeblich am 1. Mai 1947 in Juluvka (Litauen) gesehen worden sein.

 

Angerburg, Theatinerstraße 18: Rothenberger, Hannelore, geb. 04.03.1937, von Rothenberger, Willi, geb. 29.01.1914.

 

Annawalde, Kreis Gerdauen: Steckel, Hildegard, geb. 30.08.1937 in Klein-Potauern, von Steckel, Gustav, geb. 28.11.1903.

 

Antleiten, Kr. Heydekrug: Publick, Charlotte, geb. 06.07.1935 von Saulus, Adelheid, geborene Publick, geb. 04.06.1923. Charlotte Pupblick befand sich im Oktober 1944 im Krankenhaus in Schloßberg.

 

Babrosten, Kreis Johannisburg: Czwikla, Christel, geb. 24.12.1938, von ihrem Bruder: Czwikla, Ewald, geb. 13.11.1927.

 

Balzen, Kreis Osterode: Schimanski, Rosalinde, geb. 08.05.1935 in Saßendorf, und Schimanski, Edith, geb. 22.05.1939 in Balzen, von Schimanski, Leo, geb. 11.10.1888.

 

Balzhöfen. Kreis Lötzen: Prange, Ingrid, geb. 31.12.1936, von ihrer Mutter: Prange, Johanna, geborene Mauschik, geb. 29.03.1912. Ingrid Prange befand sich am 05.05.1945 in Tschechtitz (CSR).

 

Bardau, Kreis Samland: Suhr, Martin, geb. 1939 in Groß-Hubnicken, von seiner Schwester: Suhr, Irmgard, geb. 14.12.1935. Das Kind befand sich im Dezember 1944 in Palmnicken, Kreis Samland, bei den Großeltern.

 

Kolbnicken, Kr. Samland: Steinau, Ruth, geb. im August 1933 in Seepothen, von Ewert, Minna, geborene Kließmann, geb. 13.03.1892.

 

Kreuzweg, Kreis Labiau: Toblek, Hannelore, geb. 18.01.1934, von Toblek, Frieda, geb. 21.01.1915.

 

Lichtenhagen, Kreis Samland, Dorfstraße: Wermke, Gerda, geb. 02.02.1934, von ihrem Vater: Wermke, Ernst, geb. 27.04.1904.

 

Lissau, Kreis Lyck: Druba, Grita, geb. 07.05.1941, von ihrer Mutter: Druba, Helene, geb. 07.04.1913. Das Kind befand sich zuletzt in Pibrans, Bezirk Tabor (CSR), im Lager, Hotel Barrandow. Eine Frau Hildegard Kuke, aus Hamburg, die das Lager leitete, sowie eine Frau Pauline Sieg, aus Lissau, Kreis Lyck, die sich ebenfalls in Pibrans aufhielt, könnten eventuell nähere Auskunft geben.

 

Lötzen, Neuendorfer Str. 71: Sadowski, Ruth, geb. 13.02.1934, von Kretschmer, Hugo, geb. 19.12.1887.

 

Mehlsack, Kreis Braunsberg, ehemalige Straße der SA, Hotel Kohlhaas: Die Geschwister Szollmann, Franz-Albert, geb. 15.11.1933, Maria-Elisabeth, geb. 04.06.1936, und Werner-Antonius, geb. 30.01.1942, von ihrer Tante: Haustein Maria, geborene Bader, geb. 23.12.1921.

 

 

Mischpettern, Kreis Tilsit - Ragnit: Schmidt, Edith, geb. im Juni 1933, und Schmidt, Kurt, geb. im Juni 1935, von Krebs, Emma, geborene Petrat, geb. 21.10.1906.

 

Mittenheide, Kreis Johannisburg: Rzadtki, Käthe, geb. etwa 1933, von Paga, Emmi, geborene Jonseck, geb. 14.04.1893.

 

Preußisch-Holland, Apothekerstraße 18: Maruhn, Gisela, geb. 13.04.1938, und Maruhn, Marianne, geb. 27.01.1940, von ihrer Großmutter: Lindenstrauß, Grete, geborene Schulz. Die Kinder sollen ins Waisenhaus Mohrungen gekommen sein, in dem zu der Zeit ein Frl. Uspelkat gearbeitet haben soll.

 

Spitteis, Kreis Preußisch-Holland: Schmidt, Georg, geb. 13.09.1938, von seinem Großvater: Schmidt, Karl, geb. 10.09.1878.

 

Wormditt, Gustav-Adolf-Straße: Petza, Frank Jürgen, geb. 15.09.1944, von seiner Großmutter: Petza, Hedwig. Frank Jürgen Petza hat in Begleitung seiner Mutter Margarethe Petza und seiner Tante Hedwig Kreidner im Februar 1945 Wormditt verlassen, um zum Flughafen Heiligenbeil zu gelangen.

 

Andreastal, Kreis Angerburg: Pietrzeniuk, Brunhilde, geb. 21.01.1940, von ihrem Vater: Pietrzeniuk, Hermann, geb. 04.10.1910.

 

Arnau, Kreis Samland: Wels, Christel, geb. 1934, von ihrer Tante: Nehring Marta, geborene Giese, geb. 02.02.1908.

 

Arys, Kreis Johannisburg, Siedlung: Strojeck, Walter, geb. 02.07.1933 in Rogonnen, von Guth, Gertrud, geborene Wittkowski, geb. 26.08.1906.

 

Barten, Kreis Mohrungen: Mohr, Christa, geb. 25.12.1938, und Mohr, Erika, geb. 07.05.1940, von Krüger, Auguste, geborene Mohr, geb. 12.08.1913.

 

Fritzen, Kreis Samland: die Geschwister Nitsch, Gisela, geb. 23.06.1935, Manfred, geb. 09.04.1939, und Hannelore, geb. 22.05.1941, von ihrer Großmutter: Nitsch, Frieda.

 

Groß-Heidekrug, Kreis Samland: die Geschwister Arndt, Sigrid, geb. 22.08.1935, Christa, geb. im Sept. 1938, Karl-Heinz, geb. etwa 1940, und Renate, geb. etwa 1943, von ihrem Vater: Arndt, Willi, geb. 18.09.1912.

Weitere Namen folgen in der nächsten Ausgabe.

 

Seite 13  Zwei Geschwister fanden sich

Das Deutsche Rote Kreuz, Suchdienst Hamburg, Abt. Kindersuchdienst, schrieb am 15. Juni 1953 an die „Ostpreußen-Warte":

„Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass auf Grund Ihrer Veröffentlichung bereits ein erster Erfolg zu verzeichnen ist. Zwei Geschwister aus Ostpreußen haben sich dadurch gefunden. Auch heute erhielten wir wieder eine Zuschrift, die vermutlich zum Erfolg führen wird."

Durch unsere Veröffentlichung erhielt Herr Erwin Polligkeit, Nürnberg, Adam-Kraft-Straße, endlich die Anschrift seiner vermissten Schwester Waltraud Polligkeit, geb. 30.08.1929 in Königsberg, die jetzt in Wildau, Kreis Teltow, wohnt

 

Seite 13   Gesucht werden Angehörige

Ostpreußen: die Angehörigen der Fröse Grete, geb. 1922. 

 

Rastenburg: die Angehörigen der Liedke, Lieselotte, geb. etwa 1930.

 

Rastenburg: die Angehörigen des Schulz, Karl, geb. etwa 1893/1895. War von Beruf Schlossermeister.

 

Sensburg: die Angehörigen des Herrn Czechla, geb. 1875. War von Beruf Bauer.

 

Sensburg: die Angehörigen der Lasse, Irmgard. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Königsberg-Schönfließ: die Angehörigen des Enlert, Bernhard. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.  

 

Taabern, Kreis Mohrungen: die Angehörigen des Börger, Max, geb. etwa 1928.

 

Wormditt, Kreis Braunsberg: die Angehörigen der Schröter, Berta. Weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Kreis Osterode: die Angehörigen eines Moskwa, Wilhelm, geb. etwa 1890, von Beruf Landwirt.

 

Rastenburg, Ritterstraße: die Angehörigen einer Frau Vogel, geb. etwa 1906 in Schwarzenstein, Fleischermeistersfrau

 

Rauschen (Samland): die Angehörigen eines Herrn Neumann, geb. etwa 1875.

 

Rosengarth, Kr. Heilsberg: die Angehörigen eines Tiedmann oder Liedmann, Benno, Bauernsohn.

 

Schwalgendorf über Saalfeld oder Skulten Kreis Mohrungen: die Angehörigen einer Weinert, Irene, geb. etwa 1922, Bauerntochter.

 

Tafelbude, Kr. Osterode: die Angehörigen einer Ludwig, Christel und deren Schwester, Christel Ludwig war von Beruf Köchin, weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Tilsit: die Angehörigen eines Kirsch, Paul, geb. etwa 1929. Bauernsohn.

 

Wiese, Kreis Mohrungen: die Angehörigen einer Wiganovski, Frieda, geb. Kammrau, geb. 12.07.1914, ein Sohn. Ihr Ehemann war vermisst.

 

Wormditt, Kreis Braunsberg: die Angehörigen einer Lehmann, Maria, geb. etwa 1923, von Beruf Verkäuferin in einer Bäckerei.

 

Ostpreußen: die Angehörigen eines Preuß, Gustav, geb. etwa 1903.

 

Ostpreußen: die Angehörigen einer Maria Rekowski. Eine Angehörige, Ida Rekowski, soll in Hirschberg wohnhaft gewesen sein.

 

Ostpreußen: die Angehörigen einer Emmi Wittin, geb. etwa 1920, von Beruf Kindergärtnerin.

 

Marienwerder: die Angehörigen der Frau Schicht, geb. etwa 1909, verh., vier Kinder, sie war Bäuerin.

 

Pietzkendorf, Kreis Großes Werder: die Angehörigen der Frau Faßt oder Paßt (unleserlich), geb. etwa 1904, verh., sie hatte drei Kinder mit Namen: Erna, Irma und Bruno.

 

Königsberg: die Angehörigen der Elfriede Witt, geb. etwa 1916, verh., von Beruf Friseuse.

 

Memel: die Angehörigen der Blieschke, Erika, geb. etwa 1925, von Beruf Schneiderin.

 

Plienkeim, Kreis Rastenburg: die Angehörigen der Breihmer, Lisbeth, geb. etwa 1920.

 

Rastenburg, Seddings Garten: die Angehörigen der Wischnewski, Waltraud; weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Taberbrück, Kreis Osterode: die Angehörigen der Diehl, Erna, geb. etwa 1925, und deren Schwester; Personalangaben liegen nicht vor.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Bach, Otto, geh. etwa 1929, und seines Vaters Fritz Bach.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Herrn oder der Frau Ditjurkies, geb. etwa 1900.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Döhring, Paul, geb. etwa 1922, er hatte Bekannte in Hamburg.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Eisenmenger, Fritz, geb. etwa 1900, von Beruf Post- oder Telegrafenarbeiter.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Endrulat, Heinz, geb. 1919.

 

Ostpreußen: vermutlich Gegend von Allenstein: die Angehörigen des Fräulein Konig, geb. etwa 1920. Der Vater und mehrere Geschwister sollen ebenfalls verschleppt worden sein.

 

Ostpreußen: die Angehörigen des Lucka, Eduard, geb. etwa 1911.

 

Kreis Heilsberg: die Angehörigen einer Brosowski, Maria, geb. etwa 1921, sie war Leiterin einer Landwirtschaftsschule.

 

Heilsberg, Siedlung Bartensteiner Straße: die Angehörigen eines Wölki, Alfred, geb. etwa 1929, kaufmännischer Lehrling.

 

Klogehnen bei Liebstadt, Kr. Mohrungen: Die Angehörigen eines Fräulein Werner, geb. etwa 1895.

 

Königsberg: die Angehörigen eines Herrn Block, geb. etwa 1905, von Beruf technischer Telegrapheninspektor.

 

Königsberg-Charlottenburg, vermutlich Haynstr.: die Angehörigen einer Klein, Anita, geb. etwa 1923, verheiratet.  

 

Königsberg: die Angehörigen einer Krieger, Anna, geb. etwa 1922.

 

Königsberg: die Angehörigen eines Pfeiffer, August, geb. 1885/1900, von Beruf Straßenbahnschaffner.

 

Königsberg: die Angehörigen eines Wohlgemut, Fritz, geb. etwa 1901, von Beruf Maschinenmeister.

 

Königsberg: die Angehörigen eines Herrn Unger. Er war bei den Adler-Werken in Königsberg als Leiter der Schreibmaschinen-Abteilung angestellt.

 

Königsberg: die Angehörigen eines Veit, Friedrich, geb. etwa 1880, von Beruf Straßenbahnarbeiter.

 

Königsberg, Artilleriestraße 3: die Angehörigen einer Wisber, Gertrud, geb. etwa 1900, und deren Tochter Frau oder Fräulein John.

 

Koken, Kr. Pr.-Holland: die Angehörigen einer Frau Richter, verh., weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Osterode: die Angehörigen einer Weinert, Gertraut, geb. etwa 1928.

 

Allenstein: die Angehörigen des stellvertretenden Redakteurs der Allensteiner Zeitung, Name vermutlich Winkler, Rudolf. Seine Ehefrau und sein Sohn wurden mit ihm zusammen verschleppt.

 

Kreis Allenstein, vermutlich Groß-Purden: die Angehörigen einer Frau unbekannten Namens. Sie war eine geborene Rogatti, Vorname vermutlich Hedwig, geb. etwa 1919. Ihr Vater hieß Franz Rogatti und war Landwirt.

 

Alt-Wartenburg, Kr. Allenstein: die Angehörigen eines Herrn Woywod, geb. etwa 1860.

 

Bladiau, Kr. Heiligenbeil: die Angehörigen eines Schulz, Willy, geb. 1900/06, von Beruf Kaufmann.

 

Heilsberg: die Angehörigen eines Herrn Brock, Vorname vermutlich Heinz, geb. etwa 1921, von Beruf Angestellter. Er soll mit Frl. Margarete Marienfeld verlobt gewesen sein. Sie wurden zusammen verschleppt.

 

Allenstein: die Angehörigen der Demuth, Hildegard, geb. etwa 1926, von Beruf Kindergärtnerin.

 

Allenstein: die Angehörigen der Ney, Lene, geb. etwa 1927.

 

Braunsberg, Ludendorffstr. 18, Priesterseminar: die Angehörigen des Kaplan Altmann, geb. etwa 1907.

 

Kreis Elchniederung: die Angehörigen der Schulz, Christel, geb. etwa 1928.

 

Heiligenbeil: die Angehörigen der Ebeler, Frieda, geb. etwa 1916.

 

Heilsberg: die Angehörigen der Jägert, Frieda, geb. etwa 1922.

 

Herrndorf über Mühlhausen, Kreis Pr.-Holland: die Angehörigen des Herrn Engling; weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Horstenau. Kreis Insterburg: die Angehörigen der Eckert, Frieda, geborene Podel, geb. etwa 1895, von Beruf Bäuerin.

 

Kreis Insterburg: die Angehörigen der Seger, Hannelore, geb. etwa 1928, Studentin.

 

Elbing, Kolonie: die Angehörigen der Erdmann, Maria, geb. 1920/25.

 

Elbing, ehemalige Horst-Wessel-Straße: die Angehörigen der Scharein Gertrud, geb. etwa 1929, kaufmännischer Lehrling.

 

Elbing: die Angehörigen der Schiek, Anna, geb. Janosch, geb. etwa 1900.

 

Elbing, Wunderberg oder Rosenstraße; die Angehörigen der Schroeter, Gerda, weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Kreis Allenstein: die Angehörigen der Frau Ehrlach, geb. etwa 1904, Bäuerin.

 

Bartenstein: die Angehörigen des Langanke, Oskar, geb. etwa 1929, Bauernsohn.

 

Insterburg: die Angehörigen der Stußnat, Ingrid, geboren etwa 1920.

 

Königsberg: die Angehörigen des Herrn Böhm, Vorname vermutlich August oder Hermann, geb. etwa 1896, von Beruf Lademeister bei d. Reichsbahn.

 

Königsberg: die Angehörigen der Dörfler, Johanna, geb. etwa 1900, verh., Angehörige sollen in Berlin wohnen.

 

Königsberg, Schnürlingstraße: die Angehörigen des Specht, Johannes, geb. etwa 1895, Rufname Jascha", von Beruf Kirchenmaler. Seine Ehefrau hieß Luise, geborene Dreher. Er besaß eine Tochter, Erika mit Namen, und einen Sohn Johannes.

 

Königsberg, Nachtigallensteig 16: die Angehörigen des Schimkoweit, Paul, geb. etwa 1896, Angestellter der Stadtverwaltung.

 

Pogegen, Kreis Tilsit-Ragnit: die Angehörigen des Schäfer, Christian, geb. etwa 1915.

 

Pülz, Kreis Rastenburg: die Angehörigen der Prill, Christel, geb. etwa 1928, Bauerntochter.

 

Schönfeld, Kreis Pr.-Holland: die Angehörigen des Borsowski, Heinz, geb. etwa 1931, von Beruf Landarbeiter. Seine Mutter starb 1946. Die Großeltern sollen in Neuendorf-Höhe, Kreis Elbing, gewohnt haben.

 

Kl.-Wartenburg, Kr. Allenstein: die Angehörigen der Fromm, Erna, geb. etwa 1922.

 

Königsberg: die Angehörigen der Deppner, Luise, geb. etwa 1904, verh., ihr Ehemann hieß Artur Deppner.

 

Königsberg I, Rundteil Nr. 3: die Angehörigen des Diester, Rudolf, geb. etwa 1875, und seiner Ehefrau Diester, Luise.

 

Königsberg: die Angehörigen der Donner, Käthe, geb. etwa 1912, verh.

 

Königsberg: die Angehörigen der Draeger, Christel, weitere Personalangaben liegen nicht vor.

 

Königsberg, Tragheimer Küchenstraße: die Angehörigen des Herrn Jendritzik, von Beruf Kaufmann

 

Königsberg: die Angehörigen der Margies, Lena, geb. etwa 1925, Angestellte.

 

Königsberg: die Angehörigen des Herrn Schmidt, geb. etwa 1890, von Beruf Werkmeister bei der Reichsbahn.

 

Königsberg-Kalthof: die Angehörigen der Schwe?sling (nicht lesbar, daher ?) Ida, geb. 1897?, und ihres Ehemannes, ??? ?chw. war Angestellte bei der Auslandsbriefprüfstelle; zwei Töchter, eine verh., die andere war bei der Luftwaffe

 

Seite 14   Trakehnen. Hochburg deutscher Pferdezucht.

Foto: Das Schloss Trakehnen

Foto: Zweijährige Hengste in Neu-Budopönen

„Trakehnen" — wer sieht nicht allein beim Klang dieses Wortes im Geiste die stattlichen Leiber jener edlen Pferde vor sich, die weit über die heimischen Grenzen hinaus in aller Welt bekannt wurden?! Fernab jedes Stadtlärmes, fernab jeder Unrast und Hetze des Geschäftslebens liegt ihre Heimat in der weiten Einsamkeit von Wiesen, Weiden und Äckern in der fruchtbaren Ebene einer Grundmoräne. „Hier, im Osten des Reiches, sind die vielen Gestüte, und Trakehnen ist das vornehmste. Aber nicht die Menschen haben den Pferden diese Scholle geweiht — wenn sie auch Ställe bauten und Weiden einfriedeten —, die Natur selbst hat ihren Geschöpfen das Land als Heiligtum geschenkt, und die Pferde haben es sich als ihnen geweihten Bezirk erobert. Das Pferd ist das Zeichen des Landes, ist das markanteste, das zeugnishafte Lebewesen der Scholle." (Binding)

 

Groß und fast undurchdringlich waren die Wälder, die sich um die Zeitwende östlich der Weichsel, unserem heutigen Ostpreußen, erstreckten. Neben Wolf und Bär beherbergten sie bis Ende des 15. Jahrhunderts auch zahlreiche Wildpferde — struppige, kleine, aber äußerst zähe und ausdauernde Tiere von fahler bis hellgrauer Farbe, die höchstwahrscheinlich tartarischen Ursprungs waren. Nur schwer ließen sich diese schnellen, wendigen Gesellen in der Wildbahn jagen und noch seltener gelang es, einen davon einzufangen und dann in mühevoller Arbeit zu zähmen. Ihre große Leistungsfähigkeit und vielseitige Verwendbarkeit machten sie sehr erstrebenswert. So begann man im Laufe der Zeit mit der Zucht dieser Pferde, und aus einem Bericht, der aus dem achten Jahrhundert nach Christus stammt, erfahren wir, dass sich die dortigen Bewohner gut darauf verstanden und mit großer Liebe an ihren Schützlingen hingen.

 

Als die Ordensritter im 13. Jahrhundert diese Gebiete eroberten, brachten sie nicht nur schwere Pferdeschläge, die vornehmlich aus Dänemark, Holland und Thüringen stammten, in den Osten, sondern sie lernten auch die hohe Qualität dieser leichten eingeborenen Tiere schätzen und nahmen sich ihrer Zucht und Pflege an. Wegen ihrer Schnelligkeit und Ausdauer konnten sie diese Pferde gut für Botenritte und für die Leichte Kavallerie, die Turkopoliere, gebrauchen; auch waren sie für Feldarbeit bestens geeignet. So züchtete der Deutsche Orden beide Arten, die schweren Ritterpferde und die leichten eingeborenen Schweiken, letztere jedoch in besonderen Ackergestüten getrennt von den Ritterpferden.

 

Um 1400 herum, der Blütezeit des Ordens, besaß er etwa 60 Gestüte, von denen die bedeutendsten waren: im Samland, Lochstedt, Insterburg und Tapiau; im Königsberger Gebiet Heiligenfelde (später Grünhof), Caporn und Gallgarben. Abgesehen von den Pferden in den Ställen der Komture und Vorwerke, die bei zahlreichen Ordenshäusern lagen, beläuft sich die Zahl der Zuchtpferde in den Konventställen auf etwa 2000 Stück, vor allem waren es jedoch schwere Ritterpferde. Privatgestüte gab es damals eigentlich nur wenige; bekannt waren das Gestüt von Schreitlauken und das von Georgenburg, das dem samländischen Bischof gehörte. Hier standen ausgesprochen edle Hengste. Eine eigentliche bäuerliche Landespferdezucht scheint es damals jedoch noch nicht gegeben zu haben.

 

Die Anfänge von Trakehnen

Unwillkürlich taucht hier die Frage auf, wie war es denn damals mit Trakehnen? Dieses bestand zu der Zeit noch nicht. Der Name taucht zum ersten Mal zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf; er besagt, dass dieser Ort auf einer Waldlichtung angelegt wurde. Bis dahin war diese Gegend meilenweite Wildnis, zum großen Teil von Sümpfen durchzogen. Als der Deutsche Ritterorden durch den zweiten Thorner Frieden (1466) die Gebiete an der Weichselmündung mit der Stadt Danzig und ebenso das Land zwischen der Memel und der Düna an Polen abtreten musste und der Rest, das eigentliche Ostpreußen, polnisches Lehen wurde, war man gezwungen, alle noch vorhandenen Hilfsquellen des Landes weitgehend auszunutzen. So schickte man unter anderem Werber in die Nachbarländer und bot den Einwanderern Land von der bis dahin ungenutzten Wildnis als Eigentum an, wozu auch die Trakehner Gegend gehörte. Eine planvolle Urbarmachung setzte aber erst am Anfang des 18. Jahrhunderts unter Friedrich Wilhelm I. ein.

 

Mit dem hinschwindenden Ritterstand erübrigte sich die besondere Züchtung des schweren Pferdes, das einen gepanzerten Reiter zu tragen vermochte, und es trat eine Mischung zwischen beiden Arten ein, dem Ritterpferd und dem Schweiken. Hierauf gründet sich der ursprüngliche Stamm des Trakehnerpferdes. Inzwischen hatte sich der Großgrundbesitz auch der Pferdezucht angenommen. Besonders taten sich hierbei hervor der Graf zu Dohna-Herrendorf, die Grafen Dohna-Schlobitten, die Grafen Döhnhoff, die Grafen von Kalnein und von der Gröben, der Graf Lehndorff und Herr von Eulenburg. – Als aber im Jahre 1656 die Tartaren in das Land einfielen, erhielt die aufblühende Pferdezucht Ostpreußens einen schweren Schlag. Die durchziehenden Truppen ließen die Gelegenheit, kostenlos zu einem guten Pferd zu kommen, nicht ungenutzt vorübergehen. So wurden allein dem Grafen Dohna-Herrendorf 44 wertvolle Stuten geraubt; eine Zahl, die aufhorchen lässt, wie stark eigentlich die Pferdezucht zu dieser Zeit schon betrieben wurde. Fast vernichtend wirkte sich die Pest aus, die in den Jahren 1709 bis 1711 das Land heimsuchte und verheerend unter Mensch und Tier wütete. Sie Zwang zur Auflösung der Gestüte von Budupönen, Bratricken, Guddin, Insterburg, Ragnitl, Schreitlauken und Sperling. Als Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1713 die Regierung übernahm, bestanden an königlichen Stutereien nur die in Königsberg, Kobbelbude, Grünhof, Brandenburg, Balga und Pr. Holland.

 

Auf Anregung des Kurfürsten Leopold von Anhalt-Dessau beschloss Friedrich Wilhelm I., alle Stutereien Nordostpreußens zu einem großen Gestüt zusammenzufassen. Hierfür wählte er aber nicht ein Landgut in der dortigen Gegend aus, das im besten Zustand war und auch nicht die kultiviertesten Wiesen, Weiden und Äcker, sondern bestimmte zu diesem Zweck das bis dahin wenig ertragreiche, bruchige Gebiet zwischen Gumbinnen und Stallupönen, das von zahlreichen Armen der Pissa und Rodupp versumpft wurde. Um dieses Land zunächst einmal trockenzulegen und so eine Urbarmachung überhaupt zu ermöglichen, ließ er im Jahre 1726 mit einem Kostenaufwand von 5000 Talern den Pissakanal und einige Entwässerungsgräben ziehen. Für diese Arbeit wurden in weitem Maße Soldaten eingesetzt, ebenso für die Rodung und Urbarmachung des gewonnenen Landes. Dazu erwarb der König für 2000 Taler im selben Jahr den Krug Enzuhnen mit acht Hufen, den Krug Trakehnen mit sechs Hufen sowie Alt- und Klein-Gurdszen. Alsdann wurden eingezäunte Weiden angelegt, damit man die Pferde je nach Bedarf voneinander getrennt weiden lassen konnte. Als Gründungsurkunde, des Gestüts sieht man einen Erlass des Königs vom 11. Juli 1731 an, indem er die Zusammenlegung der nordostpreußischen Stutereien im „Königlichen Stutamt Trakehnen" anordnet. Im folgenden Jahr wurden dort sowie auf den Vorwerken Bajohrgallen, Jonasthal, Jodlauken, Guddin, Kalpakin, Gurdszen und Birkenwalde 1101 Pferde aufgestellt.

 

Friedrich II zeigte wenig Interesse

Das erste Zuchtmaterial des Trakehner Gestütes war sehr bunt zusammengewürfelt und nur von geringem Wert. Bis zum Jahre 1739 kamen 32 Hengste dorthin, von denen allein 19 völlig unbekannter Herkunft waren, der Rest setzte sich aus 5 Engländern, 5 Rosenburgern, 1 Berber, 1 Neapolitaner und einem Trakehner zusammen. Hierzu schenkte im Sommer 1742 Friedrich II. dem Gestüt, das er 1739 von seinem Vater erhalten hatte, 36 Beschäler, die er in Böhmen erbeutet hatte. Diese Tiere gehörten der neapolitanischen Rasse an und waren allesamt ziemlich minderwertig, so dass sie kaum benutzt wurden. Als wirklich gute Beschäler der ersten Jahre des Gestütes können bezeichnet werden: der persianische Schimmelhengst „Persianer", den der Kronprinz 1739 vom Herzog von Kurland geschenkt erhielt. Er wurde bis 1747 benutzt. Ferner der Blauscheck „Spinola", der ein Abkömmling des Persianers war und von 1764 bis 1780 als Beschäler diente, sowie der braune Hengst der englischen Wettläufer-Rasse „Pitt", der von 1764 bis 1771 benutzt wurde. Diese drei prachtvollen Hengste kann man als die Stammväter der edlen Trakehner Rasse ansehen.

 

Friedrich II. zeigte für Trakehnen kein großes Interesse. Seine Soldatenpferde holte er sich aus der Ukraine, der Walachei und der Moldau; für die eigenen Reittiere wählte er die englische Rasse und als Kutschpferde nahm er mecklenburgische und russische Pferde. Als er aber bei einem Versuch mit Trakehnern feststellen musste, dass diese für die Fahrt von Berlin nach Potsdam eine halbe Stunde weniger benötigten als alle bisherigen Gespanne und auch eine weit größere Ausdauer zeigten, begann sich seine Meinung langsam zu bessern. Jedoch betrachtete er auch weiterhin das Gestüt als eine willkommene Einnahmequelle; in Wirklichkeit hätte es aber der königlichen Unterstützung bedurft, zumal die Wirtschaftsgebäude stark verfallen waren. In den ersten Jahren musste das Gestüt jährlich 10 000 bis 12 000 Taler an die Privatschatulle des Königs entrichten und später sogar 16 000 bis 18000 Taler; um diese Summe aufbringen zu können, musste der Pferdebestand 1748 von 1256 auf 783 Stück verringert werden.

 

Den ersten Plan zur Errichtung eines Landgestütes fasste Domhardt. Probeweise verteilte er zehn Hengste zur Landbeschälung. Der Erfolg war durchschlagend. So erhielt ein Bauer aus Groß-Warningken für einen dreijährigen Hengst aus dieser Zucht 100 Taler während sich der gewöhnliche Preis auf 15 bis 20 Taler belief. Als Domhardt den König um die Gründung eines Landgestütes anhielt, antwortete ihm dieser:  „lch bin zu dieser neuen Anlage zu alt und will das meinem  Nachfolger überlassen." Jedoch erlaubte er, den bereits gestarteten Versuch im Kleinen weiterzuführen, woraufhin in den Jahren von 1780 bis 1737 zwanzig Hengste hierfür in Trakehnen gehalten wurden.

 

Das Trakehner Stutbuch wird angelegt

Als Friedrich II. im Jahre 1786 starb, wurde das Gestüt Staatseigentum, da er in seinem Nachlass nichts darüber verfügt hatte. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm II, zeigte großes Interesse für Trakehnen und hat seine schwere Arbeit sehr unterstützt. 1786 wurde auch das Trakehner Stutbuch angelegt mit dem Brandzeichen der nach links gerichteten, siebenendigen Elchschaufel,. Im selben Jahr übernahm Graf Lindenau die Leitung des Gestütes. Ihn kann man als den eigentlichen Schöpfer Trakehnens bezeichnen. Schon im Jahre darauf unternahm er eine gründliche Auslese des Pferdematerials. Sein Wahlspruch war: „Lauteres Gold an Beschälern ist uns nötig, sei es englisch, sei es orientalisches Vollblut, fort aber mit dem Ausschuss der Rennbahn." So musterte er von den 1090 Pferden 25 Hauptbeschäler und 144 Stuten sofort aus. Durch diese strenge Zuchtwahl erhielt man in den verschiedenen Stämmen eine mehr ausgeglichene Form. Auch brachte er eine größere Ordnung in den ganzen Betrieb hinein, der jetzt nicht nur Pferde für den königlichen Marstall zog, sondern auch Beschäler für die inzwischen gebildeten Landgestüte. In Trakehnen und Bajohrgallen  wurden die Stuten des Reitschlages aufgestellt, in Grudszen die Rappen, in Kalpakin die Braunen und in Guddin die Füchse des Wagenschlages; diese Anordnung blieb im Wesentlichen bis zur Auflösung des Gestütes im Herbst 1944 bestehen.

 

Als im Jahre 1806 der Krieg auch Ostpreußen erfasste, wurden die Zuchtpferde im Dezember in größter Eile und bei strengem Frost nach Russland in Sicherheit gebracht. Erhebliche Verluste traten bei dieser übereilten Flucht ein. Auf den Gütern des Fürsten Suboff blieben die Tiere bis nach dem Friedensschluss im folgenden Jahr. Aber schon bald trat eine weitere Krise für das Gestüt ein, als die Franzosen im Jahr 1812 ihren Rückzug aus Russland nahmen. Jetzt führte man zunächst die Pferde nach Treptow und dann nach Schlesien, von wo man sie im nächsten Jahr wieder zurücktransportierte.

 

Nach dieser unruhevollen Zeit, die dem Gestüt erheblichen Schaden zugefügt hatte, wurde 1814 die Leitung dem Landstallmeister von Burgsdorff übertragen Er war ein Mann von großer Fähigkeit, der in der Ausführung seiner Ziele einen unbeugsamen Willen zeigte, ohne dabei jedoch unbesonnen starrköpfig zu sein. Sein Grundsatz war, nicht nur Tiere zur Zucht zu benutzen, die frei von Erbfehlern waren sondern deren äußere Erscheinung sich ebenfalls makellos zeigte. Ihm folgten zwei Landstallmeister, die wenig Können bewiesen und deren ganze Arbeit von destruktiver Art war, glücklicherweise blieb ihnen hierfür jedoch nicht viel Zeit. Ihr Wirken beschränkte sich auf wenige Jahre. Eine wahre Blütezeit erlebte das Gestüt unter der sachkundigen Leistung des Landstallmeisters von Oettingen, der von 1895 bis 1912 dort wirkte. Er richtete sein Augenmerk nicht allein auf die Pferdezucht, sondern auch auf das äußere Gesicht des Gestütes.

 

Im September 1890 veranstaltete Herr von Oettingen aus eigener Initiative eine Prüfung für Hengste; er nannte sie „Provinzial-Rennen für vierjährige und ältere Landbeschäler". Sie wurde seitdem alljährlich abgehalten. Von 1892 teilte man die Prüfung in folgende drei Kategorien: a) für Landbeschäler, die im Hauptgestüt gezogen waren; b) für solche, die aus Privatzucht stammten und c) für Hengste, die bereits in a und b gesiegt hatten zwecks Ermittlung des Hauptsiegers. Das bekannte Trakehner Querfeldein-Rennen führte der Landstallmeister Graf Sponeck ein, der der Nachfolger des von Oettingen wurde.

 

Bei dem Einfall der Russen in Ostpreußen während des ersten Weltkrieges wurde Trakehnen vollständig geräumt. Schon bei der Mobilmachung brachte man die 600 wertvollsten Tiere aus Sicherheitsgründen in Extrazügen zu den Gestüten nach Zschakau bei Torgau und nach Neustadt an der Dosse, von hier wurden sie aus Raummangel teilweise auf Privatgehöfte untergestellt. Mit dem Rest des Gestütes — 462 Gestüt- und 260 Ackerpferden — ging man am 18. August 1914 auf die Flucht. Nachdem bereits im September ein Teil wieder zurückkehren konnte, musste man im November nochmals das Gestüt verlassen. Erst nach dem deutschen Sieg in der Winterschiacht von 1915 wurde Trakehnen wieder endgültig bezogen. Durch die zum Teil erheblichen Zerstörungen an den Wirtschaftsgebäuden war es jedoch nicht möglich, gleich alle Pferde dort wieder unterzubringen. Die letzten holte man erst im November 1919 dorthin. Die angerichteten Kriegsschäden waren im Wesentlichen nur materieller Art. Es waren 83 Gebäude zerstört und die zurückgelassenen Ackergeräte, Wagen und Geschirre von den Russen als Beute mitgenommen worden.

 

Der Zusammenbruch Deutschlands am Ende des ersten Weltkrieges warf seine Schatten auch über Trakehnen. Durch die gebotene Einschränkung des Heeres ging ein großes Pferdeabsatzgebiet verloren. Trakehnen hatte prozentual der Armee die meisten Pferde geliefert. Von verschiedenen berufenen Seiten wurde jetzt ernstlich in Erwägung gezogen, das Gestüt aufzulösen; man sah in ihm nur noch eine Einrichtung, um die Reitpassion einiger Reichen zu befriedigen und darüber hinaus die Begeisterung für das Heerwesen aufrechtzuerhalten. Nur mit großer Mühe gelang es den ostpreußischen Pferdefreunden und Fachleuten, dieses Schicksal von dem Gestüt abzuwenden, nur das Vorwerk Gudwallen musste dieses Gesichtspunktes wegen aufgelöst werden. — Das Hauptabsatzgebiet der Pferde wurde jetzt die Landwirtschaft. Das bedeutete eine Umstellung in der Zuchtrichtung; hatte man bisher nach einem ausgesprochen guten Reitpferd verlangt, so wünschte man nun vor allem ein leistungsfähiges Zugtier und verlangte eine Verstärkung des ostpreußischen Warmblutes. Das Pferd sollte kräftiger werden, hart in der Konstitution, gängig und zuverlässig im Temperament. Diese Eigenschaften anzuzüchten, wurde die Hauptaufgabe des Oberstallmeisters Graf v. Lehndorff, der dem Gestüt von 1922 bis 1931 vorstand. Diese neue Zuchtrichtung verfolgte man bis zuletzt. Das heißt die eigentliche Aufgabe Trakehnens lag nicht darin, gute Pferde schlechthin zu züchten, sondern erstklassige Zuchtpferde für die anderen Landgestüte sollten dort gezogen werden. So wurden in jedem Frühjahr scharfe Musterungen durchgeführt, und nur die besten Tiere wurden zur Zucht zugelassen; die anderen wurden als Dreijährige im Laufe des Sommers bei Geländeritten und Reitjagden gestählt, leistungsfähig gemacht und dann in öffentlichen Auktionen verkauft.

 

Verhältnismäßig schnell erholte sich das Gestüt von den Kriegs- und Nachkriegsauswirkungen und Jahre des Glanzes folgten. Was für eine Krone war es, als die Trakehner 1936 bei der Olympiade in Berlin bewiesen, dass sie sich mit allen Pferden der Welt messen konnten. Bald aber brach der zweite Weltkrieg herein und mit ihm das Schicksal über dieses herrliche Gestüt, das mit seinen dreizehn Vorwerken ein Gebiet von 25 000 Morgen umfasste. Noch im August 1944 standen dort 1200 Pferde, darunter 370 erstklassige Mutterstuten und 17 Hauptbeschäler, Obwohl die russischen Truppen kaum noch 25 km von dem Gestüt entfernt lagen, durfte es auf Anordnung von Gauleiter Koch, dem damaligen Reichsverteidigungskommissar, nicht geräumt werden. Aus eigenem Entschluss ließ Dr. Ehlert, der seit 1931 dort Landstallmeister war, bei einem Viehtransport Anfang Oktober 120| Mutterstuten und 17 Hauptbeschäler mitverladen und zu den Gestüten Graditz bei Torgau und Neustadt an der Dosse bringen.

 

Am Morgen des 16. Oktober 1944 setzte die russische Herbstoffensive ein und noch immer wurde die Räumung untersagt. Erst am folgenden Tag erhält das Gestüt den Evakuierungsbefehl. Innerhalb von drei Stunden sollte es mit allen Menschen, Pferden — etwa 800 Gestüts- und 400 Ackerpferden — sowie sämtlichem beweglichen toten Inventar verlassen werden. Die Ackerpferde spannte man vor Treckwagen, die mit der letzten Habe der Menschen beladen waren. Die 800 Gestütpferde wurden zu zehn Herden zusammengestellt, die von je drei Treibern bewacht wurden, mehr waren nicht vorhanden, da ein großer Teil der Gestütswärter kurz vorher zum Volkssturm einberufen worden war. Das Ziel war das Landgestüt Georgenburg, zu dem man auf Umwegen hinritt, da die Hauptstraßen nur dem Militär zur Verfügung standen. Da die Zeit drängte, war man gezwungen, diese Strecke von etwa 70 km ohne Pause im Trabe zurückzulegen, was in kaum 7 Stunden ohne einen einzigen Verlust geschafft wurde. Eine Leistung, die hohe Anerkennung verdient! Von Georgenburg floh man später weiter nach Pr. Eylau und Ende Januar 1945 nach Westdeutschland; jedoch wurde der größte Teil der Pferde unterwegs von der deutschen Wehrmacht requiriert.

 

Der völlige Zusammenbruch Deutschlands schien auch das Ende für die heimatlos gewordene Trakehner-Zucht heraufzubeschwören. Jedoch fanden sich immer wieder Freunde, die alles daransetzten, dieses zu vermeiden. Dank der hilfreichen Unterstützung der Niedersächsischen Regierung konnte man bestimmte Gruppen von Trakehner-Zuchtstuten in Hunnesrück (Kreis Einbeck) wieder gestütsmäßig zusammenfassen. Im Jahre darauf kamen die Zuchtstätten auf den Gütern Schmoel und Ranzau in Schleswig-Holstein dazu. Heute beläuft sich der Rest dieser weltberühmten Rasse in der Bundesrepublik auf etwa 800 Stuten und 50 Hengsten. Wie aber sieht die Heimat dieser edlen Pferde — Trakehnen — heute aus? Öde und verlassen liegen die Wiesen, Weiden und Äcker. Nur einige Morgen werden oberflächlich bebaut. Von den insgesamt 650 Gebäuden sind mehr als dreiviertel völlig zerstört, die weniger stark beschädigten hat man teilweise notdürftig ausgebessert. Pferde aber findet man keine. Vereinsamt ist ihr einstiges Paradies. Wird es immer so bleiben?

H. Rutkewitz

 

Seite 15   Familienanzeige

Joachim. Unser ostpreußischer Turnerjunge Reinhard hat ein Brüderchen bekommen (05.06.1953). In dankbarer Freude: Ella Gronen, geb. Hamisch. Helmut Gronen, Bäckermeister. Männer-Turn-Verein Lyck. Jetzt: Celle, Hugo-Weg 2 I

 

Seite 15   Suchanzeigen

Gesucht wird Arthur Romahn, geb. 15.03.1893 in Königsberg, letzte Wohng. Friedmannstraße 48, verh., zuletzt geseh. in Pillau 1945. Nachricht erb. seine Schwester Auguste Marienfeld, Landshut/Niederb., Innere Münchnerstraße 46 bei Nehrenheim.

 

Gesucht werden Albert Marczinkowski, geb. 19.05.1886, und seine Ehefrau Martha Marczinkowski, geb. 07.02.1889, beide zuletzt wohnh. in Guttstadt, Markt 1, von ihrem Sohn Norbert Marczinkowski, Heidelberg-Kirchheim, Oberdorfstr. 31.

 

Königsberger! Suche die Anschriften von Familie Kroewing, Alt. Garten 60, Frau Maria Gruffke und Tochter Ruth, Hindenburgstr. 41a, Frau Luise Hesse, Sehleiermacherstraße 52a, Frida Bormicke, Mischener Weg 11, vom Heeresbekleidungsamt Rotenstein. Porto wird in allen Fällen ersetzt. Nachricht erb. Frau Helena Platz, 17a Karlsruhe-Süd,Luisenstraße 54, I.

 

Wer kennt Christel Schmidttat, geb. ungefähr 1926, sie war beim Kriegshilfsdienst Königsberg als Straßenbahnschaffnerin. Nachr. erb. Eltern Mahruhn, 21a Hille 171, Kreis Minden (Westfalen). 

 

Wer weiß etwas über Anton Schwenzitzki aus Langwalde, Krs. Braunsberg, 54 Jahre alt, er wurde im März 1945 auf der Flucht in Pommern von den Russen verschleppt, und über Franz Schwenzitzki aus Steinkerswalde, Kreis Braunsberg, er wurde im Februar 1945 von den Russen mitgenommen. Nachr. erb. Frau Anna Schwenzfeier. Berlin-Reinickendorf, Schillingstraße 19.

 

Heimkehrer! Wer kennt den Ob.-Gefr. Erich Herrendörfer, geb. 28.03.1921, Groß-Bloskeim, Kreis Rastenburg, Feldpost-Nr. 28952 B, am 28.03.1944 in Lappland vermisst gemeldet, Gefr. Fritz Herrendörfer, geb. am 29.10.1925, Groß-Bloskeim, Krs. Rastenburg, Feldpost-Nr. 21571 E. Letzte Nachricht Januar 1945 aus Insterburg. Wer kann über das Schicksal der Gesuchten Auskunft geben? Um Nachr. bittet Hermann Herrendörfer, 20a Brelingen 70, Kr. Burgdorf-Hannover.

 

Suche meine Mutter, Frau Agnes Grunwald, geb. Lehrmann, geb. 17. Dezember 1890 in Bischofsburg (Kr. Rössel), sowie meine Schwester Irene Grunwald, geb. am 4. Februar 1925 in Königsberg. Beide zuletzt wohnhaft in Kbg.-Ponarth, Palwestraße 2. Nachricht erbittet Konrad Grunwald, 14a Ludwigsburg. Martin-Luther-Straße 80.

 

Kurt Maruhn, Obergefr., geb. 24.12.1921, aus Königsberg, Altroßgärtner Kirchenstraße 10 - 11, Feldpost-Nr. 23449, vermisst seit Ende Januar 1945 bei dem Dorfe Schwappen, 4 km hinter Schloßberg. Nachr. an H. Maruhn, Hille 171, Kreis Minden (Westfalen).

 

Gesucht werden: Wilfried Ziemer, geb. 03.12.1907, Studienassessor. Neidenburg, Soldauerstraße (zul. bei Wehrmacht, Reg.-Rat, Wetter-Warte Kolberg); Reinhold Braun, geb 31.12. (Jahr unbek.), Revierförster aus dem Kreise Tilsit-Ragnit; Paul Christeleit, geb. 06.12. (Jahr unbek.), Revierförster in Hasenheide, Kreis Neidenburg; Traugott Hartmann, geb. 20.01. (Jahr unbek.), Königsberg, Kurfürstendamm 7, Hans Kuhnert, geb. 05.01.1912, Justizassessor, Königsberg, Kastanienallee 24. Nachricht erb. Eva Jungnischke, Serka Nr. 5, Post Cannewitz üb. Wurzen, Krs. Grimma/Sachsen.

 

Wer kann Auskunft geben über den Verbleib meiner Mutter, Emma Hoechst geb. Danowsky, geb. 19.11.1872, aus Rössel/Ostpr. Nachr. erb. Irene Labenski, München 63, Graf Lehndorff-Straße 39.

 

Wer kann Auskunft geben über den Oberleutnant Egon Ganswindt, Landwirt aus Winrichsrode, Kreis Neidenburg? Letzte Feldpostnummer 31 817 A. Er ist seit Juni 1944 verschollen; letzter Einsatz wahrscheinlich im Raum von Witebsk/ Russland. Nachricht erb. Gertrud Behrendt, Bonn, Wiesenweg 20.

Litauenheimkehrer! Wer kam am 10.05.1951 mit Sammeltransport ,“Kaunas" nach Deutschland und traf am 14.05.1951 um 5 Uhr im Lager Wolfen bei Bitterfeld mit einer Edith Lange ein? Im Auftrage der G. P. U. waren ihr zwei Kinder (ein Junge 8 Jahre, ein Mädchen 10 Jahre) anvertraut. Am 06.07. oder 8. Juni 1951 kam Edith Lange (damals 15-jährig) mit beiden Kindern in ein Kinder- oder Mädchenheim. Wer kam mit ihr dorthin und wo? Zuschr. gegen Erstattung der Unk. an Herta Bartel, Bad Pyrmont, Humboldstraße 14.

 

Suche Frau Anna Podzieadlawskl, geb. Herbaum, geb. 13.03.1871, Wohnort bis zur Vertreibung Seebude, bei Rappatten, Krs. Osterode. Schwager Podzieadlawski wohnte in Gelsenkirchen. Wer kann Auskunft geben? Nachr. erb. Frau Frieda Teschner, geb. Wedig, 13b Holzen, Post Ebenhausen, Isartal.

 

Alle Zivilangestellten des ehem. Fliegerhorstes Seerappen b. Königsberg, vor allem diejenigen von der Fernsprechvermittlung, werden gebeten, sich zu melden bei Herta Kirstein, Westerland auf Sylt, Schützenstraße 7.

 

Lietz, Gerhard, geb. 19.09.1921 in Wallen, Kreis Ortelsburg, Heimatanschrift: Labiau, Schweizerweg 6, letzte Nachr. 18.01.1945 aus Tapiau; Lietz, Viktor, geb. 26.10.1923 in Wallen, Krs. Ortelsburg, wohnh. Labiau, Schweizerweg 6. SS-Rottenführer, Feldpost-Nr. 45054 (Panzer), letzte Nachricht 24.12.1944 (vermutl. Kurland); Lietz, Eberhard, geb. 27.01.1927, in Wallen, wohnhaft Labiau, Schweizerweg 6, Obervormann, RAD 6/13 Gr.-Stürlade (Ostpr.) letzte Nachr. Dez. 1944 aus dem Kreis Rastenburg, zuletzt auch unter Feldpost-Nr., die aber nicht mehr bekannt ist. Nachricht erb. die Schwester Ruth Badziong, geb. Lietz, 14b Wannweim, Kreis Reutlingen, Schnitzerin 1.

 

Suche meinen Sohn HansJürgen Poersch, geb. 07.02.1928 in Kreuzburg. Letzte Nachricht vom 27.02.1945 (Poststempel Pasewalk). Mein Sohn war Angehöriger des RAD Salpkeim, Feldpost-Nr. 64 504 B und befand sich in Danzig, von wo er am 27. Februar 1945 ins Reich verschifft wurde. Wer irgendeinen Hinweis über das Schicksal meines Sohnes geben kann, wird dringend um Nachricht gebeten an Frau Joh. Poersch, Dürmersheim. Baden, Werderstraße 37 I.

 

Norbert Braun, geb. 27.01.1928, verschleppt aus unserer Heimat Prußhöfen, Krs. Sensburg. Wer weiß etwas über das Schicksal meines Sohnes? Nachr. erb. Fam. Johann Braun, 23 Wellingholzhausen Nr. 24, Krs. Melle, Bezirk Osnabrück.

 

Wer kann Auskunft geben über das Schicksal meines Mannes Bäckermeister Emil Bartsch, geb. 04.11.1890 aus Schönwiese b. Landsberg, Kr. Pr.-Eylau. Wurde am 09.02.1945 von den Russen verschleppt. Nachricht erb. Frau Mathilde Bartsch, Olpe i. Westf., Eichendorffstraße 6.

 

Wer kann Auskunft geben über den Verbleib meiner Schwester Ursula Engelke, Ahlgarten, Kreis Elchniederung, geb. 12.05.1926. Sie wurde 1945 im März auf der Flucht bei Danzig von den Russen verschleppt. Um Nachr. bittet Frau Hanna Raßawitz, geb. Engelke, 22b Niederhosenbach, Krs. Birkenfeld, Rheinland-Pfalz.

 

Familie Artur Petrusch, Königsberg, Unterhaberberg 10 (Frau Bertha geb. Wind) sowie Anton Fuchs, s. Zt. Oberfeldwebel in Königsberg, werden gesucht von Alfred Casper, z. Zt. USA, früher Königsberg. Nachr. erb. an die Ostpreußen-Warte, Göttingen.

 

Suche meine Nichte! Jodat, 15 J. alt. Sie war bei ihren Pflegeeltern Familie Emil Hain, Gumbinnen. Salzburger Str. 4. Nachr. erb. Karl Jodat, 20 b Leinde 75, üb. Wolfenbüttel.

 

Gesucht werden Frau Maria Bonat, Gumbinnen, Grünstr. 25, geb. 18.04.1904, Erna Bonat geb. 31.12.1925 und Gerhard Bonat, geb. 09.08.1929, von Alfred Bonat, 16 Holzhausen-Aar, über Michelbach/Nassau.

 

Wer kann Auskunft geben über meine Frau Clara Naujeck, geb. Sprakties, geb. 15.06.1889 in Mehlauken, wohnhaft in Königsberg-Metgethen, Hindenburgweg 54. Sie wurde beim Einfall der Russen im Januar 1945 verschleppt. Nachr. erb. E. Naujeck, 24 Heikendorf üb. Kiel, Neuheikendorfer Weg 17.

 

Wer weiß etwas über Frau Ella Mai aus Königsberg-Rathshof? Frau Mai wohnte nach der Kapitulation mit meiner Frau Ida Kirche, in einem Keller in der Lawsker Allee 88. Dort ist meine Frau im Herbst 1947 verstorben. Wer weiß, wo die Papiere u. Sparkassenbücher meiner Frau geblieben sind? Frau Mai hat nach dem Tode meiner Frau meine Tochter Gisela (geb. 17.07.1940) zu sich genommen. Andere Frauen haben haben meine Tochter später mit einem Transport im März 1948 nach Deutschland mitgenommen. Seit dem 03.07.1948 ist Gisela bei mir. Frau Mai hatte meine Tochter in ihren Paß eintragen lassen. Nachr. erb. Ernst Kirche, Königsberg Ratshof, Kaporner Straße 21a, jetzt Wiesbaden-Bierstadt, Langgasse 49.

 

Gesucht werden: Oblt. Toni Hager, z. b. V. 573, Königsberg, Edith Hager, Königsberg, Wehrmachtsbeamtin, am 08./09.04.1945 zwischen Königsberg und Pillau mit einer Kameradin und dem Fahrer des Wagens in die Hände der Russen gefallen. Nachr. erb. Schwester Dora Hager, 13a Bayreuth, Meistersingerstraße 27.

 

Seite 16   Rittergut Siewken

Foto: Rhein: Partie am Rheinischen See. Aufn.: Wiemers

Foto: Siewken bei Kruglanken im Kreise Angerburg

Das ehemalige Rittergut Siewken liegt an der Südgrenze des Kreises Angerburg im Kirchspiel Kruglanken. Es wurde im Jahre 1542 mit 60 Huben dem verdienten Landeshauptmann zu Angerburg, Hans Pusch, zu Lehnsrechten verliehen. Der ursprüngliche Name war Kl. Sieben, der dann polonisiert wurde.

Aus Raummangel will ich auf die geschichtliche Entwicklung nicht näher eingehen, doch muss ich bemerken, dass August, der Sohn v. Goethes, im Jahre 1717 Ottilie v. Pogwitsch heiratete, deren Eltern von 1798 bis 1799 dort Gutsbesitzer waren. Von Pogwitsch besaß das Gut nur ein Jahr. Von 1783 bis zu seiner Parzellierung wechselten dort nicht weniger als 11 Eigentümer.

Seine herrliche Lage am grünen Wiesenrand, durchplätschert von einem munteren Flüßchen, gab ihm ein idyllisches Gepräge. Herrliche Linden- und Kastanienbäume säumten dort die Straßen, und Jasmin, Heckenrosen und in verschiedenen Farben blühender Flieder schmückten Hänge und Hecken. Westlich vom Orte, etwa 300 m entfernt, erhob sich der stolze Mischwald, der den Ort vor Weststürmen schützte. Kam der Frühling, ins Land gezogen, dann konnte es auch im Paradies nicht schöner sein.

Auf der Kreischaussee, die den Ort in nordsüdlicher Richtung durchquerte, zogen vom frühen Sommer bis in den späten Herbst hinein Truppen in Richtung Arys und zurück. Es kam nicht selten vor, dass wir Kinder, beim plötzlichen Losschmettern der Regimentsmusik unsern Lehrer allein in der Schule zurückließen. Und bei den Herbstmanövern, wenn wir Einquartierung bekamen, dann hielt es uns nicht länger in den Stuben.

Der letzte Besitzer, der sich in der Erbschaftsangelegenheit mit seinen drei Söhnen nicht einig werden konnte, lief in seiner Aufregung die Siedelungsgesellschaft herbei und bot ihr das Gut zum Kauf an. Diese überlegte nicht lange, zahlte ihm 1 400 000 DM auf den Tisch und das Gut war verkauft.

Er hatte im Affekt gehandelt und wollte das Geschehene wieder ungeschehen machen, aber es war zu spät, das Gut war verkauft und mit ihm auch die Heimat vieler Arbeiter. Da hub ein Trauern und Klagen an, nicht allein im Gutshause, sondern auch in den Insthäusern.

Langsam fanden sich hier fremde Siedler ein, Menschen, die unsere plattdeutsche Muttersprache nicht verstanden, und bezogen die leerstehenden Wohnungen.

Als ich nach vielen Jahren meinen Fuß wieder zur Heimat lenkte, war mir die Heimat fremd geworden. Auf dem Kreuzweg, von dem ich den ganzen Ort übersehen konnte, blieb ich stehen. Es war dieselbe Stelle, an der ich vor vielen Jahren von meinem Vater Abschied nahm, und er mir die letzten Worte zuflüsterte: „Lauf, lauf mein Sohn in Gottes Namen, wir sehen uns nicht wieder." Ja, er hat die Wahrheit gesprochen, denn er ruht irgendwo in der kalten Erde Sibiriens.

Hier stand ich und träumte von jener Zeit und von jener Heimat, die sich so verändert hatte. Wie war es hier doch zu dieser sommerlichen Jahreszeit so still? Kein vierspänniger Erntewagen klapperte im starken Trapp der Pferde das Steinpflaster entlang, und kein Schäfer trieb am frühen Morgen seine blökenden Herden auf die Weide hinaus und brachte sie am Abend wieder nach Hause. Nur der vierstöckige Speicher stand noch da mit seinem Glockenturm und erinnerte an vergangene Zeit. Die Glocke hing verrostet im Glockenstuhl und rief nicht mehr die Arbeiter am frühen Morgen zur Pflicht.

Einsam und fremd schritt ich die Straße entlang, um nach jenem alten Hause mit dem Storchennest zu sehen, das mein Elternhaus war. Es stand nicht mehr, nur Beifuß und Melde wuchs auf Fundamenten. Da wusste ich, dass ich keine Heimat mehr habe und weinte. Unerwartet sprach mich jemand an. Ich schaute mich um und erkannte Frau Spießhöfer, die mich mitnahm.

W. Bienenfeld

 

Seite 16   Freie Stadt Danzig de jure existent

New York. Nach einer Entscheidung des Oberprokurators des Staates New York sind die Danziger Bürger nicht in die Gültigkeit des Interimsabkommens einbegriffen, das zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten abgeschlossen wurde und nach dem der deutsch-amerikanische Freundschafts-, Handels- und Konsularvertrag von 1923 zwischen beiden Ländern wieder zur Anwendung gebracht wird. Nach der Entscheidung des Oberprokurators des Staates New York, die infolge eines Antrages eines polnischen Staatsangehörigen auf Erteilung einer Lizenz für den Verkauf von Spirituosen erging, können nämlich, wie es wörtlich heißt, Staatsgehörige Polens, Ungarns und Danzigs keine derartigen Konzessionen mehr erhalten, da die Verträge über die gleiche Behandlung der Staatsangehörigen am 01.01.1952 abgelaufen sind. Durch diese Entscheidung wird also ausdrücklich festgestellt, dass der Staat New York die Freie Stadt Danzig als de jure existent betrachtet.

 

Seite 16   Neue Pläne zur Polonisierung Ostpreußens

Berlin. In Allenstein fand eine Tagung einer „beratenden Wojewodschafts-Kommission" statt, auf der beschlossen wurde, die in Ostpreußen zurückgebliebene und zu „Autochthonen" erklärte deutsche Bevölkerung beschleunigt zu polonisieren. Dieser Bevölkerungsgruppe solle „das Gefühl für den polnischen Charakter des Ermlandes und Masurens" vermittelt werden. Außerdem gelte es, im Lande „die polnische Kultur weiterzuentwickeln". Anlass für diese Tagung waren die auf der Konferenz eingehend erörterten Berichte über das Bekenntnis der „Autochthonen" zum Deutschtum. Die Kommission bezeichnete dies als Folge einer angeblichen „Infiltrierung des Adenauer‘schen“ Revisionismus in  die Bevölkerungskreise Ermlands und Masuren. Im Rahmen der neuen Polonisierungsmaßnahmen soll vor allem auch die Presse verstärkt eingesetzt werden, so werden Warschauer Zeitungen besondere Beilagen für diese Gebiete herausbringen, die von „katholischen Intellektuellen" abgefasst werden sollen.

 

Seite 16   Mit Foto: Wer hat Maxkeim überlebt?

Wer ist mit meinem Mann, Lehrer Otto Jädtke, Groß-Kärthen, Kreis Bartenstein, zusammen gewesen? Er ist am 28.01.1945 mit Beinbruch ins Bartensteiner Krankenhaus eingeliefert worden. Vermutlich nach Einmarsch der Russen nach Maxkeim bei Bartenstein verlegt, dort sind viele an Typhus verstorben. Auskunft und Nachricht erbittet Frau Magda Jädtke, Hohnkirch-Westerholz, Krs, Schleswig.

 

Reich ist man nicht durch das, was man

Besitzt, sondern mehr noch durch das, was

Man mit Würde zu entbehren weiß, und

es könnte sein, dass die Menschheit reicher

wird, indem sie ärmer wird und gewinnt,

indem sie verliert.

Immanuel Kant, gestorben 1804

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